RE:Constantinopolis

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Band IV,1 (1900), Sp. 9631018
Konstantinopel in der Wikipedia
GND: 4073697-0
Konstantinopel in Wikidata
Linkvorlage für WP   
* {{RE|IV,1|963|1018|Constantinopolis|[[REAutor]]|RE:Constantinopolis}}        

Constantinopolis ist der am allgemeinsten gebrauchte Name für die von Constantinus I. (s. d. Nr. 2) neu gegründete Reichshauptstadt des Ostens, deren Vorläuferin Byzantion o. Bd. III S. 1116–1150 nach Lage und Geschichte ausführlich behandelt worden ist (Plan s. u. zu S. 1011f.).

Gründung. Bald nach der Niederlage des Licinius (324 n. Chr.), durch welche Constantin Alleinherrscher des römischen Reiches geworden war (s. unten S. 1020), brachte der Kaiser den vielleicht schon früher gehegten Entschluss, eine neue Reichshauptstadt zu begründen, zur Ausführung:. In der zweiten Hälfte des J. 326 (oder 328) – über das Datum (26. September, 4., 26. November) schwanken die Angaben – wurde der Grundstein zur westlichen Ringmauer gelegt, womit die Ausdehnung der auf den drei anderen Seiten vom Meere bespülten Stadt gegeben war; am 11. Mai 330 wurde die neue Stadt feierlich eingeweiht und dieser Tag als der jährlich zu feiernde Geburtstag (τὰ ἐγκαίνια) festgesetzt, Hesych. Mil. or. Const. 42 (FHG IV 154). [964] Kodin. 17 Bonn. Kedren. I 497 Bonn. Zon. XIII 3. Malal. 322 Bonn. Chron. Pasch. I 527ff. Bonn. Banduri Imp. Orient. I p. 3 S. 2f. Gibbon Hist. of the Decline etc. ch. XVII. J. Burckhardt Die Zeit Constantins d. Gr.² 413ff. H. Schiller Gesch. d. römisch. Kaiserzeit II 223ff. G. F. Hertzberg Gesch. d. röm. Kaiserreich. 677ff. Die übrigen Quellennachweise über die Gründung s. bei Schiller a. a. O. Auszüge der Quellen in Übersetzung bei F. W. Unger Quellen d. byzant. Kunstgesch. 62ff.

Name. Der alte thrakische, schon vor der griechischen Besiedelung an der Örtlichkeit haftende Name Byzantion, dessen ihrer Bedeutung nach allerdings unaufgeklärte Herkunft o. Bd. III S. 1127 besprochen wurde, war durch die amtliche Neubenennung der Stadt so wenig vollständig verdrängt worden, dass derselbe im neueren Sprachgebrauch geradezu zum Träger einer grossen Kulturepoche und des oströmischen Reichsgedankens geworden ist. Manche byzantinische Schriftsteller bedienen sich des Namens Βυζάντιον neben Κωνσταντινούπολις oder auch des ersteren ausschliesslich, immer aber bleibt Βυζάντιοι (neben Ῥωμαῖοι) die gebräuchliche Benennung für die Einwohner der Stadt; man vgl. z. B. die Indices von C. de Boor zu seinen Ausgaben des Theophanes, Nikephoros und Theophylaktos u. a. Wie schon die amtliche Bezeichnung Antonia (Antoninia), welche die Stadt nach der Wiederherstellung durch Severus unter diesem und seinem Sohne Caracalla geführt hatte (s. o. Bd. III S. 1140 und K. Müller zu Hes. Mil. 38, FHG IV 153), nur eine vorübergehende und kaum je volkstümlich war, so hat auch die amtliche Taufe der neuen Stadt als Neu-Rom (Nova Roma, Νέα Ῥόμη) nicht durchzudringen vermocht; die Belege für diese und ähnliche Benennungen (δευτέρα Ῥώμη, Βυζαντιὰς Ῥώμη, ἡ εῷα Ῥώμη u. s. w.) s. bei Pape-Benseler Wörterb. d. gr. Eigennam. 1319 a. E., dazu Sokr. I 16. Theoph. 28. 69 de Boor. Paul. Diac. hist. Lang. VI 47. Hist. Misc. XI 14 (secunda Roma). Ducange Const. christ. 34ff. J. Strzygowski Analecta Graeciensia (Graz 1893) 194f. Immerhin war dieselbe nicht bedeutungslos für die Überlieferung des Römertums in C., das dort noch Jahrhunderte lang im amtlichen Sprachgebrauch und allen Formen des öffentlichen Lebens über dem griechischen Volkstum stand (s. u. S. 1001) und sich in der Bezeichnung Ῥωμαῖος (,rhomäisch‘) für das neuere Griechentum (im Gegensatz zum hellenischen Altertum) bis zur Gegenwart erhalten hat. Neben der amtlichen Bezeichnung bestand, ähnlich wie im alten Rom, noch ein priesterlicher Geheimname (ὄνομα ἱερατικόν), nämlich Ἀνθοῦσα, analog dem römischen Flora, und mit Bezug auf die Göttin Τύχη, welcher Constantin die Stadt schon im J. 328 weihte, s. Bd. I S. 2393 Art. Anthusa. Burckhardt a. a. O. 414. Strzygowski Die Tyche von Constantinopel, a. a. O. 141–153. Die für den praktischen Gebrauch der ganzen Folgezeit allein massgebende und wohl von Anfang an auch amtlich zugelassene Benennung blieb jedoch Κωνσταντινούπολις, auch Κωνσταντίνου πόλις geschrieben und zuweilen durch das kürzere ἡ Κωνσταντίνου ersetzt; sie findet sich allgemein bei den Geschichtschreibern von Priskos und Zosimos angefangen, soweit nicht noch der alte [965] Name Βυζάντιον (s. o.) in seinem Rechte bleibt, ebenso in den kirchlichen Verzeichnissen, wo der θρόνος Κωνσταντινουπόλεως den Mittelpunkt der griechischen Hierarchie bildet, im Gegensatz zur alten ἐπισκοπὴ Βυζαντίου, über welche vgl. Nil. Dox. 174 und Neher im Freiburg. Kirchenlex.² III 992ff.; sonst wird dort. z. B. bei Nil. Dos., Byzantion nur in geographischem Sinne genannt. Verhältnismässig selten findet sich dagegen das Ethnikon Κωνσταντινο(υ)πολίτης (so einmal bei Theoph. 398 de Boor); dasselbe dient nur zur Bezeichnung einer einzelnen, aus C. stammenden Person, niemals für die Bevölkerung als solche. Letztere wird vielmehr immer Βυζάντιοι oder Ῥωμαῖοι genannt, oder der Begriff anderweitig umschrieben. Volkstümlich und jedenfalls sehr alt, aber auch bei Schriftstellern häufig, ist die einfache Bezeichnung der Stadt als ἡ πόλις, welche noch heute im ganzen Gebiet griechischer Zunge in der Umgangssprache vorherrscht, so auch im griechischen Königreich, wo damit nicht etwa Athen, sondern C. gemeint ist. ,Πόλιν enim nullam aliam urbem vocant Graeci, solam vero Constantinopolim per excellentiam; sed alias omnes urbes vocant castra‘ sagt Romanos Nikephoros (17. Jhdt.) in seiner unedierten griechischen Vulgärgrammatik (Journ. asiat. IX 458; vgl. u.). Litterarisch lässt sich dieser Gebrauch bis auf den Kirchenhistoriker Sokrates (Migne gr. 67, 678) zurückverfolgen, s. Sophokles Greek Lex. s. πόλις. Schmückende Beiwörter wie βασιλίς, βασιλεύουσα πόλις u. a. sind in der byzantinischen Litteratur nicht selten; man vgl. besonders θεοφύλακτος καὶ βασιλὶς πόλις Theoph. 384f. de Boor, ἡ πρώτη καὶ βασιλὶς τῶν πόλεων πόλις Nikeph. Patr. 142 de Boor, ἡ βασιλὶς μεγαλόπολις ebd. 200, τὸ βασίλειον ἄστυ ebd. 6, βασιλὶς τῶν πόλεων Theophyl. Sim. VIII 11, 2 de Boor u. s. w.

Die einheimische Benennung wurde auch massgebend für Sprache und Schrifttum der lateinischen Völker, durch welche der Name C. in alle modernen Cultursprachen übergegangen ist, meist nur mit leichter Anpassung der Endung, zuweilen in Verkürzung, wie Cospoli im italienisch-levantinischen Sprachgebrauch, s. Egli Nom. geogr. 504. Lediglich geschichtliche Bedeutung hat die Bezeichnung Miklagard (Mikligardr), welche im Mittelalter bei den Nordgermanen für C. gebräuchlich war, denen dieselbe durch die Waräger (Βάραγγες) auf dem Austrvegr (Ostweg) über Russland zukam, s. Th. Schiemann Russland u. s. w. I 43f. G. F. Hertzberg Gesch. d. Byz. 221f. Allgemein dagegen wird auch heute noch bei den slavischen Völkern der Name Zarigrad (Kaiserstadt) gebraucht, ausserdem sollen sich noch die Formen Stanbol (im südslavischen Volkslied) und Vizantije (bei Kirchenschriftstellern) finden, s. F. S. Krauss Globus 63, 35f. Besonders merkwürdig ist die Geschichte des Namens bei den orientalischen Völkern. Die Araber gebrauchten von Haus aus die aus dem Griechischen zurecht gemachte Form Ko(n)stantinieh, welche bei arabischen Geschichtschreibern, sowie besonders im älteren arabisch-persisch-türkischen Sprachgebrauch und noch auf türkischen Münzen, sowie, wenngleich seltener, in der heutigen arabischen Umgangssprache, erscheint; vgl. Grosvenor I 49. Hesseling Rev. ét gr. 1890, 190f. J. v. Hammer [966] Constantinopolis I 6 führt aus dem türkischen Dichter Jahjabeg, der die Schönheiten von C. besang, die Verse an: ,Constantinije ist der Name dieser Stadt, die sich das Haus Otman zum Sitz gewählet hat.‘ Daneben findet sich auch ilâstäni (äg. elâsitâne), das nach freundlicher Mitteilung von B. Glaser wahrscheinlich durch Verstümmelung des Wortes unter volksetymologischer Anlehnung an persisch están (Land) entstanden ist, und das türkische Istambul (Islambul), s. u. Dagegen hat sich der auf C. übertragene Name Roms in der Form Rûm als Länderbegriff zunächst für das byzantinische Reich, weiterhin für die Gesamtheit der christlichen Länder und den Westen überhaupt, später für das Sultanat von Ikonion und deshalb auch für Kleinasien, seit dem Einbruche der Türken in Europa aber vorwiegend für die alten Landschaften Thrakien und Makedonien als Rumili (Land von Rum, ngr. Ῥωμελία) im Gegensatz zu Anadoli (westliches Kleinasien) erhalten; daher auch die Scheidung von Orten am Bosporos als Rumili Hissar und Anadoli Hissar, Rumili Kawagh und Anadoli Kawagh u. s. w. Vgl. Egli Nom. geogr. 797. A. Müller Der Islam II 347, 3. C. v. Sax Österr. Monatsschr. 1897, 128f. Besonderer Besprechung bedarf der von den Türken seit Jahrhunderten gebrauchte und durch sie auch zu anderen Völkern übergegangene Name Stambul (Istambul, Istanbol), welcher jetzt von den Franken gewöhnlich in dem Sinne gebraucht wird, dass er die alte kaiserliche, heute wesentlich türkische Stadt zwischen Marmarameer und Goldenem Horn im Gegensatze zu den Vorstädten Pera, Galata und Skutari bezeichnet, während man unter C. die ganze Stadt mit allen ihren Teilen versteht; dagegen pflegen die Türken die ihnen allein geläufige Benennung in beiderlei Sinn zu gebrauchen, sei es für die Stadt im ganzen oder für die Altstadt, sofern die örtliche Richtung auf letztere von einer der Vorstädte aus betont wird. Bekanntlich wurde der Name Stambul früher allgemein von εἰς τὴν πόλιν abgeleitet; diese Erklärung findet sich zuerst in der obenerwähnten Vulgärgrammatik des Nikephoros Romanos (Paris Bibl. Nat., Man. gr. 2604), über welche vgl. E. Jacquet Journ. asiat. IX (1832) 458 und Psichari Rev. crit. 1884, 450, 2. Von diesem hat sie Ducange übernommen und in seinem Glossar, med. et inf. Graec. (1687) unter πόλις mitgeteilt, welches die Quelle für alle Neueren geworden ist. Einen energischen Angriff auf diese Ableitung, die schon Dethier Der Bosphor (² 1876) 1 wegen der vermeintlich dorisierenden Wandlung von τὴν in tan anzweifelte, hat meines Wissens zuerst G. Rosen Allgem. Encykl. II 38, 336, 1 (1885) unternommen und eine Verkürzung aus Kostandipol zu Grunde gelegt, ohne jedoch die geschichtliche Entwicklung des Sprachgebrauchs zu prüfen, und J. J. Egli Nom. geogr. (² 1893) 874, sowie Grosvenor I 98, 1 sind ihm in dieser Annahme gefolgt, ebenso Krauss a. a. O., der darin ebenfalls eine durch die südslavischen Idiome vermittelte Abkürzung des Namens Constantinopolis sieht. Dagegen haben nun E. G. Bourne Amer. Journ. Philol. 1887. 78ff. und D. Hesseling Rev. ét. gr. 1890, 189ff. mit gewichtigen Gründen die herkömmliche Erklärung zu stützen gesucht, indem ersterer, nach Jacquet a. a. O. 459ff. und [967] H. Yule Cathay II 402f. Anm. 3, eine Reihe von Belegen aus älteren Schriftstellern beibringt; so finden sich die Formen Bôlin und Stanbôlin bei Masudi (10. Jhdt.), welcher ausdrücklich sagt, dass dieselben zu seiner Zeit bei den Griechen den Namen C. verdrängt hatten (Jacquet 460), Esthambûl bei Ibn Batuta (14. Jhdt.), Esdampol in der armenischen Geographie des Vartan (14. Jhdt.), Escomboli in Clavijos Reise (1403); besonders wichtig ist das Zeugnis von Joh. Schiltberger (1426; Ausg. von Langmantel 45) ,C. hayssen die Chrichen Istimboli und die Thürcken hayssen das Stambol.‘ Jacquet hielt auch das in chinesischen Berichten des 7. und 8. Jhdts. auftretende Folin und Fulin für unser πόλιν, worin ihm u. a. auch F. v. Richthofen (China I 535, 2; vgl. 529. 535) beigestimmt hat; doch wird diese Gleichung neuerdings von F. Hirth China and the Roman Orient (1885) 283ff. lebhaft bestritten, welcher als älteste Aussprache des chinesischen Namens die Form Butlim nachweist und denselben in Vorderasien localisiert. Zu obigen Zeugnissen aus der Zeit vor der türkischen Eroberung kommt nun die Analogie von Namen wie Isnik (Nikaia), Is(nik)mid (Nikomedeia), Istendil (Tenos), Setines (Athen), Samsun (Amisos), Stalimene (Lemnos), Stanco (eigentlich istanköj, Kos), Satalia (Adalia) u. a.; dazu auch die Bemerkung von A. Sartori (gegen Krauss a. a. O.) Globus 63, 116. Bezüglich der Schwierigkeit, welche in der Umwandlung des τὴν (gespr. tin) in stan und in dem Gebrauch des Accusativ liegt, weisen Hesseling a. a. O. 193ff., sowie Gust. Meyer Türk. Stud. I (S.-Ber. Akad. Wien 1893) 14 auf die Gesetze der türkischen Vocalharmonie und besonders auf den neugriechischen Ersatz des Dativs durch den Accusativ hin, so dass ’ς τὴν πόλιν den zahlreichen Locativformen wie Bergen, Ambach, Termonde u. s. w. anzureihen ist. Hiedurch wird man auch der seit Ducange verbreiteten einfältigen Erklärung, als ob die Türken sich erst bei den ,zur Stadt‘ gehenden Landleuten nach dem Namen derselben erkundigt hätten (!), überhoben, und die Ableitung in den Bereich der Wahrscheinlichkeit gerückt, durch die geschichtlichen Zeugnisse und die verwandten Bildungen aber zur Gewissheit erhoben. Immerhin mag der Anklang an den oft gehörten Namen C. bei der Bildung von Stambul mitgewirkt haben. Dass die daneben schon frühzeitig vorkommende Form Islambul lediglich einer bewussten Anpassung an Sprache und Gedankenkreis der Muselmanen entspricht, ist schon bei d’Herbelot Biblioth. Orient. I s. Costhanthinah (1777) richtig hervorgehoben worden, ebenso bei Jacquet 458, 2. Egli a. a. O. Hesseling a. a. O. 189f. G. Meyer a. a. O. Vgl. zur ganzen Frage noch Krumbacher Byz. Ztschr. II 305. IV 613f.; Byz. Litt.² 412. Miklosich Denkschr. Ak. Wien, Phil. Kl. XXXIV 313. Als weitere, mehr den Charakter von Beinamen tragende Bezeichnungen werden noch angeführt arabisch el Farruch (von farak trennen, scheiden, nämlich die Erde), Ummudunia (Mutter der Welt) und Der el Saadet (Pforte der Glückseligkeit); letztere habe ich besonders als Druckort auf türkischen Büchern gefunden. Vgl. Grosvenor I 69. Hammer I 4.

Lage. Dieselbe ist bereits o. Bd. III S. 1116ff. [968] besprochen worden. Den dort angeführten Stellen aus der antiken Litteratur ist hinzuzufügen Prokop. aed. IV 8 und besonders die schwungvolle Lobrede des Himer. or. VII (16), aus der neueren Gillius Const. top. praef. Derselbe giebt auch (I 7–18) eine genaue Beschreibung der (ebenfalls bereits a. a. O. besprochenen) 7 Hügel und zugehörigen ,Thäler‘, wozu noch vgl. Ducange I 8. Rosen a. a. O. 337. Unger 109f. Grosvenor I 12f. Plan bei Mordtmann Esq. top. Besondere Namen führten der mittlere (oder 4.) Hügel als Μεσόλοφον (auch Μεσόμφαλον), welcher die Apostelkirche trug und jetzt von der dominierenden Mehmedie-Moschee gekrönt wird (Kodin. 77 u. a.), sowie der durch das Lykosthal isolierte 7. Hügel, welcher, wohl im Gegensatz zu dem einst besser bewachsenen Hügelzug nördlich des Lykos, Ξηρόλοφος genannt wurde und ein altes Heiligtum des Apollon trug, Gillius IV 8. Für die Betrachtung des natürlichen Bodens der Stadt wichtig ist die Angabe der Πάτρια, dass Constantin d. Gr. die Felskuppen einebnen liess, um Raum für freie Plätze und Bauten zu gewinnen, Kodin. 128f. Bonn. Anon. Bandur. bei Unger 206f. Im übrigen vgl. man über den Boden der Stadt und ihrer Umgebung Tchihatchef Le Bosphore. v. Hochstetter Jahrb. d. geol. Reichsanstalt 1870, 372ff. Bezüglich der in der Stadtlage von C. so bedeutungsvollen Serailspitze (Βοσπόριος ἄκρα, s. o. Bd. III S. 741) ist zu bemerken, dass dieselbe im Mittelalter Angulus Sti. Demetrii oder Angulus St. Georgii in Manganis hiess, s. Mordtmann Esquisse top. § 88; ebenso führte der Bosporos lange Zeit den Namen St. Georgsarm, s. o. Bd. III S. 755. Über die physische Geographie dieser Meerenge vgl. man jetzt A. Philippson Geogr. Ztschr. IV 16ff., wo im Gegensatz zu der oben Bd. III S. 742 vertretenen Ansicht die Erosion als Hauptursache ihrer Entstehung angenommen wird, ferner F. Toula in Beitr. z. Palaeont. u. Geol. Österreich-Ungarns XII (1898) 1ff. 22ff. Über das ,Goldene Horn‘ vgl. die Art. Chrysokeras und Keras

Klima. Dasselbe ist ebenfalls in dem Art. Byzantion Bd. III S. 1118 besprochen worden. Die ausführlichste Schilderung giebt Tchihatchef Le Bosphore Cap. XIff. ,Das Observatorium von C. giebt seit 1894 ein Bull. Mét. heraus; im Jahrgang 1894 sind einige Mittel für C. nach 25jährigen Beobachtungen mitgeteilt‘ (Geogr. Jahrb. 1898, 371).

Ausdehnung. In der räumlichen Entwicklung von C. sind mindestens drei (mit der Gegenwart vier) Hauptepochen zu unterscheiden, deren zweite und dritte durch Constantin d. Gr. und Theodosios II. eingeleitet werden. Die antike Stadt umfasste, wie aus der Skizze oben Bd. III S. 1121f. ersichtlich, im wesentlichen nur die Ostspitze der Halbinsel mit dem ersten Hügel und dem westlich anschliessenden Thale, in welchem jetzt die Trambahn zum Bahnhof hinunterzieht; auch durch Septimius Severus (s. o. Bd. III S. 1120 und 1140) scheint die Mauerlinie nur wenig nach Westen vorgeschoben worden zu sein. Einen andern Versuch, die Ausdehnung des alten Byzantion festzustellen, hat A. van Millingen auf dem historischen Plan zu Murrays Handbook (1893) gemacht; er führt die Mauer vom Hafen [969] westlich über den Bazar bis zur Bajezit-Moschee und im Süden über Hippodrom und Achmed-Moschee an die Ostküste der Halbinsel bei der jetzigen Militärschule; vgl. Text S. 22. Die bedeutendste Erweiterung erfuhr nun die Stadt durch Constantin, der die Mauern um 15 Stadien (ca. 2,8 km) nach der Landseite hin vorschob, so dass der Hauptplatz der neuen Stadt, das Forum Constantini, an der Stelle des alten Stadtthors lag (Zosim. II 30, 4; vgl. Kodin. 75 Bonn.), die neuen Mauern aber bis zu den ,troadischen Hallen‘ {,Τρωαδησίους ἐμβόλους) in der 12. Region reichten (Hes. Mil. 39 und Kodin. FHG IV 153f.; vgl. die Stellen bei Ducange I 9. Unger 205ff.). Sie zogen westlich der einst die Stelle der Moschee Mohammed II, (Mehmedie) einnehmenden Apostelkirche vorbei, s. Mordtmann Esqu. top. § 127. Doch lässt sich der Verlauf im einzelnen, bei dem fast völligen Mangel von Überresten, nur ungefähr feststellen. Jedenfalls umschloss sie den 3. und 4. Hügel, sowie die Ostspitze des 7. Hügels (Xerolophos o. Bd. III S. 1117), s. die Darlegung bei Mordtmann § 15f. und den zugehörigen Plan, nach welchem auch die mutmassliche Mauer Constantins auf der hier beigegebenen Skizze eingetragen ist. Ihre im wesentlichen endgültige Ausdehnung, soweit die Halbinsel zwischen Goldenem Horn und Marmarameer in Betracht kam, erhielt die Stadt erst unter Theodosios II. durch den Praefecten Anthemios (s. Bd. I S. 2365) im J. 413 (sog. theodosianische Mauer, u. S. 975). Nur ein kleines, aber wichtiges Viertel, das der Blachernen (s. d. Bd. III S. 554ff.), wurde erst später unter Herakleios mit einbezogen (625 n. Chr.). Den Umfang der Stadt, wie er seitdem feststand, giebt Laon. Chalkond. 388 Bekk. auf 111 Stadien (ca. 20½ km), Phrantz. III 8 zu 18 Meilen (26½ km.?) an. Thatsächlich beträgt derselbe nach v. Moltke Briefe 34 auf der Landseite 8600 Schritt, längs des Meeres und des Hafens 17 500 Schritt, im ganzen reichlich 2½ geographische Meilen; nach meiner annähernden Messung innerhalb der noch vorhandenen Mauern 18–19 km, wovon 6–7 km auf die Landseite entfallen. Über letztere vgl. auch u. S. 975f. Die Länge der constantinischen Stadt giebt die Beschreibung der urbs Constantinopolitana (s. unter Quellen (zu 14 075’ (4,22 km), die Breite zu 6150’ (1,84 km) an. Letztere beträgt in dem schmäleren östlichen Teile der jetzigen Stadt nur 1½–2 km, um an der Westmauer auf ca. 5 km zu steigen, die grösste Länge vom Kanonenthor (in der Mitte der Westmauer) bis zum Ostrand des Serailhügels reichlich 5 km.

