RE:Eunomios

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VI,1 (1907), Sp. 1131–1132
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Eunomios, Bischof von Kyzikos um 360. Geboren als Sohn eines kappadokischen Gutsbesitzers um 333, ging er über Antiochien um 356 nach Alexandrien und genoß dort den Unterricht des streng arianischen Aetius. Mit diesem, und bald mehr als er, zumal nach dessen Tode 367, ist er das Haupt der Meister der jede Vermittlungsformel ablehnenden, anomöischen Partei geworden. Er hatte die Gunst des Eudoxios von Antiochien gewonnen und war von ihm zum Diakonen geweiht worden, später, als Eudoxios Bischof von Constantinopel geworden war, wohl 360, auch zum Bischof von Kyzikos. Lange hat E. dies Bistum nicht verwaltet, höchstens ein Jahr, ob er freiwillig wegen der Machenschaften der Antiarianer in seiner Gemeinde verzichtet hat oder der Gewalt gewichen ist, bleibt ungewiß. Unter Iulian begann er bereits mit Aetius eine anomöische Nebenkirche zu organisieren, Versöhnungsversuche unter Kaiser Valens mißlangen; daß E. in Beziehungen zu dem Usurpator Procop 365/66 getreten war, hat ihm in den Augen des Valens geschadet; beinahe wäre E. nach Mauretanien verbannt worden. Auf Fürsprache einiger Hofbischöfe wurde dies zurückgenommen, und ein strenges Exil ist erst nach 383 über E. verhängt worden, aber seine Wirksamkeit war in den Jahren [1132] bis zu seinem Tode – um 393 – nur noch eine literarische. Die anomöischen Kirchen richteten sich schon bei seinen Lebzeiten durch Zersplitterung zu Grunde; aber die Furcht vor den ,Eunomianern‘ ist der Orthodoxie lange nachgegangen; durch strenge Gesetze hat Theodosius II. ihre staatlichen Rechte wiederholt eingeschränkt, die Verbrennung ihrer Bücher wurde befohlen, und wenige bedeutende Männer wie Philostorgios sind noch unter ihnen aufgetreten. Aber die Menge der Gegenschriften, die von den verschiedensten Seiten ihm im 4. Jhdt. gewidmet worden sind, bezeugen die Macht seines Wortes, die durch die Lauterkeit und Unbestechlichkeit seines Charakters unterstützt wurde. Außer einer Briefsammlung, die noch Phot. bibl. 138 kannte, und einem umfangreichen Kommentar zum Römerbrief, die beide jetzt ganz verloren sind, kennen wir von seinen Werken dem Namen nach und bruchstückweise den Ἀπολογητικός, eine Verteidigung gegen die Angriffe des Basilius (ebenfalls noch dem Photios bekannt), und eine ἔκθεσις πίστεως, möglicherweise im J. 383 aus der vorhergenannten größeren Schrift separat herausgegeben. Die Überreste bei Mansi Coll. conc. III 645ff. Migne Gr. 30, 835ff. (unter den Werken des Basilius) und bei Rettberg Marcelliana 1794. Die Kirchenhistoriker Sokrates, Sozomenos, Theodoret, Philostorgios beschäftigen sich natürlich alle mehrfach mit E.; am besten ist sein Gesinnungsgenosse Philostorgios über ihn unterrichtet, außerdem vgl. Hieron. de vir. ill. 120. Über seine Theologie, die sich von dem ursprünglichen Arianismus nicht wesentlich unterscheidet, s. Kattenbusch Das apostol. Symbol I 347ff. und die Lehrbücher der Dogmengeschichte.