Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae: Soltwedel

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Soltwedel (heute: Salzwedel)
<<<Vorheriger
Soldin
Nächster>>>
Sonnenberg
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1652, S. 95–96.
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Salzwedel in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
unkorrigiert
Dieser Text wurde noch nicht Korrektur gelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du bei den Erklärungen über Bearbeitungsstände.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[95]
Soltwedel / Soltquedel / Soltquell /

Diese Churfürstliche Brandeburgische Stadt ligt in der Alten Marck / am Fluß Jetze / und ist eine Gräntzstadt gegen den Lauenburg- und Lüneburgischen Fürstenthumben. Christophorus Besoldus vermeinet / im Thesauro Practico, voc. Wie / daß das Sächsische Wic / vom Lateinischen vicus, gleich wie von vella (dann also schrieben die Alten an statt villa,) das Wort Welle / Schwäbisch Weil / oder Weiler / herkomme / so ein Hauß / oder kleine Zusammenfügung der Häuser / bedeute und / in stärckerm Laut / Wedel außgesprochen werde; wie deß Nahmens das Städtlein Wedel in Holstein / und ein Dorff nahend Riddagshusen / seyen. Daher kommen die composita, als Borchwedel / und Steinwedel / im Lüneburgischen / Soltwedel in der Alten Marck Brandeburg / Langwedel im Stifft Bremen / etc. Johan. Angelius à Werdenhagen sagt part. 3. c. 1. de Reb. Hans. p. 206. das Well / und Hues / in der alten Sächsischen Spraach einerley bedeuten; und daß Soltquella, von der Sonnen / oder Sole, und Hauß / oder domo, genannt werde; so die Longobarder 318. Jahr vor Christi Geburt / wie Andreas Angelus, auß deß Enzelii Brandeburgischer Chronic / erzehle / zu erbauen angefangen haben. Und vorhero / part. 2. c. 1. p. 94. schreibet er / wieder den Meibomium, in Bardovico, welcher wolle / daß das Teutsche / als ein Original Spraach / gantz keine Gemeinschafft mit der Lateinischen habe; und sonderlich zu jenen alten Zeiten / die Teutschen mit den Lateinern nichts zu schaffen hatten / und daher von denselben / als die ihnen noch unbekant waren / keine Wörter haben entlehnen können: Sondern es komme das Wort Wellen vom Teutschen wallen / oder hin und wider schweben / und wandern / her; gleich wie auch wedeln / quasi flabello vacillare. Wann aber die alte also hin und her wedelnde / oder wallende Teutsche / sich an einem Orth gesetzt / so haben Sie zu desselben Nahmen gedachte Wort Wellen / oder Wedel / gethan. Ferners meldet er in Antegressu part. 4. p. 370. daß diese 10. Meilen von Stendal / und 10. von Lüneburg gelegne Stadt / sonsten auch Soltquedel / und von theils verderbt Salquell genant werde / da doch kein einige Anzeig einiger Saltzquellen an diesen Orthen anzutreffen / und daher die jenigen eine in Historien besser gegründte Meinung haben / welche von der Abgöttischen Verehrung der Sonnen / solchen herführen / wie er solches mit mehrerm daselbst außführet / auch von der obgedachten deß Enzelii Jahrrechnung Erinnerung thut / und vermeinet / daß folgends / zun Zeiten Käysers Augusti, Claudius Drusus auch hieher wider die Schwaben gelangt seye / und an dem Orth / wo vorzeiten die Longobarder ihrem Abgott / der Sonnen / nahend dem Fluß Goetza / ein Welle / oder Herberg / Capellen / oder Kirchen / erbauet hatten / solchen / wegen guter Gelegenheit deß besagten Flusses Goetzae, mehrers bevestiget / und zum ersten Marggrafen Clodium, mit einer Besatzung / hieher gelegt; so aber nicht lang gewehret / sondern dieser Orth gäntzlich zerstöret worden / biß ihn Tiberius zu einer stärckern Stadt gemacht habe. Folgends seye Soltwedel etlich hundert Jahr in zimlichem Ansehen / biß auff die Zeiten Käyser Carls deß Grossen / gebliben / und habe seine Vögte / wider allerhand Einfälle / da gehabt; welcher Carolus, als er die Einwohner der alten Marck zu völligerm Gehorsam gebracht / solche Stadt erweitern lassen / welche Form sie auch hernach behalten; ausser / daß mit der Zeit ein schönes Schloß alhie erbauet worden seye. Auß dem alten Gemäuer / und einen auf einem Hügel gelegnen Thurn / auch dem Kirchenthurn / so höher ist als die andere / könne man noch sehen / wie vorzeiten es mit dem Bau dieser Städt bewandt gewest seye; die Stadt sehe man von fernen; und der gedachte Fluß Goetza, oder Jetze / rausche von 4. Meilen her / lustig durch die Wiesen / ehe er mitten durch beede Städte (alt und neu Soltwedel) durchlauffe / sich von dannen nach Luchau / Dannenberg / [96] Hitzacker oder Hitzker (alda Hertzog Augustus von Lüneburg vor diesem Hoff gehalten /) wende / und (endlich) sich also in die Elb ergiesse / daß man die Güter auf kleinen Schifflein / von Soltwedel biß dahin / bringen könne. Beede Städte seyn in einer Ey-form erbauet. Und ob sie wol beede in einer Ringmauren begriffen / so werden sie doch inwendig durch ein Thor unterscheiden / welches aber nie geschlossen werde / es seye dann ein Nothfall vorhanden; also einhellig leben die unterschiedliche Obrigkeiten / und Burger / unter einander. Der Churfürst von Brandenburg hab zwar im Schloß die Vogtey / allda der Zoll erlegt werde; es habe aber die Stadt (als ein Hansee-Stadt) ihr unterschiedliche Privilegia. Und hat dieselbe etlich hundert Jahr ihre eigne / und sehr berühmte Marggrafen gehabt / die sich tapffer / und unter anderm / zun Zeiten Käyser Heinrichs deß I. wider die Hunnen verhalten haben. Und kam solche Marggrafschafft folgends auff das Fürstliche Hauß Anhalt / und wurden auß zweyen Marggraffschafften / Brandeburg / und Soltwedel / oder Zermund / eine gemacht / und / zun Zeiten Käysers Sigismundi, auff das jetzige Churfürstliche Hauß gebracht; wie hievon beym gedachten Werdenhag p. 371. seq. weitläuffig zu lesen; der auch p. 373. folgende Verß von ihr setzet:

Marchatus veteris tu Soltwedelia tractum,
     Custodire diu sat solita es, Domina:
Jam tibi sufficiat, quod sis contermina primis
     Urbibus, & cedas Imperium reliquis.

In dem nechsten Teutschen Krieg / hat diese Stadt auch sehr viel ausgestanden / daß viel Burgerhäuser alhie darnider gelegen / und vernichtet worden seyn. Weilen aber dieser Ort in den Relationen vielmals Saltzwedel genant wird / so weiß man desto weniger von Soltwedel zu sagen; alda sich aber die Schwedischen / weilen der Ort / deß Morasts / und Wassers halben / vest / vor den Käyserischen / sonderlich Anno 1642. versichert haben. Das Bier alhie gesotten / ob es wol dem Gardelebischen / so wegen seiner Krafft ein Königin alles andern gehalten wird / gar nicht zuvergleichen; So ist es doch so guten Geschmacks / und nehrhafft / daß es allen andern gegen dem Lüneburger Land vorgezogen / und deßwegen stetigs dahin / mit grossem der Burger Vertrieb / gebracht wird. Zum Beschluß dieser Beschreibung wollen wir noch mit anhencken / was Johannes Micraelius in seiner Pommerischen Histori / von diesem Orth setzet; der dann lib. 6. p. 541. von dem vornehmen Adelichen Geschlecht der Wedel / in Polen / Marck / und Pommern / gesessen / also saget. Albinus zeuget in dem Meißnischen Chronico, daß zu Soltwedel in der Alten Marck ein Abgott der Sonnen zu Ehren gesetzet gewesen sey / welcher von dem Volck Wedel genennet worden / in Gestalt eines Menschen / so für der Brust mit beyden Händen ein Rad gehalten / und einen breiten Schein mit Stralen gehabt / und von Carolo M. im Jahr 810. verstöret ist. Diese Antiquität siehet man noch in der Wedel Wapen: Auch in deß Holsteinischen Städtleins Wedel Wapen findet man fast dergleichen / wie zu sehen ist bey Jona von Elverfeld classe tertia Holsatiae. Biß hieher gedachter Autor. In der Vorstatt dieses Orths ligt das Closter zum H. Geist / und dabey ein Churfürstlich Schloß und Ampt: und eine Meil von hinnen das Jungfrauen Closter Dambeck / welches Ihr. Churf. Durchl. der Academi zu Franckfurt / und der Fürstlichen Schul zu Joachims Thal übergeben. Ligt auch dieser Orthen das Closter Dißdorff / und dabey ein Churfürstlich Ampt.