RE:Ioannes 51

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IX,2 (1916), Sp. 1809
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51) Johannes Biclarensis ca. 542–622, Abt von Biclarum, Bischof von Gerunda in Hispania Tarraconensis, Verfasser einer Chronik, die von 567–589/90 die des Victor Tonnennensis, letztlich also die von Euseb-Hieronymus fortsetzt. Laut Isidorus Hispal. de vir. ill. 44 war er ein Gote aus Scalabis in Lusitania, der als Jüngling nach Konstantinopel ging, um sich dort in griechischer und lateinischer Wissenschaft zu bilden, also orthodox. Nach 17 Jahren – fast sicher 576 – kehrte er nach Spanien zurück, wurde hier in die Bekenntnisstreitigkeiten verwickelt und von dem schroff arianischen König Leovigild in Barcino interniert. Jedenfalls hat er damals schon eine geistliche Würde besessen. Die zehn Jahre seines Exils – in Wahrheit seines Kampfes wider die Arianer in Spanien – gingen 586/587 unter Reccared zu Ende, nun gründete er unter den Auspizien des neuen Königs das Kloster Biclarum (-ro?) – Lage unbekannt, nur in Nordostspanien – und setzte für dasselbe eine Regula auf, die Isidorus als vorbildlich preist. Sie ist nicht erhalten. Die Chronik wird J. im Winter 590/91 verfaßt haben, scheinbare Hinweisungen auf die Zeit nach 600 sind Interpolation. Seine Arbeit ist in der Tat verdienstlich. Die Chronologie ist inkorrekt, sein Gesichtskreis beschränkt, teils Ostrom, teils Spanien, sonst beinahe nichts. Aber er verfügt über gute Quellen, großenteils Augenzeugenschaft, hat Urteil und ist unparteiisch, insbesondere gegenüber Leovigild. Spätestens um 625 war Nonnitus sein Nachfolger in Gerunda (Ildefonsus vir. ill. 10), Mai 589 (Mansi 9, 1002) amtierte noch sein Vorgänger Alicius. Novbr. 599 unterzeichnet J. als der erste der nach 589 ordinierten vier Bischöfe auf dem Konzil zu Barcino, Mansi 10, 484. Oktober 610 conc. Toletanum, Mansi 10, 512 hat er den ersten Platz hinter den Metropoliten. Januar 614 finden wir ihn als zweiten auf dem Provinzialkonzil zu Egara, Mansi 10, 531. Beste Ausgabe seiner Chronik von Mommsen in MG Chron. min. 2, 207–223; eingehende Würdigung von Mrs. H. Ward in Dictionary of christ. biography III 1882, 374–376.