Topographia Austriacarum: Wien

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Topographia Germaniae
Wien
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1679, S. 22–28.
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Wien / Vienna.

Diß ist die Hauptstatt in Unter-Oesterreich / die vor Zeiten zu Pannonia gerechnet worden / zur Rechten der Thonau gelegen / wiewol es nur ein Arm davon ist / so nahend zur Statt gehet; gleichwol man auff solchem die Schiffe / nach Gelegenheit der Zeit / und Höhe deß Wassers / stellen kan: Wann aber das Wasser klein ist / so müssen dieselbe / sonderlich die grosse / ein Meil Wegs oberhalb / umb Nußdorff / oder wol gar bey der Statt Closter Neuburg 2. Meilen von Wien / bleiben. Mehr als ein halbes Viertel einer Teutschen Meil von der Statt / gegen Mähren werts / seynd noch 3. andere absonderliche / und zum Theil gar grosse / und schiffreiche Aerm / oder besondere Flüsse / dieses sehr grossen Thonauflusses / über welche fünff Brücken gehen / die man im Nothfall / zu mehrer Sicherheit der Statt / abwerffen kan. Von Mittag hat die Statt ein kleines Wasser / so auch Wien genant wird / und das von denen gegen Abend gelegenen Bergen herkompt / so bald wächst und von dem vielen Regenwasser sich leichtlich ergiessen thut / etliche Mühlen treibt / und nicht weit von den Stattgräben sich in die Thonau ergiesset; und von Theils / als ob es ein Arm von der Thonau wäre / angesehen wird. Und von diesem Flußlein wollen auch Theils den Nahmen der Statt herführen. Es halten sonsten die Gelehrten darfür / daß solche Statt Anfangs Vendum, Vindobonna, und Vindomina; folgends von dem Römischen Kriegs-Obristen Annio Fabiano, Fabiana, und dann von den Teutschen Bian, Bien, und endlich Vien / und Wien / auch mit der Zeit von den Windischen Wydme / und von den Türcken Bez / seye genant worden; allda die Römer ihre Gräntzen besetzt / und ihre Legiones, oder Regimenter / Geminam, und Alaudam, oder Germanicam, gehalten haben / seye aber / zun Zeiten Käiser Augusti, und Tiberii, noch nicht vornehm gewesen / dieweil Vellejus, der unter der Regierung Tiberii gelebt / die Statt Carnuntum an der Thonau / unter Wien / für den nächsten Ort gegen dem Norico setzen thut / so Er nicht gethan hätte / wann Wien / so in Pannonia gelegen / und dem Norico am nächsten war / damaln berühmt gewest wäre. Aber mit der Zeit / sonderlich nach deme die Käiser Vespasianus, Trajanus, und andere / sich allhie viel auffgehalten / und oberwehnte ihre Legionen hierumb gehabt haben / seye sie vornehm worden: Daß man also nicht wissen kan / wer dieser Statt erster Erbauer gewesen: Folgends aber / nach dem sie viel Schaden gelitten / und fast bey die 400. Jahr wüste gelegen / solle ihr Henricus I. Fürst von Oesterreich / Anno 1158. wieder auffgeholffen haben: Und als König Reichard auß Engelland / auff seiner Raise auß dem gelobten Land / durch Ungarn und Oesterreich ziehende / nahend Wien / den 20. Decembris, Anno 1192. auffgefangen worden / daß Er sich (weil Er Hertzog Leopolden von Oesterreich gantz spöttisch gehalten / und ihme sein Wappen zu Joppe von der Herberg herab reissen / und ins heimlich Gemach werffen lassen) mit grossem Geld wieder erledigen muste / so wurde von solchem auch diese Statt verbessert / und erweitert / die der Zeit bey einer halben Teutschen Meil im Umkreyß hatte / und allda viel Antiquitäten seyn / von welchen Lazius hin und wieder in libris Reipublicae Romanae zu lesen. Sie ligt in einer gar lustigen Ebne / und auff einem an Getraid / Wein / und allerhand andern Früchten / und Nahrungs-Mitteln sehr geschlachten / und fruchtbarn Boden. Und wird sonderlich sehr viel Wein herumb gesamlet / und in die Statt geführet; daher auch das Wort Vienna versetzt / und in diese zwey / en vina, verwandelt / und Wien zu Wein gemacht wird. Und zwar so hat man dessen vonnöthen / weilen die Statt gar Volckreich / als die sechs mächtiger Nationen / der Teutschen / Welschen / Hungarn / Böhmen / Pohlen / und Slovacken / gemeine Herberg zu seyn scheinet; also / daß vor der Belagerung / und dem Krieg / den König Matthias Corvinus, mit dem Käiser Friderico IV. geführt / fünfftzig tausend Menschen / ohne die Kinder / allda seynd gezehlt worden / und offt allein in die siebentausend Studenten sich allhie befunden haben. Und wird noch die Anzahl der Seelen / so in- und ausser der Statt seynd / der Zeit auff sechzig tausend geschätzet; wiewol man die Gewißheit dessen nicht eigentlich erfahren / und wissen kan; weilen es da grosse / und weitschichtige Vorstätt