Über diesen von Mauern umschlossenen Raum hinaus wuchs die Stadt schon frühzeitig durch die Entwicklung von Vorstädten (προάστεια), die sich teils unmittelbar anschlossen, teils jenseits des Goldenen Hornes und selbst am asiatischen Ufer des Bosporos entstanden und in neuerer Zeit so sehr das städtische Leben an sich zogen, dass der Schwerpunkt desselben jetzt schon mehr ausserhalb als innerhalb des alten C. liegt. Im geringsten Masse war dies der Fall auf der Landseite von C., wo sich vor der Stadterweiterung durch Theodosios II. ausserhalb der constantinischen Mauer der anfänglich nur χώρα genannte Platz ausdehnte, welcher den gothischen Hülfstruppen [970] als Lagerraum diente; nach einer Säule, welche Constantin d. Gr. auf diesem Platz ausserhalb der Mauer unweit der alten porta aurea errichtete, und welche deshalb als ἔξω κίων bezeichnet wurde, erhielt diese Lagerstadt später den Namen Exokionion, an den noch die neuere, aus der (von Sophokles Greek Lex. u. d. W. für richtiger erklärten) Nebenform Ἐξακιόνιον entstandene Bezeichnung Eximarmara (türk. alti mermer, d. i. 6 Marmore) erinnert, s. Mordtmann Esq. top. § 1. 114. 127. 130. 134. Unger 186ff. Meyers Türkei 281. Die Säule hat noch Buondelmonte auf seinem Plane (s. unter Pläne) verzeichnet und Gillius Const. top. IV 1 berichtet, dass sie noch kurz vor seiner Zeit zu sehen war (Mordtmann § 15 und S. 73). Durch die theodosianische Mauer war das Exokionion zur Stadt gezogen und der letzteren nach Westen eine schwer überschreitbare Grenze der Ausdehnung gegeben worden. In der That ist der jedem feindlichen Angriff blossgestellte Raum vor den Mauern in seiner grössten Erstreckung bis heute unbesiedelt geblieben, nur am Goldenen Horn, wo schon vor Constantin die Gegend der Blachernen bewohnt gewesen war (vgl. u. S. 974f.), lockte die Wasserverbindung zur Anlage neuer Stadtteile, welche sich immer weiter nach Norden vorschoben, auch nachdem das Blachernenviertel durch die Mauer des Herakleios zur befestigten Stadt gezogen war. Hieher gehört das ,Jägerviertel‘ (τὸ μέρος τοῦ Κυνηγοῦ), welches sich beim gleichnamigen Thore (auch τῶν Κυνηγῶν) am Hafen hin erstreckte (Plan 3 D) und offenbar nach ehemaligen Jagdgründen benannt war, im Gegensatze zu dem für Tierkämpfe dienenden Theater Κυνήγιον in der Stadt des Sept. Severus, worüber vgl. Bd. III S. 1126. 1140; s. Mordtmann Esq. § 17. 65. Weiter ausserhalb am Goldenen Horn, mit dem genannten Hafenquartier durch das ,Holzthor‘ (Xyloporta) verbunden, lag die Vorstadt Kosmidion, benannt nach einer prächtigen Kirche (nebst Kloster und Befestigung) der hl. Kosmas und Damianos (Ἁ. Ἀναγρύρων), Nikeph. Bryenn. III 12. Ephr. 6798. 10 169. Andere Stellen bei J. P. Richter 150ff. Mordtmann Esq. § 60f. 64. Die Kirche war von dem unter Theodosios II. (408–450) hingerichteten Senator Paulinus erbaut und durch Iustinian I. verschönert worden (Kodin. 111. Prokop. aed. I 6, wonach die Kirche am Abhang zum Goldenen Horne lag); später nahm dort Boëmund von Tarent seinen Sitz, weshalb die Gegend in der Kreuzfahrerzeit auch mit Castellum Boëmundi (Wilhelm von Tyrus, Villehardouin) bezeichnet wird, Unger 244f. Grosvenor I 81f. Spruner Handatl. 84. Im J. 1406 fand bei Kosmidion eine Schlacht zwischen den Söhnen Bajezits I. statt, Hertzberg Gesch. d. Byz. 535. Die byzantinische Vorstadt ging seit 1453 in das türkische Ejub über, benannt nach dem Fahnenträger des Propheten, der bei der ersten Belagerung von C. durch die Araber im J. 672 hier gefallen sein soll; die (angebliche) Wiederauffindung seines Grabes während der Belagerung im J. 1453 feuerte den bereits gesunkenen Mut der Türken zu neuem Fanatismus an und veranlasste die Erbauung der prächtigen, noch heute von keinem Christen betretenen Ejub Moschee durch Mohammed II., welche jetzt den Mittelpunkt [971] der fast nur von Abkömmlingen des Propheten bevölkerten Vorstadt bildet, s. v. Hammer C. II 21ff. Grosvenor I 82ff. Meyer 315f.

Als Vorstädte im weiteren Sinne auf der Landseite von C. wären noch die an der Propontis gelegenen Orte Rhegion (s. d. u. vgl. Unger 113) und Hebdomon zu nennen. Letzterer Name, der im Gegensatz zu dem gleichnamigen Quartier der gothischen Hülfstruppen im Exokionion (u. S. 974] von der Lage beim 7. Meilenstein hergenommen ist (daher in lateinischen Quellen Septimum, z. B, Hist. Misc. XXI 15), ist von Gillius Top. IV 4 und Ducange Const. Christ. II 172ff. auf den Palast Tekfur Serai, worüber vgl. u. S. 991, an der Innenseite der Stadtmauer bezogen worden, und diese Benennung ist bis heute populär geblieben, obwohl die Prüfung der Quellen kaum einen Zweifel darüber lässt, dass das Hebdomon ausserhalb der Stadt, bei dem Dorfe Makryköi gesucht werden muss, s. Unger 113f. Mordtmann § 51. A. van Millingen Ἑλλην. φιλολ. Σύλλονος Παράρτ. τοῦ κ’–κβ’ τόμ. (1892) 33ff. Den Hafen des Hebdomon erwähnt u. a. Theoph. 228 de Boor, s. u. S. 983. Das Blachfeld zwischen der Mauer und dem Hebdomon wurde als Κάνοις, Campus (entsprechend dem römischen Marsfelde) bezeichnet und bildete einen Teil des Hexamilion (Ἑξαμίλιον) oder des Raumes ausserhalb der Stadtmauer, welcher sich bis zum 6. Meilenstein von Meer zu Meer erstreckte, s. Unger 188ff.

Frühzeitig wurde die Gegenküste des Goldenen Hornes besiedelt, wo sich zwischen diesem und dem Bosporos das Land mit stumpfer Spitze gegen die Halbinsel von Byzantion vorschiebt. Dort stand nach Hes. Mil. 4, 16 (FHG IV 149) in der nach Feigenbäumen Sykaí benannten Gegend ein altes Heiligtum des Amphiaraos (vgl. Bd. III S. 746 nr. 34), und Strab. VII 319 erwähnt hier einen Hafen ὑπὸ τῇ Συκῇ, während Steph. Byz. Συκαί bereits als Stadt kennt. Über die Schreibung des Namens vgl. Steph. Byz. (gegen Strab.) und Dion. Byz. 33 Wesch., wo jedoch Wieseler Gött. gel. Anz. 1876, 348f. nach Gillius Συκώδης gegen das von Wescher in Übereinstimmung mit den Schol. edierte Συκίδες (s. Weschers Ausg. S. 15. 38 Schol. 41 περὶ Συκίδων τῶν νῦν Συκῶν. S. 49. 57) herstellen will; vgl. Bd. III S. 746 nr. 33.

Aus Nikeph. Kall. Xanthop. VIII 6 (bei Migne Gr. 146, 29) erfahren wir, dass Bischof Pertinax ἐν τόπῳ ᾧ Συκαὶ κλῆσις ἧν eine Kirche der hl. Eirene erbaute, um welche sich durch Zuzug von Christen ein Ort städtischen Charakters entwickelte, den schon Constantin zu einem besonderen Quartier erhob (s. u. S. 974) und mit Mauern umgab. Doch erhielt sie Stadtrecht erst im J. 528 durch Iustinian, der die Mauern und das dortige Theater erneuerte und den Ort Ἱουστινιαναί oder Ἱουστινιανούπολις nannte, Chron. Pasch. I 618 Bonn. Iust. Nov. 5. Cod. I 2, 18. Iulian. Antecess. 53. Daher ist auch bei Steph. Byz. der Zusatzἡ καθ’ ἡμᾶς Ἱουστινιαναὶ προσαγορευθεῖσα gegen Meineke als echt festzuhalten. Theoph. chron. 132. 228. 352 de Boor spricht von dem Orte als πέραν (ἀντιπέραν) ἐν Συκαῖς, woraus sich die spätere Benennung Pera erklärt (s. u.); ebd. 228 über Kirche und Fest der hl. Eirene. Nach ebd. 132. 140. 352 befand sich in Sykai auch die Richtstätte; dasselbe bestätigen [972] Zosim. IV 52, 4, der Sykai als προάστειον bezeichnet, Eustath. Epiph. 6 (FHG IV 141) ἐν ταῖς καλουμέναις Συκαῖς ἀντιπέραν τῆς Κωνσταντίνου. Sonst vgl. noch Sokr. II 38, 19. Sozom. IV 20. Gillius Const. top. IV 10f. und Bosp. I 5 (Geogr. gr. min. II 32). Unger 119f. 211. J. P. Richter Byz. Kunstgesch. 9f. Grosvenor I 94. Unter dem neueren Namen Galata erscheint diese Vorstadt zuerst im J. 717 bei Theoph. chron. 396. 434 de Boor als καστέλλιον τῶν Γαλάτου, wo der Hafen durch eine Kette abgesperrt war, ebenso bei Nikeph. Const. 68 de Boor als τῶν Γαλάτου λεγόμενον φρούριον (zum J. 764); die Bedeutung des Namens scheint im Mittelalter schon vergessen gewesen zu sein, da Kodin. 119 Bonn, denselben auf einen unbekannten ,Galatas‘ zurückführt. Doch dürfte derselbe, wie schon Gillius vermutete, mit der Wanderung der Galater nach Kleinasien zusammenhängen und sonach antiken Ursprungs sein. Eine grössere Bedeutung gewann Galata, als Michael VIII. Palaiologos im J. 1261 τὸ κατὰ τὴν περαίαν τοῦ Γαλάτου φρούριον eroberte (Nikeph. Greg. IV 1, 4) und nach der Wiederherstellung des griechischen Kaisertums in C. den Platz den Genuesen überliess; vgl. Nikeph. Greg. VIII 1, 2 Λατίνων τῶν ἐν τοῖς Φαλάτου τὴν οἴκησιν κεκτημένων und besonders IV 5, 4 über die Ansiedlung der Genuesen ἀντιπέραν περὶ τὸν τοῦ Γαλάτου τόπον. Vorher (IV 2, 5) ist von dem. σμικρότατον τοῦ Γαλάτου πολίχνιον die Rede, über dessen Befestigung vgl. ebd. XV 2, 4 τὸ τοῦ Γαλάτου φρούριον. XVIII 1, 2 ἡ τοῦ πέραν Γαλατικοῦ φρουρίου καταστροφή. Über die Geschichte der Genuesen in Galata vgl. Index zu Nikeph. Greg. II Schopen unter Galataei Genuenses. Kürzer berichtet über diese Dinge Georg. Pachym. Mich. Pal. II 20 (τῷ Γαλατᾷ). 35 Γεννουΐτας – καταντικρὺ τῆς περαίας παρὰ μόνον τοῦ Γαλατᾶ φρούριον ἀσφαλὲς ἐδοκίμαζε κατοικίζειν. Vgl. Unger 120ff., und über die weitere Entwicklung von Galata, das nach Schleifung des alten Forts (s. o.) seit dem J. 1303 mit Mauern, Gräben und Glacis umgeben wurde und sich zu einer bedeutenden Stadt unter einem mit weitgehender Machtvollkommenheit ausgestatteten Podestá entwickelte, Gibbon Roman Empire ch. 63. Hertzberg a. a. O. 428. 448f. 454. 481. 583. 590f. Heyd Gesch. d. Levantehandels, s. Reg. u. ,Pera‘. Paspates Βυζ. Μελ. 127ff. v. Hammer Const. II 75ff.; Gesch. d. osman. Reiches² I 123. 130. 422. 428. Grosvenor I 93ff. Die Mauern von Galata, die auf allen älteren Ansichten von C. zu sehen sind, sehr gut z. B. bei Grosvenor I 94 (aus dem J. 1635), bestanden bis zum J. 1857; jetzt sind nur noch spärliche Reste zwischen den Häusern versteckt erhalten (s. den Plan). Das bedeutendste alte Bauwerk von Galata ist jetzt der durch seine prachtvolle Aussicht über C. allen Besuchern der Stadt wohlbekannte Turm von Galata. früher πύργος τοῦ Χριστοῦ oder τοῦ Σταυροῦ genannt, nach einem mächtigen lateinischen Kreuz, das denselben bis zur türkischen Eroberung krönte. Hier, wo die Mauern der Landseite von Galata zusammenstiessen, hatte schon Anastasios I. (491–518) einen festen Turm erbaut, der von den Genuesen 1348 und 1446, dann wieder durch Mahmud II. erneuert bezw. erhöht und nach wiederholten Feuersbrünsten durch Selim III., Mohammed II. und [973] Abdul Medschid wiederhergestellt wurde, Grosvenor I 400ff. Meyers Türkei 210ff. (Panorama!). Die Höhe des Turmes ist nicht genau bekannt; sie soll bis zur Gallerie ca. 50 m betragen. Der Fusspunkt liegt nach meiner sorgfältigen barometrischen Messung 41 m über dem Goldenen Horn (bei Meyer 210 falsch ,100 m‘). Dass der Name Galata jedoch nicht von Haus aus auf den engbegrenzten Raum bis zum Christusturm beschränkt war und auch auf das heutige Pera ausgedehnt wurde, zeigt u. a. die Bezeichnung Galata Seraï für den kaiserlichen Palast, den Sultan Bajezit II. errichtete und Suleiman I für die Erziehung der Itschoglan (Pagen) bestimmte; seine Stelle nimmt jetzt das 1869 gestiftete gleichnamige kaiserliche Lyceum an der grossen Perastrasse ein; s. Grosvenor I 113f. Hammer Const. II 127f; Gesch. d. osm. R.² IV 509. Plan in Meyers Türkei⁵ 208. Der offenbar schon auf antiker Überlieferung fussende Sprachgebrauch, aus dem sich die heutige Benennung von Pera entwickelt hat, erhellt aus den oben angeführten Stellen byzantinischer Schriftsteller, zu welchen noch einige bei Unger 122f. (τῷ ἕῳ Περαίαν) und unten Z. 67ff. zu vergleichen sind. Lange Zeit fast nur von Gärten und Weinbergen eingenommen, ist Pera durch die Niederlassung der europäischen Gesandtschaften, von denen zuerst die französische (unter Franz I.) und die venezianische (an Stelle der jetzigen österreichischen Botschaft) dort ihre Residenz aufschlugen, der Mittelpunkt des europäischen Lebens und damit jener Richtung in der Entwicklung von C. geworden, in der sich, anschliessend an die Handelsvorstadt Galata, der Geist abendländischer Cultur mit seinen Vorzügen und Schattenseiten gegenüber den byzantinisch-türkischen Traditionen ausprägt. Vgl. über die Geschichte, Besiedelung u. s. w. von Pera auch Heyd a. a. O. (ebd. II 343 über den Titel des consul Perae). Zu erwähnen sind noch die griechische Benennung Σταυροδρόμιον, welche wohl mit dem Christusturm (s. o.) in Verbindung zu bringen ist, auf den die grosse Perastrasse zuführt (doch s. Dethier 62f., der es im Sinne wie unser ,Kreuzweg‘ fasst), und der türkische Name ,Beyoglu‘ (Fürstensohn), der auf Alexios (V.) von Trapezunt zurückgeht, welcher nach seiner Verdrängung durch seinen Oheim David (1458) hier seinen Wohnsitz nahm, s. Grosvenor 103 (anders Hammer Const. II 111). Fallmerayer Gesch. d. Kaisert. Trapezunt 261 ff.

Das προάστειον, ὃ Πικριδίου ὠνόμασται, welches Io. Kinn. II 14 S. 75 Mein. (vgl. Anon. Band. p. 57) erwähnt, ist ebenfalls jenseits des Goldenen Hornes, an dessen oberen Ende, etwa in der Gegend von Südlüdsche, zu suchen; vgl. Unger 122. Weiter abwärts, gegen Galata zu, in dem Thale von Kassim Pascha, lag die quellenreiche Vorstadt Κρηνίδες. Dion. Byz. 29 Wesch. m. Schol.; vom 7. Jhdt. an erscheint dieselbe unter dem Namen εἰς Πηγάς (Spigae), s. Mordtmann § 71ff. und unten S. 980. Über das προάτειον Δάφνη = Διπλοκιόνιον, welches dem jetzigen Beschiktasch am Bosporos entspricht, vgl. o. Bd. III S. 747 nr. 46 und Kodin. 100f. Bekk., sowie die Stellen bei Nikeph. Chon. 595 Bonn. ἡ κατὰ τὸν διπλοῦν κίονα περαία. 717 κατάραντες οὖν ἐς [974] Χαλκηδόνα πρὸς τὴν ἀντίπορθμον ἔκτοτε τῇ ἕῳ Περαίαν τὴν κάτωθεν μικρόν τι τοῦ διπλοῦ κίονος; über andere Örtlichkeiten am Goldenen Horn s. d. Art. Keras. Besondere Erwähnung verdient noch hier die Benennung Στενόν (Enge), welche zunächst den Bosporos überhaupt bezeichnete, s. Bd. III S. 755 und die Stellen bei Tafel Symb. crit. ΙΙ 96ff. (Abh. bayer. Akad. III. Kl. V 3), im besonderen aber zur näheren Bezeichnung des Judenviertels diente, seitdem die Juden unter Theodosios II. (408–450) aus der eigentlichen Stadt vertrieben und an das jenseitige Ufer verwiesen waren, wo sie sich auf der Ostseite von Galata niederliessen; in diesem Sinne spricht z. B. Villehardouin 88 Wailly von der Juerie, welche man l’Estanor (= Stenon) nennt, während Benjamin von Tudela u. A. als Wohnsitz der Juden einfach Pera angeben, s. Unger 124 und u. S. 1003. Als προάστειον wird bei Sokr. VIII 26 (VII 16, 2) und Nikeph. Kall. Xanth. VIII 6 und sonst auch Elaia (Ἐλαία) genannt (Richter 10), das Grosvenor I 130 in dem alten Αἰάντειον (o. Bd. III S. 746 nr. 39) und heutigen Sali-Bazar sucht. Andere Vororte am Bosporos, welche anscheinend immer zum weiteren Bereiche der Stadt gerechnet wurden und auch jetzt mit derselben nur eine Gemeinde bilden, s. Bd. III 746ff. Über die Vorgeschichte von Skutari (Üsküdar), das in türkischer Zeit zum dritten Hauptbestandteil von C. herangewachsen ist, vgl. die Art. Kalchedon und Chrysopolis Nr. 1, dann Hammer Const. II 311ff. Grosvenor I 241ff. Meyers Türkei 344ff. Sonst ist über die Vorstädte von C. im allgemeinen noch zu vgl. Unger 112f. Hammer Const. I 62. II 2–184. Dethier² 58ff. Paspates Ἑλλ. φιλολ. Σύλλογος XII.

Einteilung. Neben der Gliederung nach sieben Hügeln (s. o. S. 968) war die Stadt analog dem kaiserlichen Rom von Anfang an in vierzehn Regionen (ῥεγεῶνες) geteilt, deren älteste Übersicht aus dem 5. Jhdt. stammt, s. u. S. 1005. Gillius hat seine Beschreibung der Stadt nach Hügeln und Regionen eingeteilt, und G. Panciroli eine (bei Gillius und Banduri) abgedruckte Erläuterung zu der alten lateinischen Übersicht gegeben; ferner hat Ducange Const. Christ. I 20f. darüber gehandelt und Banduri eine Einzeichnung der Regionen in den Plan von C. versucht (s. die Tafeln zu S. 448 des III. Teiles). Dieser Versuch war jedoch insofern verfehlt, als er die theodosianische Stadt zu Grunde legte, während für die schon von Constantin d. Gr. angeordnete Einteilung nur der Raum bis zur constantinischen Mauer, ohne das Exokionion, in Betracht kommen kann; letzteres zerfiel vielmehr in die sieben Quartiere der Cohorten gothischer Hülfstruppen, von deren Bezeichnungen nach der Nummer der Cohorten uns die Namen Deuteron, Triton, Pempton, Hebdomon überliefert sind, s. die Planskizze zu Dethier Const. und Mordtmann Esq. 2, wo man S. 2–11 eine Aufzählung der einzelnen Regionen mit näherer Bestimmung der Lage findet (vgl. den zugehörigen Plan). Nur zwei Regionen lagen von Anfang an ausserhalb der constantinischen Mauer und bezeugen dadurch die schon damals selbständige Bedeutung dieser Quartiere, nämlich die regio XIII Sycena (s. o. unter S. 971f.) und die regio XIV Blachernarum [975] (s. Bd. III S. 554ff. u. o. S. 970), deren abgesonderte Lage an die regio XIV trans Tiberim in Rom erinnert. Vgl. über die Regionen auch Unger 101ff. und ebd. 110ff. sowie J. P. Richter XLIff. über die Teilung in drei Zonen, nach welchen der sog. Anonymus des Banduri die Denkmäler von C. aufzählt; durch diese drei Zonen (μέρη) wurde die Stadt der Länge nach von der theodosianischen Mauer bis zur Serailspitze in Streifen zerlegt, wie die zweite Tafel bei Banduri a. a. O. veranschaulicht. Selbstverständlich diente diese Teilung dem Verfasser bezw. Redactor der Πάτρια lediglich zur übersichtlichen Gruppierung der Denkmäler und hatte niemals administrativen oder sonstigen Wert. Neuerdings hat Grosvenor I 290ff. wieder die Regionen und ihre Denkmäler aufgezählt.

