Topographia Helvetiae, Rhaetiae et Valesiae: Vnderwalden

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Vnderwalden (heute: Unterwalden)
<<<Vorheriger
Schweitz
Nächster>>>
Zug
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1642, S. 41–42.
Wikisource-logo.png Unterwalden in Wikisource
Wikipedia-logo.png Unterwalden in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[T30]
Vnderwalden (Merian).jpg
[41]
6. Vnderwalden /

Das Land / ligt auff der lincken Seiten deß Lucerner See im Aergäw / gegen Nidergang der Sonnen / vnnd wird zu Latein Sylvania, von dem Kernwald darinn gelegen / genannt / vnnd in zwey Thalgeländ getheylet / deren das Eine / Vnderwalden nid dem Wald / das Ander ob dem Wald geheissen / vnd beyde durch besagten Kernwald vnderscheiden / vnnd doch nur mit einem Namen Vnderwalden genannt: Vnd die ob dem Wald von den Römern / die andern aber von den Cimbrern hergeführet werden. Es ist zwar alles nur ein Orth der Eydgnoßschafft / so auff den Tagleistungen gemeinlich auch nur ein Stimm: Gleichwol so haben sie 2. Gericht / 2. Obrigkeit / 2. Land-Paner / vnnd zweyerley Wappen: Schicken auch mehrmahls / auß jedem Gelände / einen Botten auff die Tagleystungen / wiewol das Land Ob dem Wald mehr Schlösser erhalten / vnnd heutigs Tags noch mehr Flecken vnnd Dörffer / dann das Nid dem Wald / hat. Es ist ein lieblich Geländ / mit hohem grawsamen Gebürg vmbauret / die sind aber mit grünen Wiesen / vnd großreichen Alpen geschmückt. Von dem Regiment ist oben bey Vry zu lesen. Der fürnembste Platz Ob dem Wald / ist der herrliche Haupt-Fleck Sarnen / auff der obern Seiten der Aa. Der Haupt-Fleck aber deß Lands Nid dem Wald / ist Stans / ein vnbeschlossen frey Dorff / aber von Gebäw / Burgerlichen Sitten / Märckten / etc. einer Statt zu vergleichen. Ist alles der Römisch-Catholischen Religion zugethan. Vnd ligt in diesem Ländlein Vnderwalden die Abbtey Engelberg / Mannen vnnd Frawen-Kloster / gleich an einander / Benedictiner Ordens oder Regel / am Wasser Aa. Die Wald-Stätt sein Schirm-Herren darüber. Auff 2. Meyl Wegs vnter Engelberg / auff der rechten Seiten am See / ligt das Dörfflein Beckenriedt / so ein Gestad vnd Schifflände deß Obern Lucerner Sees / da man von Vry vnd Schwitz herländet. Hat gute Herbergen / vnnd ist ein besonderer Platz / dahin sich die vier Waldstätt / Lucern / Vry / Schwitz / vnnd Vnderwalden / in höchsten vnd schwersten Händeln / versamblen. Ligt ein Meil Wegs von obgedachtem Flecken Stans. Bey einer Stund Fußwegs vngefährlich vnder diesem Stans / am vndern Lucerner See / ist das Flecklein vnnd Schifflände Stansstad / da man von Lucern her zu ländet / vnnd dahin allerley Güter von Lucern herauff bringet / so beyden Ländern / Ob vnnd Nid dem Wald nothwendig seyn. Es hat im Ländlein ob dem Wald / im Melchthal / ob Saxlen / der berühmte Einsidel / Bruder Claus gelebt / von welchem Matthaeus Raderus, volum. 2. Bavariae Sanctae, p. 342. also schreibet: Notus est impransus ille, et incoenatus Helveticae Gentis miraculum, et Oraculum, Nicolaus Subsilvanus, qui ipsos propè 20. annos, in secessu montis, ritu Coelitum, non esurit: nec quicquam cibi è terra nati, laticisque gustavit, satur Ambrosià panis, qui de coelo descendit, et nectare coelestum contemplationum inundatus. Zu diesem Bruder Clausen ist ein edler Bayer Nahmens Vlrich / kommen / vnnd hat gebetten / Ihn / in seine Gesellschafft / auffzunehmen / so Er auch erlangt hat. Die erste dreyzehen Tag ist dieser Udalricus gantz nüchtern / oder vngessen / geblieben; hernach hat Er / auß Vermahnung deß besagten Bruders Nicolai, ein halbes Brodt / in dem Melchbach geduncket / oder geweichet / vnnd / den andern Tag / das andere halbe Brodt / zu sich genommen; vnnd forthin seinen Leib / das Leben zu erhalten / mit gar geringer Speise versorget; vnnd in der Einöde sieben Jahr zugebracht / vnnd / nach dem besagten Bruder Clausen / noch vier Jahr / vnnd drey Monat / gelebt / vnnd ligt in der Pfarr Kertzsin / mit dieser Schrifft / begraben: [42] Hîc sepultus jacet Frater Udalricus, qui obiit feliciter Anno 1491. Worauß erscheinet / daß Bruder Claus (von deme Stumpfius lib. 7. cap. 4. vnnd Michael Stetler part. 1. lib. 7. fol. 300. in ihren Schweitzer Chronicken zu lesen) nicht erst im Jahr 1502. wie Andere Berichten / müsse gestorben seyn; weil der besagte Bruder Vlrich Ihn überlebt hat; welcher Udalricus seine blosse Füß mit nichts verwahret / vnd nur auff der Erden / einen Stein vnter den Kopff legende / geschlaffen hat.

[T31]
Engelberg (Merian).jpg