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Statt Wien (Merian).jpg

[23] hat; in welchen viel herrlich und schöne Gärten / mit ihren Lusthäusern / auch andern Gemachen / und Losamenten seyn / darinn sich viel Leut auffhalten können; wiewol deren Sachen viel / vor etlichen Jahren / sonderlich vor dem Burg- und dem Kärner Thor / gegen S. Ulrich / und dem obgedachten Flüßlein Wien / werts / bey die 300. Schritt begreiffende / nicht allein die Strassen / und die Gassen zu erweitern; sondern auch zu mehrer Sicherheit der Statt / an solchem Ort / theils abgebrochen / theils durch ein ungefehr entstandenes Feuer verbrant worden seyn. Uber / oder jenseit der Thonau / wohnen / gleichsam in einer Insul / die Juden besonders; in der Statt aber haben sie zu ihrer Handthierung gewisse Ort / da sie deß Tags ihre Wahren verkauffen; aber über Nacht in der Statt nicht bleiben dorffen. Sonsten seynd sie allda wol gelitten / und mit genugsamen Freyheiten / und Sicherungen / versehen. Es hat die Statt sechs Haupt-thor / und zehen grosse Bollwerck / und Pasteyen. Vom Morgen ist das Stubenthor; von Mittag das Kerner / oder Porta Carinthiaca, und das Schloß- oder Burgthor; vom Abend / das Schotten / und Neue Thor; und von Mitternacht der Rothe Thurn: Unter welchen die Viere / als das Burg / Kerner / Neue / und Stubenthor / sehr starck / gantz gewölbt / gar hoch / und ansehenlich / mit langen Schwibbögen; die ubrige 2. aber nur Thürne / seynd. Die gedachte Pasteyen werden genant / die Neuthor Pastey / Schotten-Pastey / Nelckerhoff-Pastey / Katzen-Pastey / Burg-Pastey / Wachtmeister-Pastey / Kerner-Pastey / Braun-Pastey / Burger-Pastey / Biber-Pastey. Wann einer umb die Statt gehen will / so kan er zum Stubenthor hinauß / und gegen dem Rotenthurn hinum gehen; da er dann erstlich nahend einer Pastey vorüber muß / so von Quaderstucken erbauet ist / und 2. hohe / und gemaurte Casamaten hat: Von dannen er zu einer andern Pastey / so ein starcke Maur von Ziegelsteinen / und / wie die vorgehende / gar tieffe Gräben herumb hat. Von dannen ist ein doppelte Mauer zur Lincken / zur Rechten aber laufft der obgedachte Arm von der Thonau vorüber / allda ein Brücke von Holtz / so man die Schlagbrücke nennet; und kompt man durch das äussere Thor in eine weite Gassen / da zur Lincken niedere Mauren / zur Rechten aber die besagte Thonau / daran etliche Bevestungen am Gestad auffgericht / biß zum Rothenthurn / und noch ferners biß zu einem andern äussern Thor / bey welchem die angedeute Gassen enger wird / und von solchem an / die Statt lange / hohe / und starcke Mauren hat / auff welchen 3. Wachthäußlein erbauet seyn / welche sich biß zu dem Zeughauß / desselben Ein- und Außgang / und die nächste Pastey / erstrecken / und da auch ein Auffzugbrücke ist. Und ist solche dritte Pastey schön und groß. Von hinnen gelangt man zum Neuenthor / daselbsten Heinrich Matthaeus / der ältere / Graff von Thurn / Anno 1619. durch einen angeschraufften Petarden / die Statt / mit seiner Reuterey / so zu Eberstorff gewartet / zu erhaschen vermeint hat. Ferners hat man die vierte Pastey / bey welcher ein hoher Wall gegen dem Schottenthor / da die Statt sehr tieffe Gräben hat / die sich / sampt dem Wall / biß zur fünfften Pastey / erstrecken / daselbsten neulich starck gebauet / und die Statt mehrers / und nothwendig befestiget worden ist. Und allhie hatte das Tieffenbachisch Regiment / so zu Hörnals gelegen / in die Statt brechen sollen / wann der obvermeldte Anschlag mit dem Petarden angangen / und solcher nicht / durch einen Liebhaber seines Vatterlands / entdecket worden wäre. Ferners kompt man zur sechsten Pastey / daselbst Herr Statt-Obrister / der Freyherr Löbel / seliger / ein Gärtlein mit einem Lusthause / ihme hat erbauen lassen. Und ist besagte Pastey vor wenig Jahren renovirt, und verbessert worden / daß sie in der Schönheit die andern alle übertreffen solle. Und erstreckt sich obgemeldter Wall nicht allein hieher / sondern biß zu der Käiserlichen Burg / daselbsten man die Gräben tieffer gemacht hat: Und gelangt man so dann zum Burgthor / bey welchem die siebende / und zwar grosse Pastey ist / so hinden her noch ein kleinere / wie eine Casamata, oder Schlupffwinckel deß Bollwercks / aber nicht in die Höhe auffgerichtet / sondern gantz gemauert / hat. Und an diesem Ort / hat obbesagter Graff von Thurn in die Käiserliche Burg / und gar in die Ritterstuben / und Ante Cameram, auß S. Ulrichs Vorstatt schiessen lassen; deßwegen man in folgenden Jahren da gewaltig an der Pastey / und sonsten / gebauet / und also von aussen besagte Käiserlich- und Ertzhertzogliche Residentz stattlich versichern lassen / daß man sich da keiner Gefahr mehr zu besorgen. Und gehen solche neue Fortificationen biß schier zu dem Kärner Thor / vor welchem die achte / und zwar starcke / grosse / schöne / und fürtreffliche Pastey / gantz von Ziegelsteinen auffgeführt / zu sehen ist / so ihre Casematen hat: Und wohnet auff solchem Thor / so nächst an besagter Pastey ist / der Statt Wachtmeister. Von diesem Thor an ist / an statt deß erwehnten Walls / ein hohe von Ziegelstein auffgeführte Mauer / und seynd die Gräben sehr tieff und hoch. Und folget so dann die neunte Pastey / auch gar stattlich / wie die vorgehende / sampt der Wasserleitung in die Statt. Von hinnen ist wieder ein Wall biß zu der Zehenden / so auch die Obere Stuben Pastey genant wird; stattlich / groß / und hoch / und mit einer Mauer von Ziegelstein umbgeben ist / so an den Ecken Quaderstein hat; welche Pastey vom Käiser Ferdinando I. erbauet worden / allda ein Schrifft mit guldenen Buchstaben / auff einer steinern Tafel / zu lesen; wie solches auch an den vorgehenden in acht zu nehmen ist. Es sollen aber diese Werck / wie sie ums Jahr 1636. gewesen / hernach noch mehrers verbessert / und diese Statt noch gewaltiger / wie unten in den Geschichten folget / zu befestigen angefangen worden seyn. Zu ihrer und besagten Thor / und Vestungen / Beschützung / seynd in gemeldtem Jahr 1636. bey die tausend zu Fuß / in acht Fähnlein abgetheilt / unterhalten worden; deren monatliche Besoldung auff einen Kopff sechs gulden seyn solle. So etwann Kriegsgefahr verhanden / so legt man auch etliche Cornet Reuter in die Vorstätte / und müssen ingleichem die Burger / so unter vier Fahnen vor diesem eingetheilt gewesen / wann es noth thut / wachen. Und haben sich wol auch die Studenten etwann / im Nothfall / darzu gebrauchen lassen. Inwendig ist die Statt schön erbaut / und seynd viel Häuser allda / so vor Fürstliche Palläst anzusehen; [24] wiewol sie mehrers zum Pracht / als zur Bequemlich- und Nutzbarkeit / gemeinlich gebauet / sonsten aber weit / groß / starck / hoch / von Steinen / auffgeführt / mit Höfen / und Mahlwerck gezieret seyn. Haben sehr tieffe / weite / und ansehnliche Keller / in welchen man Stuben findet; daher gesagt wird / daß zu Wien nicht wenigere Gebäu unter- als ob der Erden seyen. Die Gassen der Statt seynd schön / und sauber / und so wol mit harten Steinen gepflastert / daß sie von den Rädern der Wägen nicht leichtlich Schaden nehmen. Es hat allhie unterschiedliche groß und mittelmässige Plätz / und Ort / da man zusammen kompt / unter welchen seynd 1. der Hoff / 2. der hohe Marckt / da das Rathhauß stehet / 3. am Graben / 4. Neumarckt / 5. Judenplatz / 6. alt Baurnmarckt / 7. Lubeck / 8. Fleischmarckt / 9. S. Peters Freudhoff / 10. beym Schottenthor / 11. Tieffe Graben / und 12. der Haarhoff / zu welchen man auch den Ort zum Stock im Eisen zehlet / an welchem Stock ein Schloß ist / von dem man fürgibt / daß es von einem zauberischen Schlösserbuben gemacht worden seye / und daß niemands solches auffthun könne.