Befestigung. Die Lage und Erstreckung der Mauern erhellt im allgemeinen aus den obigen Angaben über die Ausdehnung der Stadt. Man vgl. über die Stadtmauer des alten Byzantion, deren Türme und Thore Bd. III S. 1120ff., über jene des Septimius Severus ebd. S. 1125, dazu die Quellenauszüge bei Unger 203ff. 214f. und oben S. 968 die von meinem Versuch abweichende Annahme van Millingens über diese Mauer und deren Verlauf. Die Mauer Constantins zog ebenso wie jene des alten Byzantion nicht nur quer über die Halbinsel, sondern auch rings am Meere entlang (Unger 206f.). Dasselbe gilt von der späteren und heute noch, freilich in sehr verfallenem Zustande erhaltenen Ummauerung, welche in ihren Grundzügen durch Theodosios II. (408–450) festgestellt wurde, nachdem infolge einer Erdbebenperiode zu Anfang des 5. Jhdts. die constantinische Mauer im J. 412 zum grossen Teil eingestürzt war. Auch der Bau der theodosianischen Mauer wurde durch Erdbeben wiederholt behindert und nur durch die Energie des Stadtpraefecten Kyros (439–41) schliesslich zu stande gebracht, so dass ihm das Volk im Hippodrom zurief: ,Constantin baute, Kyros erneuerte!‘ Die Nachweise der Quellen s. bei Ducange I 10. 12. Unger 207ff. Wesentlich verändert wurde die Befestigungslinie später nur an einer Stelle durch die Einbeziehung des Blachernenviertels in der Nordecke der Stadt am Goldenen Horn (Plan 3 D), welche durch die Erbauung des μονότειχος unter Herakleios im J. 625 (627) erfolgte, s. Bd. III S. 555f. u. o. S. 970. 974f. Natürlich musste auch später noch oft an den Mauern gearbeitet werden, um verfallene oder beschädigte Teile wiederherzustellen, so besonders unter Tiberius III. (698–705), Anastasios II. im J. 714, Leo III. im J. 740 infolge eines Erdbebens, Nikephoros I. im J. 803, Theophilos im J. 831, Michael VIII. im J. 1262, Andronikos II. im J. 1316, Johannes VIII. in den Jahren 1431-44; Belege s. bei Unger 211ff. Mordtmann § 23. Die Länge der theodosianischen Landmauer vom Marmarameer bis zum Goldenen Horn betrug 5650 m., nach Einbeziehung des Blachernenviertels (bis zum jetzigen Aiwan Serai Kapussi) 6671 m. Im Gegensatz zur Mauer des Herakleios (die deshalb μονότειχος genannt wurde) und zu den Mauern der Seeseite war die theodosianische Landmauer eine doppelte; sie bestand aus der 15–20 m. hohen inneren Mauer (τὸ ἔσω τεῖχος oder μέγα τεῖχος), für welche [976] jedoch v. Moltke Briefe 34 nur 30–40 Fuss Höhe und 5–8 Fuss obere Stärke angiebt, und der bedeutend niedrigeren äusseren Mauer (τὸ ἔξω τεῖχος), welche von ersterer durch einen Wallgang (περίβολος) von 18 m. Breite getrennt war. Vor der äusseren Mauer wurde in entsprechend tieferer Lage ein zweiter Wallgang (προτείχισμα) gezogen, der durch eine mannshohe, zinnengekrönte Brustwehr gegen den Graben geschützt war. Letzterer konnte durch ein System von Schleussen unter Wasser gesetzt werden und war durch Quermauern (διαταφρίσματα), deren man jetzt noch 19 zählt, in Abschnitte geteilt; die ursprüngliche Tiefe ist infolge des Schuttes nicht mehr erkennbar und beträgt jetzt höchstens 10 m., meist viel weniger. Hölzerne Brücken, die im Kriegsfall abgebrochen wurden, führten an Stelle der jetzigen steinernen über den Graben zu den Thoren. An der Aussenseite des Grabens war die äussere Böschung (Contrescarpe) nochmals durch eine niedrige Mauer geschützt. Siehe das Profil der theodosianischen Landmauer bei Dethier a. a. O. Taf. III; hienach auch bei Grosvenor 585. Meyer 298–300; vgl. Mordtmann § 17f. Eine wichtige Verstärkung der Mauer waren die durchschnittlich alle 60 Schritt hervortretenden Türme, von denen man auf der Landseite an der inneren Mauer noch 120, an der äusseren 71 zählt; von ersteren sind 87 viereckig, 2 fünfeckig, 8 sechseckig, 3 siebeneckig, 15 achteckig, 5 halbkreisförmig (Meyer 300). Quellenbelege bei Ducange I 13. Unger 215ff. Von einzelnen Türmen sind hervorzuheben der Κεντηναρήσιος πύργος (Theoph. 379 de Boor), auch Κεντηνάριος (Leo Diak. V 2), Κεντηνάριον (Kodin. 114), Κεντινάριος (CIG IV 8664), der, von Constantin erbaut, von Theodosios II. und Leo III. (im J. 727) erneuert, zur Befestigung der eisernen Kette diente, welche den Eingang zum Goldenen Horn sperrte; er ist deshalb in der Nähe der Porta Eugenii und des jetzigen Bahnhofes zu suchen (Plan 6 H). Mordtmann § 85. v. Moltke Briefe S. 196 d. Ausgabe von Hirschfeld. Viel späteren Ursprungs ist der Turm (und Gefängnis) des Anemas (Plan 3 D), benannt nach Michael Anemas, welcher darin wegen Aufruhrs gegen Alexios I. (1081–1118) gefangen gehalten wurde; Näheres bei Ducange I 13. Unger 220. Mordtmann § 19 u. ö. Meyer 313f. Grosvenor I 395f. Unmittelbar daneben liegt das Pentapyrgion, wie in neuerer Zeit ein von der Mauer des Herakleios und dem vor demselben gezogenen Mauerstück des Leo (sog. leontische Mauer) umschlossener, von fünf Türmen überragter Raum (Plan 3 D) genannt wird; der Name scheint sich jedoch in byzantinischer Zeit auf einen Teil des grossen Kaiserpalastes bezogen zu haben und erst in neuerer Zeit irrtümlich hierher übertragen worden zu sein, s. Mordtmann § 19. 56; doch vgl. auch u. über das Kyklobion. Plan bei Meyer 310, wo man jetzt die verwickelten Befestigungslinien bei den Blachernen am besten übersieht; vgl. den Art. Blachernai und Unger 243f. Wie das nördliche, so war auch das südliche Ende der Landmauern durch eine besondere Befestigung verstärkt, deren ältester Name Kyklobion sich, wie aus Theoph. 353 de Boor erhellt, ursprünglich auf den Vorsprung der Küste daselbst bezog [977] (μέχρι τοῦ ἀκρωτηρίου τοῦ λεγομένου Κυκλοβίου); vgl. ebd. 395 προσώρμισαν ἀπὸ τῆς Μαγναύρας ἕως τῶν Κυκλοβίου. Die zuerst im J. 480 durch Kaiser Zeno angelegte Befestigung wird zum erstenmal im J. 775 als das runde Castell (Strongylon) bezeichnet (ἐν τῷ Στρογγύλῳ καστελλίῳ Theophr. 448 de B.). Andere Stellen darüber bei Unger 115. 238f., dann Georg. Kedr. I 764f. II 18 u. a. Mordtmann § 22. Später wurde das Castell, das im 10. und 11. Jhdt. wiederholt verstärkt, im lateinischen Kreuzzug geschleift worden war, wegen seiner fünf Türme Pentapyrgon und, als Johannes VI. Kantakuzenos im J. 1350 (oder Johannes V. Palaiologos im J. 1390) zwei weitere Türme hinzufügte, als Heptapyrgon oder Schloss der sieben Türme bezeichnet, wovon die türkische Benennung Jedi Kule die Übersetzung ist. Seine jetzige Gestalt verdankt das Castell im wesentlichen dem Neubau des Sultan Mohammed II. im J. 1455. Grosvenor II 594ff. Meyer 302f. Unger 41 239f. Zur Verstärkung der Hafenmauer längs des Goldenen Hornes diente das Petrion (κάστρον Πετρίον oder τῶν Πετρίων) zwischen dem gleichnamigen Thor und dem Phanar (Plan 4 E), Kodin. 114. Niket. Chon. 721. 753, Chron. Pasch. I 494 Bonn. Const. Porph. caer. I 27, 2. Unger 58. 129. 245f. Mordtmann § 67f. Aus den angeführten Stellen erhellt, dass der Name Πέτρα oder Πέτρίον (z. B. Phrantz. 254 Bekk. ἐν τοῖς μέρεσι τοῦ Πετρίου u. s. w.) ebenso wie später jener des Phanar (Φανάρι, türk. Fener) einen Stadtteil bezeichnete, der schon frühzeitig durch zahlreiche kirchliche Gebäude ausgezeichnet war, über welche vgl. noch Richter 7ff. 183. 234. 380. Selbstverständlich war zu allen Zeiten auch jener bevorzugte Teil der Stadt, welcher in vorchristlicher Zeit die Akropolis (Bd. III S. 1121f.), seit Constantin d. Gr. den grossen Kaiserpalast (s. unten S. 989ff.) und später das (jetzt verlassene) Serail trug, besonders befestigt; vgl. Zonar. XVI 25, wo unter Nikephoros II. (963–69) ausdrücklich von der östlichen und westlichen (Stadtseite!) Mauer der ἀκρόπολις die Rede ist, und Unger 237f. Ob die jetzt das Serail nach der Stadt abschliessende zinnengekrönte und turmbesetzte Mauer byzantinischen Ursprungs und von Michael VIII. im J. 1261 errichtet ist, wie Paspates meinte, ist sehr zweifelhaft; gute Kenner von C. halten dieselbe für ein Werk des Sultans Mohammed II. aus dem J. 1468, s. G. Rosen a. a. O. 349. Grosvenor II 301f. 708. Doch dürfte ihr Verlauf wenigstens im nördlichen Teile mit der byzantinischen, wahrscheinlich schon von Constantin angelegten Mauer zusammenfallen. Über die Mauer am Marmarameer, welche besonders durch den Bau der Eisenbahn (eröffnet 1873) gelitten hat, s. Grosvenor 561ff., über jene am Hafen, von welcher die Uferlinie hauptsächlich in den letzten 100 Jahren immer mehr abgerückt ist, ebd. 570ff.

Außerhalb der eigentlichen Stadt waren besonders befestigt die Blachernen, s. o. S. 975 und Unger 243f., das Kosmidion (castellum Boëmundi), worüber o. S. 970, das Hebdomon (ebd.) wo Theoph. 297 de B. τὸ καστέλλον Θεοδοσιανῶν ἐν τῷ Ἑβδόμῳ erwähnt, die Vorstadt Sykai oder Galata (s. o. S. 971f.). Vorgeschobene Befestigungswerke auf der Landseite befanden sich bei Athyras [978] (s. d. Art. und Unger 241) und bei Selymbria, von wo die ,lange Mauer‘ (τὸ μακρὸν τεῖχος) des Kaisers Anastasios I. nördlich bis zum Schwarzen Meere zog; dieselbe war im J. 507 oder 512 (Chron. Pasch.), zum Schutze gegen die Einfälle der Thraker und anderer Barbaren errichtet und von Iustinian I. verbessert worden (Prokop. de aedif. IV 9); sie war 280 Stadien (60 Milien) von der Stadt entfernt, 420 Stadien (Suid. 50 Milien) lang und 20 Fuss dick, s. Euagr. III 38. Suid. s. Ἀναστάσιος und die übrigen Stellen bei Unger 241ff. sowie Art. Anastasios Bd. I S. 2066. Gillius I 21 (spricht offenbar nicht aus Selbstanschauung). Kiepert Specialk. v. Westkleinasien Bl. II.

Heute haben die Mauern von C. jeden Befestigungswert verloren, gehören aber als ehrwürdige Denkmäler der Vergangenheit und als ein Bild von grosser malerischer Schönheit und romantischem Zauber zu den hervorstechendsten Erscheinungen im Gesamtbild der Stadt. Leider sind dieselben noch in den allerletzten Jahren durch Erdbeben und absichtliche Abtragungen beschädigt worden, so dass der Gesamteindruck dadurch erheblich beeinträchtigt ist, wie ich selbst im J. 1897 gegenüber 1887 erfahren musste. Über die Mauern von C. vgl. im allgemeinen Gillius I 19. J. Dallaway Archaeologia XIV (1803) 231–43 mit 4 Taf. v. Hammer Const. I 67–100. v. Moltke Briefe 34 mit G. Hirschfelds Anmerk. A. G. Paspates Βυζαντ. μελέται 1-61. S. Aristarches Ἀρχαιολ. χάρτης τῶν χερσαίων τειχῶν Κωνσταντινουπόλεως. Ἑλλ. Φιλολ. Σύλλογος, Παράρτ. τοῦ ιδ' τόμου. Konst. 1884, mit grossem Plan und zahlreichen Ansichten. Grosvenor II 558–624 (Abbild.). A. van Millingen, s. u. S. 1010.

Thore. Über die Thore der Stadt handeln Gillius I 20. Ducange I 14–16. Unger 221–37. Hammer I 100–120. Mordtmann passim (s. d. Reg.). Paspates a. a. O. 61–83. Ein anonymes griechisches Verzeichnis aus einer Wiener Handschrift des 16. Jhdts. verdanke ich freundlicher Mitteilung von Th. Preger. Die Thore der constantinischen Landmauer waren, von Süden nach Norden folgend, nach Mordtmann § 16: 1. die Porta aurea antiqua, noch zu Chrysoloras Zeit (14. Jhdt.) bestehend, bei Buondelmonte (1422) Porta antiquissima, jetzt Isa Kapu (Jesusthor), Plan 7 C. 2. Die Porta Attali. 3. Die Porta Saturnini. 4. Die Porta Polyandrii. 5. Die Porta Sancti Ioannis. Unter den Thoren der theodosianischen Mauer entsprach als südlichstes der alten Porta aurea, an welcher die Via triumphalis (s. u.) endigte, das berühmte ,Goldene Thor‘ (Χρυσῆ πύλη), Porta Aurea; Anon. Vind. τῶν ἑπτὰ γουλάδων πόρτα d. i. Thor der 7 Türme) beim Kyklobion (s. o. S. 976) mit drei Eingängen und reichem bildnerischen Schmuck, jetzt vermauert, s. die Stellen bei Ducange I 15. 16. Unger 225ff. Mordtmann § 21. J. Strzygowski Arch. Jahrb. 1893, 1–39 mit Plänen u. Abbild. (Hauptschrift). Plan 9 B. Es folgt nach Norden das Thor des zweiten Militärbezirks (πύλη τοῦ δευτέρου, auch Thor von Rhegion), lange vermauert, seit 1886 dem Verkehr wieder geöffnet (Plan 8 B); über die Bedeutung dieser Zwischenthore, welche weniger dem Verkehr als strategischen Rücksichten dienten, s. Mordtmann § 20. Dann das Thor von Selymbria (auch πύλη τῆς πηγῆς genannt, s. Unger [979] 224f., nach der ½ km westlich davon gelegenen ζῳοδόχος πηγή, jetzt Ἁγίασμα Ἁ Δημητρίου oder Balykly), noch jetzt Silivri kapussi (Plan 7 b), Anon. Vind. Συλληφρίας πόρτα = Σιλληβρὶ καπησί. Gleich darauf das dritte Militärthor (πύλη τοῦ τρίτου) an der als Σῖγμα bezeichneten Einbiegung der Stadtmauer (Plan 7 B). Mordtmann § 23f. Das dritte Hauptthor war die Μελανδησία πύλη, Πόρτα Μελαντιάδος, Πόρτα τοῦ Ῥουσίου, jetzt Mewlewehane Jeni Kapu, Plan 6 B. Mordtmann § 24f. Weiter das vierte Militärthor (πύλη τοῦ τετάρτου), und das Hauptthor des heiligen Romanos, auf der höchsten Stelle zwischen Marmarameer und Lykosthal gelegen, wo Kaiser Constantin XI. Palaiologos, der hier gegen den Hauptangriff der Türken die Verteidigung persönlich leitete, den Heldentod starb, jetzt Top Kapu (τὸπ καπησί, Kanonenthor), Plan 5 B. Unger 229f. Am. jenseitigen Abhang des Lykosthales lag das fünfte Militärthor (πύλη τοῦ πέμπτου), höher hinauf das (fünfte) Hauptthor von Adrianopel, türkisch Edrene Kapussi (Anon. Vind. θύρα τῆς Ἀδριανουπόλεως = ἐντρενὲ καπησί), nach den eingehenden Untersuchungen von Mordtmann § 26–50 (vgl. Unger 230f.) wahrscheinlich das Thor des Charisios (Χαρσίου πόρτα, Χαρσία πύλη, Χαρισοῦς πύλη, Porta Carisii u. s. w.; vgl. u. Καρσία πύλη) der byzantinischen Schriftsteller, Plan 4 C. In dem Winkel beim Tekfur Serai, welcher durch den Anschluss der herakleischen Mauer an die theodosianische gebildet wird (Plan 3/4 C/D), sind drei Nebenpforten (παραπόρτια) zu suchen: das Thor Xylokerkos oder Kerkoporta (Κερκοπόρτα, ἡ λεγομένη Ξυλοκέρκου πυλίς), benannt nach einer hölzernen Rennbahn, die sich dort ausserhalb der Mauer befand, Unger 233. 286. 127. 211. Mordtmann § 52f.; ferner eine jetzt vermauerte Pforte, die Paspates als πόρτα τῶν Ἀσωμάτων bezeichnete, welcher Name bei Kantakuz. III 88 sich jedoch nach Mordtmann § 54 auf Thessalonike bezieht, sowie die Pforte des Kallinikos (bei Theoph. 380 de Boor τῷ ἄνω τῶν Καλλινίκης παραπορτίῳ), vgl. Unger 231; jetzt gleichfalls vermauert), Mordtmann § 55. 60 (wo sie jedoch beim Holzthor, s. u., gesucht wird). Meyer⁵ 311 mit dem Specialplan des Blachernenviertels. Letzterem entspricht jetzt ungefähr der Stadtteil Egri Kapu, benannt nach dem gleichnamigen ,krummen Thore‘, welches aus demselben ins Freie führt, und im 15. Jhdt. als Καρσία, Ἐγκαρσία πύλη bezeichnet wird, wovon der türkische Name die Übersetzung zu sein scheint; so der Anon.Vind. ἐγρὶ καπηςί = στραβὴ πόρτα. Man hat deshalb auch das Thor des Charisios (s. o.) hier gesucht, während Mordtmann § 58 (vgl. 52-55) die erst zur Zeit der türkischen Belagerung genannte porta Caligaria (beim Schusterviertel, ἐν Καλλιγαρέοις) dafür in Anspruch nimmt. Etwas weiter nördlich (Plan 3 C) lag das erst seit der Komnenenzeit erwähnte Thor Gyrolimne (αἱ πρὸς τὴν Γυρολίμνην λεγόμεναι πύλαι), dessen Name von dem Ἀργυρᾶ λίμνη genannten obersten Teil des Goldenen Hornes herrühren soll (Unger 231f.), endlich das als Doppelthor durch die herakleische und die leontische Mauer geführte (innere und äussere) Thor der Blachernen, über welches vgl. Bd. III S. 556. Meyer 314. Unger 232. Das Holzthor [980] (Ξυλοπόρτα, Ξυλίνη πόρτα), erst bei Kantakuzenos erwähnt, war kein Mauerthor, sondern diente nur zur Verbindung des ausserhalb der Mauer gelegenen Hafendammes am Goldenen Horn mit der Vorstadt Kosmidion beim jetzigen Aiwan Serai Kapussi, Mordtmann § 52. 60-64. Unger 234f. Meyer 314f. Es folgen nun in der Mauer am Goldenen Horn (nach Mordtmann) das ‚Jägerthor‘ (πύλη τοῦ Κυνηγοῦ oder τῶν Κυνηγῶν, § 65), 3 welches mit der gleichnamigen Vorstadt (o. S. 970) zum Hafen führte (Plan 3 D); das ,Kaiserthor‘ (βασιλικὴ πύλη, porta imperialis, § 66), so benannt, weil dort der Kaiser zu landen pflegte, wenn er sich nach den Blachernen begab, daher noch jetzt Balat Kapussi (Plan 3D), wie auch der anstossende Stadtteil Balat (d. i. παλάτιον, nämlich der Blachernenpalast) heisst; dagegen setzt der Anon. Vind., welcher zwischen dem ‚Krummen Thor‘ und der Porta Caligaria eine πόρτα τοῦ ἁγιοβασαρή (beim Turm des Anemas) einschiebt, τοῦ κυνηγοῦ πόρτα = μπαλατᾶ καπησί; die porta Phari (τοῦ φαναρίου ἡ πόρτα, jetzt Fener Kapussi, § 67; Plan 4 E); das ,Eisenthor‘ (σιδηρᾶ πύλη) beim Petrion (s. o. S. 977), jetzt Petri Kapussi (§ 67f, Plan. 4 E); das Thor der heiligen Theodosia (πύλη δῆς Ἁ. Θεοδοσίας), benannt nach der zur ,Rosenmoschee‘ (Gül dschami) umgewandelten Kirche der heiligen Theodosia und identisch mit der älteren, nach einem Kloster benannten πόρτα Δεξιοκράτους, jetzt ἁγίας πόρτα = ἁγία καπησί, Aja Kapu (§ 69, Plan 4 E); das ‚Quellenthor‘ (πόρτα εἰς Πηγάς?, porta Puteae, porta al pozo), welches sich nach dem Vorort Spigae (ʾς πηγάς) jenseits des Goldenen Hornes (s. o. S. 973) öffnete, jetzt Dschub Ali Kapussi (§ 71ff.); das ,Mittelthor‘ (Porta Messa bei Buondelmonte), auch Porta Platea genannt nach dem benachbarten Quartier Πλατεία, jetzt Un Kapu (οὒν καμπὰν καπισί = Mehlthor) bei der alten Brücke (§ 74, Plan 5 F); die Porta Vigla oder Drungarii (Βίγλας, Δρουγγαρίων), jetzt Odun Kapussi oder ,Holzthor‘ (τῶν ξύλων ἡ πόρτα, nach einer Holzniederlage), § 78, Plan 5 F); die ,Porta S. Ioannis de Cornibus,‘ jetzt Sindan Kapussi (Kerkerthor; nach andern ist diese = Porta Drungarii); das ,Fährenthor‘ (porta peramatis), auch ,Judenthor‘ (πόρτα Ἑβραϊκή, Tschifut Kapu, s. u. S. 1003) und ‚Fischerthor‘ (porta piscaria) genannt, jetzt Balyk Bazar Kapussi (Anon. Vind. ἡ πόρτα τῶν ψαροπωλίων = μπαλοὺκ καπησί; ,Fischmarktthor‘) bei der neuen Brücke (§ 75. 79; Plan 6 G); das ,Hafenthor‘ (porta Neorii, bei späteren Byzantinern in Verkennung des ursprünglichen Namens ὡραία πύλη, das ,schöne Thor‘ genannt, s. z. B. Ducas S. 282 Bekk. Unger 236), jetzt Bagtsche Kapussi (Gartenthor), beim Bahnhof (§ 83, Plan 6 G); dagegen im Anon. Vind. ὡραίας πόρτα = ἑβραίας π. = τζήφούτ καπησί; verschieden davon Μποστὰν τζήμπασι (bostan = Garten). Das vor diesem an erster Stelle des Wiener Verzeichnisses genannte ἡ αὐθεντικὴ εἰς τὸ σαράγι ist das ins Serail führende Babi Humajun (Kaiserthor). Das Thor des Eugenios (πύλαι Εὐγενίου, μαρμαροπόρτα ἐν τῇ ἐνορίᾳ τοῦ Εὐγενίου), beim Turme Κεντηνάριος Εὐγενίου (s. o. S. 976), entsprechend dem späteren Jaly Köschk Kapussi (Thor am Uferkiosk), das jetzt mit anstossenden Teilen der Stadtmauer {Seite|981}} der Bahnhofanlage zum Opfer gefallen ist (§ 84ff. Unger 235f., Plan 6 H). An der Serailspitze (Βοσπόριος ἄκρα, Angulus S. Demetrii, o. S. 968), wo Küste und Mauer sich nach Süden wenden, lag das Thor der heiligen Barbara, später Top Kapu (Kanonenthor), mit welchem die Reihe der gegen die Hafenseite sich öffnenden Thore abschliesst (§ 84. 87. Unger 222, Plan 6 H). Verhältnismässig wenig Thore sind, abgesehen von den Zugängen, welche die Häfen boten, längs der weniger belebten Südseite der Stadt am Marmarameer zu nennen. Türkischen Ursprungs scheint das ,Stallthor‘ Achyr Kapussi beim alten Hafen Bukoleon zu sein, auf welches eine zweite Eisenpforte (σιδηρᾶ πόρτα, vgl. oben) folgt, jetzt Tschatlady Kapu (Schlächterthor), § 95. Unger 222f, Plan 8 G; dann die Porta Contoscali (τὸ κοντοσκάλι ἡ πόρτα), später Kum Kapu (Sandthor), § 103, Plan 7/8 F (vgl. Unger 263ff. über Örtlichkeit und Namen des Κοντοσκάλιον und u. S. 982); das Thor beim Hafen Vlanga (πόρτα τοῦ βλάγκα, u. S. 983), jetzt Jeni Kapu (neues Thor) § 103f., Plan 7 E; das Thor des heiligen Aemilian, benannt nach einer nahe gelegenen Kirche, jetzt Daud Pascha Kapussi, § 124. Unger 223, Plan 8 D; das Sandthor (πύλη Ψαμαθέα, τοῦ ψαμαθίου, bei Phrantz. 253 τῶν Ὑψομαθίων), noch jetzt Psamatia Kapussi. § 100. Unger 223f., Plan 8 C; endlich die Pforte beim Kloster des Joannes Studios (Plan 8 B), türk. Narly Kapu, beim Anon. Vind. ναρλὶ καπησὶ ἤγουν τῶν ῥοδίων ἡ πόρτα (Granatapfelpforte), § 108.

