Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae: Brinn

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Topographia Germaniae
Brinn (heute: Brno)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 91–93.
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[T25]
Statt Brinn (Merian).jpg
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Brinn / Brno / Bruna.

Diese Stadt / so zwischen den Wassern Schwarta und Zwitta / gelegen / die unterhalb derselben zusammen kommen / solle vorzeiten Brun geheissen haben; daher sie noch Lateinisch Bruna, und von den Böhmen / und Slaven Brno, im VI. Theil aber deß Görg Braunen Städtbuchs Bruo, genant wird. Ist / nach Olmütz / die Haupt-Stadt im Mähren / daselbsten / Umwechselungs Weise / die Landtäge gehalten werden / nemlich / das eine mal allhie / und das andere zu Olmütz. Sie ligt eben / ist wol und stattlich erbauet / aber vor diesem nicht volckreich gewesen. Hat 4. Thor / das Brunner / Jüden / Frölich und Renner Thor. Und seyn da zu sehen die Thum-Kirch oder Probstey / das Jesuiter Collegium (deme Käiser Ferdinandus II. Anno 1623. den [92] 30. May / etliche Güter / auff acht tausend Gülden geschätzt / eingeben lassen) S. Thomä Closter (deme jetzt höchstgedachter Käiser / auß den confiscirten Gütern in Mähren / an statt eines Allmosen / in besagtem Jahr / ein tausend Gülden bezahlen lassen / und darinn Marggraf Johannes in Mähren / Käiser Carls deß Vierten Bruder / und sein Sohn Jodocus Barbatus, erwählter Käiser / begraben ligen / die S. Jacobs Pfarrkirch / der Fratrum minoris observantiae; Item der Nonnen zu S. Stephan / und S. Joseph Clöster / (denen Ihre Käiserl. Majestät Anno 1624. auß Gnaden / vier tausend Gülden bezahlen lassen; und andere Kirchen mehr; Item / der Bischoffs-Hof / das Landhauß (so nicht sonderlich groß / aber wol gebauet ist / und in welchem die Landtäge / wie auch die Lands Rechten / und andere Zusammenkunfften / gehalten / und darzu auch die Wittfrauen beschrieben werden; welche bey den Lands Rechten / so man zugleich anstellet / auch in die Land-Stuben gehen / und die Außsprüch anhören mögen; die Herren aber / ehe sie in die Land-Stuben kommen / zuvor ihre Degen und Dolchen / von sich legen müssen) das Rathhauß; etlicher Landherren stattliche Paläst; und wolbestelte Apothecken: wie dann es allhie von der Landschafft verordnete Medicos, wie zu Olmütz / hat. Ausserhalb der Stadt / ligt / auff einem Berglein / das Schloß Spilberg / so von Natur / und den Wercken / ziemlich vest / mit einem doppelten Graben und Mauer / umbgeben; und ohne solches die Stadt nicht wol zu erhalten ist. Als Hertzog Sobieslaus in Böheim / wider Marggraf Otten in Mähren zoge / nahm er Brun ein. Die Königin Elisabeth / Königs Wenceslai in Böheim / der Anno 1305. gestorben / und hernach deß Königs Rudolphen Wittib / bauete in der Vorstat zu Brun ein Closter / für Jungfrauen Cistercienser Ordens / so der Könign / und das reiche Closter / genant worden. Anno 1428. im Hussiten Krieg / vermeynten die Waisen auß Böheim / die Stadt Brinn / durch Verrätherey / einzubekommen; gieng aber übel ab; also / daß in dem Außfall der Burger / und Scharmützel / über die drey tausend Mann / auff beyden theilen / den 17. May blieben seyn. Anno 1468. kam König Matthias in Ungarn hieher / den die Burger allda willig einliessen; wiewol sie dem König Görgen in Böheim den Gehorsam versprochen hatten; ihme aber der Religion halber / weil er Hussitisch / nicht geneigt waren. Er / der König Matthias / hat hierauff das obbesagte Schloß Spilberg belägert / er muste aber / wie auch die Seinigen / 9. Monat darvor ligen / biß es sich das folgende Jahr ergeben hat. In dem nächsten Krieg haben sich Anno 1619. die geweste Evangelische Stände dieses Schlosses bald versichert / und in der Stadt bey S. Jacob zu predigen befohlen / auch die Jesuiter da außgeschafft; nach deren Abzug / in der Vorstadt / ein groß Feuer außkommen / welches über hundert Häuser verderbt. Es hat darauff der neu erwählte Böhmische König Fridericus, Churfürst und Pfaltzgraf / Anno 1620 allhie ihme / von den Mährischen Ständen / huldigen lassen; so auch vorhero im Jahr 1617. den 5. Septembris / gegen König Ferdinando dem Andern / geschehen ist. Anno 1623. hat Bethlen Gabor allhie die Vorstadt abgebrant. Also hat Anno 1643. im Herbstmonat / Brinn von den Schwedischen in den Vorstädten / Schaden gelitten / darüber viel Häuser / das Bernhardiner Closter / ausserhalb der Stadt / die grosse Peterskirchen in der Stadt / zusammt der Probstey / und andern nahe angelegenen Häusern und Thürnen / gantz in die Aschen gelegt worden. Aber der Stadt und dem Schloß Spilberg / konten sie weder damals / noch auch Anno 1645. da sie schier den gantzen Sommer darfür gelegen / nichts angewinnen / sondern musten den 30. Augusti dieses 45. Jahrs / darvor wieder abziehen; wie hievon nicht allein in den Franckfurtischen Relationen; sondern auch / und vornehmlich in Tomo V. Theatri Europ. (allda ingleichem fol. 127. von einem mercklichen Wunderzeichen / so zu Eingang deß Augusti An. 43. allhie fürgangen) fol. 157. seq. 749. 766. 787. seqq. 814. seqq. (daselbsten auch / wie in dem Torstensohnischen Läger vor Brinn / ein so merckliches Regenwetter / mit Donner und Hagel / gewesen / daß es stücker Eiß / als eine Hand / ja Ziegelstein / geworffen / daß Mann und Pferd / darüber zu Grund gangen / und an manchem Ort die Musquetirer in den Lauffgräben / biß an die Gürtel im Wasser [93] gestanden / und also die Schwedischen ihre Armée, sonderlich das Fußvolck / sehr ruinirt / daher viel entloffen / vornemlich die / so vorhin auff der Käiserlichen Seiten gedient / also / daß Zeit wehrender Belägerung / in die 800. Mußquetirer allein nach Wien übergangen seyn sollen) Item fol. 902. (allda gesagt wird / daß Ihre Käiserl. Majest. etc. die Stadt Brinn von allem Wein- und Bier Zoll auff ewig befreyet / benebenst beyde Commendanten / auff dem Spielberg / und in der Stadt / mit ansehenlichen Pensionen / und daß sie Zeit ihres Lebens daselbsten commendiren solten / begnadiget hätte (und dann fol. 975. a. (allda gemeldet wird / daß / nach auffgehebter Belägerung / über fünff tausend Personen allhie gestorben seyen) zu lesen.