Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae: Colin

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Colin (heute: Kolín)
<<<Vorheriger
Clösterlein
Nächster>>>
Commotau
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 20–21.
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Kolín in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[20]
Colin / Kolin.

Von theils Cöln genant / eine wolbekandte Stadt / bey der Elb / 1. Meil von Kuttenberg / 3. von Böhmisch Brod / und 6. von Prag / gelegen. Im Jahr 1421. am Tag Georgii, ergab sich diese Stadt / ohngewehrt / den Hussiten / und gleichwol ward das Closter / da jetzt das Schloß stehet / beraubt / und geschleiffet / 6. Mönch / sampt dem Dechant / in gepichten Fässern / so mit Stroh gefüttert waren / verbrant: und sprangen die von Prag umbs Feuer herumb / und sungen darzu. Folgends

[T5]
Kolin (Merian).jpg

[21] ward diese Stadt den Hussiten wieder entzogen / daher solche im Jahr 1427. die Prager Thaboriten und die Waysen belägerten / richteten aber mit Gewalt darvor nichts auß / sondern verlohren viel Volcks / biß sie dieselbe außgehungert: und den 3. Christmonats mit Beding einbekommen haben. Anno 1435. da die Böhmen / der Religion und Kirchen-Ceremonien halben / sich noch nicht vergleichen konten / und die Thaboriten nicht unter M. Johann Rockyzan / so gut Hussitisch war / seyn wolten; so gab es wieder etwas Unruhe; und belägerten die Waysen / so etwas anders / als die Thaboriten seyn wolten / diese Stadt Colin / weil sie einen Zuspruch darzu hatten / die sie auch ohne sonderliche Mühe erobert; so aber ihnen bald wieder abgenommen worden. Umb den 16. Jenner deß Jahrs 1640. wurde vom Käiserlichen Kriegs-Baumeister oder Ingenieur, dem Carlo Cappi, eine Brücke angegeben und gemachet / über die Elb zu kommen / und Colin anzugreiffen; zu welchem Ende die Käiserlichen / biß umb den 12. Hornung / bey Kuttenberg still gelegen / und als sie Geschütz zu sich bekommen hatten / alsdann erst die Stadt Colin mit Gewalt eingenommen / und die darinn gelegene Schwedische Guarnison meistens niedergemacht; vorher aber dem Banner eben so viel Volcks / Partheyen-weiß beschädiget / und deß Grafen von Hoditz Regiment / von zehen Rotten zu Pferde / schier gantz und gar ruinirt haben. Die Böhmen wollen / daß ihre dritte Heydnische Fürstin / die berühmte Zauberin Lybussa / an dem Ort / da jetzo die Stadt Colin stehet / das Schloß Lybus / nicht weit von der Elbe / erbauet habe / da sie auch gestorben / und begraben worden seye. Und auff solchem Schloß Lybus / sagen sie / habe / nach besagter ihrer Frauen / der Lybusa / Tod / die Magd Ulasta / das Regiment geführet.