Häfen. C. besitzt im Goldenen Horn einen der geräumigsten und sichersten natürlichen Häfen der Welt, über dessen geographische Beschaffenheit u. s. w. vgl. den Art. Keras, sowie Bd. III S. 1116f. 2513 (Chrysokeras). In ältester Zeit diente jedoch nicht, wie jetzt, diese Bucht in ihrer Gesamtheit als Hafen, sondern dem anfangs beschränkteren localen Bedarfe entsprachen die kleineren Einschnitte der Küste, welche noch bis Ausgang der byzantinischen Zeit in weit höherem Mass als heute das Gestade gliederten. Soweit dieselben noch dem alten Byzantion angehörten, ist bereits Bd. III S. 1121ff. darüber gesprochen worden. Es sind hienach 1. der Hafen Bosporion (auch Φωσφόριον und Προσφόριον), schon im 4. Jhdt. v. Chr. erwähnt, wahrscheinlich an Stelle der späteren Sirkedschi Iskelessi beim jetzigen Bahnhof, wo zweifellos bedeutende Auffüllungen stattgefunden haben, s. Bd. III S. 741. 1122 mit Plan, dazu noch Unger 256f. Mordtmann § 8. 85. 2. Der Hafen Neorion, das eigentliche Arsenal, jetzt ebenfalls zum Teil ausgefüllt, doch noch als Einbuchtung westlich vom Vorwerk beim jetzigen Zollamt erkennbar, wo das ,Hafenthor‘ (s. oben) in die Stadt führte, s. Bd. III S. 1121f. Theoph. 370 de B. τὸν Νεωρήσιον λιμένα. 386 τὸν τοῦ Νεωρίου τῆς πόλεως λιμένα. 3. Der von Dion. Byz. erwähnte dritte Hafen des alten Byzantion (s. Bd. III S. 1122f.) ist wohl identisch mit dem Perama (πέραμα) der Byzantiner, der Überfahrtsstelle nach Galata, wo jetzt (seit 1845) die sog. Neue Brücke den Hauptverkehr zwischen Stambul und der Gegenseite vermittelt; vgl. o. S. 980 über das ,Fährenthor‘, sowie Unger 90. Mordtmann § 8. 76, wonach diese Gegend früher auch Zeugma (ζεῦγμα = Überfahrt?) [982] hiess. 4. Der Hafen Bukoleon (Βουκολέων) beim gleichnamigen Palast, s. d. Art. Bd. III S. 997. Unger 259f., Plan 7/8 H. Bei Buondelmonte noch als ,Portus Palatii imperialis‘ verzeichnet, ist dieser Hafen auf dem Plan von 1567 nur noch als schwache Einbuchtung beim ,Stallthore‘ zu erkennen. 5. Der Hafen des Iulian (Plan 8 G), von Kaiser Iulianus (361–363) erbaut, um den durch Südwinde gefährdeten Schiffen Schutz zu gewähren, Zosim. III 11, 3. Kodin. 87. 52. Anastasios I. (491-518) liess denselben ausbaggern und durch Wellenbrecher (πρόβολοι) gegen weitere Verschlammung schützen, Suid. Procop. Marcell. bei Unger 261. Gleichwohl entging der Hafen, den man auch nach dem anstossenden Palaste des Hormisdas (τὰ δὲ καλούμενα Ὁρμίσδου λιμήν) Kodin. 87; vgl. Mordtmann § 94. 96. 101) benannte, diesem Schicksal nicht, so dass derselbe durch die Kaiserin Sophia, die Gemahlin Iustinus ΙI. (565–78), völlig neu hergestellt werden musste und deshalb von nun an als der sophianische (mit Bezug auf die nahen παλάτια τῶν Σοφιανῶν, s. u. S. 991 und Theoph. 250 de B. τὸ παλάτιον τὸ ἐν τῷ Ἰουλιανοῦ λιμένι – ἐπωνόμασεν – ἒπ’ ὀνόματι Σοφίας) bezeichnet wurde, s. Gillius II 15 und die Stellen bei Ducange I 19,1. Banduri Comm. 678ff. Unger 260ff. Mordtmann § 98. Theoph. 184 de B. τὸν Ἱουλιανοῦ , τὸν Σοφίας λέγω, λιμένα. ebd. 368 ἐν τῷ Ἰουλιανησίῳ λιμένι τῶν Σοφίας πλησίον τῶν Μαύρου. 235 τῷ λιμένι Ἰουλιανοῦ. 299 τῷ λιμένι τῆς Σοφίας. Mohammed II. liess 1462 die Befestigung wieder in Stand setzen, Leunclavius Hist. musul. (Francof. 1591) 584f; nach den Untersuchungen von Paspates diente der Hafen den Türken dann noch bis zum J. 1515 als Arsenal, und so benennt und zeichnet ihn auch der venezianische Plan von 1567 (s. u. S. 1011). Als man aber den Kriegshafen nach dem Goldenen Horn bei Kassim Pascha verlegte, da wurde der sophianische Hafen ausgefüllt, so dass jetzt nur der Name Kadriga Limani (,Galeerenhafen‘) des teils freien, teils von Gärten eingenommenen Platzes und dessen tiefe Lage, noch im 16. Jhdt. durch einen Wassertümpel gekennzeichnet, an den einst vielbenützten Hafen erinnern, P. Ramnusius Hist. de bello Const. (Ven. 1634) 141. Caedicius Ancien plan de Const. 5. Meyer⁵ 265. Der Lage nach ist mit diesem Hafen wohl identisch das von Nikeph. Greg. XVII 4 genannte νεώριον περὶ τὸν ἱππόδρομον, welches Ducange z. St. (S. 854 und 1291 d. Bonn. Ausg.) jedoch auf den folgenden bezieht. 6. Verschieden vom vorigen ist der Hafen Heptaskalon (Ἑπτάσκαλον Kedr. II 240 Bekk.), auch Kontoskalion genannt; s. Kodin. 109 τὸ δὲ λεγόμενον Κοντοσκάλιον ἡ πόρτα (o. S. 981) ἀπὸ Γαληνοῦ τοῦ παρισταμένου εἰς τὸ κτίσμα τοῦ λιμνοις ἔλαβε τοὔμνομα, dazu Lambeck ebd. 273 und Anon. Band. 34. Pachym. I 365 Bekk. τὸ πρὸς τὸν Βλάγκα Κοντοσκέλιον. Kantakuz. ed. Schopen III 72 πρὸς τῷ λεγομένῳ Κοντοσκαλίῳ ωεωρίῳ αἱ τριήρεις ἐναυπηγοῦντο. 74 ähnlich. 165 τὸ νεώριον τὸ πρὸς τῷ Ἑπτασκάλῳ gereinigt im J. 1351, da der Schlamm Lastschiffen mit bedeutenderem Tiefgang den Zugang nicht mehr gestattete. 212 ähnlich. 220. 284. Phrantz. S. 253 Bekk. Nach Mordtmann § 103 wäre es derselbe Hafen, welcher bei Theoph. 353 de B. mit ἐν τῷ Προκλιανησίῳ τῶν Καισαρίου λιμένι [983] bezeichnet wird. Buondelmonte nennt die Stelle Condoscali vel Arsena und noch jetzt haftet die Benennung an der Örtlichkeit (Pl. 8 F). Freilich ist der Hafen, dessen Ausdehnung an der Einbiegung der Stadtmauer noch wohl zu erkennen ist, jetzt ebenfalls zum grössten Teil ausgefüllt, aber der halbmondförmige Damm, welcher den Eingang gegen das Meer hin schützte und von Theoph. 436 de B. als μῶλος τοῦ Ἁ. Θωμᾶ genannt wird (nach der nahen Kirche des heiligen Thomas, vgl. Mordtmann § 100), ist noch wohl erhalten und dient noch jetzt dem localen Verkehr von Schifferbarken und kleineren Fahrzeugen. 7. Der älteste und seiner ursprünglichen Anlage nach anscheinend grösste Hafen am Marmarameer war der eleutherische, von Constantin d. Gr. vielleicht mit Benützung einer natürlichen Mündungsbucht des Lykos angelegt und nach dem Leiter des Baues, dem Patricier Eleutherios, benannt, aber schon von Theodosios II. (408–450) wieder ausgefüllt, Kodin. 49. 104. Anon. Band. 46. Doch scheint diese Ausfüllung keine vollständige gewesen zu sein, da die Beschreibung der Urbs Const. regio XII einen portus Theodosiacus erwähnt, der wohl nur mit vorigem identisch sein kann; ausserdem weist eine am Eingang befindliche Inschrift ΜΙΧΑΗΛ ΑΥΤΟΚ(άτωρ) auf Wiederherstellung in später Zeit. Immerhin befanden sich schon in byzantinischer Zeit (wie jetzt) dort ausgedehnte Gärten, welche man nach dem benachbarten Quartier Vlanga (Βλάγγα, Βλάγκας, Ducas S. 283 Bekk.; wohl von αὔλαξ [?], daher auf Karten des 15. und 16. Jhdts. la Ulucca) benannte, noch jetzt Vlanga Bostani (,Vlanga-Garten‘). Dieser Hafen war, wie noch jetzt erkennbar ist, ähnlich dem sophianischen, in einen inneren und äusseren geteilt und sowohl auf der Land- wie auf der Seeseite von der Mauer umschlossen, deren Anlage zum Teil noch auf Constantin d. Gr. zurückgeht (Plan 7/8 D/E). Mordtmann § 104. 107. Bei Buondelmonte erscheint der Hafen noch als portus Volanga; auf dem Plan von 1567 ist Lauulaca ein ummauerter Garten. S. Caedicius a. a. O. 5. 8. Die Bezeichnung Portus Hebdomi, welche Mordtmann auf seinem Plane der Landestelle im Goldenen Horn bei den Blachernen giebt, kann nach dem, was oben S. 971. über die Lage des Hebdomon gesagt ist, nicht aufrecht erhalten werden. Vielmehr ist der von Theoph. 228 de B. genannte λιμὴν τοῦ Ἑβδόμου, mit welchem auch der Hafen beim Palaste Secundiana nach Malal. 486 (ἐκαθαρίσθη ὁ λιμὴν ὁ πλησίον τοῦ παλατίου Σεκουνδιανῶν) identisch sein muss, an der a. a. O. näher bestimmten Stelle des Marmarameeres zu suchen. 9. Die Landestelle für die Blachernen befand sich beim Kaiserthore, s. o. S. 980; eine eigentliche Hafenanlage scheint dort nicht bestanden zu haben und war wohl auch nicht nötig. Dass sich dagegen eine Schiffswerfte dort befand, erhellt aus Georg. Pach. I 365 Bekk. τὸ ἐν Βλαχέρναις νεώριον. Noch weiter aufwärts im Goldenen Horn, bei Esma Sultan Serai, lag (10.) der von Leo I. im J. 469 erbaute kleine Hafen (λιμενάριον) des Mamas, welcher für das gleichnamige Kloster und den Palast ausserhalb der Blachernen diente, s. Chron. Pasch. Ol. 312, 11 (I 598 Dind.). Theoph. 385 de B. Unger 79. 258. Richter 389ff. (die [984] topographische Frage ist hier offenbar verwirrt). Mordtmann § 51. 53. Grosvenor I 81f.

Dass jenseits des goldenen Hornes in Sykai (Galata, s. o. S. 971f.) seit ältester Zeit ein Hafen bestand, zeigt Strab. VII 319 a. E. τὸν ὑπὸ τῇ Συκῇ καλούμενον λιμένα. Für die spätere Entwicklung von Galata als Handelscentrum von C. war dieser Hafen von grösster Wichtigkeit, wie auch jetzt an der Landestelle von Karaköi (Schwarzdorf), wie türkisch dieser Teil von Galata heisst, die Fäden des Seeverkehrs von C. zusammenlaufen. Bedeutende Veränderungen haben an der Küste auch hier seit dem Mittelalter stattgefunden; es scheint, dass der Hafen von Sykai eine Einbuchtung war, welche sich an der Stelle der Moschee Kilidsch Ali Pascha und des Exercierplatzes von Tophane erstreckte und erst im J. 1580 ausgefüllt wurde, s. Grosvenor I 128. 674, dazu Meyer⁵ 219 über den jetzigen Hafendamm und den Specialplan ebd. 208. Nach Grosvenor I 132f. sind auch bei Kabatasch (s. Art. Bosporos Bd. III S. 747) Reste einer Hafenanlage noch jetzt zu sehen (Hafen der Rhodier?, doch s. Bd. III S. 747 nr. 47). Derselbe giebt 133f. nähere Mitteilung über die Bucht von Dolma Bagtsche, (Kürbisgarten oder Gemüsegarten), welche sich an Stelle der Sultan Valide-Moschee, des Westfiügels von Dolma Bagtsche Serai und der dazu gehörigen kaiserlichen Stallungen landeinwärts erstreckte und noch den lateinischen Kreuzfahrern, sowie Mohammed II., der von hier aus seine Galeeren über den Landrücken in das Goldene Horn hinüberschaffen liess, als Hafen diente. Erst unter der Regierung Solimans I. (1520–1566) liess der türkische Seeheld Chaireddin Barbarossa die Bucht durch 16 000 Christensclaven ausfüllen und dort einen Gemüsegarten anlegen, welcher der Örtlichkeit wie auch dem bekannten prunkvollen Palast den Namen gegeben hat. Nach Grosvenor entspräche diese Bucht dem Iasonion der Alten, worüber vgl. Bd. III S. 747 nr. 46. Bezüglich der übrigen Häfen und Landestellen am Bosporos muss ich auf diesen Artikel verweisen, sowie auf Art. Chrysopolis und Kalchedon; über die Lage der (jetzt ausgefüllten) Häfen der beiden letzteren Städte s. auch Grosvenor 246. 257.

Leuchttürme stehen in so enger Beziehung zum Seeverkehr, dass sie am besten hier anschliessend an die Häfen erwähnt werden. Ein solcher befand sich mindestens schon im 4. Jhdt. n. Chr. auf der Höhe des ersten Hügels (Ammian. Marc. XXII 8, 7; vgl. Chrysokeras), etwa zwischen Bukoleon und Magnaura (Plan 7 H), wo Constantin V. (741–775) auch eine nach dem Leuchtturm (Φάρος) benannte Kirche und Kloster der Muttergottes erbaute, s. die Stellen bei Unger 266ff. Richter 337ff. Grosvenor I 301f. 307. Ein zweiter kleinerer Leuchtturm, φάνιον (Fani bei Leon. Chi. nach Unger 268) oder (φανάρι genannt, befand sich auf einem Landvorsprung im oberen Teile des Goldenen Horns: nach demselben wurde schon im Mittelalter das dortige Stadtthor (s. o. S. 980) wie auch das angrenzende Stadtviertel benannt, z. B. τοποθεσία τοῦ Φανάρι in einer Urkunde von 1351 bei Müller und Miklosich Acta et Dipl. I 312. Mordtmann § 67. Zu allgemeinerer Bedeutung gelangte diese Bezeichnung, als nach dem Falle [985] von C. das Patriarchat, welches schon im J. 1455 nach dem oberhalb dieses Hafenviertels gelegenen Kloster der Παναγία Παμμακάριστος (Plan 4 D) verlegt worden war, mit der Verwandlung dieses Klosters in eine Moschee durch Murad III. im J. 1591 im Phanar (türk. Fener) selbst seinen Sitz nahm und dieser Stadtteil mehr und mehr die Zuflucht der um das Patriarchat sich scharenden vornehmen griechischen Familien, der sog. Φαναριῶται, wurde. Hertzberg Gesch. d. Byz. 595. 647. Meyer 318f. Grosvenor II 436f. 580. Th. Kind Art. ,Phanarioten‘ in der Allgem. Encycl. III 21, 445–452. Krumbacher Byz. Litt.² 1083. M. J. Gedeon Χρονικὰ τοῦ Πατριαρχικοῦ οἴκου καὶ τοῦ ναοῦ. K/pel. 1884. Über Leuchttürme am Bosporos s. Bd. III S. 751f. nr. 77f. 86f., über Fener Burnu = Heraion bei Chalkedon Grosvenor II 260f.

Brücken. Abgesehen von den kleinen Brücken, welche z. B. über den Stadtgraben (s. o. S. 976) führten und zu welchen die von Kantakuz. I 56. III 81 (Unger 254) erwähnte Kamelbrücke beim Thore Gyrolimne (s. o. S. 979) gehört zu haben scheint, kennen wir aus byzantinischer Zeit nur eine Brücke, welche zur Verbindung grosser Stadtteile diente, nämlich jene, welche Iustinian über den oberen Teil des Goldenen Horns baute, und welche nach ihrer Lage auch Brücke des h. Kallinikos, des h. Mamas, des h. Panteleimon, von Kosmidion oder bei den Blachernen (Bd. III S. 556) genannt wurde; vom jetzigen Landeplatz Defterdar Iskelessi aus überspannte dieselbe in zwölf Bogen den hier schon sehr seichten (höchstens 2 m tiefen) Meeresarm bis nach der Vorstadt Pikridios (s. o. S. 973). Chron. Pasch. I 618. 720 Bonn. Anon. Band. 58. Io. Kinn. II 14 a. E. Ducange IV 14. Unger 122. 254. Mordtmann § 60. 72. Grosvenor I 81. Unter der Brücke über den Fluss Barbyses (s. d. Bd. III S. 5f.), welche Nikeph. Const. 14. 26 de Boor zum J. 619–638 erwähnt, ist wohl dieselbe zu verstehen. Im unteren Teile des Hornes vermittelte nur eine Fähre (τὸ πέραμα) den Verkehr mit Sykai, Theoph. 228 und o. S. 981. Nach Dukas 38 a. E. u. a. errichtete Mohammed II. bei der Belagerung eine hölzerne Brücke ἐπὶ τῶν τοῦ Γαλατᾶ βλέπων εἰς Κυνηγόν; s. A. D. Mordtmann Belag. Konstantinopels 72f. Caedicius Ancien plan de Const. S. 7 X. 42. Da sich dieselbe in der Gegend der justinianischen Brücke befunden haben muss, so ist anzunehmen, dass die letztere vorher abgebrochen war. In unserem Jahrhundert wurde in derselben Gegend (bei Aiwan Serai) eine Pfahlbrücke errichtet, welche jedoch nach wenigen Jahren (1861) als unrentabel wieder abgetragen wurde, s. A. D. Mordtmann Führer von C. S. 40 und den Plan von Stolpe. Die beiden gegenwärtig über das Horn führenden Brücken sind ebenfalls ganz jungen Ursprungs. Die ,alte Brücke‘ oder Mahmudbrücke wurde vom Sultan Mahmud II. im J. 1838 errichtet, s. Rosen Allg. Encykl. II 38, 351; die ,neue Brücke‘, auch Sultan-Valide-Brücke oder Brücke von Karaköi (o. S. 984) genannt, wurde 1845 von der Mutter Sultan Abdul Medschids erbaut und 1877 erneuert, s. Meyer 223. Sie bildet jetzt den Brennpunkt des Verkehrs, während die ,alte Brücke‘ nur wenig belebt ist. Die Geschichte dieser Brückenbauten [986] von Iustinian bis zur Gegenwart zeigt deutlich, wie der Schwerpunkt des städtischen Verkehrs am Goldenen Horne abwärts gewandert ist, und wie die ganze städtische Entwicklung immer mehr auf den Bosporos hinausdrängt (vgl. o. S. 970 und u. S. 990f.). Eine Schiffbrücke über den letzteren, welche Kaiser Herakleios im J. 638 beim Στενόν (der engsten Stelle) schlagen liess, also ein Gegenstück zu jener des Mandrokles (Bd. III S. 748 nr. 57) erwähnt Nikeph. Const. 25f. de B.

Strassen. Unter den Strassen der Stadt tritt besonders hervor die Mittelstrasse, λεωφόρος μέση oder meist kurzweg ἡ Μέση genannt, z. B. Theophyl. Sim. VIII 8, 11 δὰ τῆς λεωφόρου ἣν Μέσην τὰ πλήθη κατονομάζουσιν. Theoph. 369 de B. διὰ τῆς μέσης λεωφόρου; ἡ Μέση ebd. 102. 236. 239. 267. 442. 453. Andere Stellen bei Ducange I 23. Unger 125ff. Sie zog hienach vom Milion (s. u. S. 995) in der Richtung der Meeresküste westwärts über das Forum Constantini, Forum Tauri, Forum Bovis, die troadensischen Hallen und den Xerolophos zum Goldenen Thor (s. o. S. 978), wo sie dann längs des Meeres weiter nach Hebdomon führte. Sie war die eigentliche via triumphalis von C., durch welche alle feierlichen Einzüge stattfanden, dabei auch eine Hauptader des Verkehrs und deshalb auch häufig der Sammelpunkt aufrührerischer Volksmassen (s. z. B. Theoph. a. a. O.). Sie entspricht in ihrem östlichen Teile der jetzigen Hauptstrasse Diwan jolu, im westlichen Teile dem mit verschiedenen Namen bezeichneten Strassenzuge, welchem jetzt von Ak-Serai bis Jedikule die Trambahn folgt, Mordtmann § 4. 109. 111.

Abgesehen von dieser Hauptstrasse sind uns in den Quellen wenig unmittelbare Anhaltspunkte für die Wiederherstellung des Strassennetzes von C. überliefert. Indessen stimme ich G. Rosen Allg. Encykl. II 38, 337 darin bei, dass sich das selbe ,in seinen Grundzügen während des 1550-jährigen Bestehens von C. wenig verändert haben dürfte.‘ Gewiss knüpfte schon der Bauplan der constantinischen Stadt an die Hauptverkehrswege an, welche von der Landseite her sowie von den Häfen nach Byzantion hineinführten. Nach diesen Hauptrichtungen des Landverkehrs bestimmte sich die Anlage der Hauptthore in der constantinischen wie in der theodosianischen Mauer; die auf die Thore von Adrianopel (Edrene Kap.), Selymbria (Silivri Kap.) und Top Kapu führenden Strassenzüge, deren letztgenannter jetzt ebenfalls durch eine Trambahnlinie bezeichnet wird, müssen in der Zeit Iustinians ebenso wie heute Hauptadern des Verkehrs gewesen sein; vgl. Meyer 271. 280f. Obwohl Privathäuser aus vortürkischer Zeit kaum mehr vorhanden sind (Rosen a. a. O. 338) und manche freie Plätze (s. u.) später überbaut wurden, während frühere Bauflächen da und dort jetzt freigelegt sind, so ist doch anzunehmen, dass bei der fortwährenden Erneuerung der Stadt, für welche schon die häufigen Feuersbrünste sorgten, doch in der Hauptsache immer wieder die alten Verkehrslinien beibehalten wurden, die schon durch die Richtung auf die Thore, die grossen Plätze und sonstigen Mittelpunkte des öffentlichen Lebens gegeben waren. So entspricht der jetzige Uzun tscharschi (langer Markt), welcher vom grossen Bazar zum Goldenen Horn führt, dem [987] Μακρὸν ἔμβολον der Byzantiner, s. Mordtmann § 10. 79f. Letzterer gehörte zur Art der Bogengänge (ἔμβολοι), worüber Heyd Levantehandel I 274 und u. S. 996. Über die von den Strassen (λεωφόροι) zu unterscheidenden Gassen (στενωποί) vgl. auch u. S. 1000.

Plätze besass das byzantinische C. in ziemlich grosser Zahl. An Stelle der Agora von Byzantion, über welche vgl. Bd. III S. 1123 und Unger 1311, trat, mit einiger Verschiebung der Örtlichkeit, das Augustaion (Αὐγουσταῖον, Αὐγουστεῖον, Αὐγουστεών), worüber s. den Art. Bd. II S. 2349 und Bd. III S. 1123, sowie die Quellenauszüge bei Ducange I 24, 1. Unger 132–146, aus welchen die bauliche und bildnerische Ausgestaltung des Platzes zu entnehmen ist, Plan 7 G. Über den bildnerischen Hauptschmuck des Platzes, die Reiterstatue Iustinians, s. ausserdem Unger im Repert. f. Kunstwiss. II 131–137. Dethier Augusteon, Pest 1867. Mordtmann 64ff., wo eine im Serail aufbewahrte Zeichnung derselben aus dem 14. Jhdt. mitgeteilt wird. Buondelmonte sah die Statue noch vollständig (1422) und Gillius konnte um 1523 noch Bruchstücke derselben messen, Grosvenor I 297ff. Th. Reinach Rev. ét. gr. 1896, 82–85, ferner die unten über den Kaiserpalast und das Hippodrom angeführte Litteratur. Weiter westlich lag das Forum Constantini, der Hauptplatz und Mittelpunkt der constantinischen Stadt, angeblich der Punkt, wo Constantin während der Belagerung sein Zelt aufgeschlagen hatte (Kodin. 41). Es war ein weiter, länglich runder, mit Platten belegter (πλακωτόν), von zweistöckigen Hallen umschlossener Platz mit zwei Triumphbogen als Portalen, durch Denkmäler der Kunst reich geschmückt. In der Mitte erhob sich eine mächtige, von Constantin aus dem Apollontempel in Rom nach C. gebrachte Porphyrsäule (ὁ πορφυροῦς καὶ περίβλεπτος κίων Hes. Mil. 4, 41), welche das Standbild des Kaisers als Apollon-Helios trug, δίκην ἡλίου προλάμποντα τοῖς πολίταις (Hes.). Es ist die noch jetzt erhaltene sog. ,Verbrannte Säule‘, türkisch Dschemberli Tasch (d. i. ,Säule mit den Reifen‘), ursprünglich mit Fussgestell und Standbild 176’, jetzt noch 40 m hoch, ohne die etwa 2 m unter dem jetzigen Niveau der Strasse liegende Basis. Auch mehrere antike Bildwerke waren auf diesem Forum aufgestellt. Näheres bei Ducange I 24, 5. Unger 146-161; Repert. f. Kunstwiss. II 110-118. Gillius III 3. Rosen a. a. O. 341f. Meyer 269f. Th. Reinach Rev. ét. gr. 1896, 71-74. Vgl. u. S. 1013.