Von Kirchen seynd allhie sonderlich zu sehen / 1. die Haupt- oder Bischöffliche Kirche zu S. Stephan / so ansehnlich / groß / hoch / und weit / aber zimlich finster ist / welche Henricus I. von Oesterreich zu erbauen angefangen haben solle / die folgends Henricus II. auß dem Bambergischen Stammen / außgebauet / wiewol die Schnecken / und anders / erst Anno 1360. darzu kommen seyn. Der Meister ist unter der Cantzel zu sehen. Den Thurn hat man Anno 1340. (al. 63.) angefangen / und in 60. Jahren hernach / nemlich Anno 1400. (G. de Roo sagt 1437.) vollendet. Man hat 436. Staffeln / und hernach an Leytern 200. Sprüssel / hinauf zu steigen / wie dann dieser Thurn 480. Werckschuch hoch ist / und daher unter die drey fürnehmste in Teutschland gerechnet wird / unter welchen er der stärckste seyn soll; dann sonsten ihme der Straßburgische an Zierlichkeit / und der Kunste / weit vorgehet. Die gröste Glock darinn wigt 244. Centner 44. Pfund / der Schwenckel drey Centner: Theils sagen wol gar von 7. Auff der andern Seiten ist noch ein anderer Thurn / diesem gleich / angefangen / aber nicht vollendet worden. Man sagt / daß der nächst verstorbene Bischoff solchen außzubauen Willens gewest sey. Anno 1590. ist vorgedachter Thurn durch Erdbidem so erschüttert worden / daß man sich seines Falls beförchtet hat / und die Spitze davon abzutragen rathschlagen müssen. Im Chor der Kirchen liegen die Marggrafen / und Hertzogen von Oesterreich / eines Theils. Zur rechten Seiten desselben stehet Käisers Friderici IV. Monument, so ihme Käiser Ferdinandus I. von rohtem Marmor sehr künstlich hat auffrichten lassen: Zur Lincken Rudolphus I. der aber nicht allhie / sondern zu Speyer begraben liegt; dabey die Reliquien von S. Stephan / S. Conraden dem Bischoff / und andern Heiligen mehr / seyn sollen. Ausserhalb sihet man den Baumeister / der an dem obgedachten unaußgemachten Thurn gebauet hat; wie auch deß Reinhard Fuchsen Grab / welcher / mit dem Pfaffen von Calenberg / an Hertzogs Otten zu Oesterreich Hoff / gelebt hat. Man hält darfür / daß Wien gar zeitlich zum Christlichen Glauben kommen / den folgends S. Quirinus, und S. Severinus allda sonderlich fortgepflantzt / welcher Letzte auch den Mamertinum, oder Mamertum, zum ersten Bischoff allhie gemacht / und / nach Zerstörung der Kirchen durch die Langobarder / mit der Zeit / der H. Rupertus, Bischoff zu Saltzburg / den Gisalaricum dahin geschickt haben / der daselbst wider eine Capellen erbaut. Man nante die Bischoffe allda Fabianenses, Favianenses, und Vigennenses. Es hat aber solches Bistum / wegen der Hunnen / oder Ungarn stätigen Verheerungen / deß Lazii Rechnung nach / vor etwas weniger / als 800. Jahren (von Anno 1643. an zuraiten) auffgehört. Und hat es von dem Jahr 1160. an / Pfarrer allhie gehabt / so / im Nahmen der Bischöffe zu Passau / das Kirchenwesen versehen. Umbs Jahr 1364. hat sich allda die Probstey erhebt / so biß auffs Jahr 1480. gewehrt; zu welcher Zeit Käiser Friederich der Vierte / vom Pabst Paulo II. erhalten / daß auß der Probstey wider ein Bistum / und Leo von Spaur / ein Tyrolischer Freyherr / zum ersten Bischoff gemacht worden ist. Ihme hat succedirt Bernhard von Ror / ein Oesterreichischer Freyherr / und diesem Andere / und darunter Bernhard Herr von Polheim / Johannes Fabri, Fridericus Nausea, Christophorus Ortueyn / alle 3. Theologi; Item / der Cardinal Melchior Clesel / so im Herbst deß 1630. Jahrs / im 77. Jahr seines Alters / allhie gestorben ist. Ihme hat Antonius, Abbt deß reichen Benedictiner Closters Krembs Münster in Ober-Oesterreich / succedirt, der am ersten den Titul eines Fürsten vom Käiser Ferdinando II. erlangt hat / und Geheimen Raths Praesident gewest ist; der auch den alten Bischoffs Hoff abbrechen / und einen sehr prächtigen / und grossen Pallast / an desselben Statt / hat auffbauen lassen. Ihme hat der jetzige Herr Bischoff / auß dem vornehmen Freyherrlichen Breunerischen Geschlecht / neulicher Zeit / succedirt. Das Einkommen so wol deß Bischoffs / als der Domherren / der obgedachten Stiffts-Kirchen / deren 16. seynd / und die alle um den Dom herumb wohnen / soll nicht gar hoch kommen.

