Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae: Oranienburg

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Topographia Germaniae
Oranienburg
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1652, S. 76–77.
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[76]
Oranienburg / vor diesem genandt Bötzaw /

Dieses ist ein schöner lustiger Orth 4. Stunde von Berlin / und drey Stunde von Spandau / an dem Fluß der Havel gelegen / ein starcker Paß. So den Nider Barnimbschen und Havelländischen Cräyß separiret, und weil es daherumb viel schöne Eichen / Höltzer und andere Wälder allerhand Gehöltzes gibt / worin sich allezeit grosse Mänge von Wildprät / Hirschen / Schweinen / Rehe / etc. auf hält / und sich die Churfürstin von Brandeburg so wol wegen der schönen grossen Jagten / als auch überauß anmuthigen Lustigkeit der situation alda vielfältig erlustiget. So hat Churfürst Joachimus secundus daselbst ein fein Castel hinbauen lassen. Als aber deß jetzigen regierenden Churfürsten Herrn Friderich Wilhelmens Churfürstl. Durchl. dero Churfürstl. Gemahlin / Fr. Loeysen Churf. Durchl. einsmahls dahin geführet / und dieselbe so forth judiciret / das dieses Orths angenehme Gelegenheit [77] wol meritire daß das Schloß so bey den langwirigen Kriegszeiten zimblich eingegangen / nicht allein würde repariret, besondern noch mehr zur perfection gebracht werden möge.

So haben höchstgedachte S. Churfürstliche Durchl. dero Frau Gemahlin diesen Orth mit allen darzu gehörigen Städtlein / Dörffern / Vorwerckern / hohen Jurisdiction, grossen Seen und allen andern pertinentien verehret / und ist darauff von derohalben so fort mit allem ungespartem Fleiß und Kosten die Anstalt gemachet / daß durch Einrathen dero Hoffmeisters und Churfürstlichen geheimen Raths / Herren Otto von Schwirin / und den Dienst deß Churfürstlichen Ingenieurs, Johan. Gregorii Memhards, nicht allein das Schloß in solche artige Form / wie hie zu sehen / außgeführet / sondern auch dabey dieser schöne Garten angeleget / wie auch eine sehr schöne neue Brücken zu mehrerer commodität der Reisenden / sonderlich deren hiedurchziehenden Handelsleuten / über die Havel mit einer gemächlichen Zugbrücken verfertiget / also daß anjetzo dieser Orth in ein sonderbahres Auffnehmen gebracht / in dem nicht allein das Castel / wie angezeiget / und aus dem Abriß zu sehen / aufferbauet / sondern auch dessen einwendige Gemächer und Saal mit überauß raren Gemählden und kostbaren Tapeten / und anderen mobilien trefflich gezieret / der prospect vom Schloß ist von allen Seiten gar schön und anmutig / von der einen Seite siehet man gleich in den Garten / und das dabey ligende Städtlein / von der anderen Seiten siehet man in der Rivier, auf welcher sich allzeit viel Schwanen auffhalten / und dann weiters auff schöne Wäiden und rundherumbligendes Ackerfeld / welches Feld widerumb auf allen Seiten von schönen Wäldern umbschlossen ist / also daß nichts da mangelt / so einen prospect lieblich machen könte. Ein halbviertel Stunde ausserhalb dem Städtlein und der Brücken ist ein wolgelegenes Vorwercke / alda wegen der schönen Wäide dieses Orthes viel Viehe gehalten werden kan / auch seynd gar nahe hierbey unterschiedene grosse Fischreiche See / insonderheit ein trefflich grosser Karpenteich / welcher / so offt man will / abgelassen werden kan / von welchem nicht weit eine der schönsten Wasser-Mühlen in der gantzen Marck Brandeburg / von acht Gängen / und dabey eine Holtz-Schneide-Mühle gelegen / zu welcher man vom Schloß / durch einen darzu gemachten schönen Wall gemächlich spatzieren kan. Und weil höchstgedachte Churfürstin ein solch sonderbares Belieben und Vergnügen an diesem Orthe haben / und an dessen Erbauung so viel wenden / so hat der Churfürst demselben den Nahmen Oranienburg gegeben. In dem Städtlein ist vor dem Kriege auch sehr gute Nahrung gewesen / und haben daselbst unterschiedene vermögene Leuthe gewohnet / sonderlich hat es viel Tuchmacher daselbst gegeben / und ist nicht zu zweiflen / es werde dieses Städtlein wider in bessern Stand kommen / als es jemahln gewesen. Der Zoll wird hie so wol von den Schiffen / welche durch die Brücke legen / als auch den Wagen / so durchgehen / der Churfürstinnen entrichtet.