RE:Oromenus

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XVIII,1 (1939), Sp. [1939 1158]–[1939 1159]
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Oromenus, ein Salzberg in Indien, dessen abgebautes Salz für die Könige eine größere Steuer abwirft als Gold und Perlen (Plin. n. h. XXXI 77). Mit dieser Nachricht läßt sich die vielleicht auf Onesikritos (s. FGrH 134 F 21) oder den Metallurgen Gorgos zurückgehende Angabe bei Strab. XV 1, 30 p. 700 verbinden, nach der im Lande des Sopeithes (s. u. Bd. III A S. 1008) ein Berg mit Salzlagern sich befinde, die ganz Indien zu versorgen hinreichten. Nach Anspach (De Alex. M. exped. Indica II n. 199. 234; III n. 290) gibt es zwei Herrscher dieses Namens. Bei Strab. a. O. wird als das Gebiet des Sopeithes die Landschaft Kathaia (s. o. Bd. X S. 2512f.) zwischen Hydaspes und Akesines, nach anderen die Gandaris zwischen Akesines und Hyarotis angegeben. Salzbergwerke gibt es, seit altersher abgebaut, im Salt Range (71° 42′–73° ö. L., 32° 41′–32° 56′ n. Br.) im Jhelum und Shāhpur Distrikt, bei Khewra (73° 3′ ö. L., 32° 39′ n. Br.), abgesehen von den hier nicht in Betracht kommenden Lagern am rechten Indusufer bei Kālābāgh (71° 36′ ö. L., 32° 58′ n. Br.), Kohāt (71° 29′ ö. L., 33° 36′ n. Br.), bei Guma und Drang im einheimischen Staate Mandī (76° 40′–77° 22′ ö. L., 31° 23′–32° 4′ n. Br.). Cunningham (Ancient Geography of India, new ed., Calcutta 1924, 180f.) wollte auf Grund einer Notiz des Plinius n. h. VIII 149, nach der Alexander d. Gr. vom König Albania mit einem ungewöhnlich großen Hund (vgl. VII 21) beschenkt worden war, und mit Rücksicht auf die bei den Autoren der Alexanderzeit vielfach überlieferte Episode des Kampfes zwischen einem Löwen und den Tigerhunden des Sopeithes (Aristobul. FGrH 139 F 40. Diod. XVII 92. Strab. a. O.; vgl. XV 1, 37 p. 703 aus Megasthenes. Curt. IX 1, 31–33. Plut. soll. anim. 15 p. 970 F. Ailian. n. a. VIII 1. Epit. Mett. 66. Arist. h. a. VIII 28 p. 607 a 3ff.), deren er Alexander 150 zum Geschenk machte (Diod. XVII 92, 1. Strab. XV 1, 31), statt Albania Labania lesen, das dem indischen Ausdruck lavaṇa ‚Salz‘ entspreche. O. selbst sei der Berg, im Indischen Raumaka, nach einheimischen Gelehrten aus dem Lande Rum stammend. Die Hundeepisode – eine bereits bei Ktesias vorkommende Erzählung, vgl. Marquart Die Benin-Sammlung CCVIf. – ist von der im Lande des Sopeithes verschieden, das aus Salzbergwerken (rumā) stammende Salz heißt zwar raumaka, ist aber nicht nach einem Land benannt, zumal dies auf einem Mißverständnis einheimischer Quellen (s. Mahendras Kommentar zu Hemacandras Anekārthasaṃgraha II 327) beruhen dürfte und Rumā als Ländername nur in jüngeren Werken (Sarasvatīkaṇṭhābharaṇa und im Kāśīkhanda des Skandapurāṇa) vorkommt, wo es die Türkei bezeichnen dürfte, nicht aber einen indischen Berg bedeutet. Daß Albania nicht in Indien gelegen ist, geht schon aus den Worten Indiam petenti bei Plinius hervor, bei dem dieser Staat öfters (IV 39. VI 29. 36. 39. VII 12) erwähnt ist (vgl. Strab. XI 4, 5 [1159] p. 502). Vielleicht haben die griechischen Quellen des Plinius das aus Bergwerken gewonnene Salz, raumaka, als Bergnamen aufgefaßt, zumal der Name an das griechische Wort für ‚Berg‘ und ‚graben‘ anklingt. Im Indischen hingegen heißt das aus dem Panjab stammende Salz saindhava, d. i. das Indusgebiet, Sindh. Daß Salz zu den Monopolen in Indien gehörte, bestätigt das Kauṭilīya Arthaśāstra: ein Verwaltungsbeamter (lavaṇādhyakṣa) überwachte Gewinnung, Pacht und Vertrieb (vgl. Breloer Staatsverwaltung i. alten Indien III 1, 427ff.), auf eingeführtes Salz bestanden neben Zoll noch andere Abgaben. Bis heute ist Salz ein Monopol in Britisch Indien, um dessen Beseitigung die Inder vergebens kämpften.