RE:Heliopolis 3

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VIII,1 (1912), Sp. 49–50
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3) Ἡλίου πόλις, berühmte Stadt in Unterägypten, Hauptstadt des 13. unterägyptischen Gaues an dem großen Kanal, der den Nil mit dem Arabischen Meerbusen verband, die uralte Stadt des lokalen (menschenköpfigen) Sonnengottes Atum, dessen Fetisch in Gestalt eines den sog. Obelisken ähnlichen heiligen Pfeilers verehrt wurde, und der seit frühester Zeit dem Sonnengotte gleichgesetzt wurde. Rē wurde wiederum früh mit dem Gotte Horus identifiziert und als Rē-Har-achte (Rē-Harmachis, s. d.) verehrt. Diesen nehmen die Griechen für Helios, daher die griechische Bezeichnung der Stadt. Der berühmteste Tempel war das ‚Haus des Rē‘, schon in sehr alter Zeit errichtet. Eine Vorstellung von ihm wird man [50] sich machen können durch das von den Berliner Museen aufgedeckte Sonnenheiligtum des Königs Ne-woser-rē aus der 5. Dynastie (vgl. v. Bissing-Borchardt Das Sonnenheiligtum des Königs Rathures I 1ff.), denn dies letztere war höchstwahrscheinlich eine Kopie des heliopolitanischen Tempels. Der Tempel wurde im Laufe der Zeit mehrfach erneuert, von der Renovierung durch König Sesostris I. zeugt der heute noch aufrechtstehende Obelisk, der älteste aller erhaltenen. Noch in griechischer Zeit war der Tempel, in dem Kambyses arg gehaust haben soll, erhalten, wie Strabon (s. u.) berichtet. Die Priester von H. sollten schon in ältester Zeit eine berühmte Schule begründet haben, die noch in griechischer Zeit bestand, und wo auch Platon, Eudoros, Herodot u. a. gelernt haben solle. Für die ägyptische Mythologie und Religionsgeschichte haben wenige Städte eine solche Bedeutung wie H. Die Pyramidentexte zeigen uns, daß in den Anfängen der ägyptischen Geschichte von hier aus der Versuch unternommen wurde, die ägyptische Götterwelt einheitlich zusammenzufassen, ohne daß freilich ein nennenswerter Erfolg erzielt wurde. H. gilt als die Stätte der ägyptischen Geschichtswissenschaft (wenn man diesen Ausdruck gebrauchen darf); hier stand der heilige Baum, auf dem die Göttin Seschat (gewöhnlich Sefchet-abui) genannt, die Namen der Herrscher und ihre Taten aufschrieb. In H. zeigte man die große Halle, wo Osiris (oder Horus) von seinem Gegner Seth verklagt worden war und Thot den Streit zu Ungunsten des Seth entschieden hatte. Die Götter, die in H. verehrt wurden, erscheinen zusammen als die Götterneunheit von H. Sehr häufig ist sogar von zwei Neunheiten die Rede. Die ‚große Neunheit‘ bildet den Stammbaum.

 
 
 
 
 
Atum (als Sonnengott)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Schu
 
 
 
 
Tefnet
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
(Erdgott) Keb
 
 
 
 
Nut (Himmelsgöttin)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Osiris
 
Isis
 
Set
 
Nepthys.


Von heiligen Wesen, die in H. verehrt werden, seien noch erwähnt der Mnevis (s. d.), ein heiliger Stier, das heilige Tier des Sonnengottes, wie der Apis der heilige Stier des Ptah von Memphis ist.

Ferner der Phoinix (s. d.), ein heiliger Vogel (etwa Reiher) im Sonnentempel, von dem man glaubte, daß er nur alle 500 oder alle 1461 Jahre (beides nach späten Nachrichten) sich zeige.