RE:Ostrogotho

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XVIII,2 (1942), Sp. [1942 1687]–1688
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Ostrogotho, Tochter Theoderichs d. Gr. aus einer Verbindung wohl mit einer Gotin, deren Name nicht überliefert ist, während seines Aufenthaltes [1688] in Moesien etwa um 480. Von O. und ihrer Schwester Theudigotho sagt Iordanes (Get. 58): naturales ex concubina, Anon. Val. 63: uxorem habuit ante regnum de qua susceperat filias. O. erhielt wohl in Constantinopel bei der Taufe nach der Kaiserin den Namen Ariagne (bei Anon. Val. verstümmelt in Arevagni, sonst auch Ariadne, Ariacna, vgl. Wrede Ostg. Spr. 65ff. Schönfeld Wörterb. 13. A. Förstemann Altd. Personenn. 215) und wurde zur Unterscheidung ‚die Ostgotin‘ genannt. Dieser Name muß dann den eigentlichen Namen der Trägerin verdrängt haben (L. Schmidt Deutsche Stämme I 392; s. o. Art. Ostrogotha). Auf Theoderichs Zuge nach Constantinopel und auf der abenteuerlichen Heerfahrt nach Italien befand sich auch O.; Theoderich führte im Wagen seine ganze weibliche Verwandtschaft mit. Ennodius (pan. X) nennt ausdrücklich die zwei Töchter. Während des Feldzuges gegen Odoaker ließ er sie in Ticinum. Nach der Befestigung seines Königtums in Italien ging Theoderich im Zuge seiner Bündnispolitik mit dem Burgunderkönig Gundobad einen Vertrag ein und besiegelte die Freundschaft durch Vermählung seiner Tochter O. mit Gundobads Sohn Sigismund im J. 494 (Ennod. vita Epiph. 163. 167; pan. X 54). Bischof Epiphanius von Ticinum führte wahrscheinlich die diesbezüglichen Verhandlungen (Iord. Get. 58. Anon. Val. 63 bringt die Nachricht der Vermählung, vertauscht jedoch die Namen der Schwestern, so daß O. dem Westgoten Alarich zugeschrieben wird, der aber O.s Schwester Theudigotho heiratete, ihm folgend ebenso Pfeilschifter Theod. d. Gr. 56; Greg. Tur. hist. Franc. III 5 ohne Namen: filiam Theudorici regis Italici. L. Schmidt 56. 384).

Nach O.s Tode (vor 516) schloß Sigismund eine zweite Ehe. Diese Frau überredete den König, empört über einen Ausspruch seines Sohnes Sigerich aus der ersten Ehe, der sie beleidigte (‚du bist nicht würdig die Kleider meiner Mutter, dominae tuae matris meae, zu tragen‘, Greg. III 5. Fredegar Chron. III 88), daß Sigerich ihn vom Throne zu verdrängen suche. Daraufhin ließ der Vater ihn erdrosseln (im J. 522). O.s Tochter nahm Theoderich d. Gr. zu sich. Es ist wahrscheinlich die mit Sigerich zugleich im J. 516 oder 517 katholisch getaufte Schwester Suavegotta (Avitus hom. 26 in convers. Sigistrici Lugduni). Dieselbe, später Gemahlin des Frankenkönigs Theuderich, erscheint als Spenderin eines Praedium an die Kirche von Reims mit Vorbehalt des Fruchtgenusses für ihre Tochter Teudechildis bei Flodoard hist. eccl. Rem. II 1 (Migne L. 135, 27ff.).

Den gleichen Namen O. trug vielleicht (nach Analogie von Theudichusa = Theudigotho) die Gepidin Austrigusa, Tochter des Königs der Gepiden Elemund, die im J. 511 den Langobardenkönig Wacho heiratete (Origo g. Lang. IV. Paul. Diac. hist. Lang. I 21, hds. Hostricusa, Hostricosa u. a., s. Apparat. L. Schmidt 351ff.). Ihre Töchter waren Wisigarda, Gemahlin des Frankenkönigs Theodebert und Walderada, Gemahlin seines Sohnes Theodebald.