Nach dieser S. Stephans-Kirchen ist 2. zu sehen das Schotten Closter / welches Anno 1158. von Hertzog Heinrichen von Oesterreich ist auffgerichtet / und den Schott- oder Irrländern / eingeben worden / darinn auch Er Hertzog Heinrich / so Anno 1174. gestorben / ruhet.

3. Das Closter der Minoriten / zum H. Creutz / so man auch das Welsche nennet / das König Ottocarus auß Böheim angefangen; die Königin Blanca aber / Königs Philippi deß Dritten in Franckreich Tochter / und Rudolphi, Käisers Alberti I. Sohns / Gemahlin / und Elisabetha, Königs Jacobi in Aragonien Tochter / und Käisers Friderici deß Dritten / und Schönen / besagtem Rudolphi Bruders Gemahlin / so beyde allhie ruhen / außgebauet haben. Es liegen auch da / neben einander / Georgius Basta, der berühmbte Obrister; und Heinrich Duval Graff Dampier, Freyherr von Mandrovilla, und Herr zu Han; welcher unter besagtem Basta in Ungarn gedient / hernach in unterschiedlichen Kriegen / sonderlich im Böhmischen / sich berühmt gemacht / und den 9. Octobr. Anno 1620. vor dem Schloß zu Preßburg

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S. Stephans Kirch zu Wien (Merian).jpg
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Schloß Hernalß (Merian).jpg

[25] blieben ist. Von obgedachtem Basta schreibet Nicolaus Isthuanfius, ein Ungarischer vornehmer von Adel / und zweyer Käiser Rath / und Secretarius, in dem 34. Buch der Ungarischen Geschichten / am 849. Blat / also: Anno 1607. ad diem 10. Kal. Decemb. Georgius Basta, cum lautè paulò ante coenasset, repentinâ membrorum resolutione, relictis, quas ingentes congesserat, opibus, extinctus est, homo Italus, cujus tamen genus ex Epiro fuit, avarus, crudelis, et ultimi intestini belli concitator, quo omnis Pannonia vastata, et amissa Transilvania est. Und in dieser Kirch deß besagten Closters haben etwann auch die Evangelische ihre Predigten / und Religions exercitium zu halten / vom Käiser Maximiliano II. erlangt; wiewol ihnen solches hernach unter dem Käiser Rudolpho II. wieder entzogen worden; denen aber folgends Käiser Matthias, daß sie dasselbe in dem Dorff und Schloß Hörnals / den Herren Jörgern gehörig / halten möchten / erlaubt hat; und dorfften die Prediger in der Statt gehen / daselbsten Ehen zusammen geben / das H. Abendmal reichen / die Kinder tauffen / und die Krancken besuchen; biß mit der Zeit Käiser Ferdinandus II. in die Regierung kommen / und nach dem Er die Schlacht vor Prag / und andere Sieg / erhalten / und Ihro Käis. Majest. vorgebracht worden / daß sich bißweilen von 20. biß in die 40. und 50. tausend Menschen (von Inheimischen und Fremden) zu besagtem Hörnals (so bey einer Viertel Meil Wegs von Wien gelegen) bey einer Predigt / befinden thäten / so haben Ihre K. Majest. auff vielfältiges der Catholischen Anhalten / die Enderung in der Statt Wien vorgenommen / und Anno 1625. den 22. Aprilis, Hörnals eingezogen / die Evangelische Prediger allda abgeschafft / und als dieses Orts H. Helmhart Jörger Freyherr / etc. zu Lintz im Arrest gewesen / diese Herrschafft den Dom-Capitularn bey S. Stephan in Wien / welche solche außgebetten / eingeraumt / auch den besagten Evangelischen Predigern die Statt Wien verbieten lassen; wiewol sie sonsten noch in Oesterreich geduldet / und etlichen Burgern / und Inwohnern der Statt Wien / den Gottesdienst zu Intzerdorff / ein Meil Wegs von dannen gelegen / und dem Herrn Geyer von Osterburg gehörig / (so in einer Zeitung / den 4. 14. Martii Anno 1646. zu Wien datirt, ein Stättlein genennet / und daß selbiger Tagen solches / allda der Käiserisch-Buchheimischen Völckern Hauptquartier gewesen / sampt der Kirchen / gantz / und darinn viel Getraid / verbronnen seye / gesagt worden) zubesuchen / vergönt ward. Endlich aber so wurde auch solches daselbst / und Anno 1626. in gantz Unter-Oesterreich eingestellt / und verbotten / auch folgends die Religions-änderung mit Ernst da vorgenommen / also / daß allein die würckliche Landstände / und etlich wenig andere / noch bey ihrer Religion / so viel die Gewissens Freyheit anbelangt / gelassen worden / und noch der Zeit gelassen werden / die aber kein offentliches derselben exercitium haben.

4. S. Peters Kirch / die man für die ältiste in Wien hält / vom Käiser Carolo M. erbaut / allda vor Zeiten ein Altar / dem Käiser Domitiano zu Ehren auffgericht / so man Aras Flavianas genant / solle gestanden seyn. Theils zwar halten S. Ruperti Kirchen für älter / als welche ums Jahr Christi 640. solle erbauet worden seyn.

5. Der Carmeliten Closter / vom Hertzog Rudolpho Magnanimo, zu Ehren der Mutter Gottes / gestifftet / darinn folgends die Jesuiter ihren Gottesdienst verricht / und die Juden unterwiesen haben. Ist ein grosses Gebäu / an dem schönen grossen Platz / der Hoff genant / gelegen. Folgends aber / als sie auch in die Universität / von welcher hernach / kommen / haben sie / an statt deß alten / ein trefflich ansehnliches Collegium erbaut / von deme der Sturmwind Anno 1631. in Decembri, zween schöne hohe Thürn der gestalt abgeworffen / als wann man sie hinweg geschnitten hätte / und ist doch niemand dardurch beschädigt worden.

