RE:Petros 4

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XIX,2 (1938), Sp. 1295–1296
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4) P. γναφεύς (Fullo) der Walker, Bischof von Antiochien. Er war ursprünglich Presbyter in Konstantinopel und παραμονάριος einer Kirche in Chalkedon. Wegen einer kirchlichen Strafe begibt er sich etwa 468 nach Antiochien, und trifft dort bald nach dem Isaurier Zenon, dem späteren Kaiser ein. Er entfaltet eine umfangreiche Tätigkeit, indem er antichalkedonisch gesinnte Mönche sammelt und mit ihnen brachte er die Formel ὁ σταυρωθεὶς δι’ ἡμᾶς, die schon früher (vgl. Schwartz Schisma 242f.) dem Trishagion zugesetzt worden [1296] war, wieder auf, um damit zu betonen, daß die Gottheit selbst am Kreuze gestorben sei. Seine Umtriebe verleideten dem amtierenden Bischof von Antiochien, Martyrios, so sehr sein Amt, daß er es niederlegte (Schwartz 182). Darauf machte eine in Seleukia zusammengetretene Synode P. zum Bischof von Antiochien. Auf Befehl des Kaisers wurde er aber entfernt und verbannt. Jedoch P. flieht nach Konstantinopel, und wird, nachdem er Verzeihung erlangt hat, in das streng chalkedonisch gesinnte Akoimetenkloster gesteckt. Als dann unter dem Usurpator Basiliskos der große Umschwung sich zugunsten der Gegner des Chalcedonense vollzog, wurde auch P. wieder im August 475 eingesetzt. P. nahm auch ausdrücklich für Basiliskos Partei, wagte es sogar noch nach dem Sturz des Basiliskos im Sommer 476 in der Messe seiner zu gedenken. Aber das kostete ihm sein Amt. Er wurde nach Pityassa am Schwarzen Meer verbannt. Sein Sturz hatte unendliche Wirren in Antiochien zur Folge, die erst einigermaßen zur Ruhe kamen, als 484 P. wieder durch Kaiser Zenon, seinen alten Protektor bei seinem ersten Auftreten, in Antiochien eingesetzt wurde. Gleichzeitig wurde von Petros das kaiserliche Edikt angenommen. Seine Wiedereinsetzung gab dem römischen Papst Anlaß nochmals die Auseinandersetzung mit Acacius aufzunehmen: P. starb aber 487/88. Er war kein bedeutender Mann, mehr Abenteurer, dem die strengen monophysitischen Kreise (vgl. Schwartz S.-Ber. Akad. Heidelb. 1912, 16) nicht trauten. Briefe sind von P. nicht erhalten. Eine Anzahl Briefe von verschiedenen Bischöfen und auch dem Papste Felix III. an P. in Sachen des Trishagion sind gefälscht. Über P. vgl. Schwartz Die publizistischen Sammlungen aus dem akakianischen Schisma, Abh. Akad. Münch. N. F. X; über die gefälschten Briefe, die aus Konstantinopel stammen müssen und ursprünglich griechisch abgefaßt sind, s. Schwartz 287ff.