Topographia Palatinatus Rheni: Ladenburg

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Topographia Germaniae
Ladenburg
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1645, S. 53–54.
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[T24]
Palatinatus Rheni (Merian) b 102 2.jpg

[53] [54] in dem Gemeinen Richt- oder Landhauß zu Lobbedenberg / etc. Item / daß vor etlich hundert Jahren die Pfaltzgrafen bey Rhein ihr Hoffgericht / etc. allhie gehalten haben / als man noch damalen von Heydelberg gar wenig wuste. Folgends / und zu unsern Zeiten / ist das weltlich Regiment / und Justitz / Wesen / allhie / beyden Herrschafften Chur-Pfaltz / und dem Stifft Wormbs / zugleich zugestanden. Anno 1621. ist Ladenburg vom General Graf Tilly eingenommen; aber folgenden Jahrs wiederumb vom Grafen von Manßfeld / in Beyseyn seines Herrn / deß Pfaltzgraf Friderichs / (nach dem Treffen bey Mingelßheim / einem Speyerischen Dorff / darinn sie beyde wider Tilly obgesieget /) den sechs und sechzehenden May / mit sturmender Hand / erobert worden / nach dem er es zween Tag / mit vier doppel Cartaunen / von Mannheim dahin gebracht / beschossen hatte; da dann damals viel nidergehauen / ein grosse Menge Meels / Korns / Weins / Haußraths / gefunden / und hinweg geführt / auch mit der Pfaltz Unterthanen übel gehaust worden / daß man sich solcher That von Freunden wenig zu erfreuen gehabt; ist auch deß Bischoffs zu Wormbs (dessen Residentz sonsten dieses Ladenburg ist / und sein Schloß allhie / insgemein von den Innwohnern / und Bauren herum / noch der Saal genennt wird) Bibliothec nach Heydelberg / so damalen noch Pfältzisch / gewesen / geführt; aber ein Viertel Jahr hernach ihme wieder zugestellt worden. Folgends hat dieser Ort / bey währendem Krieg / und da bald diese / bald die andere Partey die Oberhand gehabt / noch mehrers außgestanden; weil sonderlich auch / wie geschrieben worden / besagter Manßfelder / die Stadtmauren / sambt der gedachten Bischofflichen Wormbsischen Residentz / und Schloß / hat niderreissen lassen; daß man hernach solchem / als einem fast offnen Orth / desto besser hat zukommen können. Anno 1631. hat der König aus Schweden / Ladenburg und die gantze Bergstraß eingenommen. Anno 44. im Herbstmonat / bekam Ladenburg die Frantzosen. Nicht weit von hinnen ligt das Dorff Seckenheim am Neckar / so vor Zeiten Sigenheim / und Sickenheim genant worden / dabey / auff dem Felde / im Jahr 1462. Pfaltzgraf Friederich der Sieghaffte / ein stattliche Victori erlangt / (wie solche mit Umbständen Nauclerus, Generat. 49. und Freherus in notis ad Trithemium de gestis Friderici Palatini, beschreiben) deßwegen allda am im freyen Feld auffgerichten steinern Creutz / folgende Wort gezeichnet worden seyn: Als man zahlt nach Gottes Geburt 1462. Jahr / auff dieser Wahlstatt / durch Hertzog Friederichen Pfaltzgrafen bey Rhein / und Churfürsten / nidergeworffen worden / Herr Jörg Bischoff zu Metz / Marggrafe Carl von Baden / und Grafe Ulrich von Würtenberg / mit einer mercklichen Zahl ihrer Diener / Grafen / Herren / und Knecht / und denselben / die in solchem Geschäffte tod blieben seynd / wolle GOtt barmhertzig seyn: Wie besagter Freherus liset; auch mit ihme Caspar Lerch von Dürmstein / de Ord. Equ. Germ. fund. 2. Sum. 65. f. 149. vast überein stimmet; aber zwischen Herren / und Knecht / auch das Wort Ritter setzet. Andere sagen noch weiters / daß er der Churfürst diese 3. gefangene Fürsten im Schloß zu Heydelberg stattlich tractiren / aber ihnen das erste mal kein Brod / weil sie die Früchten auff dem Felde wider das Kriegsrecht / so greulich verwüstet / das Getraid in den Scheunen / oder Scheuren; wie auch die Mühlen allenthalben verbrennt hatten / habe geben lassen; welche gemeine Histori aber gedachter Freherus, wie er schreibt / bey keinem der ältern Scribenten selbiger Zeit / gefunden hat. Besihe im übrigen von diesem Sieg und was darauff erfolgt ist / auch von der gemelten Schrifft / Trithemium in Chron. Sponh. Freherum. p. 1. Orig. Palat. c. 7.und Heberer in der Egyptischen Dienstbarkeit oder Reyßbuch.