Topographia Circuli Burgundici: Staveren

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Staveren (heute: Stavoren)
<<<Vorheriger
Sneeck
Nächster>>>
Steinwick
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 106–107.
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Stavoren in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[106] Staveren / Stavria, Stavera, Diese Frisische Stadt / (so vor Zeiten auch Stauria von den Sturiis, so daselbst gewohnt / genannt worden /) ligt am Einlauff deß Arms der Suyder-See / oder Flevi, und ist vor Zeiten eine gewaltige Handels-Stadt in gantz Teutsch- und Niederland / und ein Sitz der Frantzösischen König gewesen; deren Inwohner am ersten / vor allen andern dieses Landes / durch den Dänischen Sond geschiffet / und mit ihrem grossen Nutzen / von den Mitternächtischen Ländern / allerley Wahren gebracht haben; daher sie auch reich / und mächtig / und darneben stoltz worden seyen welches dann ihres Untergangs / neben dem Wollust / eine Ursach gewest ist. Wann man den alten Traditionen / und Mehrlein folgen wil / so ist sie im 21. Jahr nach Christi Geburt erbauen worden / und [107] also die ältiste Stadt in gantz Frießland. Deß Namens Ursprung bringt man von Jove Stavone her / den die Leute dieser Lande für einen Gott verehret haben sollen. Und solche ihre Herrligkeit / indeme sie biß auffs Jahr 1199. ein weitberühmte Stadt gewesen / und den grossen Pracht (wie beym Martino Hamconio, in der Vorrede über sein Frießland / an Ertzhertzog Albertum von Oesterreich / zu lesen) hat sie nicht allein zu Wasser / weit und breit / sondern auch zu Lande / biß nach Nieumegen ins Gelderland (wie man vorgibt / und zu dem Ende zwo Schrifften / in einem alten Stein / bey dem vornehmsten Thor zu Nieumegen / die Heselpoort / oder Porta Heselana, anziehet / die also lauten: Huc usque Jus Stavriae, und Hic est pes Imperii) erstrecket; wiewol Petrus Scriverius wil / daß durch das Wort Stauria, nicht Staveren / sondern die Steuer / oder Tribut / zu verstehen seye. Wie dann die Fränckische König zu Nieumegen ihr Palatium gehabt / daselbst hin / als eine Königliche / und nachmals Käyserliche Stadt / zu einem gewissen Ort / und termino oder pede Romani Imperii, die Contributiones, und Steuren / haben erlegt werden müssen. Und ist noch ausser der Stadt Nieumegen ein Platz / welchen man ins gemein den Roomischen Voet / oder den Römischen Fuß heisset: wie dieses weitläuffig Gotfridus Hegenitius in Itinerario Frisio-Hollandico p. 47. seqq. erzehlet / auch pag. 44. seqq. die Ursachen anzeiget / derentwegen diese Handels-Stadt Staveren alsgemachs an ihrer gewaltigen Gewerbschafft / aus Anfüllung ihres Meer-Ports mit Sand / abgenommen / und die Kauffleute von dannen sich erstlich nach Campen / folgends nacher Ambsterdam begeben haben. Es ist gleichwol Staveren noch eine Hansee-Stadt / die auch den Vorzug vor allen Ansee-Städten / in dem gedachten Dänischen Sund / hat / daß sie am ersten / mit ihren Schiffen / deß Zolls halber / daselbst expedirt wird / wie Ubbo Emmius de Rep. Frisior. inter Flevum et Lavicam, in dieser Stadt Beschreibung / fol. 64. saget; und am 56. Blat austrucklich meldet / daß allein dieses Staveren / und Bolswaerd / Hansee-Städte in West-Frießland seyn: wiewol andere deren mehr machen; die auch eines Schlosses allhie gedencken; welches aber / wie abermals Hegenitius pag. 46. erinnert / umbs Jahr 1628. also darnieder gelegen / das man kaum etwas Merckzeichen davon hat sehen können. Sie / die Stadt / ist mit Wasser fast umbgeben / auch mit einem Wall / und Graben / wol bevestiget / und laufft dardurch ein Wasser / an welchem sie beederseits nach der Länge 1. Meil von Hindelopen liget. Das Land herumb ist eben / darzwischen viel Gräben / und Pfützen / seyn. Wo vorhin die stattliche Clöster / Kirchen / und Häuser gestanden / da seyn jetzt Dornsträuche. S. Odolphus, der umbs Jahr Christi 830. gelebt / ist allhie Pfarrer gewesen. Anno 1345. ist / bey dieser Stadt / Graff Wilhelm von Holland / mit vielen tausenden der seinigen / von den Friesen erschlagen worden; deren Gebeinn biß auffs Jahr 1545. unbegraben gelegen / biß die Ungarische Königin Maria / Regentin in den Niederlanden / sie in die Stadt führen / und daselbst in das Todtenbeiner Haus hat legen lassen. Sihe von dieser Stadt auch G. Braunen im 4. Theil seines Städtbuchs / J. Angel. à Werdenhagen part. 4. Rerumpub. Hanseat. c. 5. fol. 30. (allda er auch Ursachen / und nemlich die öfftere Ergiessung / und andere Ungemach des Meers / sambt den innerlichen Empörungen / erzehlet / derentwegen diese Stadt so gering worden ist /) und Casp. Ens in delic. apodem. per German. p. 197. seqq.