6. S. Clarae Closter haben Hertzog Rudolphus, und obgedachte seine Gemahlin Blanca gestifftet / so von andern hernach vermehrt / und vollendet; vom Käiser Ferdinando dem Ersten aber zu einem Burger-Spital ist verwendet worden.

7. Es ist aber hergegen ein anders Closter S. Claren-Ordens / zu den Engeln genant / von der Königin Elisabetha auß Franckreich / als sie / nach Absterben ihres Herren / Königs Caroli deß IX. in Franckreich / wieder auff Wien kommen / gestifftet worden.

8. Das Capuciner Closter / so Käiser Matthias, und dessen Gemahlin / von Grund auff neu erbauet haben; auch in solchem / wie nicht weniger Käisers Ferdinandi III. Gemahlin / Frau Maria, so Anno 1646. den 3. 13. Maji zu Lintz verschieden / und den 14. 24. hieher geführt worden / ruhen. Aegidius Gelenius de Magnit. Coloniae schreibet p. 528. seq. also: Capucini nullatenus ad Ecclesias suas admittunt magnifica monumenta aliis Religiosis licita. Et licet in Ecclesia P. P. Capucinorum Viennae Austriae l. m. Imp. Matthias, unà cum sua conjuge Imperatrice, sepulchrum ex devotione sibi delegerint, etc. nunquam tamen P. P. Capucini aliquod Monumentum tali Caesare dignum in ea admittere voluerunt, praeter Altare insignitum SS. Reliquiis, quas Imperator, ac Imperatrix, in vita maximè coluerunt, quasque post fata P. P. Capucinis liberaliter donarunt. Uber die erzehlte seynd noch viel mehrere Clöster / und Kirchen allhie / als der Prediger Closter / S. Lorentzen Kirchen am alten Fleischmarckt; S. Jacobs in der Römerstrassen / und die Himmels-Pforten / so Frauen Clöster deß Ordens S. Augustini; die schöne grosse Pfarr-Kirchen zu S. Michael / nahend der Burg; das Käiser-Spital hinter dem Landhauß; das herrliche Parfotten Closter in der Singerstrassen; das Augustiner-Closter; S. Dorotheae Kirchen / nahend dem Graben / in welcher Graff Niclas von Salm liegt; (der Anno 1530. gestorben / und von welchem die Grafen von Salm in Oesterreich; gleich wie von seinem Bruder Johanne die Grafen von Salm in Lothringen / herstammen; wie Chytraeus lib. 13. Sax. pag. 329. schreibet;) die zu S. Marthen / darinn / wie Gerardus de Roo schreibt / Margaretha, zugenant die Maultaschin / Hertzogin in Kärnten / und Gräfin zu Tyrol / begraben worden; die neue Kirch / so höchstgedachter Käiser Ferdinandus II. den Heil. Ignatio, und Francisco Xaverio, zu Ehren erbaut; [26] die Kirchen ad littus S. Mariae; S. Johannis Baptistae; S. Nicolai; S. Mariae Magdalenae; zum Salvator; S. Georgii; S. Hieronymi (so vor Zeiten den büssenden Frauen / folgends den Franciscanern / eingeben worden); S. Annae; deß Teutschen Hauses / etc. Und haben die Hailbrüder / oder Fratres Misericordiae, auch ein Closter / ausser der Statt / bey den Brücken / in welchem viel Bette für Krancke / so sie curiren, stehen.

Was obgedachte Universität / oder berühmte Hohe Schul allhie / anbelangt / so solle solche Anno 1237. Käiser Fridericus II. gestifftet / und sie mit ansehenlichen Freyheiten begabet haben; die hernach König Ottocarus auß Böheim vermehrt; Hertzog Albrecht aber der Ander von Oesterreich / der Contracte zugenant / erst recht erhoben / und Albertus der III. Anno 1384. die Confirmation vom Pabst erlanget haben. Käiser Ferdinandus II. höchstermeldt / hat den Jesuiten / ums Jahr 1622. neben den Byris, Collegiis, sonderbarn Stipendiaten-Häusern / oder Samlungen der Studenten / so er denselben verehrt / auch die Professionem Theologicam, et Philosophicam, bey dieser Universität (welche Anfangs in 4. Nationes, Oesterreicher Rheinländer / Ungar / und Sachsen / getheilet worden) übergeben; jedoch / daß auch die Cathedra einem auß den Dominicanern / wie auch den Franciscanern / oder Minoriten / zu profitiren, und disputiren, offen stehen solte. Die Juristen / und Medici aber bleiben noch vereinbart / und machen alle halbe Jahr einen Rectorem: bey welchem sich die / so nicht der Römisch-Catholischen Religion seyn / und allhie studiren wollen / immatriculiren lassen. Es hat auch allhie feine Bibliothecken / und darunter die Käiserliche / in deren dritten Zimmer viel geschriebene Bücher / und darunter deß Dioscoridis, so viel hunder Jahr alt / und deß Türckischen Kaisers Solymanni gewesen; Item / die Evangelia, so Othfridus, ein Mönch / in Teutsche Reimen gebracht / und König Ludwigen / Käiser Carls deß Grossen Enickel / dedicirt hat; Item, La Forteresse de la foy, darinn schöne mit der Hand gerissene / und gemahlte Stücklein / so Hertzog Carls von Burgund gewesen; Item, deß Philostrati Heroica, so dem König Matthiae Corvino dedicirt worden; und andere mehr / seyn. Der geweste Bibliothecarius, Herr Doctor Sebastianus Tengnagel / so vor wenig Jahren gestorben / hatte auch ein sehr kostbare eigne Biblithec / und in derselben herrliche / rare, und solche Bücher in den Orientalischen Sprachen / die sonsten nicht zubekommen / in grosser Menge; wie dann deßwegen dieselbe der Kaiserlichen vorgezogen worden / und Er selber der Arabischen / Türckischen / Persischen / und anderer Sprachen / fürtrefflich erfahren / und dabey sehr freundlich gewesen ist. Wohin aber / nach seinem Tode / solcher deß Teutschland Schatz kommen / können wir der Zeit nicht wissen.