Die wie andere städtische Einrichtungen aus Rom übernommene Bezeichnung forum, φόρον, wurde ausser dem Augustaion und dem forum Constantini noch auf andere Plätze von C. angewendet, so besonders auf das forum Theodosii oder Tauri, auch kurzweg ὁ Ταῦρος genannt nach dem wahrscheinlich früher hier befindlichen Rindermarkt, wogegen an den Kaiser Theodosios I., der im J. 393 n. Chr. diesen anscheinend grössten Platz in C. anlegen liess, dessen Standbild auf einer 140 Fuss hohen, mit Reliefdarstellungen geschmückten und schon 386 errichteten Säule erinnerte (im J. 506 durch ein solches des Anastasios I. ersetzt). Quellenauszüge bei Ducange I 24, 7. Unger 168–175; Repert. f. Kunstwiss. II 118–121. Reinach a. a. O. 74–78, wonach [988] das silberne Reiterdenkmal von dem Standbild auf der Säule zu scheiden. Letztere wurde nach Gillius III 6 erst unter Sultan Bajezit II. (1481–1512) niedergelegt, um der Anlage eines Bades Platz zu machen (nach Grosvenor 300, der hierin dem Konstantios folgt, wurde sie im J. 1517 durch einen Sturm gestürzt). Weiteres s. u. bei der Säule des Arkadios. Jetzt nimmt die Stelle des Tauros teils der Platz bei der Bajezitmoschee, teils das Seraskierat ein (Plan 6/7 F). Siehe noch Mordtmann § 122f. Nicht zu verwechseln mit dem Tauros ist das forum Bovis, Βοὸς ἀγορά, auch kurzweg ὁ Βοῦς genannt, nach dem ehernen Ofen in Form eines Rindes, in welchem vom 4.–7. Jhdt. Verbrecher verbrannt wurden; s. Art. Bus Nr. 1, Bd. III S. 1072, dazu noch Unger 176–179. Es entspricht etwa dem jetzigen Stadtviertel von Ak Serai, das nach Mordtmann § 107 seinen Namen (,weisses Schloss‘) wahrscheinlich von dem ehemaligen Palaste des Eleutherios hat.

Noch weiter westlich längs der Mittelstrasse an Stelle des türkischen ,Weibermarktes‘ (Awret bazar), jenseits der Thalsenkung des Lykos und bereits auf dem Hügel Xerolophos, nach welchem später auch der Platz (und die Säule) selbst benannt wurde, lag das forum Arcadii, von Kaiser Arkadios im J. 403 angelegt und durch Theodosios II. im J. 421 vollendet, daher seitdem amtlich auch forum Theodosianum benannt (Plan 7 D). Auf dem Platze erhob sich eine 40 m. hohe Säule, welche nach Art der Traianssäule mit Reliefdarstellungen geschmückt war und ein Standbild des Arkadios trug. Letzteres stürzte bei dem Erdbeben des J. 740 herab, die Säule selbst aber wurde erst im J. 1719 durch ein Erdbeben so zerstört, dass sie abgetragen werden musste bis auf das 6 m. hohe Fussgestell (mit dem Anfang des Säulenschaftes), welches noch jetzt erhalten ist und bei den Türken der ,Weiberstein‘ (Awret tasch) heisst.

Über die Säule des Arkadios, welche in der Litteratur fortwährend mit jener des Theodosios verwechselt und wie diese als columna historiata bezeichnet wird, vgl. die gute Beschreibung des Gillius IV 7 und Ducange I 24, 10. Die von letzterem auf S. 79 gegebene Abbildung (Reliefband linksläufig!), welche bald auf die eine, bald auf die andere der beiden Säulen bezogen wurde, ist jetzt ziemlich allgemein als wertlos anerkannt, s. Unger 171. Geffroy Mon. Piot II 122ff. 129f. Reinach a. a. O. 75f., 4. Dagegen findet sich eine kleine aber wertvolle Totalansicht bei Sandys Relation of a Journey 1610. Im J. 1676 erwarb die Académie de Peinture zu Paris eine 52 Fuss lange Zeichnung der Reliefs von der columna historiata, welche sich jetzt im Louvre befindet; nach einer von Paillet 1702 gefertigten, auf 32 Fuss verkleinerten Copie (jetzt in der École des beaux art); hat dieselbe der Jesuit Cl. F. Menestrier Description de la colonne historiée u. s. w. (Paris 1702 und Venedig 1765) und dann Banduri auf 19 T. (hinter S. 566 des Commentars) herausgegeben. Als Autor der Zeichnungen wird Gentile Bellini bezeichnet, den die Republik Venedig im J. 1480 zu Sultan Mohammed II. sandte; doch weist der Stil der Zeichnungen eher auf das 17.(?) Jhdt., was jedoch nicht [989] ausschliesst, dass ein Original von Bellini zu Grunde lag. In neuerer Zeit hat man nun ziemlich allgemein diese Zeichnungen auf die Säule des Arkadios bezogen, es scheint aber, dass sie doch von jener des Theodosios stammen; in letzterem Fall kann nur Bellini der Autor sein, da vor 1500 sonst gewiss niemand in der Lage war, ein solches Werk in Constantinopel auszuführen. Vgl. Unger Quellen 179–186; Repert. f. Kunstwiss. II 121–130. E. Müntz La colonne Théodosienne (die er S. 381, 1 mit jener des Arkadios verwechselt!), Rev. ét. gr. 1888, 318–325 (mit einem Bruchstück nach dem Original im Louvre). Reinach ebd. 1896, 75f. Unsere Kenntnis der Säule des Arkadios wurde erheblich gefördert durch die von A. Michaelis Arch. Jahrb. 1892, 91f. mitgeteilte Zeichnung eines Stückes der Reliefs von M. Lorch (Lorich), welcher sich bei der Gesandtschaft Busbecqs (s. u. S. 1008) befand, aus dem J. 1559. Auf Grund dieser und der sonstigen Materialien, wie der Zeichnungen des vor 100 Jahren noch besser erhaltenen Sockels durch Cassas hat dann J. Strzygowski Arch. Jahrb. 1893, 230–249 eine eingehende Darlegung über ,die Säule des Arkadius‘ gegeben, welche jedoch seither durch die von A. Geffroy Monuments Piot II (1895) 99-130 Taf. X–XIII veröffentlichte Beschreibung nach einer unedierten Zeichnung der Pariser Nationalbibliothek (2,42 m. hoch, 0,43 m. breit) überholt wurde; dieselbe stammt aus dem 17. Jhdt. und ist vielleicht durch den Gesandten Nointel (zwischen 1670 und 1680) veranlasst worden. Das ganze Material über die Säule des Arkadios hat dann zuletzt nochmal Th. Reinach Rev. ét. gr. 1896, 78–82 kurz zusammengefasst.

Andere Plätze waren das Strategion, worüber vgl. Bd. III S. 1123 (mit Plan) und Unger 161ff.; das Artopolion oder der Brotmarkt (ἀρτοπώλια, ἀρτοπωλεῖον), zwischen Tauros und forum Constantini, in der Gegend des grossen Bazar, Ducange I 24, 12. Unger 163ff., Plan 8 F; der Amastrianos (τὰ Ἀμαστριανοῦ, ἀγορὰ τοῦ Ἀμαστριανοῦ) mit einer Richtstätte, deren Beziehung zur Stadt Amastris (s. d.) nicht ganz klar ist, dem Etmeidan (Fleischplatz) im ehemaligen Janitscharenquartier entsprechend, am nördlichsten Punkt der Mittelstrasse (Plan 6 E), Ducange 124, 13. Unger 165–168. Mordtmann § 13. 110. 112. 126. 133. Über die Gegend der Χαλκοπράτεια (Buden der Erzhändler) nördlich der hl. Sophia vgl. Gillius II 21. Mordtmann § 6f. 118f. Richter 154. CIG IV 8695.

Unweit dieses Platzes nach dem Tauros zu auf dem Μεσόμφαλος (o. S. 968) ist das Philadelphion mit dem χαλκοῦω τετράπυλον und dem σύνθετος κίων zu suchen, benannt nach einer die Begegnung der Söhne Constantins d. Gr. darstellenden Gruppe, worüber Ducange II 16, 65. Unger 175f. Mordtmann § 126.

Paläste. Unter den einzelnen baulichen Anlagen von C. nahm nach Umfang und geschichtlicher Bedeutung der grosse Kaiserpalast die erste Stelle ein, gewöhnlich nur τὸ μέγα παλάτιον, τὸ παλάτιον, τὰ βασίλεια, τὰ ἀνάκτορα genannt, gelegentlich auch als der ,constantinische Palast‘ bezeichnet, da Constantin d. Gr. denselben angelegt und zu seiner Lieblingsresidenz erkoren hatte. [990] Von Iustinian I. und seinen Nachfolgern bedeutend erweitert, schloss der Kaiserpalast eine Bauthätigkeit von acht Jahrhunderten in sich und bildete nicht nur den vornehmsten und glänzendsten Teil der Stadt, sondern auch den Mittelpunkt für die Politik und Verwaltung des ganzen oströmischen Reiches. Gleich dem Kreml in Moskau, dem Serai der türkischen Sultane, das an Stelle des byzantinischen Kaiserpalastes trat, und ähnlich den Residenzen anderer orientalischer Herrscher, wie z. B. jener zu Peking, bildete der ,grosse Palast‘ eine wohlbefestigte Stadt für sich und umfasste ausser den eigentlichen Palästen und Wohngebäuden für den Kaiser und die kaiserliche Familie ausgedehnte Gärten, Höfe, Säulenhallen, Empfangssäle, Wohnhäuser für die Palastbeamten und Garden und eine Menge von kirchlichen Gebäuden. Zu den Hauptbestandteilen des eigentlichen Palastes gehörten das Chrysotriklinion (τὸ Χρυσοτρικλίνιον oder ὁ Χρυσοτρίκλινος) mit dem Thronsaal, von Iustinus II. 570 errichtet, das Trikonchon, ein von Theophilos 839 aufgeführter Bau, der zu ceremoniellen Zwecken dienende Gebäudecomplex Daphne, von Constantin erbaut und von Iustinian erneuert. In mehr losem Zusammenhang mit dem Hauptpalaste standen der Palast Chalke (τῶν βασιλείων τὰ προπύλαια ἡ καλουμένη Χαλκῆ, ἡ Χαλκῆ πύλη τοῦ παλατίου, s. Bd. IIIS. 2066f.), von Zeno 479 angelegt und von Anastasios I. wiederhergestellt, der von Constantin erbaute und von Leo VI. erneuerte Palast Magnaura (Μαγναῦρα, Μανναύρα u. s. w.), der schon von Theodosios II. angelegte, aber erst seit dem 10. Jhdt. mehr hervortretende Palast Bukoleon, über welchen vgl. den Art. Bd. III S. 997, der von Constantin für die Niederkunft der Kaiserinnen bestimmte Porphyrpalast (ἡ Πορφυρᾶ), das Pentakubuklon (Πεντακούβουκλον, quinque cubicula) u. s. w. Ferner gehörten zum Bereich des Palastes 28 Kirchen und Capellen, das Zeughaus Mangana, das Gefängnis Numera u. s. w. (vgl. u. S. 995). Seit der Eroberung von C. durch die Lateiner und der Bevorzugung der Blachernen als Kaiserresidenz verödete der ,grosse Palast‘ mehr und mehr und war schon in einem fortgeschrittenen Zustande des Verfalles, als die Türken einzogen und Mohammed II. im J. 1468 den Plan fasste, hier einen neuen Palast anzulegen, der im Gegensatz zu dem (jetzt längst verschwundenen) ,alten Serai‘ (Eski serai) beim jetzigen Seraskierat, das bis auf Soliman I. als Hauptresidenz diente und später den Exsultaninnen als Wohnsitz angewiesen wurde, als ‚neues Serai‘ (Jeni serai) oder Top Kapu serai (nach dem Kanonenthor, s. o. S. 9811 benannt wurde, bis Abdul Medschid im J. 1839 die Residenz an den Bosporus hinaus verlegte, so dass seither auch die auf der Stelle des ,grossen Kaiserpalastes‘ liegenden Gebäude als ,altes Serai‘ bezeichnet werden. Eine Beschreibung des letzteren aus der ersten Zeit hat uns Gillius I 7 gegeben. Vgl. Grosvenor 706-749. Diese Wandergeschichte der Kaiserresidenz in C. spiegelt in bezeichnender Weise den ganzen Gang der Stadtentwicklung wieder, wie er sich uns bereits in der Entstehung der Vorstädte und der Verschiebung der Brücken gezeigt hat, nämlich zunächst das Wachstum landeinwärts bis zum oberen Ende des Hornes, wo vom 13. bis zum 15. Jhdt. der [991] Schwerpunkt der Hofhaltung lag, dann wieder ein Vorrücken bis zur Serailspitze, bis in unserem Jahrhundert der Bruch mit einer dreihundertjährigen Überlieferung die Meeresstrasse des Bosporus in den Mittelpunkt der städtischen Entwicklung rückte in ähnlicher Weise, wie jetzt die Bai von New York zum verbindenden Mittelglied des Städtecomplexes von Brooklyn bis Newark geworden ist; vgl. die Bd. III S. 743 angeführte treffende Bemerkung v. Moltkes (Briefe nr. 31 = Ges. Schr. VIII 162) über die Bedeutung des Bosporos als Hauptstrasse von C.

Die Quellen über den grossen Kaiserpalast hat zuerst Ducange II 4 zusammengestellt, wobei freilich das erst 1751 veröffentlichte wichtige Werk des Constantinus VII. Porphyrogennetos über das Ceremonienwesen des byzantinischen Hofes noch fehlt. Dazu kommen jetzt die Auszüge bei Richter 253–371, welche auch die innerhalb des Palastviertels gelegenen kirchlichen und sonstigen Nebenbauten mit umfassen. Den Versuch einer Wiederherstellung des Kaiserpalastes mit dem Augustaion und dem Hippodrom hat nach den beachtenswerten Vorarbeiten von C. P. Bock Bonn. Jahrb. V. VI (1844) 1–160 in neuerer Zeit J. Labarte Le palais impérial de C. (Paris 1861) unternommen, ein Versuch, der jedoch schon deshalb nicht befriedigend ausfallen konnte, weil er ohne Augenschein der Örtlichkeit gemacht ist. Auf gründlicher Ortskenntnis beruht dagegen das wichtige Werk von A. G. Paspates Τὰ Βυζαντινὰ Ἀνάκτορα. (Athen 1885, mit grossem Plan), wovon W. Metcalfe eine englische Übersetzung (The Great Palace of C., Lond. 1893) gegeben hat; vgl. dagegen die scharfe Kritik im Athenaeum 1894 nr. 3486. Mit Paspates stimmt im wesentlichen auch die von einer rohen Planskizze begleitete Darstellung bei Grosvenor I 301–308 überein. Zu wesentlich anderen Ergebnissen über die Lage der einzelnen Palastteile als die früheren Forscher kommt, ebenfalls auf Grund sorgfältiger örtlicher Studien F. v. Reber Der Karoling. Palastbau (Abh. d. bayer. Akad. III. Kl. XIX Bd. [1891] 715-803, mit Planskizze). Gleichzeitig erschienen die eingehenden Untersuchungen über die Topographie des Kaiserpalastes von D. Béljajev Byzantina (in Mém. Soc. arch. russe V, St. Petersburg 1891. Russ.), wozu vgl. G. Destunis Byz. Ztschr. I 344–347. Eine endgültige Klärung der Topographie dieses und anderer Teile von C. ist jedoch wohl so lange aussichtslos, als es nicht möglich ist, systematische Nachgrabungen anzustellen und überall ungehinderten Zutritt zu erlangen, was unter türkischer Herrschaft völlig ausgeschlossen erscheint.

Nächst dem grossen Kaiserpalast nimmt ohne Zweifel der Palastbau der Blachernen die wichtigste Stelle in C. ein, über welchen schon unter Blachernai Bd. III S. 555 das Nötigste gesagt ist. Weitere Quellenauszüge jetzt bei Richter 372ff., und ebd. 376–392 sowie Ducange II 5 über andere Palastbauten, von denen ich hier die Sophianen (τῶν Σοφιανῶν Theoph. 243. 434 de B.) in der Nähe des gleichnamigen Hafens (o. S. 982) und den des Eleutherios (ebd. 467-478 de B. ö.) noch besonders nenne. Dass der einzige noch teilweise erhaltene Palastbau von C. das Tekfur Serai oder ekir Serai (angeblich aus τὰ Κύρου, d. i. ,Palast des [992] Prinzen‘) unweit der Blachernen gewöhnlich, aber fälschlich, als Hebdomon (auch als Palast des Belisar, Iustinian oder Constantin) bezeichnet wird, ist bereits o. S. 971 hervorgehoben worden; vgl. darüber Rosen 342. Meyer 309ff. Grosvenor 391ff. Salzenberg in dem u. gen. Werke S. 36f., Taf. XXXVΙΙf.

Kirchen. Obschon eine Besprechung der kirchlichen Bauten im einzelnen schon wegen des dem classischen Altertum fremden Gegenstands noch mehr ausserhalb der Aufgabe dieses Artikels liegt als die nähere Beschreibung der Paläste und anderer öffentlicher Bauten von C., so müssen dieselben nicht nur deshalb hier auch berücksichtigt werden, weil gerade die bedeutendsten Kirchenbauten in der Zeit von Constantin bis Iustinian entstanden sind, sondern besonders, weil ohne dieselben das Stadtbild, wie es sich seit Constantin d. Gr. entwickelt hat, eines seiner wesentlichsten Züge entbehren würde. Die Zahl der Kirchen in C. war ausserordentlich gross; Paspates zählt deren 392, Ducange 428, Gedeon 463, davon allein 64 Marienkirchen, 95 Klosterkirchen (nach Grosvenor I 311).

Weitaus an erster Stelle unter allen kirchlichen Bauten von C. steht der Wunderbau, welchen Iustinian I. in den Jahren 532–37 durch die Baumeister Anthemios von Tralles und Isidoros von Milet an Stelle der Basilika errichtete, die nach gewöhnlicher Annahme Constantin d. Gr. im J. 326 ,der göttlichen Weisheit‘ (τῇ ἁγίᾳ Σοφίᾳ) widmete und Constantius im J. 360 verschönerte, wogegen dem letzteren die neuere Forschung überhaupt die erste Anlage der Sophienkirche zuschreibt. Fast ein Jahrtausend lang der Stolz und Mittelpunkt der griechischen Christenheit blieb die H. Sophia, vielfach blos ἡ μεγάλη ἐκκλησία genannt, durch die Umwandlung in eine Moschee vor dem Schicksal der Zerstörung bewahrt. Ist auch der äussere Anblick der Aja Sófia, wie die Türken in Bewahrung des christlichen Namens sie nennen, durch diese Verwandlung wesentlich verändert worden, so atmet doch das Innere, wenn man von den Zuthaten des mohammedanischen Cultus absieht, noch ganz den Geist der iustinianischen Zeit, die hier das herrlichste Denkmal byzantinischer Baukunst geschaffen. Für Näheres muss ich auf die reiche Litteratur verweisen, besonders Gillius II 3f. Ducange III 2. Richter 12–101 (Quellenauszüge). G. Fossati Aya Sofia, Lond. 1852 (mit 25 Farbentafeln). W. Salzenberg Altchristl. Baudenkmäler von C. (Berl. 1854) S. 15–32, Taf. VI –XXXII (älteres Hauptwerk). W. R. Lethaby und H. Swainson The Church of S. Sophia, Lond. 1894 (wichtig für die Baugeschichte; vgl. dazu F. v. Reber Byz. Ztschr. IV 607–614). H. Holtzinger Die Sophienkirche, Leipz. 1898 (kurze Beschreibung mit guten Bildern). Grosvenor II 494–557.

Die zweite Stelle an thatsächlicher Bedeutung (nicht an kirchlichem Rang, s. u. H. Eirene) unter den Kirchen von C. nahm jene der Apostel (οἱ ἅγιοι Ἀπόστολοι) ein, von Constantin d. Gr. erbaut, die Begräbnisstätte der Kaiser, nach der Eroberung von C. kurze Zeit (1453–55) Patriarchatskirche (an Stelle der H. Sophia), dann auf Befehl Mohammeds II. niedergerissen, um der [993] grossen Moschee dieses Sultans (erbaut 1463–69) Platz zu machen (Plan 5D). Ducange IV 5, 1. Richter 101–14. Grosvenor I 311ff. Kürzlich ist in der Bibliothek des Athosklosters Laura ein zwischen 931–44 verfasstes Gedicht des Konstantinos von Rhodos zum Vorschein gekommen, welches die ausführlichste Beschreibung der Apostelkirche enthält; dasselbe ist von G. P. Begleri (Odessa 1896; russ.) und (besser) von E. Legrand mit archaeologischen Erläuterungen von Th. Reinach Rev. ét. gr. 1896, 32–103, sodann von G. Wulff Nachr. d. russ. archäol. Inst, in C. I 35–78. 173ff. (russ.) herausgegeben und erläutert worden, s. Krumbacher Byz. Lit.² 723ff.; Byz. Ztschr. VI 166ff. VII 316ff. (mit Plan).

Als dritte Kirche von C. wäre die der Muttergottes in den Blachernen (ἡ ἁγία Θεοτόκος τῶν Βλαχερνῶν) zu nennen, über welche s. Bd. HI S. 555 und zu der dort angeführten Litteratur noch Richter 164–170. Byz. Ztschr. V 369f. 639.

Von den übrigen Kirchen in C. nenne ich hier als durch Alter und Bedeutung besonders wichtig die von Constantin d. Gr. ,dem göttlichen Frieden‘ gewidmete H. Eirene (Plan 7 H), vortrefflich erhalten, aber von den Türken als Arsenal benützt und deshalb unzugänglich; dem kirchlichen Range nach nur der heiligen Sophia nachstehend, zu der sie als eigentliche Parochialkirche des Patriarchen in ähnlichem Verhältnis stand, wie S. Giovanni in Laterano als Kathedrale des Bischofs von Rom zu St. Peter als der Ceremonienkirche des Papstes. Dann die unter Iustinian I. erbaute Kirche der heiligen Sergios und Bakchos (Plan 8 G), als Moschee ,die kleine heilige Sophia‘ (Kütschük Aja Sófia) genannt, welche durch ihre gesicherte Lage einen festen Punkt in der alten Topographie dieses Teiles von C. bildet; ferner die Kirche der heiligen Anastasia (Plan 7 G), jetzt Mehemet Sokolli Dschami; die im J. 463 vom Patricier Studios erbaute Klosterkirche des heiligen Johannes (Plan 8 B), eines der ältesten und ehrwürdigsten Bauwerke von C. von basilikaler Anlage, durch den Stallmeister Elias des Sultans Bajezit II. (1481–1512) in eine Moschee verwandelt und als solche Mir Achor Dschami (,Stallmeistermoschee‘) genannt; die durch ihre wunderbaren Mosaiken und Frescobilder (aus dem 14. Jhdt.) berühmte, uralte Klosterkirche Chora (Μονὴ τῆς χώρας = fuori le mura), schon vor der Gründung des kaiserlichen C. als Zuflucht der Christen weit ausserhalb der Stadt angelegt (Plan 4 C), jetzt Kachrieh Dschami; die Kirchen der heiligen Theodosia (Plan 5 E), jetzt Gül Dschami (die Rosenmoschee), Pantokrator (τοῦ Παντοκράτορος, ,des Allmächtigen‘), Plan 5 E, jetzt Zeïrek Dschami, des heiligen Theodoros von Tyron (Plan 6 F), jetzt Kilisseh Dschami (,Kirchenmoschee‘), Pammakaristos (τῆς Παμμακαρίστου, der allerseligsten Gottesmutter i, 1456–1586 als Patriarchatskirche dienend (Plan 4 D/E), jetzt Fetihieh Dschami, u. a. Im übrigen verweise ich auf die Quellenauszüge bei Ducange III und IV sowie bei Richter 1–252, auf Paspates Βυζ. Μελέται 277–409 und die kunstgeschichtlichen Werke, besonders Salzenberg a. a. O. und D. Pulgher Les anc. églises byzant. de Const., Wien 1878 (mit Atlas 1880), sowie Grosvenor Ch. VIII.

[994]

Klöster. Dieselben bildeten einen wesentlichen Zug im Gesamteindruck von C. Bezüglich des einzelnen verweise ich ausser den Quellenauszügen bei Richter a. a. O. besonders auf das Werk von E. Marin Les moines de C/ple (330–898), Paris 1897, gegen dessen zum Teil unkritische Ausführungen vgl. auch J. Pargoire Les débuts du monachisme à C/ple., Rev. quest. hist. 1899, 67–143.

