Topographia Superioris Saxoniae: Meissen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Meissen (heute: Meißen)
<<<Vorheriger
Marienberg
Nächster>>>
Meldingen
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 133–135.
Wikisource-logo.png Meißen in Wikisource
Wikipedia-logo.png Meißen in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite
[T40]
Meissen (Merian).jpg
[133]
Meissen.

Diese Bischoffliche Meißnische / aber der Zeit Churfürstlich Sächsische Statt / liegt gar vneben / im Thal / vnd an den Bergen / vnnd also hin- vnd her gebawet 3. Meylen von Dresden / vnnd bey den 3. Wassern / Elb / Trebisa / (al. Tubischa) vnnd Meisse / von deren letztem sie auch; von der Statt aber / (die Keyser Henrich der Erste erbawet / vnd alda einen Marggraven wider die Wenden angeordnet hat) das Land Meissen / selbsten / den Nahmen haben sollen. Man siehet die Statt nicht / biß man nahe daran kompt: dabey herumb es Bergwerg gibt. Die besagte Elb bringt ihr grossen Nutzen / vber welche allhie ein gar lange / bedeckte eingehenckte hültzine Brucken / vor dem nächsten Krieg / gangen / so für ein grosses Kunststück gehalten worden / also daß Dresserus geschrieben / daß dergleichen im Römischen Reich nicht leichtlich: Bertius aber / daß ihres gleichen nirgends zu finden. Ob sie aber deß Soldaten Hand / vnd das Fewer vnversehrt gelassen / können wir nit eygentlich wissen. Von Kirchen ist allhie insonderheit der Dom / oder die Bischoffliche Kirche auff dem Berge / zu besichtigen / so schön vnd groß ist /vnd vieler Fürstlichen Personen Begräbnussen weiset / die Peccenstein erzehlet. Es ist daran ein Thurn / mit einem durchsichtigen steinern Dach / von künstlicher Arbeit / daß es nicht in den Thurn regnen kan. So ist auch oben S. Afrae Closter / vnnd / in solchem / der Zeit die Fürsten- oder Land-Schul / deren es drey im Lande hat / namblich allhie / zu Pforten bey Naumburg / vnd zu Grimm / so die beede Churfürsten Moritz / vnd Augustus zu Sachsen / Gebrüder angeordnet haben / vnnd zwar diese zu Meissen im Jahr 1544. darzu das Einkommen deß besagten MönchsCloster S. Afrae genommen worden ist: in welcher / zu Friedszeiten / hundert Knaben / theils von Adel / theils ehrlicher Burger Söhne / vnter 4. Praeceptorn vnderrichtet / vnd im vbrigen [134] mit Speiß vnnd Tranck auch versorget worden seyn. Es gehet / von einem Berg zum andern / eine Brucken / damit man von S. Afrae Berg / ins Bischoffs Hoff / oder Schloß / kommen möge. Vnd kan man von dannen herab gar schön in die Thäler / in die Statt / Obst- vnnd Weingärten sehen; was etwan davon noch der Krieg vbergelassen hat. Höchstgedachter Churfürst Mauritius hat Anno 1545. die Religions Reformation / so sein Herr Vatter angefangen / allhie fortgesetzt / auch ein Consistorium allda angerichtet. Vnnd wurden folgends alle drey Bergschlösser allda / namblich deß Bischoffs / deß Marggravens / oder Landsfürsten / vnd deß Burggravens / Churfürstlich. Vnd ist nunmehr das Burggraffthumb Meissen gantz abkommen; vnnd der runde Thurn von deß Burggraven Burg / der noch ein Zeitlang gestanden war / nun auch