Von weltlichen Gebäuen ist insonderheit zu Wien zu sehen / die Käiserlich- und Ertzhertzogische Burg / Schloß / oder Residentz / so zwar nicht sonders prächtig erbaut / und für einen solchen mächtigen / und höchsten Potentaten / und eine so grosse Hoffhaltung / zimlich eng ist. Es begreifft aber solche einen grossen Platz / oder Hoff / an dem / auff der einen Seiten die Käiserliche Cantzley; auff der andern das innere Schloß / oder eigentliche Käiserl. Residentz; auff der dritten der Statt Wall / mit dem darauff gebauten Gang / oder Galerie / und dann auff der vierten Seiten die neue Burg / liegen / und solchen umgeben. In der besagten Käiserlichen Residentz ist die Guardarobba, und die Galeria, mit unterschiedlichen Zimmern / so man den Schatz nennet / und in demselben allerhand köstliche von Gold / Edelgesteinen / und Perlen; wie auch mit höchster Kunst / und Fleiß / gearbeitete / und gemahlte Sachen; Item / so wol natürliche / als durch menschliche Hände gemachte / gewaltige / und beste Stück / rare, und wunderliche Ding / viel Tonnen Goldes werth / in grosser Menge / und darunter die Käiserliche Cron / mit dem Scepter / und Reichs-Apffel / zu sehen / so auß Gold / und mit köstlichen Orientalischen Diamenten gezieret / die man auff ein Million Goldes werth schätzet / und Käiser Rudolphus II. für sich hat machen lassen: Item / ein rund Becken / so 7. Spannen im Umgang hat / auß einem einigen Agathstein gemacht / mit einer etwas duncklen Schrifft / so die Natur selbsten darinn formirt, JEHOVAH. Item / ein Einhorn / so 12. oder 13. Spannen lang ist; deren beyde letzte Stück / weilen sie ihres gleichen in solcher Form / Schöne / Eygenschafft / und Grösse / in der gantzen Welt nicht haben sollen / nicht können geschätzet werden. Bey diesem Pallast / so Ihr Käis. Majest. selbsten bewohnt / seynd zween unterschiedlich / und lustige Gärten / einer grösser / als der ander / in welche Ihre Majest. auß dero Gemach / fuglich gehen können. Auff vorgemeldtem sehr grossen Burgplatz / wartet / nahend dem Käiserl. Pallast / oder Burg / ein Compagnie Soldaten zu Fuß; bey dem Eingang aber deß innern Schlosses / unter dem Thor / gleich bey der Auffziehbrücken / zehen Trabanten auff / so ihre ordentliche Wacht da halten; deren diese den gantzen Tag über allda mit ihren Helleparten in guter Ordnung stehen; zu Nachts aber / wann besagte Brücke auffgezogen / inwendig im Schloß wachen / biß sie andere ablösen. Vor deß Käisers / und der Käiserin / Gemächer aber / warten andere / nemlich die Härtschierer / auff / die stätigs daselbst wachen / Kriegsleute seyn / und Ihr Käis. Majest. so wol auff den Räisen / als wann sie außspatzieren / als ein ordinari Leibsguardi zu Pferde / stracks auff dem Fuß allenthalben nachfolgen / und sie begleiten. Es hat in der besagten Burg auch ein feine Käiserliche Capellen / in welche Ihre Käiserl. Majest. gemeinlich durch die Ritterstuben gehen; daselbst ein stattliche Musica gehöret wird; wie dann / vor andern Höfen / dieser Käiserliche auch deßwegen den Vorzug hat.

Fürs Ander ist das Zeughauß / so wol das Käiserliche / als der Statt / und in dem Käiserlichen ein stattlicher Vorrath von Geschütz / und Munition / zu sehen. Uber dem Geschütz ist ein langer Gang / wie ein Saal / mit etlichen Kammern / hängt über all voll Kriegs-Rüstungen / Wehren / Waffen / Büchsen / und Doppelhaken. In einem Zimmer ist ein alter einer Käiserin Hoffwagen / gar zierlich gemacht / daran viel Arbeit ist. Das Arsenal liegt an der Thonau / darin viel Galeren / Fusten / Fregatten / Galiotten / so auff der Thonau gebraucht werden / allein seynd sie etwas kurtz / und nur auff 17. oder 18. Bänck lang.

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Käis. Garten der Neubau genant (Merian).jpg
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Kielmännischer Garten (Merian).jpg

[27] Drittens / das Landhauß / darinn die Löbliche Nieder-Oesterreichische Stände ihre Landtäge / und Zusammenkunfften halten / darinn auch das Einnehmer Ampt ist.

Viertens das Rathhauß.

5. Der Käiserliche Marstell.

6. Die Müntz.

Theils besichtigen auch 7. in der Kärnerstrassen das Haasenhauß.

Item 8. den Heydenschuß / so von den Hunnen den Nahmen haben solle;

Item 9. die steinerne Säul / daran ein Monstrantz / sampt Lateinisch- und Teutscher Schrifft eingehauen / wie daselbst Anno 1549. den 27. Junii / einem Priester / von einem Handwercksgesellen / die Monstrantz auß der Hand geschlagen worden / den man hernach gerichtet hat; und anders mehr; Und dann / ausser der Statt / die schöne Gärten / Freudhöfe / oder Gottsäcker / Lusthäuser / Thiergarten / neuen Bau / und dergleichen. Wie dann insonderheit deß Herrn Kielmanns schöner Lustgarten vor dem Stubenthor / als welcher mit schönen Außtheilungen / Gallerien / Bundwerck / stattlichen Lusthäusern / Fontainen / Zimmern / und Gemälden / auff Italianische Art erbauet / und gezieret / zu sehen wol würdig ist.