Öffentliche Gebäude. Neben Kirchen und Palästen war weitaus das bekannteste Bauwerk in C. der Hippodrom (ὁ ἱππόδρομος oder nach byzantinischem Sprachgebrauch gewöhnlich τὸ ἱπποδρόμιον), dessen erste Anlage durch Septimius Severus (im J. 203) bereits Bd. III S. 1125 besprochen wurde. Durch den Tod des Kaisers (211) unvollendet geblieben und seitdem vernachlässigt, wurde derselbe erst von Constantin d. Gr. ausgebaut und am 11. Mai 330 feierlich eingeweiht. Bestimmt einen ähnlichen Mittelpunkt für öffentliche Spiele und Belustigungen zu bilden wie der Circus Maximus in Rom, concentrierte der Hippodrom zu C. bald in noch weit höherem Grade das öffentliche Leben nicht nur der Hauptstadt, sondern des ganzen Reiches in sich, indem bei dem Mangel an sonstiger Gelegenheit zu verfassungsmässiger Bethätigung die politischen Leidenschaften und Interessen der grossen Masse der Bevölkerung sich hier mit elementarer Gewalt Bahn brachen und die Reichsregierung nicht selten in ihren Grundfesten erschütterten. Der Nikaaufstand des J. 532, der Einfluss der Rennbahnparteien auf die Besetzung des Kaiserthrones und das Schicksal so mancher Herrscher, die hier der Volkswut zum Opfer fielen, kennzeichnen die centrale Stellung, welche dem Hippodrom in der byzantinischen Reichsgeschichte bis um 1200 n. Chr. zukommt. Als im J. 1204 die christlichen Kreuzfahrer, die wahren Henker von C., denen weit mehr von dem alten Glanze und dem Reichtum an Kunstwerken zum Opfer fiel, als den Türken zu zerstören übrig blieb, sengend und raubend die damals prächtigste Stadt der Welt verheerten, da war die Rolle des Hippodrom ausgespielt, und wie der grosse Kaiserpalast, so ging auch dieses durch Brand und mutwillige Zerstörung arg beschädigte Bauwerk seit 1204 dem vollständigen Verfalle entgegen. Wir besitzen eine Zeichnung der Ruinen aus der Mitte des 15. Jhdts. (s. u. S. 1013), welche bei Banduri zu S. 664 wiederholt ist und erkennen lässt, wie weit der Verfall um die Zeit der türkischen Eroberung vorgeschritten war. Gillius II 11 giebt uns eine wertvolle Beschreibung der gegen 1550 noch vorhandenen Baureste. Dieselben sind jetzt mit Ausnahme der drei Denkmäler der spina, fast vollständig verschwunden; nur von den Unterbauten der σφενδόνη oder Rundung der Bahn sind noch Teile erhalten. Doch ist der Boden des Platzes, der früher den Itschoglans (Seraipagen) zum Tummeln ihrer Rosse und zum Werfen des Dscherid diente und hierin sowie in der Benennung Atmeidan (Rossplatz) noch die Erinnerung an die einstige Bestimmung bewahrte, jetzt etwa 7 m über die Arena des Hippodrom erhöht, so dass die Oberfläche der spina mit den drei allein noch erhaltenen, erst im J. 1856 frei gelegten Denkmälern des Hippodroms jetzt tief in der Erde steckt. Diese Denkmäler [995] sind der Obelisk Thutmes III., von Theodosios d. Gr. im J. 381 in der Mitte der Rennbahn aufgerichtet, die eherne Schlangensäule, welche einst den goldenen Dreifuss zu Delphi als Weihgeschenk für die Schlacht von Plataiai trug und noch jetzt die bekannte Weihinschrift IGA 70 zeigt, endlich die in Gestalt eines Obelisk gemauerte Säule Constantins VII. Porphyrogennetos, einst mit vergoldeten Bronzeplatten bedeckt, jetzt aber sehr unansehnlich geworden. Über den Hippodrom vgl. Ducange II 1. Unger 286–305. Grosvenor I 319–353. 377–384; The Hippodrome of Constantinople, Lond. 1889. J. B. Bury The Nika Riot. Journ. Hell. Stud. XVII 1897, 92–119, ferner die oben genannten Werke über den Kaiserpalast, von dessen Topographie jene des Hippodroms nicht zu trennen ist. Über das plataeische Weihgeschenk s. besonders O. Frick Jahrb. f. Philol. Suppl. in 487–556 1859). LXXXV (1862) 440–466. Dethier und Mordtmann Epigr. v. Byz. 3-48. E. Fabricius Arch. Jahrb. I 1886, 176–191. IGA 70. Dittenberger Syll. 1; über den ägyptischen Obelisken Lepsius Denkmäler III 60. Birch Transact. R. Soc. Lit. II. (1847) S. II 218ff. Petrie Hist. of Egypt II² 132f. A. Wiedemann Ägypt. Gesch. I 365; über die Säule Constantins B. Paluka Byz. Ztschr. V 158f.

Unter den Gebäuden beim Forum Augusteum ist das Milion (τὸ Μίλιον, in der Urbs Const. IV miliarium aureum) zu nennen, seiner Bestimmung nach als Ausgangspunkt für die Meilenzählung der kaiserlichen Heeresstrassen dem miliarium aureum in Rom nachgebildet, an Gestalt als ein auf vier Bogen ruhendes Gewölbe mit bildlichem Schmuck und Durchgängen aber eher dem Ianus quadrifrons am Forum boarium zu vergleichen. Ducange I 24,2. Unger 247–253. Gillius II 23. F. v. Reber 734. An das Augustaion stiess ferner im Osten (Plan 7 H) der Senatspalast 4 (Σενάτον, auch Σύγκλητον, Βουλευτήριον μέγα u. s. w.), für die Sitzungen des Staatsrates bestimmt, während ein gleichnamiges Gebäude am Forum Constantini für die Sitzungen der Stadtverordneten (λογάδες) diente und vom Kaiser nur in Ausübung consularischer Befugnisse betreten wurde, s. Kod. 174f. Kedr. I 565. 610, wonach für die Beratungen der städtischen Behörden noch ein zweites Gebäude am Tauros diente. Gillius II 17. III 4, Ducange II 9, 1. Richter 393. Reinach Rev. ét. gr. 1896, 86ff.

An das Vorbild des alten Rom erinnerte ferner das in der Gegend des Seraskierats beim Tauros hoch gelegene Capitol (τὸ Καπετώλιον), ein sonst wenig genanntes Gebäude. Ducange II 9, 2. Unger 246. Mordtmann § 9. 10. 27. 76. 123. Plan 6 F. Als Gerichtsgebäude und Gefängnis diente das Praetorium (Πραιτώριον), das nach dem Ceremonienbuch östlich des Forum Constantini gesucht werden muss. Ducange II 9, 6. Richter 398ff. Mordtmann § 110. In früherer Zeit wurde nach Kod. 76 auch das Strategion Bd. III S. 1123) als Gefängnis benutzt, ausserdem auch die schon o. S. 990 genannten Numera (τὰ Νούμερα). In der Nähe des (alten) Patriarchats (bei der H. Sophia) ist nach Theoph 467 de B. auch das Quaestorium (Κυαιστώριον, Κοιαιστώριον) zu suchen, vgl. Ducange II 9, 7. Richter 400. Als Schatzamt [996] diente übrigens das Genikon (τὸ Γενικόν), wogegen für die Verwaltung des kaiserlichen Privatvermögens das Idikon (τὸ Ἰδικὸν) bestimmt war, Ducange II 9, 9. 10. Richter 256. 400f. Über die in C. als Basiliken bezeichneten Gebäude, besonders die als Gerichtshalle dienende grosse Basilika (Βασιλέως στοά, Βασιλική) oder Regia (Ῥηγία) hinter dem Milion und die damit verbundene Bibliothek s. Gillius II 20. Ducange II 9, 3. 12–14. Richter 405–412. Mordtmann § 118, auch den Art. Basilica Bd. III S. 85. In derselben Gegend ist auch der ebenfalls mit einer Bibliothek in Verbindung gebrachte Bau des Oktogon (Ὀκτάγωνον) zu suchen, worüber Gillius II 20. Ducange II 9, 4. Unger 84. Mordtmann § 118–121. Über ähnliche, für Studienzwecke bestimmte Bauten dieser Art, deren einer in der Bibliothek des Klosters Pantokrator, jetzt Scheich Suleiman Mesdschidi genannt (Plan 5/6 E) erhalten ist, s. Grosvenor II 427f., über das Oktogon des Daphnepalastes F. v. Reber a. a. O. 764f.

Von den als Hallen (στοαί) bezeichneten Bauten, zu denen die Basiliken u. a. gehörten, sind im allgemeinen zu unterscheiden die Säulengänge oder Arkaden (ἔμβολοι), deren Unger 127ff. die wichtigsten zusammengestellt hat. Dazu gehörten u. a. die schon o. S. 969 genannten porticus Troadenses und die porticus Cariana (Καριανὸς ἔμβολος Theoph. 261 de B.) bei den Blachernen, wovon noch beträchtliche Reste bei dem Thore Aiwan Serai Kapussi erhalten sind, s. Mordtmann § 64 mit Plan und den Plan zu Meyer⁵ 311; vgl. auch Ducange II 3 Porticus. Über das Μακρὸν ἔμβολον s. o. S. 987.

Einen nicht unwesentlichen Zug in der architectonischen Physiognomie der Stadt bildeten die Säulen (κίονες), deren wir bereits mehrere in Verbindung mit den öffentlichen Plätzen kennen gelernt haben, so die Säule Iustinians auf dem Augustaion (ὁ χαλκοῦς κίων ὁ μέγας – ὁ λεγόμενος Αὐγουστεύς Theoph. 224 de B.), o. S. 987, die Purpursäule (πορφυροῦς κίων ebd. 21) auf dem Forum Constantini, o. S. 987, die Säule des Theodosios auf dem Tauros (κίων τοῦ Ταύρου ebd. 70 u. ö.), o. S. 987, die Säule des Arkadios auf dem Xerolophos (κίων τοῦ Ξηρολόφου ebd. 77 u. ö.). die columna historiata der älteren Reisenden (Plan 7 D), worüber o. S. 988f. Dazu ist ausser der schon oben Bd. III S. 1124f. besprochenen Gothensäule hauptsächlich noch die Säule des Kaisers Marcianus (450–457) zu erwähnen, welche noch in ihrer ganzen Höhe von 10 m erhalten ist und von den Türken Kys Tasch (Jungfernstein) genannt wird (Plan 6 D). Näheres bei Meyer 277f. und über die Säulen im allgemeinen Grosvenor 371ff. F. W. Unger Über die vier Colossalsäulen in C., Repert. f. Kunstwiss. II (1879) 108–37.

Das in älterer Zeit zu Tierkämpfen dienende Kynegion (Κυνήγιον) auf der Serailspitze wurde in byzantinischer Zeit nur mehr als Richtstätte benutzt; s. Bd. III S. 1126. Mordtmann § 88. Unger 284ff., wo man auch das Wenige zusammengestellt findet, was sonst über Theater und Amphitheater in C. bekannt ist (besser bei Ducange II 2). Unter den Zeughäusern (ἁρματοφυλάκεια, ἀρμαμέντα) sind die schon o. S. 990 genannten Mangana (τὰ Μάγγανα oder Μάγκανα = machinae) besonders [997] hervorzuheben, weil dieser Name zur Bezeichnung einer bestimmten Gegend im Bereiche des grossen Kaiserpalastes dient; vgl. Richter 401ff. Mordtmann § 88f. In dieser Beziehung ist auch die Bezeichnung Topoi (οἱ λεγόμενοι Τόποι Kodin. 25) anzuführen, worüber vgl. Bd. III S. 1119 mit Plan S. 1122. Ducange II 16, 89. Richter 224. Mordtmann § 93, sowie das Tzykanisterion (Τζυκανιστήριον, auch Τζουκανιστήριον), ein von Theodosios II. errichtetes Gebäude für das von den Persern tshugan (gr. τζυκανίζω = ἐλαύνειν τὴν σφαῖραν, s. Ducange Gloss. und Sophokles Lex. u. d. W.) genannte Reiterspiel des Balltreibens, worüber Ducange II 4, 30. Richter 305ff. F. v. Reber 772. Über die zahlreichen Spitäler (ξενῶνες, ξενοδοχεῖα) und ähnliche der öffentlichen Fürsorge dienende Anstalten sehe man das Verzeichnis bei Ducange IV 9 und das Reg. zu Richter unter ,Hospize‘, auch Mordtmann § 117. 121 u. ö.

Wasserversorgung. Zu den wichtigsten und auch in der Topographie der Stadt und ihrer Umgebung meist hervortretenden öffentlichen Bauten gehören alle jene Anlagen, welche die Versorgung der Stadt mit Nutzwasser und dessen Verwendung für die Öffentlichkeit (in Bädern u. s. w.) zum Ziele hatte. Die wenigen natürlichen Quellen innerhalb des Stadtgebietes und das in Brunnenschachten zu Tage tretende Grundwasser konnte in keiner Weise dem Bedürfnis einer Grossstadt genügen, und schon vor der Erhebung von Byzantion zur Kaiserresidenz war man auf Zuleitung des Wassers, von aussen bedacht. Aus Cod. Iust. XI 43, 6, und der Osterchronik I 619 Dind. erfahren wir, dass schon Hadrian eine Wasserleitung (ἀγωγός) anlegen liess, welche durch ein an den Praef. praet. Kyros (439–441) gerichtetes Gesetz für den Gebrauch des Palastes, der öffentlichen Bäder und Brunnenhäuser vorbehalten und von Iustinian I. im J. 528 erneuert wurde; es ist der noch jetzt so genannte Aquaeduct Iustinians, das hervorragendste Denkmal byzantinischer Wasserbaukunst, in zweigeschossiger Bogenstellung 265 m lang, 35 m hoch. Ebenfalls antiken Ursprungs ist der Aquaeduct des Valens, ὁ μέγας ἀγωγὸς τοῦ Οὐάλεντος, auch blos ὁ ἀγωγός u. ä. bei Theoph., in den Patria als ἀγωγὸς τῶν μεγάλων ἁψίδων ἤτοι αἱ οὐράνιαι καμάραι bezeichnet, türkisch boz doghan kemeri, d. i. ,Bogen des grauen Falken‘, von Kaiser Valens im J. 368 aus den Mauern des zerstörten Chalkedon erbaut, von Iustinian II. 576 und Constantin V. 766 wieder hergestellt, dann von Soliman I. wieder in Stand gesetzt und noch heute benützt, um das bis zur Höhe des vierten Hügels, bei der Moschee Mohammeds des Eroberers, unterirdisch geleitete Wasser über das dieselbe vom dritten Hügel (beim Seraskierat) trennende Thal zu führen, als zweigeschossiger Bau 625 m lang und 23 m hoch erhalten, Plan 6 E. Meyer 275f. Grosvenor I 356ff. Im übrigen sehe man die Quellenauszüge bei Ducange I 25 Aquaeductus; 26 Nymphaea; 21 Balnaea, Thermae; 28 Cisternae; 29 Cloacae; 30 Latrinae publicae. Unger 191–202 ‚Wasserleitungen, Cisternen und Brunnenhäuser‘, dann Andréossy Voy. à l’enbouch. de la Mer Noire (Paris 1818) II. v. Moltke Briefe 20. Tchihatchef Le Bosphore 46–63, und besonders das vortreffliche neuere Hauptwerk von Ph. Forchheimer [998] und J. Strzygowski Die byzantinischen Wasserbehälter von Constantinopel, Wien 1893, dazu F. v. Reber Byz. Ztschr. IV 128–136. Eine gute Übersicht der Wasserzufuhr von C. geben die Karten der Umgebung der Stadt von H. Kiepert und C. v. d. Goltz (s. u.).

Das durch die Wasserleitungen zugeführte Wasser wurde teils in offene Becken, teils in geschlossene Behälter geleitet, welche von den Byzantinern gleicherweise als Cisternen (κινστέρνη, δεξαμενή, δοχεῖον ὕδατος, ἔλυτρον u. s. w.) bezeichnet wurden. Die drei hervorragendsten Beispiele der ersteren Art, welche an die offenen Teiche in und bei Jerusalem erinnern, finden sich im westlichen Teile der Stadt, zwischen der constantinischen und der theodosischen Mauer. Es sind der jetzt als Tschukur bostan (Grubengarten) bezeichnete Behälter in Exi Marmara (Plan 7 C), seit Gillius als die von Anastasios I. (491–518) erbaute Cisterne des heiligen Mokios (κινστέρνη τοῦ Ἁ. Μωκίου) erkannt, dann das von Strzygowski für die Cisterna Arcadiaca der alten Regionsbeschreibung erklärte und sonach noch ältere Becken bei der Selimsmoschee (Plan 5 D), endlich die von Aspar im J. 459 angelegte Cisterne (ἡ Ἀσπάρου κινστέρνη) an der zum Adrianopeler Thor führenden Strasse, jetzt Tschukur bostan von Kara gümrük (Plan 4 D). Es ist zu beachten, dass die drei genannten grossen Wasserbecken zur Zeit ihrer Entstehung ausserhalb der Stadtmauer lagen, doch gab es auch innerhalb der constantinischen Mauer solche Behälter, wie die im J. 369 angelegte Cisterne des Modestus, welche jetzt Strzygowski in dem ehemaligen Teich beim Sattlermarkt (Sarrâdsch hané) erkennt, wo man früher die Cisterne der heiligen Apostel oder der vierzig Märtyrer suchte (s. Plan 6 E). Überwiegend waren jedoch innerhalb der älteren Stadt, schon der Kostbarkeit des Platzes wegen, die geschlossenen unterirdischen Becken, deren noch eine ganze Anzahl erhalten ist; die berühmtesten derselben sind die staunenswerten Anlagen von Bin bir direk (,1001 Säule‘) und Ierebatan Serai (,das versunkene Schloss‘), von denen erstere gewöhnlich für die unter Constantin d. Gr. erbaute Cisterne des Philoxenos (Plan 7 G), letztere für die von Iustinian I. angelegte Cisterne Basilica (ἡ βασιλικὴ κινστέρνη) gehalten wird (Plan 6/7 G). Gegen die herkömmliche Auffassung dieser durch die Grossartigkeit ihrer Anlage und die vortreffliche Erhaltung imponierenden Bauten als Cisternen hat neuerdings F. v. Reber a. a. O. erhebliche Einwendungen erhoben und die Verwendung derselben als Wasserbehälter aus technischen und künstlerischen Gründen bestritten. Eine endgültige Entscheidung hierüber ist wohl so lange nicht möglich, als nicht auch der Zusammenhang dieser Räume mit dem ganzen System der Wasserversorgung von C. durch Canäle u. s. w. aufgeklärt ist. Von anderen Cisternen nenne ich noch jene des Theodosius in der 5. Region (Plan 5 G), des Aëtius, des Bonus (Βῶνος Plan 4 D, doch ist die Lage unsicher), der Pulcheria, die ,grosse Cisterne bei der Porphyrsäule‘ und jene unter dem Hippodrom, worüber man die Nachweise jetzt am besten bei Forchheimer-Strzygowski 147–188 findet, ebenso wie ebd. 35–114 ein möglichst vollständiges Verzeichnis der noch [999] erhaltenen Wasserbehälter. Weitere Beiträge zur Kenntnis der letzteren liefert B. Paluka Mitteil. d. deutschen Exkursionsklubs I 48–56 und Byz. Ztschr. II 647f. IV 594–600. Im übrigen vgl. noch Grosvenor I 360–371. Meyer 267ff.


Unter den öffentlichen Bädern in C. werden neben den schon Bd. III S. 1125f. besprochenen, auf Severus zurückgehenden Thermen Kaminia und Zeuxippos jene des Constantin und des Arkadios besonders erwähnt. Näheres über diese und andere Bäder in den von Ducange a. a. O. und bei Unger 269–283 gesammelten Stellen. Nur von den Thermen Constantins, welche von Mohammed II. wieder in Stand gesetzt und von den Türken (mit Bezug auf ihre Lage in einer Einsenkung des 4. Hügels) Tschukur Hammam (Grubenbad) genannt wurden, hat sich das alte Mauerwerk noch zum Teile erhalten, ist aber jetzt ganz unzugänglich. Grosvenor I 296f. 359f. Meyer 278.

Über die zur Canalisation und Abfuhr des Unrates dienenden Einrichtungen (Kloaken u. s. w.) sehe man die Stellen bei Ducange a. a. O., über die nächtliche Beleuchtung der Stadt Hertzberg Gesch. d. röm. Kaiserr. 681 und Ammian. Marc. XIV 1, 9 (diese Stelle bezieht sich jedoch auf Antiochien).

Privatbauten. Neben den zahlreichen öffentlichen Bauten, welche das architektonische Gesamtbild der Stadt bestimmten, treten naturgemäss die privaten Gebäude, in denen das häusliche Leben des Volkes von C. sich abspielte, an individueller Bedeutung ganz zurück; doch werden verschiedene Privathäuser vornehmer Byzantiner genannt, wie das durch seine Kunstschätze berühmte Haus des Lausos, das jedoch nicht mit dem Λαυσιακός genannten Teile des grossen Kaiserpalastes zu verwechseln ist, jene des Harmatios, des Antiochos, des Toxaras, des Ioannes Synkellos u. a., worüber man bei Richter 415ff. einiges gesammelt findet. Eine hierauf gerichtete Durchforschung der byzantinischen Litteratur würde gewiss noch weit mehr zu Tage fördern, besonders auch bezüglich der Einrichtung des byzantinischen Privathauses, für die wir um so mehr auf die litterarischen Quellen angewiesen sind, als sich von dieser Art von Bauten wohl nichts erhalten hat; vgl. o. S. 986. Was die Menge und Anordnung der dicht aneinandergebauten Privathäuser betrifft, so ist dafür Agath. V 3 zu beachten (συνεχεῖς γὰρ ἁπανταχοῦ αἱ οἰκοδομίαι τῆς πόλεως καὶ ξυνημμέναι ἀλλήλοις καὶ σπανιαίτατα ἴδοι τις ἂν χωρίον ὕπαιθρον). Doch bestimmte schon der Cod. Theod. XV 46, dass private Bauten von den öffentlichen mindestens 15 Fuss entfernt zu sein hätten, und die Bauordnung des Kaisers Zeno (474–491) für C. setzte fest, dass auch bei den Privathäusern unter sich je 12 Fuss vom Fundament bis zum Dach Abstand bleiben solle; der Höhe des Hausbaues war unter dieser Voraussetzung nur in so weit Schranke gesetzt, als keinem Nachbar die freie Aussicht auf das Meer entzogen werden durfte (Cod. Iust. VIII 10, 12). Für die Bauart der Privathäuser ist besonders die Ansicht des Hippodrom von 1450 (vgl. O. S. 994) zu beachten, welcher ein ganzes Stadtviertel mit giebelgedeckten und einigen flachgedeckten Häusern sowie zahlreichen Kuppelbauten (Kirchen?) zeigt; auch der Plan des Buondelmonte [1000] und die älteren Ansichten aus türkischer Zeit (s. u.) sind in dieser Beziehung sehr lehrreich. Aus derselben Bauverordnung, welche Unger 70ff. nebst einigen anderen aus Cod. Theod. und Iust. mitgeteilt hat, ersehen wir, dass an den Häusern häufig-Altane (solaria, Söller) angebracht waren, welche nach unten frei sein mussten und weder durch Säulen gestützt, noch mit der Strasse durch eine Treppe verbunden sein durften; zwischen den Altanen gegenüberliegender Häuser musste mindestens 10 Fuss Abstand bleiben, was auch das Mindestmass für die Breite der Gassen (στενωποί) gewesen zu sein scheint. Diese und andere Bauverordnungen, deren Erläuterung besonders vom bautechnischen Standpunkt aus sehr zu wünschen wäre, waren neben aesthetischen und hygienischen Rücksichten, wie sie besonders in dem Erlass des Kaisers Zeno geltend gemacht werden, hauptsächlich, wie ebenfalls mehrfach ausdrücklich hervorgehoben wird, durch die Gefahr der Feuersbrünste bedingt, welche in byzantinischer Zeit kaum minder verheerend waren, als die berüchtigten Brände der türkischen Stadt. Sie haben mehr als irgend ein anderer Eingriff bis auf die Gegenwart zur fortwährenden Umgestaltung und Erneuerung der Stadt und zur Zerstörung des Alten beigetragen, und naturgemäss wurde davon die grosse Masse der Wohnhäuser mehr und häufiger betroffen als die solideren und besser geschützten öffentlichen Bauten. Solche Brände fanden statt in den J. 400, 404 (H. Sophia), 406 (Hippodrom), 433, 462, 465, 469, 476, 491, 498, 507, 509, 510, 513, 532 (H. Sophia), 549, 559, 561, 562, 564, 583, 603, 791, 887, 931, 956, 1040, 1203, 1204, 1261, 1291, 1308 u. s. w. Quellen bei Unger 74–91.

Nächst dem Feuer haben zur Zerstörung der Gebäude von C. am meisten die Erdbeben mitgewirkt, welche bis zur Gegenwart eine stete Gefahr für die Stadt bilden. Erdbebenjahre der byzantinischen Zeit sind 402, 407, 412, 417, 422, 447 (Einsturz der Mauern), 450, 480, 492, 542, 554, 555, 558 (Einsturz der Sophienkuppel), 740, 865, 869, 945, 986 (wieder ein Teil der Sophienkuppel eingestürzt), 1010, 1064, 1202, 1296, 1331, 1343. Quellen bei Unger 92–100. Weiteres Material über die Erdbeben zu C. bei A. Perrey Mém. s. l. trembl. de terre ress. dans la pénins. turco-hellén. et en Syrie (in den Mém. couronnés u. s. w. der Ac. R. de Belg. XXIII 1848). J. F. Julius Schmidt Stud. üb. Erdbeben (² Lpz. 1879) 137ff. O. Weismantel Die Erdbeben des vord. Kleinasiens in geschichtl. Zeit, Marb. 1891. G. Maas Das Erdbeben von Konstantinopel 1894, Himmel und Erde VII 409–426. 458–467.

