RE:Nikomedes 5

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XVII,1 (1936), Sp. [1936 496]–[1936 497]
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5) N. III. Euergetes, etwa 127-94 v. Chr. Von Reinach L’histoire par les monnaies 167ff. aus der Inschrift Syll. or. 345 erschlossen, wo König Nikomedes βασιλέως Νικομήδης und die Königin Laodika βασιλέως Μιθραδάδου als die zu Ehrenden genannt werden. Sie paßt nicht auf N. II.‚ der Sohn des Prusias war, und nicht auf N. IV. Philopator, der nicht mit der Schwester des großen Mithradates VI. von Pontos vermählt war. Also muß ein N. III. eingeschoben werden. Dagegen spricht nur Appian. Mithr. 7 und 10, der aber c. 7 am Schluß: υἱωνὸς (d. h. N. Philopator) τοῦδε, wenn τοῦδε sinngemäß auf N. Epiphanes bezogen wird, das Richtige bringt. Dafür sprechen noch folgende Überlegungen: Georg. Synk. p. 525 und 593 Bonn. spricht von acht bithynischen Königen, während die frühere Zählung nur sieben ergibt; Strab. XII 563 sagt, da ‚viele‘ Könige sich N. nannten, was für drei ein etwas hochtrabender Ausdruck ist; die Heirat N.’ IV. Philopator mit seiner Tante (sororem patris: Licinian. p. 36 Bonn.) wäre sehr unwahrscheinlich, wenn es sich um eine Tochter Prusias’ II. handelte, wie überhaupt N. II.‚ der schon 167 v. Chr. erwachsen gewesen sein muß (s. Nr. 3), also etwa 185 geboren wurde, 94 v. Chr. über 90 Jahre und bei seiner Heirat mit Laodike um 100 v. Chr. ungefähr 85 Jahre alt gewesen wäre. Am beweiskräftigsten aber ist die Inschrift Syll. or. 346 aus Delos, wo nach der Emendation von Reinach mit Zustimmung von Wilhelm Österr. Jahresh. XI 75ff. und Plassart statt ἐ(κ)γόνου: Εὐεργέτου zu lesen ist: Βασιλέως Νικομήδ[ου] τοῦ Εὐεργέτους βασιλέως Νικομήδου Ἐπιφανοῦς. – Nach Licinian. p. 36 trug N. III. seinen Beinamen Euergetes wegen seiner reichen Spenden; dazu stimmen die früher N. II. Epiphanes zugeschriebenen Inschriften Syll. or. 342 (Weihung eines Tempels der Isis Nemesis in Delos), 343, 345 (die obenerwähnte delphische Ehrenurkunde) und 346 sowie Paton–Hicks Inscr. of Cos 35 (Opfer zu Ehren des N.). Auch die Notizen Plin. n. h. VII 127 und XXXVI 21 über die Kunstliebe des N. gehören wohl hierher, und die Widmung der Periegese des Skymnos (Gisinger u. Bd. III A S. 674f.) könnte in derselben Richtung gedeutet werden. – Der lebhafte Handel mit Delos wird noch durch Syll. or. 344 bezeugt. Statuen des N. III standen weiter nach Wilhelm in Argos (IG IV 558, aus dem J. 115) und in Epidauros: IG IV 1², 591. – Die menschenfreundliche Gesinnung des Königs [497] hat sich auch bewährt in seinem Eintreten für seine Untertanen, die durch die römischen Kapitalisten auf das schwerste heimgesucht und offenbar in großen Mengen in die Sklaverei geschleppt wurden: als er von C. Marius im kimbrischen Kriege die Aufforderung zur Hilfeleistung erhielt, gab er zur Antwort, daß er dazu aus diesem Grunde nicht imstande sei: Diod. XXXVI 3, 1. Der darauf ergangene Senatsbeschluß, daß kein freier Bundesgenosse zum Sklaven gemacht werden dürfe und die bereits Versklavten befreit werden sollten, wird kaum etwas geholfen haben: Diod. XXXVI 3, 2. Man kann sich daher kaum wundern, daß N. sich nach anderer Richtung um Vergrößerung seiner Macht bemühte. Zu diesem Zwecke verbündete er sich 106 v. Chr. mit seinem Nachbarn Mithridates VI. Eupator von Pontos und fiel mit ihm zusammen in das von mehreren Dynasten beherrschte Paphlagonien ein; das Land wurde geteilt. Als auf die Beschwerde der Fürsten in Rom der Befehl kam, Paphlagonien in den alten Zustand zu versetzen, wagte N. nicht offen zu widersprechen, sondern gab seinem Sohne den Namen Pylaimenes und tat so, als habe er einen Sproß des alten Königsgeschlechtes zum Könige gemacht: Iustin. XXXVII 4, 3f. 7ff. Die römischen Gesandten kehrten unverrichteter Sache zurück (vgl. auch Geyer o. Bd. XV S. 2167), und die verbündeten Könige wandten sich nun gegen Kappadokien (zwischen 102 und 100), wo Ariarathes VI. um 112 ermordet worden war. Hier suchte N. seinem Bundesgenossen die Beute abzujagen, indem er sich mit der Witwe des Königs Laodike, der Schwester Mithridates’ VI., vermählte. Darauf vertrieb dieser die Truppen des N. aus Kappadokien und setzte den Sohn der Laodike, Ariarathes VII.‚ wieder ein: Iustin. XXXVIII 1, 2-5. Bald darauf stieß er seinen Neffen bei einer Unterredung nieder und machte einen seiner Söhne zum König. Darauf wählte N., der auf Kappadokien nicht verzichten wollte, einen Knaben aus und schickte Laodike mit diesem nach Rom, wo sie ihn als ihren dritten Sohn aus der Ehe mit Ariarathes VI. ausgeben sollte, während auch Mithridates seinen Sohn als einen Nachkommen Ariarathes’ V. bezeichnete. Der Senat ging aber auf diese Manipulationen nicht ein und befahl den Königen, Kappadokien und Paphlagonien zu räumen. Beide wagten nicht, sich zu widersetzen: Iustin. XXXVIII 2, 1-6; etwa 95 v. Chr. (Reinach Mithr. Eup.‚ deutsche Ausg. 93, 1). Bald darauf ist N. III. gestorben: Iustin. XXXVIII 3, 4 (vgl. Reinach 105, 3). – Nach Licinian. p. 36 war N. mit einer Aristonike (?)‚ nach Memn. 30, 3 mit Nysa, wohl einer Tochter Ariarathes’ V. Eusebes (Reinach), verheiratet, der Mutter des Thronerben N. IV. Die Behauptung Iustins XXXVIII 5, l0, N. IV sei der Sohn einer saltatricis gewesen, gibt vielleicht eine Verleumdung Mithridates’ VI. wieder: Reinach L’hist. par les monn. 173ff. Neben dieser Gemahlin hatte er eine Konkubine, die ihm einen Sohn Sokrates gebar: Licinian. p. 36. – Seine Münzen unterscheiden sich ebensowenig von denen seines Vaters wie die des Nachfolgers N. IV.: Head HN² 520.