Es sagt Wolff. Lazius von hier bürtig / in der weitläufftigen Beschreibung dieser Statt lib. 12. Commentar. Reip. Rom. sect. 3. cap. 7. daß allhie zwölff unterschiedliche Gerichtstül / und Bottmässigkeiten / so in keiner andern Statt deß Teutschlands / wie Er darfür halte / zu finden; darunter dann seyen 4. Geistliche Obrigkeiten / als deß Bischoffs zu Passau / deß Bischoffs zu Wien / der Hohen Schul / und des Capituls / so zween Officiales, der Rector, und der Dechant / verwalten. Darnach seynd acht weltliche / als 1. die Regierung / und Statthalterey / sampt dem Cantzler / in den Oesterreichischen Landen / 2. die Cammer / und derselben Praesident / 3. die zween Land Marschallen (die anderswo Landshauptleut / und Praesidenten der Verordneten[1] / oder deß Außschusses / genennet werden) / so ihre Beysitzer / und 3. Verordnete haben / 4. der Hansgraff mit seinen Beysitzern / welche ins gemein Fürkäuffer genant werden / 5. der Burgermeister / und Statt Rath / 6. der Statt Richter / 7. der Mautner / oder Zöller / 8. und dann der Forstmeister / so über den Wienerwald gesetzt ist. Besagten Herrn Rectoris der Hohen Schul allhie Jurisdiction erstreckt sich gar weit / und über alle / so solcher Hohen Schul angehörig seyn. Und bestehet der Universität Rath von 16. Personen. In dem bittlichen Begehren deß Raths allhie / an Ertzhertzog Leopolden / etc. in Anno 1619. stehet / unter anderem / daß der unburgerlichen Personen 3. 4. oder 5. mal mehr zu Wien / als der Burger seyen / welche der Burgerschafft das Brod vor dem Mund abschneiden. Vor Zeiten seyen mehr / als achttausend Burger in der Statt gezehlt worden / dieser Zeit aber seyen in- und vor der Statt nicht über 1300. und unter denselben 400. und etlich wenig / so eigne Behausung haben. Nun seyen der Häuser in der Statt nicht weniger worden / auch nicht weniger Personen / die sich in der Statt nehren / und dieselbige bewohnen / aber der mehrertheil sey unburgerlich / und den Bürgern entzogen. Biß daher diese Bitt / etc. Wie es aber der Zeit hiemit bewant / davon können wir / als zimlich weit abwesend / nichts berichten. Anno 1646. waren zu Wien / neben Herrn Georg Gottfrieden Reittenspieß / von Weillern / Röm. K. M. Rath / und Statt Anwalden; Herren Caspar Bernhard Burgermeistern; Herrn Johann Georg Dietmayr Stattrichtern; Herrn Andrea Leonhart Denck / U. J. D. und Statt-Schreibern; Herren Johann Friederich Clement / Secretario; Herrn Johann Michael Metzlern Stattgerichts Gegenhandlern; und Herrn Peter Waltern Publ. Notario, auch Käiserl. Urthl. und Schrannen-Schreibern / im Innern 24. und im Aussern Statt Rath 75. Personen. In dem gemeldten Statt Rath sitzen 18. Personen / welche die Stättische / und Bürgerliche Sachen berathschlagen / und einen Käiserl. Praesidenten haben / welche Stell obwolgedachter Herr D. Sebastian Tengnagel / bey seinen Lebzeiten / verwaltet hat. Johannes Cuspinianus, der berühmte Historicus, hat sich auch Praefectum Urbis Viennensis geschrieben. In Criminal-Sachen hat der oberwehnte StattRichter seine Räth / und Beysitzer / die aber alle auff den Land Marschallen in Unter-Oesterreich ihr Absehen haben müssen / welches Ampt lange Zeit verwaltet hat / und vielleicht noch / Herr Seyfried Christoff Preuner / Freyherr / der Röm. Käiserl. Majest. geheimer Rath / und Statthalter zu Wien.