An dritter Stelle treten als zerstörendes Moment die gewaltsamen Veränderungen durch Menschenhand hinzu, welche sich hauptsächlich an die beiden Eroberungen der Stadt durch die Lateiner im J. 1204 und durch die Türken im J. 1453 knüpfen; über erstere vgl. oben S. 994 und, ausser den bekannten Geschichtswerken, Ch. Hopf Chroniques gréco-rom., Berl. 1873. Grosvenor I 38f. II 533f. Über die zweite Eroberung durch die Türken, welche nach Gillius II 1 jam centum annos non cessant funditus antiquae urbis vestigia delere, vgl. J. v. Hammer Gesch. d. osman. Reiches I² 386ff. A. v. Mordtmann [1001] Belag. u. Erob. Constantinopels durch die Türken, Stuttgart 1858. A. G. Paspates Πολιορκία καὶ ἅλωσις τῆς Κ/πόλεως ὑπὸ τῶν Ὀθωμανῶν, Athen 1890, dazu Byz. Ztschr. II 331f. Grosvenor I 40ff. II 536ff. J. Mordtmann Esquisse p. 80 (Quellen).

Bevölkerung. Die Grundlage der Bevölkerung bildeten die dorischen Ansiedler, durch welche anfangs der dorische Dialekt herrschend wurde, der jedoch schon frühzeitig in die κοινή überging, s. den Art. Byzantion Bd. III S. 1143. Ohne Zweifel hatte sich jedoch von Anfang an die Colonie nicht reinen Stammes erhalten, sondern mit fremden, besonders thrakischen Elementen vermischt, die aber von dem griechischen Volkstum äusserlich aufgesogen wurden. Eine viel weiter gehende Mischung hatte die Neugründung von C. als Reichshauptstadt zur Folge. ,Um seine Schöpfung möglichst schnell durch ein neues Volk zu beleben und zahlreiche Ansiedler zur Übersiedelung zu locken, wandte Constantin alle möglichen Mittel und Begünstigungen an. Nicht nur dass Constantinopel als Gemeinde mit allen Rechten und Privilegien der alten Welthauptstadt an der Tiber begabt wurde und mit dem ,italischen‘ Rechte die Befreiung von Reichssteuern erhielt, so stellte der Kaiser auch den einzelnen Ansiedlern namhafte Vorteile in Aussicht.‘ Hertzberg Gesch. d. röm. Kaiserr. 681f. Schiller Gesch. d. röm. Kaiserr. II 225. Burckhardt Zeit Constantins d. Gr. 418. Dieses Zuströmen der verschiedensten Elemente konnte jedoch den griechischen Typus der Stadt nicht ändern, wenngleich derselbe, ähnlich der Bevölkerung aller Grossstädte, ein individuelles Gepräge erhielt. Auch der amtliche Gebrauch der römischen Sprache, wie er in den Titulaturen der Kaiser und den Einrichtungen der Staatsverwaltung, in den Gesetzgebungswerken des Theodosius und Iustinian und in der Organisation der Armee zu Tage trat, blieb rein äusserlich und beeinflusste das Volkstum nicht weiter, als dass eine Anzahl römischer Ausdrücke, mit denen ein fest umschriebener Begriff verbunden war, unverändert in den griechischen Sprachgebrauch übergingen, statt wie früher übersetzt zu werden, z. B. Σενάτον, Ῥηγεῶνες u. s. w. Anderes der Art s. bei Hertzberg Gesch. d. Byz. 194. Die Inschriften aus C., auch aus früherer Zeit, sind fast ausschliesslich griechisch und zeigen, dass das Lateinische, der Bevölkerung oder auch nur einem nennenswerten Bruchteil derselben niemals geläufig war. Mit dem Zerfalle des weströmischen Reiches und der Consolidierung der östlichen Reichshälfte als eines geschlossenen Staatswesens, in welchem griechisches Volkstum und griechische Sprache die unbedingte Vorherrschaft hatten, wurden auch die äusseren Zeichen, in denen sich das Fortleben deσ römischen Staatsgedankens verkörperte, mehr und mehr abgestreift. Das Lateinische, noch zu Iustinians Zeit, doch nicht mehr ausschliesslich, die Hofsprache in C., verlor seit Maurikios (582–602) seine officielle Geltung, und alle amtlichen Erlasse werden seitdem nur noch griechisch veröffentlicht, Finlay Griechenl. unt. d. Röm. 284, 10. Die natürliche Folge war, dass seit dem 7. Jhdt. das Griechische als Commandosprache der Armee an Stelle des Lateinischen trat und [1002] im 8. Jhdt. die lateinischen Münzlegenden durch griechische verdrängt wurden. Constantin V. (741–775) und Leo IV. (775–780) sind die ersten, welche gelegentlich auf Münzen statt des herkömmlichen dominus und Augustus als δεσπότης und βασιλεύς bezeichnet werden, und Michael I. (811–813) heisst zuerst βασιλῖς Ῥωμαίον, s. Kubitschek Bd. III S. 1154. Das 9. Jhdt, brachte endlich auch in der Gesetzgebung den griechischen Charakter des Staates zum vollen Siege. Waren auch die seit dem 7. Jhdt. neu erlassenen Gesetze sämtlich griechisch, so bildete die Grundlage des bürgerlichen Rechtes doch das grosse Gesetzgebungswerk Iustinians, für dessen officielle Geltung, unbeschadet der Verbreitung einzelner Teile in griechischer Bearbeitung, die lateinische Fassung massgebend war. Hiedurch wurde dasselbe dem Rechtsbewusstsein des Volkes mehr und mehr entfremdet, bis der grosse Reorganisator des Reichs, der Makedonier Basileios I. (876–886), das von seinem Nachfolger Leo VI. (886–911) vollendete Werk der Basiliken (τὰ Βασιλικά) schuf, welches das Corpus iuris, auf dessen Inhalt es wesentlich beruhte, bald ganz verdrängte, Krumbacher Byz. Litt. 605ff. Freilich war dieses griechische Volkstum, wie es bis zum 10. Jhdt. mit steigender Macht in allen Zweigen der Staatsverwaltung, in der Umgangssprache der Provinzen und im Leben der Reichshauptstadt zur Geltung kam, längst nicht mehr das antike, auch nicht mehr im Sinne des durch die makedonische Weltpolitik geschaffenen Hellenismus und der κοινή). Das Griechentum war in jene Phase übergegangen, die wir als den Rhomaismus bezeichnen können, scharf geschieden von der antiken Cultur durch die christliche Weltanschauung und durch jene Umbildung der Sprache, aus der das Neugriechische hervorgegangen ist, dem schon die Volkssprache der iustinianischen Zeit innerlich näher gestanden zu haben scheint, als dem Griechentum des perikleischen Zeitalters. Vgl. hiezu meine Bemerkungen Korr.-Bl. d. Ges. f. Anthr. 1897, 4f.

War sonach die Bevölkerung von C. der Sprache nach im wesentlichen eine einheitliche, wie sie es allmählich im ganzen Reiche geworden war, so war sie es keineswegs dem Blute nach. Zu den verschiedenartigen Elementen, die wie oben bemerkt bei und zum Teil schon vor der Gründung von C. am Goldenen Horn zusammenströmten, kamen im Laufe der Zeit noch vielfach fremde Volksbestandteile, welche eine weitgehende Rassenmischung zur Folge hatten. Hierher gehörten von Anfang an die fremden Truppen, in denen die barbarischen Elemente mehr und mehr überhand nahmen, im Besondern auch die gothischen Abteilungen, welche ausserhalb der constantinischen Mauer im sog. Hexakionion (s. o. S. 971) garnisonierten, sowie die seit dem 9. und 10. Jhdt. auftretende nordgermanische Garde der Warangen (Βάραγγοι, Waräger, Vaeringjar), welche anfangs aus durch Russland eingewanderte Normannen, seit dem 11. Jhdt. auch durch Angelsachsen ergänzt wurde. Viele derselben ,heirateten, blieben in C. und gründeten unter den Rhomaeern ihr eigenes Hauswesen. Namentlich gab es manche ihrer Führer, die sich mit der griechischen Aristokratie verschwägerten, und deren Nachkommen sich und [1003] ihre Nachkommen vollständig graecisiert haben,‘ Hertzberg Gesch. d. Byz. 221. Weitere Litteratur hierüber bei Krumbacher Gesch. d. byz. Litt. 1086. Noch bedeutender an Zahl war das fremde Volkselement, welches C. seit dem 11. Jhdt. durch die Ansiedlung fremder, hauptsächlich italienischer Kaufleute erhielt. Während die Garde nur durch fortwährend frischen Zuzug ihren fremden Charakter bewahrte, jede Generation derselben aber nach und nach vom Rhomaeertum aufgesogen wurde, bildeten die Genuesen in Galata eine Gemeinde für sich mit selbständiger Verwaltung, Kirche und Umgangssprache, welche diesem Stadtteil einen erst in der Gegenwart sich verwischenden italienischen Charakter aufprägte, s. o. S. 973 und Paspates Ἑλλ. Φιλολ. Σύλλ. VI. Βυζαντ. Μελέται 127ff. 204ff. Heyd Gesch. d. Levantehandels I 208ff. 499ff. II 305ff. Auch in der Altstadt besassen dieselben ein Quartier am Hafen (Plan 6 G) ebenso wie die Pisaner und die Venezianer (ebd. 6 F), über deren Ansiedlungen im 14. Jhdt. vgl. auch Ch. Diehl Mél. d’archéol. 1883, 90–131. Näheres über die Lage der einzelnen Quartiere und das Verhältnis derselben zur griechischen Bevölkerung bei Heyd I 275ff. Einen nicht geringen Procentsatz machten ferner die Juden aus, welche allerdings erst durch die Einwanderung der spanischen Juden (Sephardim) seit 1492 in C. und besonders in Thessalonike zu einem erheblichen Bestandteil der Bevölkerung wurden, worüber vgl. besonders Karl Braun Türk. Reise II 275ff. Doch auch im Mittelalter waren die der deutsch-polnischen Gruppe (Aschkenazim) angehörigen Juden in C. schon zahlreich und in bestimmten Gegenden der Stadt localisiert, s. o. S. 974 und vgl. ferner die Porta Ebraika oder P. Iudaea o. S. 980, ἑβραϊκή σκάλα u. s. w. in dem Hebraica oder Iudeca genannten Quartier am Hafen (Plan 6 G). Über letzteres vgl. jedoch Heyd a. a. O. I 275ff., wonach die Juden seit Theodosius II. (408–450) in der eigentlichen Stadt nicht wohnen durften; ebenso nach Benjamin von Tudela (12. Jhdt.), der in Pera 2000 rabbanitische und 500 karaitische Juden zählt. Doch müssen sie unter den Türken auch in Stambul wieder zugelassen worden sein, denn Gillius III 2 a. E. fand sie dort in der Nähe des Hafens angesiedelt. Im J. 1589 wurden die Juden aus dem Quartier in Stambul vertrieben und später an Stelle des Ghetto die Jeni Valide Moschee errichtet, GrosvenorII 575. Mordtmann § 78. 82. Die jetzt so zahlreichen Armenier kommen für die ältere Zeit nicht in Betracht, da der Zug der armenischen Einwanderung erst mit der türkischen Eroberung beginnt, wenngleich einzelne Armenier ebenso wie Türken schon in der letzten Periode des byzantinischen Reiches in C. angesiedelt gewesen sein mögen. So war Axuchos, der Minister des Kaisers Ioannes II. Kommenos (1118–43), ein geborener Türke, s. Hertzberg Gesch. ü. Byz. 285, und gegen Ende des 14. Jhdts. war die Zahl der als Kaufleute in C. angesiedelten Türken bereits so gross, dass Sultan Bajezit I. (1389–1403) bei Kaiser Manuel II. (1391–1425) für dieselben die Erbauung einer Moschee auf dem Xerolophos, welche nach seinem Grossvezier Daud Pascha genannt wurde, sowie eigene Gerichtsbarkeit durchsetzte, Grosvenor II 699. Hammer I 431. [1004]

Die Zahl der Bewohner kann nur ganz annähernd geschätzt werden. Schon zu Anfang des 5. Jhdts. soll dieselbe mehr als ½ Million betragen haben, s. Hertzberg Gesch. d. römischen Kaiserreichs 682. Auch die neueren Schätzungen weichen ausserordentlich von einander ab; so berechnete R. Pococke im vorigen Jahrhundert die Bevölkerung auf 3 600 000 (!); Graf Andréossy (s. u.) nach dem Wasser- und Mehlbedarf auf 633 000; vgl. Grosvenor I 8f. Von diesen Extremen kommt das untere der Wahrheit jedenfalls näher als das obere. Eine Reihe anderer Angaben über die Bevölkerung von C. findet man bei Byzantios I 72ff. besprochen. Die ,amtliche Statistik‘ aus dem J. 1885 giebt die Gesamtzahl zu 873 565 Seelen an, wovon, nach den zehn jetzigen Bezirken verteilt, 389 545 auf Stambul (das eigentliche C. des Mittelalters), 237 293 auf Galata, Pera und die angrenzenden Stadtteile, 118 467 auf Skutari mit Kadiköi, 99 102 auf das europäische, 29 158 auf das asiatische Ufer des Bosporos entfallen, Meyer 205f. Beruhen diese Ziffern auch, trotz ihrer scheinbaren Genauigkeit, auf einer höchst unsicheren Grundlage, so geben sie doch einen Anhaltspunkt für die Verteilung der Bevölkerung um das verbindende Mittelglied des Bosporos und gestatten unter Berücksichtigung der mehrfach dargelegten Verschiebung des städtischen Schwerpunktes auch Rückschlüsse auf das byzantinische C. Hiebei ist jedoch nicht zu übersehen, dass die Bevölkerung von C. auch mehrfach grossen Schwankungen unterlag. Neben der Erschütterung des Gleichgewichtes, welche die lateinische und die türkische Eroberung mit sich brachte, und neben der grossen Zahl von Menschen, welche den Erdbeben (s. O. S. 1000) zum Opfer gefallen sind (so z. B. im J. 1509 über 13 000, s. Maas a. a. O. 415), sind es besonders verheerende Seuchen und vor allem die Pest gewesen, an deren Auftreten sich bedeutende Rückschläge knüpfen. So folgte dem furchtbaren Nikaaufstand, bei dem allein an 40 000 Menschen umgekommen waren, die sog. iustinianische Pest, welche in dem Zeitraum von 531–580 periodisch wiederkehrte und zeitweise täglich 5000, ja 10 000 Menschen in C. dahingerafft haben soll, J. F. C. Hecker Volkskrankheiten des Mittelalters 3ff. Häser Gesell. d. Medizin III 43ff. K. Martin Peterm. Mitt. 1879, 257ff. Eine der furchtbarsten Epidemien 50 war die fünfte Bubonenpest zu C., welche im J. 747 von Unteritalien über Griechenland her sich ausbreitete und besonders in der Hauptstadt zahllose Opfer forderte, so dass viele Häuser ganz ausstarben, Theoph. 422f. de B. Nikeph. Const. 62f. de B. Im J. 1592 fielen in C. 180 000 Menschen an der Pest, während die überlebenden 400 000 sich unter gemeinsamer Leitung des Patriarchen und des Scheich ül Islam zum Bittgebet auf dem Okmeidan von Sonnenaufgang bis zum Abend versammelten, Grosvenor I 90f. Noch 1812 soll ¼ der Bewohner (160 000) der Seuche erlegen sein, wie Andréossy Const. 161ff. berichtet, und bei der letzten Pestepidemie von 1837, welche uns Moltke Briefe nr. 26 geschildert hat, sind nach dessen Schätzung mindestens 20–30 000 umgekommen.

Die Geschichte der Stadt als solche gesondert von jener des byzantinischen, bezw. türkischen ((Seite|1005}} Reiches zu schreiben, ist bisher von niemand ernstlich versucht worden. Über die Geschichte des alten Byzantion hinaus, welche zum erstenmal von J. Miller an dieser Stelle in ihrem ganzen Zusammenhange dargestellt wurde (Bd. III S. 1127–1150), besitzen wir, von summarischen Übersichten, wie bei Grosvenor I 18–58 abgesehen, nur fragmentarische Ansätze in der einen oder der anderen Richtung, wie solche auch in obiger Darlegung mehrfach angedeutet sind. Hieher gehören als äussere Geschichte die Gründung (o. S. 963) und die bauliche Entwicklung, dann die Kriegsereignisse wie die Belagerungen durch die Sarazenen, Slaven u. s. w., die Eroberungen durch die Lateiner 1204 und die Türken 1453, Volksaufstände wie der Nikaaufruhr 532, Erdbeben, Feuersbrünste und Seuchen, s. o.; als innere Geschichte die Entwicklung der Bevölkerung nach Umfang und Verteilung, nach Nationalität und Sprache, die wirtschaftlichen Grundlagen (Handel und Gewerbe) ihres Daseins, die gesellschaftlichen Verhältnisse und die geistige Cultur, die locale Entwicklung von Christentum und Kirche, das Sonderleben der fremden Elemente wie der Genuesen, Juden und Armenier, die Stellung der Aristokratie, des Heeres und der Hofhaltung im städtischen Leben, ferner die städtische Verwaltung, in Bezug auf welche hier die Bemerkungen über das Stadtgebiet und dessen Einteilungen, über Bauverordnungen und Wasserversorgung, Beleuchtung, Canalisation u. s. w. o. S. 997f., über öffentliche Wohlthätigkeit o. S. 997, endlich über die Amtslocale der Stadtverordneten und die consularischen Functionen der Kaiser, o. S. 995, einige Andeutungen geben, die weiter zu verfolgen eine dankbare Aufgabe wäre; vgl. auch die nachfolgend genannte Regionsbeschreibung.

Quellen. Die älteste Beschreibung von C. ist ein Urbs Constantinopolitana Nova Roma betiteltes lateinisches Verzeichnis der 14 Regionen mit Aufzählung der wichtigsten Bauwerke und Angabe der Zahl der Bezirke (vici sive angiportus), Häuser und localen Beamten (curatores, oollegiati, vicomagistri), nebst Gesamtübersicht. Dieselbe ist von einem unbekannten Verfasser unter Theodosius II. (408–450), doch nach dem J. 424 bearbeitet und im 16. Jhdt, wiederholt mit der sog. Notitia dignitatum herausgegeben worden, so besonders von G. Panciroli, Ven. 1593, dessen Erläuterungen dazu auch hinter der Elzevirausgabe des Gillius (Lugd. Bat. 1632) 353–421 und bei Banduri 429–444 abgedruckt sind. Neue Ausg. in Not. dign. ed. O. Seeck (Berol. 1875) 227–243 und in Geogr. Lat. min. coll. A. Riese (Heilbr. 1878) 133–139. Übersetzung bei Unger 101–109.

Unter den byzantinischen Quellen stehen die sog. Patria (Πάτρια τῆς Κωνσταντινουπόλεως) an erster Stelle. Allerdings ist bei ihrer Benützung vor den historischen Notizen. die an die Gebäude angeknüpft werden, sehr zu warnen, da sie meist legendär sind. Das Werk ist eine Compilation von Nachrichten zur Topographie und Geschichte der Stadt, welche um 995 entstanden ist. Von den benützten Quellen sind uns drei erhalten, nämlich die im 6. Jhdt. entstandenen Πάτρια Κ/πόλεως des Hesychios Illustrios, ein Ausschnitt aus dessen Weltgeschichte (letzte Ausgabe von C. [1006] Müller FHG IV 146ff.), die um 800 verfassten Παραστάσεις σύντομοι χρονικαί (ed. Th. Preger Progr. München 1898) und die Legende vom Bau der hl. Sophia (ed. Combefis im Manipulus originum Cpolitanarum 1664). Das ganze Werk ist uns in zwei Fassungen überliefert, deren eine sich ziemlich eng an das Original hält und unter dem Namen des Georgios Kodinos zuletzt von I. Bekker Bonn 1843 (wiederholt bei Migne Gr. 157, 429–634) herausgegeben ist. Die andere, unter Alexios I. Kommenos (1081–1118) entstanden, hat die Abschnitte des sog. Kodinos nach topographischen Gesichtspunkten geordnet und geht unter dem Namen des Anonymus Banduri (Imp. Orient. III 1–80). Eine Klärung des Verhältnisses beider Recensionen zu einander und zu ihren Quellen ist erst durch Th. Preger Beiträge zur Textgeschichte der Πάτρια Κωνσταντινουπόλεως (München 1895) angebahnt worden und von demselben auch eine kritische Ausgabe des ganzen Werkes zu erwarten; vgl. Krumbacher Byz. Litt.² 422ff.

Nächst den Patria ist das wichtigste Werk der byzantinischen Litteratur für die Topographie von C., besonders für den Kaiserpalast (s. S. 991), das Buch des Kaisers Constantin VII. Porphyrogennetos (912–959) über das Ceremonienwesen des byzantinischen Hofes (ἔκθεσις τῆς βασιλείου τάξεως); in einer einzigen Hs. der Leipziger Stadtbibliothek erhalten, wurde dasselbe zuerst von J. H. Leich und J. J. Reiske (2 Bde., Lpz. 1751–1754) dann von I. Bekker (2 Bde., Bonn 1829/30 und nochmals bei Migne Gr. 112f. herausgegeben. Vgl. dazu Krumbacher 254ff. Mordtmann § 109f. F. v. Reber a. a. O. 728f. Als dritte Quelle der vorgenannten Art ist des Prokopios um 560 n. Chr. verfasste Schrift über die Bauten Iustinians (περὶ κτισμάτων) anzuführen, deren erstes Buch die Bauten in C. behandelt. Ausg. bei Procop. rec. G. Dindorf vol. III (Bonn 1838).

Reichliches, aber weit zerstreutes Material für die Topographie bieten auch die byzantinischen Historiker, unter denen ich hier nur Zosimos als Hauptquelle für die constantinische Stadt und Theophanes wegen des ausgezeichneten topographischen Index zur Ausgabe von C. de Boor (Lpz. 1883–85) unter Κωνσταντινούπολις S. 647–655 hervorhebe. In gleichem Sinne ist auch an die fränkischen Quellen zur Geschichte der Kreuzzüge und des lateinischen Kaisertums und an die türkischen Geschichtschreiber zu erinnern, deren letztere durch J. v. Hammers Geschichte des osmanischen Reiches (10 Bde., Pesth 1827–1834; 2. Aufl. 4 Bde., 1835f.) zugänglicher geworden sind. Unter der noch wenig ausgebeuteten Litteratur der mittelalterlichen Pilgerschriften ist hier besonders der Bericht des Erzbischofs Antonius von Novgorod zu nennen, welcher C. kurz vor der lateinischen Eroberung besuchte, s. B. de Khitrowo Itinéraires russes en Orient I (Genf 1889). Ch. Hopf Chron. gréco-rom. 93ff. Mordtmann § 114. Auch der obengenannte Rabbi Benjamin von Tudela (reiste 1160–1173) muss hier erwähnt werden; Hauptausg. von A. Asher The Itinerary of R. B. of T., 2 Bde., Lond. 1841; deutsche Übersetzung des hebräischen Textes auch von A. Martinet Reisetagebuch u. s. w., Bamberg 1858 [1007] (Constantinopel S. 8f.). Viel Wichtiges bieten auch die Menologien; das topographische Material aus dem Synaxarium Sirmondi hat H. Delehaye zusammengestellt, Analecta Bollandiana XII (1895) 421ff. (431ff. Liste topographique des Sanctuaires).

Aus der letzten Periode des byzantinischen Reiches ist die wichtige Beschreibung des Florentiners Buondelmonte vom J. 1422 zu nennen, dem wir auch den ältesten erhaltenen Plan von C. (s. u.) verdanken; Christoph. Bondelmontii lib. ins. Archipel, ed. G. R. L. de Sinner (Lpz. 1824) 121ff. mit den Bemerkungen von Ducange (zu Ioannes Kinnamos, Paris 1670) ebd. 225ff. S. Reinach La description de C. par Buondelmonte; Ἑλλ. Φιλολ. Συλλ. XVIII (1888) Παράρτ. 181–187 (mit einer alten griechischen Übersetzung des Textes von Buondelmonte).

