RE:Rkbʾel

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I A,1 (1914), Sp. 940–942
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Rkbʾel. (רכבאל‎), etwa Rekub-, oder Rekeb bezw. Rakkabʾel zu sprechen, ist ein semitischer Gott, der uns erst durch die neuen Inschriftenfunde von Zendschirli seit 1888ff. bekannt geworden ist. Sein bis jetzt nachweisbares Kultgebiet ist der nordsyrische Staat Samʾal oder Jaʾdi; vgl. die Inschrift des Hadad Z. 2. 3. 11. 18 aus der ersten Hälfte des 8. Jhdts. v. Chr., die Inschrift des Panammu Z. 22, aus der Zeit des assyrischen Königs Tiglat-Pileser 745–728 und die Bauinschrift des Bar-Rkb Z. 5 aus derselben Zeit (Lidzbarski Nordsemitische Epigraphik 1898, 440ff.; vgl. hier auch die Inschrift 4. Lagrange Études sur les religions sémitiques² 1905, 491ff.). Der Name kommt auch auf der Stele von Ördek-burnu, Z. 5. 7, gefunden südlich von Zendschirli, vor (Lidzbarski Ephem. III 192). Noch älteren Datums als die Hadad- und Panammu Inschriften ist die 1902 entdeckte Inschrift des Königs Klmu, Z. 16. eines Ahnen des Bar-Rkb (Z. 17); vgl. dazu Littmann Die Inschriften des Königs Kalummu 1911, SBA 976ff. Lidzbarski Ephem. III 218ff., woselbst 220, 1 weitere Literatur angegeben ist. Neben dem Namen רכבאל‎ ist vielleicht auch der Name רכב‎ für denselben Gott durch den Personennamen בררכב‎, Panam. 1. 19, Bar-rkb 1, belegt. Aus Panam. 22 und Klmu 16 ergibt sich, daß R. geradezu der בעל ב[י]ת‎ ‚der Hausgott‘, d. h. der Gott der Dynastie von Jaʾdi war. Bar-rkb 5 hat R. das Beiwort מראי‎ ‚mein Herr‘. Baudissin Adonis und Esmun 1911, 277 glaubt, daß רכבאל‎ eine Götterdyas wie אשמן עשתרת‎ sei, d. h. aus den Götternamen אל und רכב‎ komponiert sei, obwohl, wie Baudissin meint, ein Gott רכב‎ ‚mit Sicherheit nicht nachgewiesen‘ sei. Indessen dürfte [941] in dem Namen בררכב‎ der Name רכב‎ wohl aus רכבאל‎ verkürzt sein, indem רכב‎ geradezu auch Name für denselben Gott war. Gegen Baudissins Ansicht scheint aber zu sprechen, daß das Götterpaar רכב אל‎ doch nicht ‚der Hausgott‘ heissen konnte (s. o.). Da R. Hadad 2. 3 vor שמש‎ (dem Sonnengott) und רשף‎ (dem Blitz- und Kriegsgott, vgl. den Art. Rescheph) steht und der Mond im alten Orient vor der Sonne genannt zu werden pflegt, möchte Lidzbarski Ephem. I 255, 1 in R. einen Mondgott sehen, was ihm durch die Inschrift 4 (Nordsemit. Epigraphik 444) gestützt zu werden scheint. Hier nennt nämlich Bar-rkb den בעל חרן‎ d. i. den Baʿal von Charran, der Stadt des Mondkultus מראי‎ ‚mein Herr‘, der eben R. sei. Aber ob hier בעלחרן‎ nicht Fehler für בעלחמן‎, Klmu Z. 16 ist? Ephemeris III 236 scheint Lidzbarski auf eine Deutung des Namens רכבאל‎ zu verzichten. רכב‎ in רכבאל‎ ist doppeldeutig. Es kann = Gespann, Wagen, oder = Pferd sein. Neben שמש ,הדד‎ und רשף‎, lauter Licht- und Gestirngottheiten, wird auch רכבאל‎ derselben Götterklasse zuzuweisen sein. Wenn רכב‎ = Gespann, Wagen ist, so wäre der Name eine sachliche Parallele zu dem בעל צמד‎ dem ‚Baʿal des Gespannes‘, Klmu Z. 15. Es wäre dabei etwa an den Wagen des Sonnengottes zu denken erlaubt; vgl. dazu aus dem Alten Testament den רכב אלהים‎ Ps. 68, 18, ferner die מרכבה‎ I Chron. 28, 18. Jes. Sir. 49, 8, d. i. den Kerubwagen Ezech. 1 u. 10. Sonnenwagen kennt auch der äthiopische Henoch 72, 5. 37. 75, 4. Eine andere Parallele, auf die mich v. Domaszewski aufmerksam macht, wäre der Gott יהו‎ auf geflügeltem Wagen sitzend, d. h. als Sonnengott gedacht, auf der phönikischen Drachme, die von R. Weil Ztschr. für Numismatik 1910, 28ff. beschrieben ist und vielleicht aus Gaza oder Askalon stammt und etwa dem ersten Viertel des 4. vorchristlichen Jhdts. angehört. Dabei mögen Darstellungen des Triptolemos auf dem Flügelwagen, hellenisierte Gestalten des semitischen Himmelbaʿals als Vorlage gedient haben (Weil a. a. O. 30). Weiter kommen in Betracht die mit Rossen bespannten Wagen für den Sonnengott, die II Kön. 2, 11. 6, 17. 23, 11 erwähnt werden. Zu beachten ist auch der auf einem zweirädrigen Pferdekarren sitzende Gott bei Ramsay Cities and Bishoprics of Phrygia 1897, 361, worauf mich auch v. Domaszewski hinweist. Nach Winckler-Zimmern Keilinschriften u. das Alte Testament 1903, 368 fährt auch der babylonische Sonnengott auf einem Wagen. Lenken und Anschirren der Rosse besorgt Bunene. Mit ihm vergleicht Hoffmann Ztschr. f. Assyriologie XI 252 unsern רכבאל‎. Ist רכב‎ speziell = Pferd, so kann auch hier an Darstellungen gedacht werden, die den Sonnengott zu Pferd sitzend, oder auf ihm stehend zeigen. Ein Abbild des auf dem Pferd sitzenden syrischen Sonnengottes gibt Dussaud Notes de Mythologie Syrienne 1903, 54 und darnach bei Gressmann Altorient. Texte u. Bilder II 1909, Abb. 134. Stehend auf dem Pferd ist der Sonnengott dargestellt auf dem Felsenrelief von Malthaja, er ist dort der fünfte Gott von links nach rechts, vgl. die Abb. 37 bei Guthe Kurzes Bibelwörterb. 1903 und darnach bei Gressmann a. a. O. 91. Es ist verlockend, den [942] Namen רכבאל‎ mit dem hebräischen כרוב‎ zusammenzustellen (Lagrange a. a. O. 494); jedoch entstehen dann neue Verwicklungen infolge des Durcheinandergehens der Wurzeln כרב ,ברד‎ und רכב‎ in den verschiedenen semitischen Sprachen.

[Beer.]