eingetragen / wie obgedachter Peccenstein bezeuget. Das noch im wesen stehende Churfürstl. Schloß aber ist vest; so Churfürst Ernst zu bawen angefangen / vnd Hertzog Albrecht Anno 1471. vollendet hat. Es seyn da grosse Zimmer drey Gaden hoch vbereinander alle hübsch gewölbt / vnd vnten darunter zween hübsche gewölbte Keller / obeinander / daß also in solchem Schloß 5. Gewölber vbereinander seyn. Vnd hat dasselbe der Herr Churfürst / Hertzog Johann Geörg / gar hübsch wider ernewren lassen. Es hat so hohe Fenster / als wann es Kirchen Fenster weren: Am Berg herumb hats Weinwachs. Es seyn da auch hübsche doppelte Stiegen; vnd vmbher außgehawene Gäng / in deren Obern einem (welches das Warzeichen von diesem Schloß) eine History von einer Marggrävin eingehawen / welche gern die braunen Veyelen gesehen hat; wie hievon mit mehrerm in dem Itinerario Germaniae fol. 385. seq. zu lesen. Im obersten Gaden stehet / in einer Cammer / ein schwere geschnitzelte Bettstatt / in deren Hertzog Johann Friederich zu Sachsen gelegen / die solle nie an einem Orth stehen bleiben / sonder sich immer von ihr selbst verrucken: Am Camin ist dieses Hertzogen Nahme mit seiner eygnen Hand angeschrieben. Deß Bischoffs Schloß / oder Hoff / ist alt / aber von hohem / vnnd sehr schönen Mawerwerck. Im Jahr 1430. belagerten die Böhmen Meissen / kuntens aber nicht gewinnen.

Anno 1632. den 10. Octobris / ist diese Statt / von den Keyserischen / ohne Widerstand / eingenommen / vnd Anno 1637. den 6. Junij / von den Schweden / die / von Torgaw auß / solche / durch einen Kriegslist / vnversehens vberrumpelt / außgeplündert / vnd guten theils abgebrandt worden. Der Dom aber / vnnd das Schloß / haben sich deß Gewalts erwehret: Aber Anno 1645. musten beede / sampt der Statt / auch Schwedisch werden. Dann es ward das Schloß mit grosser Gewalt von den Schwedischen angegriffen / daß die Besatzung / durch das continuirliche Schiessen / genöhtigt wurde / die Gegenwehr auß dem mitlern Hof zu vnderlassen (zufürderst / weilen eine Fewerkugel / so selbige Wohnung gleich in vollen Brand brachte / darzu behülfflich war) vnnd sich nicht allein in den innern Stock zu machen: sondern auch endlich auff Gnad vnd Vngnad zu ergeben. Siehe von dieser Statt / die Anno 1447. eine grosse Brunst erlitten / deß Munsteri Cosmographiae 5. Buch / am 393. Capitel deß letzten Drucks: Item obvermelten Lorentz Peccenstein cap. 5. Theatri Saxon. fol. 32 vnd part. 3. fol. 5. et fol. 278. vnd part. 2. fol. 4. Dresserum in Isagog. Histor. vnnd descript. Urb. Bertium lib. 3. Rer. German. pag. 609. (vnd daselbsten auch / was diese Statt An. 1015. von den Polen außgestanden / so sie belagert / aber nicht erobert haben / vnd deßwegen Jährlich allhie ein Danckfest angestelt worden. Item / wie sie Anno 1067. in Keyser Heinrichs deß Vierdten Gewalt kommen / der sie dem Böhmischen Hertzog geben; aber solche im Jahr 1076. Ecbertus II. Marggraff in Meissen / wider erobert hat; vnd sie forthin in der Marggraven Beherrschung blieben ist;) C. Ens in del. apodem. per German. p. 283. seq. vnd Georg. Braun tom. 2. Theatri Urbium.

