RE:Seligenstadt

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II A,1 (1921), Sp. 1259–1260
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Seligenstadt, kleine Stadt der Provinz Starkenburg im Großherzogtum Hessen, auf dem linken Mainufer, an der Stelle eines römischen Kastells am Main, der hier (oberhalb Großkrotzenburg bis oberhalb Wörth, später bis oberhalb Miltenberg) die Grenze des römischen Reichs gebildet hat. Zwar haben verschiedene Grabungen von Kofler keinerlei sichere Spuren für das Kastell selbst ergeben und nur bewiesen, daß dieses weder auf dem Gelände der von Einhard gegründeten Benediktinerabtei noch im Bereich der (vermutlich von Kaiser Friedrich II. erbauten) kaiserlichen Pfalz (Palatium) gelegen hat. Dennoch ist die Lage des Kastells in S. sicher: es wird überbaut sein von den auf einer zungenförmig gegen den Main vorspringenden Bodenerhebung gelegenen ältesten Teilen der Stadt in der Gegend des Marktplatzes und beiderseits der Römergasse. Mit Bestimmtheit festgestellt ist dagegen das zum Kastell gehörige Bad, ferner ein Begräbnisplatz auf der Nordseite der Stadt und vielleicht ein zweiter, südöstlich gelegen. Gefunden sind Ziegel der 22. Legion und der Cohors I civium Romanorum equitata (o. Bd. IV S. 271), welch [1260] letztere längere Zeit die Besatzung des Kastells gebildet haben muß, außerdem die Steininschriften CIL XIII 6659 und 6660. Von diesen ist 6659 (mit Bildwerk) geweiht der Diana Augus(ta) und für die Gesundheit des kaiserlichen Hauses im J. 204 n. Chr. von einem aus Speier, dem Hauptort der Civitas Nemetum, stammenden Centurio der 22. Legion (aram et tabulam pro se et suis posuit); 6660 ist ein verstümmelter Altar, I(ovi) O(ptimo) M(aximo) et Genio loci dis [deabu]sque geweiht, vermutlich von einem Beneficiarius. [CIL XIII 6658, gefunden in Zellhausen, zwischen S. und Stockstadt, gehört nach Kastell Stockstadt, s. CIL XIII 4 p. 107]. Die in S. und Umgebung gefundenen Münzen reichen (abgesehen von einem vereinzelten Denar des Augustus) von Vespasianus bis Septimius Severus. Die alte Mainbrücke, deren Reste zu S. festgestellt wurden, ist wohl mittelalterlich, nicht römisch. Über römische Straßenverbindungen s. ORL a. a. O. 2.

Literatur: Zangemeister CIL XIII 2, 1 p. 294–296. Fabricius Das Kastell S., ORL B III nr. 32 (1914, in Liefg. XLI, 1915). Von den in beiden Werken genauer aufgeführten älteren Veröffentlichungen seien genannt: Steiner Gesch. u. Beschr. der Stadt u. ehemal. Abtei S. (1820); Gesch. u. Topogr. des Maingebietes (1834) 170ff. Steiner-Bindernagel Archiv f. Hess. Gesch. III 1 (1842) nr. VII (Bad). Seibert S. im Mittelalter (1910) = Arch. f. Hess. Gesch. N. F. VII 107ff. Steiner Das Castrum Selgum usw. (1858, Nachtrag 1863) geht aus von einer falschen Lesung in CIL XIII 6658, s. CIL XIII 2, 1 p. 294, 1. Der vorher anders benannte Ort führt den Namen S. nach Überführung der Reliquien von Heiligen im J. 827 (s. ebd.) – S. noch G. Wolff Die südl. Wetterau in vor- und frühgeschichtl. Zeit (1913) 176f. mit archäolog. Fundkarte.