Topographia Sueviae: Pludentz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Pludentz (heute: Bludenz)
<<<Vorheriger
Pfullingen
Nächster>>>
Popfingen
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1643, S. 152–154.
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Bludenz in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[T45]
Pludentz.jpg
[152]
Pludentz / Pludonum.

Ligt im Wallgöw / am Wasser Ill / vnd den Grawbündischen Gräntzen / gegen Tyrol. Es soll diese gantze Gelegenheit der Ill nach / vom Rhein / vnd daselbst herumb / biß an jhren Vrsprung / Vall Druschauna auf Rhätisch / vnd in den Vrberen deß Stiffts Chur Vallis Drusiana, vom Römer Druso. seyn genant worden; so man von den Thal-Leuten / oder Walhen / das Walgöw heisset. Käyser Otto I. hat dem 25. Bischoff zu Cur / Waldoni, so An. 948. gestorben / dieses Pludentz geschenckt. Kam hernach an die Grafen von Werdenberg / vnd von diesen folgendts auß Graf Albrechts von Werdenberg Handen / durch Kauff an Hertzog Leopolden den Frommen zu Oesterreich / vmbs Jahr 1376. wie Theils wollen / welchem Durchleuchtigsten Hause dieses Stättlein / vnd Schloß noch der Zeit gehörig ist. Anno 1405. haben die Appenzeller diesen Ort mit Gewalt erobert. Anno 1638. den 2. Novembris / ist diß Stättlein biß auff das Schloß / Kirchen / vnd etwan drey / oder vier schlechte Häußlein im Rauch auffgangen. Ist aber seythero wider / vnnd / wie man sagt / schöner / als zuvor / [153] erbawet worden. Es ist allda ein gute Schnabelweid von allerley Wildprät / auch guten edlen Fischen / von Föhrinen / feistem Fleisch / Kitzen / Kälber / vnd Castronen / vielem Butter / vnd Käsen; aber das Brod ist hingegen thewer zu bekommen / in diesen Gebürgen / vnd ab dem Bodensee zu holen. Dann / obwoln es vmb diese Statt feine Kornfelder hat / mag es doch diesem Volckreichen Thal wenig erklecken. Bruschius de Episcop. German. cap. 3. Gerardus de Roo lib. 3. fol. 120. Munsterus in Cosm. & Theatr. Europ. part. 3. Joh. Gulerus, in Beschreibung der Rhätischen Landen / meldet lib. 14. fol. 219. seq. von Pludentz also:

Nächst vnter dem Estner Berglein empfahet der Rhein auff seiner rechten Seiten / von Auffgang naher / den Fisch vnnd Holtzreichen Fluß Ill / auß einem grossen Thal herauß / daß sich von Feldkirch dannen in das Gebürg fern hineyn erstreckt / vnd innerhalb Pludentz gleich einer zweyspitzigen Gabel / sich in zwey Thäler spaltet / deren das eine Montafun genandt / dem Winterlichen / vnd das ander / so Klosterthal heisset / dem Sommerlichen Auffgang zugehet. Das Montafuner Thal ist zwo Meilen lang / gibt von sich die Ill / auß dem hohen vernambten Berg Raeticone, der sich dannethin zwischen diesem Thal / vnnd dem Land Pretigöw / dem er den Nahmen gibt / biß an den Rhein herfür läßt. Montafun gehört an die Herrschafft Pludentz / welche / sampt dem Sonnenbergischen Gericht / einen Vogt vom Hauß Oesterreich empfängt. Da sich das Montafuner Thal endet / fället in die Ill auß dem Klosterthal herauß das Berg-Wasser Alfentz / so an dem Silberberg entspringet / der vier Flüß / oder Bäch / auff die vier End der Welt von sich gibt. Dann auß selbiger Gegne laufft die Bregentz gegen Nidergang / der Lech gegen Mittnacht / der Kräbach gegen Auffgang / vnnd die Alfentz gegen Mittag / die sich aber bald bey dem Flecken zur Stuben gegen dem Nidergang schwinget. Bey der Stuben hebt an der Arlberg / von dem alten Schloß Arl also genandt / vber welchen ein sehr triebene ReichsStraß in das Stantzer Thal hinüber gehet / vnnd forter in das Ynthal; auß welchem von Hall naher die Land dißhalb Gebürgs mit saltz versehen werden. Das Klosterthal hat auff seiner Mitnächtigen Seiten / die Berge / durch die es von den Algöwern / vnd Bregentzer Walderen abgescheyden wird. Es ligt da der Flecken Klösterlein / vnnd hat solch Thal die Länge zwo Meilen. Nach Zusammenfliessung beyder Wassern Ill / vnnd Alfentz / folgt den nächsten in einem lustigen Boden / auff der rechten Seiten der Ill am Berg hinzu / Statt / vnnd Schloß Pludonum, Pludentz / diser Zeit ein Haupt-Sitz der Thälern deß Walgöws; ist durch Hertzog Friederichen / den man nennet mit der lären Täschen / von Graf Albrechten von Werdenberg / Herrn zu Pludentz / an das Hauß Oesterreich erkaufft worden. Da dannen hat es eine feine Ebene / vnnd Weite der Ill nach / biß für Frastentz hinauß / da das Wasser einen zimlichen hohen Abfall gewinnet nach Feldkirch. Beyde Seiten der Yll seynd wol erbawet / vnd mit vielen Dörffern / als Puirs / Nuziders / Ludätsch / Pludätsch / Bastlingen / Frastentz / Gävis / vnnd andern / besetzt; so Rhätische: Die Schlösser aber Sonnenberg / Blumeneck / Ramschwag / vnd Jagsberg / Teutsche Nahmen tragen. Sonnenberg ligt für Pludentz herauß im Berg auff der rechten Seiten der Ill; ist ein alter GraffenSitz / den die Graffen deß ersten Herkomens mit den Fürsten von Oesterreich vertauscht haben / vmb eine Herrschafft bey Holenbrunn in Oesterreich / dahin sie ein ander Sonnenberg gebawet haben. Die hiesige ist durch die Fürsten von Oesterreich der Graffschafft Tyrol eynverleibet worden; da dannen hat es Käyser Friderich / zusampt dem Schloß Jagberg / H. Eberharden Truchsessen von Waldburg verkaufft / vnd jhn / vnd seine 4. Söhn / zu Graffen gemacht / im Jahr 1463. Aber die Graffschafft Sonnenberg ward jhme bald wider entzogen. Dann / als zwischen jhme / vnnd den Amptleuthen Hertzog Sigmunds zu Oesterreich / als Innhabern der Herrschafft Pludentz / der hohen Obrigkeit halben / sich Spän zugetragen / da hat Graf Andreas / genantes Eberharden Sohn / Hertzog Sigismunden seinen Forstmeister erstochen; darauff der Hertzog Sonnenberg [154] eynnahm. Graff Eberhardt hat seine Zuflucht zu den Eydgenossen / als der zu Schweitz / Vry / Zug / vnnd Vnderwalden / Landmann war / die sich seiner so ernstlich annahmen / daß Hertzog Sigmund jhme fünff vnnd dreyssig tausendt Gülden für Sonnenberg / vnnd seinen Schaden / geben muste. Graff Andres ist hernach von Graff Felixen von Werdenberg / dem Letzten / wie oben gemeldt / auch erstochen worden. Sonnenberg / vnnd die darzu gehörige Herrlichkeiten in dem Waldgöw / seynd biß daher bey dem Hauß Oesterreich verblieben.