Es haben sich allhie viel grosse Sachen verloffen / deren wir / Kürtze halben / allein etliche erzehlen wollen. Unter deß Käisers Arnolphi Sohn / Käiser Ludovico, Item, bey Regierung der Käisers Conradi I. und Henrici I. ist diese Statt von den Ungarn übel verwüstet worden. Zun Zeiten Käisers Coradi II. wurde sie von S. Stephano, König in Ungarn / eingenommen / so dazumal noch Bayrisch war / weiln der Käiser seinem Sohn Henrico III. das Hertzogthum Bayern verliehen / und der König / wegen seiner Gemahlin Gisalae, Käiser Heinrichs deß Andern Schwester / vermeynte / daß sein Sohn Emerich der rechte Erb zu Bäyern wäre. Als der letzte Hertzog von Oesterreich / auß dem Bambergischen Stammen / Fridericus Bellicosus, in deß Käisers Friderici II. Ungnad gefallen / so ist Er / der Käiser / Anno 1236. auff Wien kommen / den die Bürger daselbst stattlich empfangen / der auch allda in drey Monat lang verharret ist / und Wien zu einer Reichs-Statt gemacht / und ihr das Wappen / so sie noch heutigs Tags führet / nemlich einen güldenen / und gekrönten Adler / in schwartzem Felde / gegeben. Sie ist aber nur vier Jahr ein Reichs-Statt geblieben. Dann sie besagter Hertzog / als der Käiser anderswo zu thun hatte / belagert / und also geängstigt / daß sie sich ihme wieder hat ergeben müssen. Anno 1252. ward Wien vom König Bela aus Ungarn belagert. Anno 1267. wurde ein Concilium allhie gehalten / dessen Statuta Andreas Brunner lib. 14. Annal. Boicor. pag. 817. seq. setzet. Anno 1282. (al. 1276.) belagerte die Statt Käiser Rudolphus der Erste / wider dessen Sohn / und ihren Herrn / sie sich hernach vergriffen / deßwegen sie auch umb etliche Freyheiten kommen / wie Gerhardus de Roo schreibet. Anno 1408. seynd der Burgermeister Conrad Vorlauff / und andere deß Raths allhie / enthauptet / und ihre Cörper zu S. Stephan begraben worden / deren Grabschrifft daselbst zu lesen. [28] Und stunde es damaln gar übel zu Wien / wie beym gedachten de Roo lib. 4. zu sehen. Anno 1463. ist der Käiser Fridericus IV. sampt seiner Gemahlin / und Sohn Maximiliano, allhie / in seiner Burg / von seinen eignen Bürgern / und Unterthanen / belagert worden. Anno 1485. belagerte diese Statt König Matthias Corvinus auß Ungarn / nahm sie auch / nach sechs monatlicher Belagerung / da man Roß / und schändlicher Thier Fleisch in der Statt gessen hatte / ein / und kam solche erst nach seinem Tode / im Jahr 1490. allhie erfolgt / (nach welchem / am sechsten Tag / sie / die Statt / schier gantz abgebronnen) wieder an Oesterreich / als die Wiener ihren Herrn / den König Maximilian / den 22. Augusti / mit Freuden empfingen / und folgends / auff vorgangenen Sturm / die Ungarn / (so sich tapffer gewehrt / also / daß auch der König eine Wunden im Arm bekommen) das Schloß auch auffgaben / und abzogen. Anno 1515. seynd allhie / Höchstgedachter Käiser Maximilianus I. König Uladislaus in Ungarn / und Böheim / und Sigismundus in Pohlen / zusammen kommen; davon Cuspinianus, Isthuanfius, und andere mehr / und darunter auch Jodocus Ludov. Decius, lib. 3. rer. Polon. pag. 96. seqq. zu lesen. Anno 1529. den 26. Septembris, kam der Türckische Käiser Solymannus selbsten darfür / und liesse über die 25. tausend Gezellte auffschlagen; muste doch endlich den 14. Octobris (nach dem er / und vorhero die seinigen 23. Tag / vor der Statt / gelegen / und die Unserigen / zwar mit grossem Leid der Burger / die grosse Vorstätte selber verbrennet hatten) unverrichter Sachen wieder abziehen / als Er allda / wie man darfür hält / wenigst auff die zwantzig tausend (Theils sagen wol von 80. tausend) Personen verlohren. Und ist Er so eilends abgezogen / daß Er am fünfften Tag schon bey Ofen gewesen / und daselbsten in den Feldern das Lager geschlagen hat. Anno 1563. seynd die neuerbaute Mauren der Statt Wien / bey dem Kärner Thor / dadurch man nach Ungarn räiset / in der Länge von 200. und mehr Schuhen / eingefallen. Anno 1590. den 7. Septembris; erhub sich allhie ein erschröckliches Erdbidmen / daß kein Hauß so starck gefunden / an welchem von unten hinauß nicht ein Spalt zu sehen gewesen wäre. Es hat solcher damaln auch die Kirch bey den Schotten mitten entzwey gebrochen / und eingeworffen / das hinder Chor alles erschellet / den Altar zerspalten / daß man also die Kirch hat abbrechen müssen. Und ist S. Stephans Thurn dermassen auch erschüttert worden / daß grosse Stück davon herab gefallen / und anderer Schade mehr geschehen ist / auch neun Menschen / und zwey Pferde umkommen seyn. H. Ottelius sagt / daß besagter S. Stephans Thurn so hart bewegt worden / daß der Gipffel deß Thurns / so mit eisenen Stangen wol verwahrt gewesen / sich niedergebogen / und gleichsam zum fallen gesenckt habe / part. 1. Chron. Ungar. pag. 180. Anno 1619. den 6. Junii / hat Graff Heinrich Mattheß von Thurn sein Böhmisches Kriegsvolck vor die Statt geführt / ist aber / nach wenig Tagen unverrichter Sachen / wieder abgezogen / wie auch oben gemeldet worden ist. Und hat es folgends herumb / und bey den obangedeuten Thonaubrücken / immerzu mit den Ungarn / und Confoederirten, sonderlich den 24. 25. und 26. Octobris, was zu schlagen / und zu thun geben / darauff die grosse Brünsten Anno 1626. den 25. Aprilis, und Anno 27. den 21. Aprilis, kommen; deren sie / die Statt / auch vor Zeiten / als Anno 1258. 1262. 1276. 1318. 1500. 1525. und 1535. etliche schwere / gehabt hat / wie obgedachter Lazius bezeuget. Bey Einbrechung der Schwedischen ins Königreich Böheim deß Jahrs 1639. wurde allhie Verordnung gethan / an den Stattwällen / Bollwercken / und Pasteyen / wo etwas eingegangen war / zu arbeiten / und was dem Feind ausserhalb der Statt / und an Vorstätten zum Vortheil gereichen möchte / dasselbige abgebrochen werden solte. Den 2. Maji dieses Jahrs / ist in S. Stephans-Kirchen der grosse Glockenschwengel / ohn einige Bewegung / entzwey gebrochen; und hat sich der Adler / welcher gantzer 15. Jahr am Käiserlichen Hoff / gehalten worden / von seiner Stangen zu tod gefallen. Den 22. Martii Anno 1642. hat ein Ungarisch Weib allhie drey gesunde Kinder zur Welt gebohren. Und dieses / was bißhero von der Statt Wien gesagt worden / ist auß deß gemeldten Lazii Büchern de Republ. Roman. Item, seinem Vienna (so M. Heinricus Abermann verteuscht / vermehrt / und auff gemeiner Statt Wien Unkosten wieder hat lassen außgehn /) Cluverii antiqua Germania, Aventini Annalibus, Bonfinii Annalibus, Cuspiniani Caesar. et Austria, P. Besoldi Historia der Belagerung Wien / Hieron. Megiseri Kärndterischen Chronic / Gerardi de Roo Annalibus, Andr. Brunneri Annalibus, dem Büchlein dessen Titul / Status particularis Regisminis S. C. Majestatis Ferdinandi II. Anno 1637. gedruckt / (in welchem insonderheit die Bevestigung dieser Statt zu finden /) Aen. Sylvii epistolis, P. Bertii Commentar. rer. German. Matth. Meriani Theatro Europaeo, Crusii Annalibus, Cyr. Spangenbergs Adelspiegels 2. Theils II. Buchs / 40. Capitel / Herrn Augustin Freyherrn von Mörsperg / Johanniter Ordens / geschriebnen Räisen / dem 1. und 6. tomo Theatri Urbium G. Brauns / Isthuansfii rebus Ungaricis, und part. 1. et 2. Itinerarii Germaniae, genommen worden. Besiehe auch Joannis Martini Stellae Descriptionem, et munitionem Urbis Viennae, in tom. 2. German. rerum Scriptorum Simonis Schardii, fol. 1574. seqq. Und von der obgedachten Belagerung in An. 1529. den Hieron. Ortelium part. 1. Chronol. p. 48. seqq.


  1. Vorlage: Verodneten