Was das Bistumb allhie anbelanget / [135] so schreibet Melchias Nehel / in den Beylagen / zur zehen jährigen Erzehlung der Churfürstlich Sächsischen Kriegs expeditionen, biß ins Jahr 1641. am 256. Blat / davon also: Das Bistum Meissen / von Keyser Otten dem Ersten / An. 970. instaurirt / ist vor alters exempt gewesen / von aller Ertzbischofflichen Iurisdiction; der Keyser Carolus hat es dem Ertzbischofflichen Stuhl zu Prag vnterworffen: zu Meissen ist die Cathedral Stuhl; zu Wurtzen ein Collegiat Kirche / vnnd die Bischoffliche Residentz: Item ein Collegiat Stifft zu Budissin: zum Stolpen ist ein Canonicat Stifft gewest / daselbst ist ein gut Bergschloß: vnter selbigem Ampt liegt Bischoffswerda. Zum Stifft Meissen gehört ferner / das Ampt Mügeln mit dem Schloß Rügethal / das Closter-Ampt Sornwitz. Dieses sagt Nehel. Andere setzen die Stifftung dieses Meißnischen Bistumbs ins 958. theils ins 963 Jahr: vnd war der erste Bischoff deß gemelten Keysers Othen Hoff-Caplan / Burchardus, so niemands in Geistlichen / als allein dem Papst / nach seiner deß Keysers Anordnung / vnderworffen gewesen. Der dritte war Aico, oder Eido, der zum Bistumb deß ersten Gravens zu Wurtzen / deß Esiconis, Stättlein Wurtzen / Bichen / Buchen / oder Bauchen / vnnd Lubbenitz / gebracht / vnd Anno 1015. gestorben ist. Der Achte war Crafft / oder Christ / den seine Diener zu Goßlar / allda er vorhin Probst gewesen / vber seinem verborgnen Schatz (den zu besichtigen er dahin gereist / vnnd sich in eine Cammer gespert) todter / mit zerbrochenem Genick / vnd heßlicher Farb / gefunden haben: wie gemelter P. Bertius, in dem Catalogo, oder Register / der Meißnischen Bischöffe / an obangezogenem Orth / vnnd 610. Blat / auß Lamberto Schafnaburgensi, schreibet. Der Zehende Bischoff war der H. Benno, ein Graff von Bultenburg / der Anno 1066. allhie Bischoff worden / Wasser in Wein verwandelt / trucknes Fuß vber die Elb gangen / den Fröschen das stillschweigen gebotten / vnnd andere Wunderwerck mehr / gethan haben solle. Ist den 16. Junij Anno 1106. seines Alters im 96. Jahr / gestorben / zu Meissen begraben / vnnd / zu vnser Vätter Zeit / nach München in Bayern geführt worden. Siehe Andr. Brunner part. 3. Annal. Boicorum, zu Anfang deß zwölfften Buchs; insonderheit aber Hieronymus Embserum, in S. Bennonis Lebens-Beschreibung / Surium in seinen Tomis, vnd ein besonders Buch / so zu Mönchen außgangen; wie auch Matthaeum Raderum. de Sanctis Bavariae, volum. 3. pag. 181. seqq. welcher am 181. Blat saget / daß seydhero S. Benno auff Mönchen kommen / so Anno 1576. geschehen / daselbst die Pest niemals regiert habe. Der 20. Bischoff war Bruno, der die Kirche zu Bautzen gestifftet. Der 25. Bernardus, soll Dresden dem Marggraven zu Meissen verkaufft haben. Vnder dem 42. Bischoff Iohanne VIII. hat sich die Religions Aenderung zu Meissen angefangen / dabey sich der Bischoff still gehalten / vnd ist darauff Anno 1549. gestorben. Was sich Anno 1547. als Churfürst Johann Friederich vom Keyser Carolo V. gefangen worden / vnd auff Keyserlichen Befelch / die Dombherren das Te Deum Laudamus gesungen / allhie zugetragen / vnd beedes die Stiffts- vnnd dann die Statt Kirchen / vom Wetter getroffen wurden / das hat auch gedachter Bertius pag. 611. Gedachtem Bischöff Iohanni VIII. haben gefolgt die Bischöffe / vnd auch endlich Verwaltere desselben Bistumbs / Nicolaus II. in der Ordnung der 43. Einer von Karlowitz. Iohannes IX. einer von Haubitz / welcher Churfürsten Augusto zu Sachsen Anno 1581. das Bistumb vbergeben; deme sein Herr Sohn Churfürst Christianus I. diesem dero beet Herren Söhne / die Churfürsten Christianus II. vnd Iohannes Georgius, succedirt haben.