Topographia Bavariae: Newburg an der Thonaw

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Newburg an der Thonaw (heute: Neuburg an der Donau)
<<<Vorheriger
Nabburg
Nächster>>>
Newburg vorm Wald
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main Merian 1644, S. 55–56.
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Neuburg an der Donau in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[T21]
Topographia Bavariae (Merian) b 20.jpg
[55]
Newburg an der Thonaw.

Diß ist eine kleine / aber wolgebawte Statt / drey Meylen oberhalb Ingolstatt / an der Thonaw / vnd in der Bischofflich Augspurgischen Dioecesi, gelegen / so ein alter Orth ist / dessen Antiquitäten Welferus fol. 255. et sequent. rerum Augustan. Vindel. setzet; vnd libro 5. rerum Boicarum pagina 308. meldt / daß noch / zun Zeiten Caroli Magni, ein Bischoff / Nahmens Manno, allhie gelebt; aber hernach solches Bisthumb auffgehört habe / vnnd ein grosser Theil davon mit dem Augspurgischen Bisthumb vereinbart worden seye.

Jacobus Gretserus, in seinem Werck / von den Bischöffen zu Eichstätt / vnd in desselben Anhang / schreibet capite 5. pag. 568. daß / als das Bisthumb Newburg an der Thonaw abgegangen / ein grosser Theil davon dem Augspurgischen Bisthumb einverleibt worden seye; aber / was auff der Seiten der Thonaw / da Ingolstatt gelegen / das scheint dem Bistumb Eichstatt zukommen zu seyn; welche Abtheilung auch noch der Zeit währe. Dann Newburg selbsten / vnd was bey den Ingolstättern über der Thonau ligt / zum Bistthumb Augspurg; das vorige aber nach Eichstatt gehöre / ausser / das bey Ingolstatt ein Dorff / jenseit der Thonau gelegen / so vom Salvator den Namen habe / mit etlichen beyligenden / vnder das Eichstättische Bistumb gezogen werde.