An der Spitze der Quellen aus neuerer Zeit steht der französische Naturforscher Pierre Gilles aus Alby (1490–1555), welcher vor dem persischen Feldzug Sultan Solimans 1548/9 mehrere Jahre in C. zubrachte und uns ebenso wie über den Bosporos (s. Bd. III S. 756), so auch über die Topographie von C. eine durch Belesenheit in den älteren Schriftquellen wie durch gründliche Selbstanschauung gleich wertvolle Schrift hinterliess. P. Gyllii De Constantinopoleos topographia et de illius antiquitatibus libri IV. Lugd. 1561 (Neudruck 1562). Lugd. Bat. 1632 (Elzevir). Wiederholt bei Banduri III 343–428 und Jac. Gronov Thes. ant. Graec. VI 3219-3342. Vgl. C. Müller Geogr. gr. min. II S. Iff. J. F. Volbeding Allgem. Encykl. I 67, 309. Anschliessend an Gillius sei auch eine 1565–75 verfasste Schrift über die Denkmäler von C. genannt, welche R. Förster De antiquitatibus et libris mss. Const. (Rostock 1877) herausgegeben hat.

Grundlegend für die litterarische Bearbeitung der Topographie von C. wurde des Charles Dufresne, Sieur Ducange (1610–88) Historia Byzantina (Lut. 1680), deren zweiter Teil ,Constantinopolis Christiana‘ in vier Büchern (mit getrennter Paginierung für I/II und III/IV) das reiche Material systematisch ordnet; beigegeben sind eine Umgebungskarte des Bosporus, der Plan von 1422 (s. u.), zwei Münztafeln und Risse der H. Sophia. Ein Quellenwerk von ähnlicher Bedeutung ist des Anselm Banduri (1670–1743) ,Imperium Orientale s. antiquitates Constantinopolitanae‘ (2 Bde., Paris 1711, nachgedruckt Venedig 1729). Der erste Band dieses Werkes umfasst in Teil I und II (214 Seiten) die Schrift des Constantinus Porph. über die Themata, den Synekdemos des Hierokles, die Schrift des Constantinus Porph. über die Verwaltung des Reiches und andere (für die Topographie nicht in Betracht kommende) Schriften von Agapetus Diaconus, Kaiser Basileios und Erzbischof Theophylaktos; in Teil III (mit neuer Paginierung 1–444, ohne den Index) den Text der Πάτρια Anonymus Banduri, s. o.), eine Sammlung auf C. bezüglicher Epigramme und Inschriften, Verzeichnisse der Bischöfe, Patriarchen und Kaiser, die Werke des Gillius über den Bosporus und über C. (s. o.) und die Regionsbeschreibung der Urbs Const. mit den Noten des Panciroli (s. o. S. 1005). Der zweite Band enthält im IV. Teil (S. 445–1017) acht Bücher Erläuterungen (commentarii) des Herausgebers zu den Patria u. s. w. [1008] sowie besonders paginierte (1–140) Animadversiones zu den Quellenschriften des ersten und zweiten Teiles. Diesem Bande sind zahlreiche Tafeln beigegeben, worüber vgl. die Vorrede S. 445ff., nämlich die von Banduri entworfenen Pläne von C. mit der Einteilung nach Regionen und Zonen (s. o. S. 974f.), zwei Karten des Bosporos von G. Sanson (nach Gillius) und de Combes, den Plan des Buondelmonte von 1422, Ansichten der Stadt und des Marmarameeres mit Hellespont und C. aus der Vogelschau (s. u.); sieben Münztafeln, die Abbildungen der Columna historiata (19 Taf.) und anderer Denkmäler, die oben genannte Ansicht des Hippodrom um 1450, Ansichten und Risse des Serail und mehrerer Moscheen und zwei von G. de l’Isle entworfene Übersichtskarten des byzantinischen Reiches mit der Themeneinteilung.

Diesen älteren gelehrten Werken über C. sind auch folgende Abhandlungen von Ch. G. Heyne anzuschliessen: Priscae artis opera quae C. exstitisse memorantur, Comm. soc. reg. scient. Gotting. cl. hist. et phil. XI 1–38 (1790); Serioris artis opera quae sub imperatoribus Byzantinis facta memorantur, ebd. 39–62 (1791); De interitu operum etc. quae C. fuisse memorantur, ebd. XII 273-308 (1792/3); Artes ex C. nunquam prorsus exulantes etc., ebd. XIII 3–22 (1795); Antiquitatis Byzantinae recognitio historica et critica, Comment. soc. reg. scient. Gotting. recent. I (1809). Vgl. K. Bursian Gesch. d. klass. Philol. 495f.

Während die letztgenannten Werke von Ducange ab ausschliesslich auf gelehrter Forschung ohne Selbstanschauung beruhten, hatten bis zum Ende des 18. Jhdts. zahlreiche Reisewerke den damaligen Zustand von C. geschildert. Eine hervorragende Stelle unter denselben nehmen die Berichte über Gesandtschaftsreisen ein, als deren erster und wichtigster jener des kaiserlichen Gesandten Augier Ghislain de Busbecq, auch vlämisch Ogier Gislen van Busbeek geschrieben, (1555–1562) zu nennen ist; vgl. über denselben G. Hirschfeld Aus dem Orient 49ff. H. Zimmerer Durch Syrien 8f.; Eine Reise nach Amasia (Ludwigsh. 1899). Weiteres s. bei A. Mordtmann Eine deutsche Botschaft in C. 1573-157S (Bern 1895), ferner bei J. Mordtmann Esquisse 80 nr. 20. 22, und bei Hammer I p. XII–XXII, wo man die älteren Reisewerke über C. ziemlich vollständig aufgezählt findet. J. Dallaway Constantinople ancient and modern, Lond. 1794; französisch von A. Morellet, Paris, 2 Bde. An VII; die Beschreibung von C. bildet hier nur einen Teil des Reiseberichts.

Das erste systematische und ausführliche Werk, welches sich auf Grund von Selbstanschauung mit C. und seiner Umgebung ausschliesslich beschäftigt, ist Jos. v. Hammer Constantinopolis und der Bosporos, 2 Bde., Pesth 1822. Lange Zeit das Hauptwerk über C. und in mancher Beziehung noch heute nicht ersetzt, ist dasselbe, weil sehr unkritisch, nur mit Vorsicht zu gebrauchen und für das byzantinische C. jetzt wertlos. Der Hauptwert des Buches beruht in der umfassenden Kenntnis des Verfassers von den türkischen Dingen.

Ein sehr brauchbares, in Deutschland aber weniger bekannt gewordenes Buch ist des ehemaligen französischen Gesandten (1812–1814) [1009] Grafen A. F. Andréossy Constantinople et le Bosphore de Thrace, Paris 1828, mit Atlas; deutsch von Bergk, Lpz. 1828. Wie in seinem früheren Werke über den Bosporos (s. den Art. Bd. III S. 756) ist auch hier der physischen Geopraphie und besonders der Wasserversorgung von C. (s. o. S. 997f.) grosses Augenmerk gewidmet.

Um dieselbe Zeit wie die beiden vorgenannten erschien auch das erste bedeutendere Werk von griechischer Seite über C., nämlich des Patriarchen Konstantios I. Κωνσταντινιάς παλαιὰ καὶ νεωτέρα, Vened. 1824 (anonym mit Bildern), dann wiederholt aufgelegt, so K/pel 1844, und auch ins Französische (K/pel 1846) und Englische (zuletzt 1868) übertragen, s. G. Hirschfeld Geogr. Jahrb. XII 244. Umfassender, doch auch nur mit Vorbehalt zu gebrauchen ist des Skarlatos D. Byzantios Κωνσταντινούπολις, Athen 1851–1869, in 3 Bänden (mit Plänen und Bildern), deren erster die Beschreibung der eigentlichen Stadt, 2 der zweite (1862) jene der Vorstädte und des Bosporos, der dritte eine Darlegung der Verwaltung und der Bewohner von C., von deren Sitten, Gebräuchen, Religionsübung und Sprache enthält. Später hat sich besonders A. G. Paspates grosse Verdienste um die Erforschung des byzantinischen C. erworben, wozu die Anlage der Eisenbahn durch die Stadt eine aussergewöhnliche Gelegenheit bot. Doch ist der kritische Wert seiner Arbeiten vielfach überschätzt worden; s. o. S. 991. Hauptwerke: Βυζαντιναὶ Μελέται τοπογραφικαὶ καὶ ἱστορικαὶ, K/pel 1877, in 3 Büchern, deren erstes von den Landmauern, dem Blachernenpalast und den Ausgrabungen längs der Eisenbahn, das zweite von den Niederlassungen der Genuesen, das dritte von den byzantinischen Kirchen handelt (mit zahlreichen Abbildungen); Τὰ Βυζαντινὰ Ἀνάκτορα καὶ πέριξ αὐτῶν ἱδρύματα, Athen 1885; mit Plan. Vgl. o. S. 991. Viele Beiträge zur Kenntnis von C. enthalten ferner die Schriften des Ἑλληνικὸς Φιλολογικὸς Σύλλογος, so besonders den grossen Plan der Stadtmauern, worüber o. S. 978; ferner die zahlreichen Schriften von M. J. Gedeon, welche man in dessen Ἀναγραφὴ συγγραφῶν κτλ.), K/pel 1896) verzeichnet findet; vgl. o. S. 985. Derselbe hat auch einen eingehenden Artikel über C. für das vom Νεολόγος in Constantinopel herausgegebene Λεξικὸν ἱστορίας καὶ γεωγραφίας III 929–1123 (1881) verfasst.

Ungemein zahlreich sind die Schilderungen von Reiseeindrücken u. s. w. aus neuer Zeit, von denen ich hier nur die classischen ,Briefe über Zustände und Begebenheiten in der Türkei aus den J. 1835–39‘ von H. v. Moltke hervorhebe (6. Aufl. mit Anmerk. von G. Hirschfeld, Berl. 1893 = Gesamm. Schriften VIII). Für die physische Geographie von C. und Umgegend ist das Hauptwerk P. de Tchihatchef Le Bosphore et Constantinople, Paris 1864, mit 2 Karten und 9 Tafeln (Titelaufl. 1860 und 1877), wozu vgl. die im Art. Bosporos Bd.III S. 742ff. angeführte Litteratur und o. S. 968.

Wichtig, aber in der Methode ganz unwissenschaftlich, ist ferner A. Dethier u. A. D. Mordtmann Epigraphik von Byzantion u. C. bis 1453, I. Denkschr. Akad. Wien, Philos.-hist. Kl. XIII (1864). Ergänzt wird diese Sammlung jetzt (für antike Inschriften) durch E. Kalinka Arch.-epigr. [1010] Mitt. XIX 1896, 58–68 und Jahreshefte d. öst. aroh. Inst. 1898, 31–37. Unbedeutend ist P. A. Dethier Der Bosphor und Konstantinopel (2. Aufl., Wien 1876), aus welcher Gelegenheitsschrift nur der mehrfach entlehnte Querschnitt der Landmauer (s. o. S. 976) bleibenden Wert hat. Der wiederholt angeführte Artikel ,Konstantinopel‘ von G. Rosen in der Allgem. Encykl. II 38 (1885) 336–356 bietet abgesehen von dem Angriff auf die Etymologie von ,Stambul‘ (o. S. 966) auch wenig von Bedeutung, und das bekannte Buch von E. de Amicis Constantinopoli, Mil. 1877 (deutsch von A. Burchard² Rostock 1884) kommt nur als farbenprächtige Schilderung in Betracht, ähnlich die populäre Schrift von P. Leonhardi Konstantinopel u. Umgebung, Zürich o. J. (Eur. Wanderbild. nr. 77–80). Ein sehr nützliches und verlässiges Hülfsmittel ist Meyers Türkei⁵ (Leipz. 1898), in welchem der C. betreffende Abschnitt von G. Albert bearbeitet ist; ähnlich D. Murrays Handbook for Travellers in Constantinople, Lond. 1893.

Friedr. Wilh. Unger Quellen der byzantinischen Kunstgesch. I Wien 1878 (= Quellenschr. d. Kunstgesch., herausgeg. von E. Eitelberger XII) giebt eine sehr zweckmässige, wenngleich den Anforderungen philologischer Kritik nicht ganz entsprechende Zusammenstellung der Quellen zur Topographie, deren Fortsetzung aus dem Nachlasse des Verfassers von Jean Paul Richter Quellen der byzant. Kunstgesch., Wien 1897 (= Quellenschr. u. s. w., N. F. VIII) herausgegeben worden ist, wozu vgl. Th. Preger Byzant. Ztschr. VII 198ff. Eine Reihe schwieriger Probleme der Topographie von C. behandelt (J.) Mordtmann Esquisse topographique de Constantinople, Lille 1892, S.-A. a. d. Rev. de l’art chrétien, N. S. IX (1891), mit einem grossen Plane von C. im Mittelalter. Vgl. Byzant. Ztschr. I 181. Ch. Diehl ebd. 145ff.

Das letzte bedeutende Gesamtwerk über C. ist E. A. Grosvenor Constantinople, 2 Bde., Lond. 1895. Äusserlich reich und vornehm ausgestattet (zahlreiche Bilder), bietet dasselbe eine auf gründlicher Kenntnis der Stadt und ihrer Geschichte beruhende schwungvolle Schilderung für weitere Kreise; Quellenbelege und Erörterungen über wissenschaftliche Einzelfragen findet man in demselben nicht. Die Litteratur über einzelne Zweige der Topographie wie den Kaiserpalast, die Kirchen, die Wasserleitungen u. s. w. ist bereits bei den betreffenden Abschnitten angeführt. Weitere Litteraturnachweise s. bei Unger XV–XXV. Richter XXV–XXXIX. Krumbacher Byz. Litt. 1111f. Byzant Ztschr. I 636–641. II 647f. III 219. 429f. IV 208ff. Manches enthalten auch die ,Mitteilungen des deutschen Exkursions-Clubs in Constantinopel‘. Heft 1–3 (1889–1891) neue F. (herausgeg. von G. Albert) Heft 1–3 (1893–1895).

Während des Druckes dieses Bogens erhalte ich die Anzeige eines neuen Werkes von A. van Millingen Byzantine Constantinople. The Walls of the City and adjoining Historical Sites (London 1900), welches ein wichtiges Hülfsmittel für die byzantinische Topographie von C. zu werden verspricht und besonders für die Kenntnis der Befestigungen [1011] und erhaltenen Mauerreste grundlegend sein dürfte.

Pläne. Ohne Zweifel gab es schon im Altertum Pläne von C., wie wir einen solchen von Rom in dem sog. capitolinischen Stadtplan thatsächlich erhalten haben. So setzt schon die Neuanlage der Stadt durch Constantin einen Plan voraus, ebenso liegt wohl der Notitia des 5. Jhdts. ein solcher zu Grunde. Der erste Plan, von dem wir directe Kenntnis erhalten, ist die mensa argentea, forma quadrangula, descriptionem urbis Constantinopolitanae continens, welche von Karl d. Gr. der Basilika des hl. Petrus testamentarisch vermacht wurde und wahrscheinlich im J. 798 mit den Geschenken der Kaiserin Irene nach Aachen gelangt war; Einhardi Vita Car. c. 33. Reber a. a. O. 720, 9. Der älteste erhaltene Plan ist jener des Buondelmonte vom J. 1422, welchen bereits Ducange und Banduri (s. S. 1007) nach der Pariser Hs. und neuerdings Mordtmann Esquisse 44. 73 in etwas abweichender Ausführung nach den Hss. zu Rom und Venedig, nach letzterer (der besten) auch Sathas Docum. inédits III (Photogr.), herausgegeben hat; vgl. noch de Rossi Piante iconogr. di Roma (1879) 90f. Strzygowski Arch. Jahrb. 1893, 244. Derselbe umfasst Stambul mit Pera und ist bei aller Unbeholfenheit der Zeichnung durch die perspectivische Darstellung der wichtigsten Bauten, der Mauern, Hafenanlagen u. s. w. von hohem Wert. Auf einer wesentlich vollkommeneren Stufe steht der zuerst im J. 1567 in Venedig gedruckte Plan, welcher die Bildnisse der Sultane von Osman bis Selim II. (1566-1574) bezw. Murad III. (1574-1595) und die Aufschrift Byzantium nunc Constantinopolis, sonst aber italienische Legende trägt. Derselbe ist ebenfalls perspectivisch gezeichnet und zeigt die Umgestaltung der Stadt unter der türkischen Herrschaft, sowie die Umrisse der Küste in ausgezeichneter Weise. Veröffentlicht u. a. bei Georg Braun Civitates orbis terr. VI (Col. Agr. 1618) 3, sowie (verkleinert) bei Grosvenor I 50, wo derselbe in das J. 1481 (s. u.) gesetzt wird, und mit Erläuterungen von Caedicius (= Mordtmann) Ancien plan de Constantinople imprimé entre 1566 et 1574, Const. 1889: nach letzterem wäre der Plan noch unter Mohammed II. († 1481) entworfen. Auf diesem Plan beruht offenbar in der Hauptsache auch noch jener, welcher im 18. Jhdt. aus der bekannten Anstalt von M. Seutter in Augsburg hervorgegangen und bei Mordtmann Esquisse Taf. III u. V wiedergegeben ist. Ein anderes, nur noch mehr in perspectivischem Sinne verschobenes Bild gewährt dagegen der von dem französischen Zeichner G. J. Grelot. über welchen vgl. Ph. H. Külb in der Allg. Encykl. I 90, 137, aus der Vogelschau entworfene und zuerst in seine Relation d’un voyage de Const. (Paris 1680) mitgeteilte Plan, den Banduri auf Taf. VI (vgl. s. 416) wiederholt hat. Einen rein geometrischen Grundriss kleinen Massstabes zeigt dagegen die Karte von K/pel und Umgebung in den Atlanten von J. B. Homann (Nürnberg), welche sich bis etwa 1720 zurückverfolgen lässt, s. Ch. Sandler Ztschr. Ges. f. Erdk. 1886, 348. 384. Ztschr. f. wiss. Geogr. VII 426. Grösser, aber noch immer sehr mangelhaft ist der Plan des ungarischen Ingenieurhauptmannes J. B. v. Reben, [1012] von den Homännischen Erben zu Nürnberg 1764 auf einem besonderen Blatte herausgegeben. Etwas berichtigt erscheint die Situation dann bei Karsten Niebuhr Reisebeschr. I 23ff. und Taf. III, wo man auch zuerst die geographische Breite von C. genauer bestimmt findet. Den ersten moderneren Anforderungen entsprechenden Plan lieferte dann Ingenieur F. Kauffer, welcher denselben 1776 für den französischen Gesandten Graf Choiseul-Gouffier aufgenommen und 1786 revidiert hat. Derselbe ist mit Zusätzen von J. D. Barbié du Bocage zuerst bei Melling Voy. pitt. (1819) in 1:20 000, dann bei Choiseul-Gouffier Voy. pitt. II² pl. 68 und im Atlas zu Hammer Const. veröffentlicht und ein Teil desselben nach Kauffers Original auch bei Labarte Palais Imp. Taf. I nochmals abgedruckt worden; s. ebd. S. 10f. (Spezialpläne des Serail und Umgebung 1: 5  555 und der Gegend der 7 Türme 1:4000). Auch Byzantios I hat den Kaufferschen Plan in griechischer Übersetzung und mit einigen Ergänzungen (1850) wiederholt. Inzwischen war derselbe durch die neue Aufnahme überholt worden, welche H. v. Moltke im Auftrage Sultan Mahmuds II. in den J. 1836/7 ausführte und in der ,Karte von Konstantinopel‘ (Berl. 1842), sowie der ,Karte des nördlichen Bosphorus, (Berl. 1846), beide in 1:25 000 niederlegte; vgl. dessen Briefe nr. 26 mit den Anmerkungen von G. Hirschfeld. Beide Karten vereinigt in der Reduction von H. Kiepert Constantinopel und der Bosporus, 1:100 000, Berl. 1853. Moltkes Aufnahmen bilden neben den englischen und französischen Seekarten, über welche vgl. Bosporos Bd. III S. 742, bis heute die geodätische Grundlage aller weiteren Pläne und Karten von C. und Umgebung; für die Einzelheiten eines Stadtplanes war jedoch der Massstab unzureichend. In dieser Hinsicht hat sich besonders C. Stolpe durch seinen 1855–1863 aufgenommenen ,Plan der Stadt Constantinopel‘ in 1:10 000 (nur Stambul mit Galata umfassend) und den ,Plan von Constantinopel mit den Vorstädten‘ in 1:15 000, welcher 1882 als Beigabe zu A. D. Mordtmann Führer von Const. (K/pel o. J.) erschien, verdient gemacht. F. v. Hübner Plan de Constantinople (K/pel 1889/90) umfasst nur Pera, Galata und die benachbarten Vorstädte in 1:6000. Über eine berichtigte Aufnahme der Gegend des Hippodroms und der H. Sophia vgl. F. v. Reber a. a. O. 780, 1 und die zugehörige Planskizze. Meyers Türkei⁵ enthält einen eleganten Plan von C. in 1:25 000 und Spezialpläne von Pera-Galata in 1:9500, der Gegend um den grossen Bazar in 1:3600, des Kaiserpalastes in 1:16 000 und des Blachernenviertels in 1:8000; ferner den hier mit geringen Änderungen wiederholten Plan von C. im Mittelalter, welcher in der Hauptsache auf dem grossen Plan von Mordtmann Const. au moyen âge (s. o. S. 1010) beruht. Sonst kommen für die geschichtliche Entwicklung der Stadt noch die Nebenkärtchen in Spruner-Menke Hist. Handatlas³ 1880) nr. 76. 79. 84. 86. 89, sowie bei Hertzberg Gesch. d. Byz. 20f. in Betracht. Für die Umgebung der Stadt besitzen wir jetzt in C. Frhr. v. der Goltz-Pascha, Karte der Umgegend von Const. in 1:100 000 (Berl. 1897) das beste Hülfsmittel. [1013]

Ansichten der Stadt sind für die ältere Zeit von den Plänen kaum zu trennen, da diese alle mehr oder weniger zugleich ein perspectivisches Bild geben. So zeigt schon die Tab. Peut. IX bei C. neben einem thronenden Feldherrn eine turmartige Säule mit Standbild, welche ich mit K. Miller Weltkarte des Castorius 50f. für die Porphyrsäule (s. o. S. 987) halte. Aus dem Mittelalter ist eine Darstellung des Angriffes der Kreuzfahrer auf die Mauern beim Petrion (s. o. S. 977) vom Goldenen Horn aus zu erwähnen, welche Mordtmann 41 abgebildet hat, sowie jene schon genannte höchst merkwürdige Zeichnung des Hippodroms und seiner Umgebung, welche Onuphr. Panvinius De ludis circensibus (Ven. 1600 u. ö.) herausgab, ex antiqua Constantinopolis topographia, quae paulo ante quam urbs in Turcorum potestatem venisset, facta fuit (S. 61), also um 1450; wenn dagegen auf der Tafel, welche im J. 1580 in Venedig gestochen wurde, steht reliquiae, quae centesimo ante anno quam ea urbs a Turcis occupata est adhuc supererant (also um 1350), so beruht dies anscheinend auf einem Missverständnis, das sich wohl aus dem folgenden Vergleich des Panvinius mit der 100 Jahre jüngeren Beschreibung des Gillius erklärt; Bild und Erklärung nach Panvinius wiederholt bei Banduri 664. Drei sehr merkwürdige Ansichten vom Charakter der perspektivischen Pläne enthält die Weltchronik von Hartmann Schedel (Nürnberg 1493) Fol. 129/30, 249 und 257, wovon die beiden ersten die ganze Stadt mit ihrer Umgebung, der letzte die Gegend der hl. Sophia veranschaulichen. Der erste (grössere) Plan wiederholt bei Hertzberg Gesch. d. Byz. 661 und von Th. Reinach Rev. ét. gr. 1896, 102 (dazu ebd. 101, 3). Mehr den Charakter eines Panoramas scheint dagegen der von M. Lorch (s. o. S. 989) 1557–1559 aufgenommene ,Plan‘ zu haben, welcher sich nach einer Mitteilung von A. Geffroy Monuments Piot II 106 in der Universitätsbibliothek in Leiden befindet und nie herausgegeben wurde; derselbe ist 11,52 m. lang, 0,44 m. hoch und in 21 Blatt geteilt. Von den Städtebildern in den kosmographischen Werken des 16. und 17. Jhdts. ist ein solches (deutsch) von 1635 bei Grosvenor I 94 wiedergegeben, identisch damit ist die Ansicht, welche unter M. Seutters Plan bei J. Mordtmann Taf. V (S. 73) abgedruckt ist. Interessante Ansichten der Serailspitze u. s. w. nach Grelot (s. o.) bei Banduri 1007ff. Die prächtigsten Illustrationen unter den älteren Reisewerken bieten Choiseul-Gouffier Voy. pittor. de la Grèce II 2 (Paris 1822) und besonders Melling Voy. pittor. de Constantinople (Paris 1819); von neueren Werken Grosvenor a. a. O., meist nach Photographien, deren jetzt Berggreen und Sebah in Konstantinopel die reichste und beste Auswahl bieten. [1015]

Karte Konstantinopel.png