RE:Furius 54

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VII,1 (1910), Sp. 351–352
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54) Furius Crassipes, verlobte sich Anfang April 698 = 56 mit Tullia, der Tochter Ciceros, [352] die seit fast einem Jahre Witwe des C. Piso war (vgl. o. Bd. III S. 1391, 31ff., dazu Cic. ad fam. XIV 1. 4. 2, 2. 3, 3. 4, 4. Plut. Cic. 41, 4). Cicero teilte dies seinem Bruder mit (ad Q. fr. II 4, 2. 5, 1. 5, 2 [= 6, 1]), empfing Glückwünsche vertrauter Freunde (ad fam. I 7, 11) und sorgte für Auszahlung eines Teils der Mitgift (ad Att. IV 5, 3). Er benützte in diesem und im folgenden Jahre die Gärten des Crassipes fast wie sein Eigentum (ad Q. fr. II 5, 3 [= 6, 2]. III 7, 1; ad Att. IV 12) und hatte dort namentlich seine letzte Begegnung mit M. Crassus, als dieser Anfang November 699 = 55 nach Syrien abgehen wollte, worüber er schreibt (ad fam. I 9, 20): Crassus, ut quasi testata populo Romano esset nostra gratia, paene a meis Laribus in provinciam est profectus; nam cum mihi condixisset, cenavit apud me in mei generi Crassipedis hortis. Es ist nicht zulässig, mit W. v. Voigt (Philol. LXIV 354—357)‚ in dem gener noch anderthalb Jahre nach der Verlobung den zukünftigen Schwiegersohn zu sehen und anzunehmen, daß die Verlobung zurückgegangen sei; wohl aber muß die Ehe zwischen Crassipes und Tullia nach kurzer Zeit wieder gelöst worden sein, weil später nirgends mehr eine Andeutung davon vorkommt. In einem Briefe ad fam. XIII 9 empfiehlt Cicero dem Crassipes die Interessen der bithynischen Steuerpächter, die er ihm auch schon mündlich empfohlen habe (ebd. 1); vermutlich war Crassipes damals Quaestor von Bithynien, und es wäre möglich, daß der Brief von Cicero selbst in Kleinasien Ende 703 = 51 geschrieben ist (so u. a. O. E. Schmidt Briefwechsel des Cic. 85). Doch Mitte 704 = 50 war Crassipes sicherlich in Rom und im Senat; denn als Cicero sich damals an alle Freunde wegen seiner Supplikationen wandte, überging er ihn absichtlich (ad Att. VII 1, 8); daraus folgt, daß zu dieser Zeit ein vollständiger Bruch eingetreten war, und seit dem Anfang des Jahres spielte ja auch schon Tullias Verlobung mit Dolabella (o. Bd. IV S. 1300, 44ff.). Mitte März 705 = 49 besuchte aber Crassipes wieder den Cicero auf seinem Formianum und teilte ihm mit, daß er in Brundisium sich von Pompeius und seiner Partei getrennt habe (Cic. ad Att. IX 11, 3); daß die politischen Ereignisse die privaten Zwistigkeiten vergessen ließen, ist nichts Befremdendes (vgl. z. B. das Verhältnis Ciceros zu Dolabella o. Bd. IV S. 1303). Weiterhin wird Crassipes nicht mehr erwähnt, nicht einmal sein Vorname ist bekannt.