Andreas Brunner saget part. 1. Annal. Boicor. p. 711. daß in dem Concilio zu Dingolvingen Anno 772. gehalten / dieser Manno den ersten Sitz gehabt / so der einige Bischoff / so viel man wisse / zu Newburg gewesen. Wigeleus Hund schreibet tom. 2. Metrop. Salisburg. fol. 524. daß dise Statt seye Newburg / zum Unterschied deß alten Castels Altenburg / (dessen rudera, vnd Anzeigungen ein wenig oberhalb Newburg verhanden) genandt worden. Matthaeus von Pappenheimb sagt im 29. Capitel vom Vrsprung / vnd Geschlecht der Herren von Calatin / daß Newburg / vor Zeiten seinen Vor-Eltern gehört habe. Folgends ist dieser Ort zum Hertzogthumb Bäyern gerechnet worden; wie dann auch Hertzog Ludwig der Buckelte von Ingolstatt / seinen Vattern / Hertzog Ludwigen im Bart / allhie belagert hat. Aber / nach dem Bäyrischen Krieg / hat Kayser Maximilian der Erste Anno 1505. diese Statt der Pfaltz / sampt andern Bäyerischen Orthen / zugeeygnet / darauß ein newes Fürstenthumb / vnnd Newburg desselben Hauptstatt worden ist. Vnd stehet in der newen Cosmographia Munsteri libr. 5. cap. 324. daß Newburg ein Erblehen vom Reich seye / auff Söhn vnd Töchter. Pfaltzgraff Ott Heinrich hat hernach / zun Zeiten Käysers Caroli V. das Fürstliche vnd Residentz Schloß allhie / von newem wider erbawt; so wol zu sehen ist Herr Pfaltzgraf Wolffgang Wilhelm / etc. hat die Statt etwas bevestigt; vnd hält Ihr Fürstl. Durchl. Herr Sohn / Herr Philips Wilhelm / Pfaltzgraff allhie Hoff. Es wirdt wochentlich ein offener Weinmarckt allda gehalten. Crusius schreibet im 2. Theil seiner Schwäbischen Chronick / am 210. Blat / daß das Adeliche vornehme NonnenCloster / S. Benedicten Ordens / Augsburger Bisthumbs allhie / vom Käyser Heinrichen dem Andern / vnd seiner Gemahlin / Frawen Cunigund / Pfaltzgräfin / im Jahr Christ 1007. gestiftet worden seye. Gewoldus sagt tom. 2. Metrop. Salisburg. folio 525. es habe dieser H. Käyser solches vielmehr restaurirt, als fundirt. Brunnerus part. 2. lib. 9. p. 659. will nichts gewisses hierinn schliessen; wiewol er libro. 9. Annal. p. 869. solches Closter deß H. Henrici Werck nennet / weil es ins gemein darfür gehalten werde. Es ligt darinnen Fr. Margaretha / Hertzogs Georgen auß Bäyern / deß Reichen Tochter / Aebtissin allhie / so Anno 1530. gestorben / mitten in der Kirchen / nahendt Hilarij, eines Pannonischen Bischoffs / Grab. Die letzte Aebtissin allda / war Fraw Magdalena / auß dem Adelichen Geschlecht der Hund von Lauterbach / die Anno 1555. gestorben / vnd allhie im Creutzgang begraben worden. Den vbrigen Nonnen hat man folgends iren genugsamen Vnderhalt geben / aber keine mehr hinein genommen. Herr Pfaltzgraff Wolffgang Wilhelm obgedacht / hat / nach seines H. Vattern [56] Todte / die Römische Catholische Religion in diesem Lande wieder eingeführt / vnnd auß bemeldtem Closter ein schöne newe Kirchen / vnd Collegium gemacht / vnd Anno 1618. den Jesuitern eingeben / so gleich am Schloß gelegen ist. Es hat Newburg im Schmalkaldischen Krieg auch was außgestanden / vnd ist daselbst Alphonsus, ein Hispanier / an seinem Bruder Joanne Diazio, im Jahr 1546. ein Mörder worden / davon beim Sleidano zu lesen. Anno 1632. vnd 33. ist Newburg etlichmal von den Schwedischen vnnd Bäyrischen eingenommen worden. Gehört der Zeit Herrn Pfaltzgraf Philipp Wilhelmen / H. Pfaltzgraf Wolffgang Wilhelms / so Anno 53. den 20. Martij / zu Düsseldorff / im Bergischen Lande / an einem Schlagfluß / im 75. Jahr seines Alters gestorben / einigem Herrn Sohn / vnnd Erben so An. 1615. den 14. Novembris gebohren worden; Anno 1642. den 9. Junij / mit Königs Sigismundi III. in Polen / Fräwlein Tochter / Fr. Anna Catharina Constantia, (so Anno 51. den 9. Octobr. New. Calend. zu Cölln / ohne Verlassung einiger LeibsErben diese Welt gesegnet;) vnd den 3. Septembr. N. Cal. An. 53. zu Schwalbach / in der Niedern Grafschafft Catzenelenbogen / mit Fräwlein Elisabeth Amalia / Herrn Landgraff Georgen von Hessen / Darmstatt / Fräwlein Tochter / ehelich Beylager gehalten. Die Copulation hat H. Wildaricus von Walderdorff / Thumbpropst zu Speyer / vnd Ihrer Fürstlich. Eminentz Herren ErtzBischoffen / vnnd Churfürsten zu Mayntz / als Ordinarii Loci, Vicarus Generalis, verrichtet; vnd hat diese Fraw Pfaltzgräfin ihres Herren / vnnd Gemahls / Religion angenommen; auch demselben allbereit ein Princessin zur Welt geboren. Ihr Durchleucht / deß Herrn Pfaltzgrafen / Reichs Anschlag / wegen deß Fürstenthumbs Newburg (Sultzbach mit eingeschlossen /) ist Monatlich 20. zu Roß / 100. zu Fuß / oder an Gelt 640 fl. vnd zu Vnterhaltung deß CammerGerichts Jährlich 125. fl nach dem erhöchten Anschlag aber / wie ich gefunden 208. Gulden 21. Kreutzer 3. Heller / den Thaler zu 69 Kr. gerechnet; vnd / wegen Stauff am Regen / oder Ehrenfelß / absonderlich / zum Reich / alle Monat / 3. zu Roß / oder 36. fl. vnd zum Cammergericht Jährlich 31. Gülden. 42. Kreutzer 2. Heller.

Ein halbe Meyl von Newburg / vnnd 2. Meylen von Aichstatt / ligt das ansehenliche Frawen Closter zum H. Creutz / Benedictiner Ordens / Bergen / Bergenium, /oder Bergense genandt / in dem Bistthumb Aichstätt / vnd der Vogtey Herßbrugg / davon in tomo. 2. Metropol. Salisburg. folio 147. vnd beym Gretsero in Catalog. Episcop. Eystettens. pagin. 429. zu lesen.

Einer beschreibts also: daß zwischen Neuburg / vnnd Ingolstatt noch stehendes Closter / an der Thonaw / Berg / oder Bergen / ist von Frawen Wiltrude, das ist / Willig Trew / Henrici I. Imperat. Enicklin / vnnd Hertzog Bertholds in Bäyern / Wittib / Anno 976. gestifftet worden. Gleiches schreibt auch Crusius, in seiner Schwäbischen Chronick.