Seite:Lieder und Balladenbuch-Strodtmann-1862.djvu/72

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     Es ward der stillen Erde hier vermählt
Kein Mann von Eisen und mit blut’ger Hand,
Der herrisch ausgetobt an Stadt und Land

15
     Die Leidenschaft, die seine Brust zerquält –

Nein, Eine, deren Bau von zarterm Stoff gewebt,
 An Blick und Seele mild,
 Ein sanftes Frauenbild,
Das vor des Tadels Odem scheu gebebt.

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Der Sanftmuth Lächeln weilt’ in ihrem Aug’,

     Wie Blumen stehn im Lenz an sonn’gem Ort;
Doch bei dem Leiden Andrer trieb ein Hauch
     Von schönrer Trauer schnell das Lächeln fort.

Glaubt nicht, dass, wenn die Hand, die hier zerfällt,

25
     Sich drohend hob, gezittert hat die Welt,

Dass bei dem Wink ein Heer dem Grund entsprang,
     Wie Wolk’ an Wolk’ am Regenhimmel schwillt,
Dass Knab’ und Greis in Schlachtkolonnen drang –
     Ein Mahl, dran seine Lust der Geier stillt!

30
Die Todte hier – nicht also hat den Krieg

Sie ausgekämpft, nicht so erlangt den Sieg.
 Allein hat sie die Schlacht,
 Allein ihr Werk vollbracht,
Nach andrer Hoffnung niemals ausgespäht,

35
Als Gott allein, noch andre Hilf’ erfleht.