In S. Gerodsthal ligt der Fleck zum Sontag. Vnd die bißher hinter FeldKirch beschriebene Thäler alle / ligen in dem Begriff der alten Estionen / die mit der Zeit / vnd was auch aussen für auff beyden Seiten der Ill ligt / biß in Rhein / vnter den Namen Vallis Drusianae, Rhätisch Val Druschauna, genandt / kommen / welcher Nahm von Druso herkommen ist. Nachwärts / als die vordern Land vmb Feldkirch / vnd bey dem Rhein / jhr Churwälsch verlassen / vnd TeutscheSprach an sich genommen hatten / innenher aber die Wälsche Zung noch lang hinauß in Vbung bleib / hat man die Thalleuth Walchen / vnd jhr Land das Walgöw genandt. Anjetzo ist allein die Teutsche Spraach bey jhnen bräuchlich. Die vordern Druschauner in der Rivier gegen Ranckweyl / seynd nachwärts Nebligöuwer genannt worden. Ihr Gegne / vnd der vmbligende Kreyß / hat endlich den Nahmen der Graffschafft Feldkirch bekommen: Andere beygelegene Orth haben sich auch jhren sonderbaren Herrschafften nach / nennen lassen; dardurch der allgemeine alte Nahm der Estionern in einen solchen Abgang kommen ist / daß er anjetzo allein am Estnerberg / vnnd in dem Dörfflein Eschens gespüret wirdt. Nach dem die Ill jhren Fall auß der Ebne deß Walgows in den vordern tieffer ligenden Boden hinunter gethan / befeuchtiget sie angehendts die Statt Feldkirch / den Hauptflecken der Estionern / etc. Bißher Gulerus.

Sonsten schreibet Johan. Georg Schlee folio 59. sequentib. von diesem Ort kürtzlichen also: Das Schloß / Statt / vnnd Landschafft Pludentz im Waldgöw / an der Ill gelegen / darunter das Thal Montafun begriffen / ist ein altes Wesen. Dann Anno 940. hat Käyser Otho der Erste / das Jus Patronatus zu Pludentz / den Thumbherren zu Chur geschenckt / denen auch der Zehend daselbst / vnnd im gantzen Montafun / gehörig. Anno 1382. gab Graf Albrecht von Werdenberg / vom Heiligenberg / der Aelter / Herr zu Pludentz / denen in Montafun einen Hofbrieff / vnnd Freyheit / daß Sie Hofjünger das jhre mögen versetzen / vnnd verkauffen / wem sie wöllen / ohn Wissen der Herrschafft. Anno 1413. verkaufft gemeldter Graf Albrecht von Werdenberg / die Herrschafft Pludentz / vnnd Montafun / Leuth / vnnd Gut / nach seinem Todt / Hertzog Friederichen von Oesterreich. Anno 1420. bestättet gedachter Hertzog Friederich / auff Absterben benantes Graf Albrechten / denen zu Pludentz vnd Montafun / all / vnd jeglich Recht / Freyheit / Brieff / Privilegien / vnd jhr alt gut Gewonheit / etc. Vnd so vil sagt diser. An. 1647. namen die Schwedischen Pludentz ein.

Auß welchen Beschreibungen erscheinet / wann erst Hertzog Friederich von Oesterreich Pludentz ans Hauß Oesterreich erkaufft / daß der vorige Kauff / wann er anderst beschehen / von einem andern Alberto / Grafen von Werdenberg / auff einen Widerkauff / müsse geschehen / vnd Pludentz wider hernach abgelöst worden seyn.