Topographia Superioris Saxoniae: Torgau

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Torgau
<<<Vorheriger
Tonna
Nächster>>>
Tschopau
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 182–184.
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Torgau in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[T54]
Torgaw (Merian).jpg
[182]
Torgau.

Diese Statt liegt an der Elb / fünff Meylen oberhalb Wittenberg / in dem Chur-Creysse: vnnd gehöret eine Herrschafft darzu / in welcher die Stättlein / Belgern / vnnd Schilda / die Teutsche Commenthurey Dummitzsch / vnd das Closter Sitzreroda / jetzt ein Schloß / gelegen seyn. Dresserus sagt / daß diß Wort / in Wendischer Spraach so viel / als eine Lucern bedeute. Vnd vermeint P. Appianus, beym Carolo Stephano, daß Torgau deß Ptolemaei Argelia seye; da doch vor den Wenden keine Stätte in diesem Lande / wie theils wollen / vnd Torgau vmbs Jahr Christi 960. noch ein Dorff / vnd Fischerwohnung solle gewest seyn. Hat vor Zeiten eygene Graven da gehabt / so Torgani Comites seyn genant worden / welchen diese Statt / von den Keysern Adolpho, vnd Alberto, wie besagter Dresserus schreibet / entzogen worden: Nach welchen Marggraff Friederich / so mit den gedachten Keysern Krieg geführt / solche in seinen Gewalt / vnnd auff seine Nachkommen gebracht: wiewol Peccensteinius, part. 2. fol. 26. Theatri Saxon. wil / daß noch Anno 1342. zween Graven / Lutholdus, vnnd Iohannes, allhie Hoff gehalten haben.

Michael Boiemus schreibet in dem Leben Hertzog Albrechts von Sachsen / daß Graf Reinhard zu Torgau / an der Elb / An. 931. der Schlacht (vielleicht An. 933. mit den Vngarn bey Merseburg) beygewohnt halbe. Es seye aber die Statt den Graven von König Adolphen genommen worden / die in Zeitlang Fürst Waldemars zu Anhalt / bey Regierung Keyser Ludwigs deß Vierten gewesen / die aber hernach wider an Landgraff Friederichen kommen / vnd folgents vnder dem Gewalt der Marggraven zu Meissen geblieben seye. Obgedchter Hertzog Albrecht der Frewdige hat sich sonderlich gern allhie / wegen Lustbarkeit deß Orts / Wälder / Wäyde / Geträyd / Bier / Fische / deß Wassers / Gelegenheit zum Jagen / Weinwachs / gesunden Luffts / auffgehalten. Die Statt liegt in der Ebene / doch also / daß bey welchem Thor man hinein wil / man hinauff zu sagterlBoiemus erinnert / der auch sagt daß An. 1538. Irrdine Geschirr / mit Deckeln / voller Todten Beyner außgegraben worden / als Marcus Otho, ein Burger allhie / Weinreben pflantzte.

Es hat da eine Bruck vber die Elb / so erstlich Anno 1491. angelegt worden / so aber nur etliche steinerne Pfeyler. Hat vor dem jetzigen Krieg ein gute Nahrung / vnd Gewerbschafft / allhie geben; daher die Statt an schönen Gebäwen gewaltig zugenommen; vnd seyn in solche deßwegen / vnd auch anderer Bequemlichkeit halber / zun öfftern Fürstliche Beylager / vnd Zusammenkunfften angestelt / vnd von den Churfürsten zu Sachsen die meisten Landtäge da gehalten worden; bey welchen die Praelaten auß den dreyen Bistumen / Meissen / Zeitz oder Naumburg / vnnd Merseburg. Item / die Professores von den zweyen Hohen Schulen / Leipzig vnnd Wittenberg; vnnd dann die Graven / Herren Ritterschafft / vnd Stätte / zu erscheinen pflegen. Es ist von hinnen der weyland fürtreffliche / vnd wcitberümbte Medicus, Doctor Georgius Horstius, seeliger Gedächtnuß / bürtig gewesen. Man machet zu Torgau ein herrliches Bier / so man weit verführet. Das Wasser / darauß es gebrawen wird / vnd die Aecker fruchtbar macht / ist schwartz /

[T55]
Torgaw im Grund (Merian).jpg

[183] darzu man Gersten / vnnd Hopffen nimpt. Es hat diß Bier ein Geruch / wie Gewürtz / vnd ein liebliche Farb / vnd thut mittelmässig wärmen. Das Schloß allda ist insonderheit zu sehen / welches Churfürst Johann Friederich zu Sachsen Anno 1535. erbawet / vnd Anno 44. mit dem grossen Thurn gezieret; vnnd in welchem Hertzog Friederich Wilhelm / der Chur-Sachsen gewester Administrator, vnd der Jungen Herrschafft Vormund / von Anno 1591. biß 1601. Hoff gehalten hat. Es ist dieses Schloß / so Hartenfelß heissen solle / ein recht Fürstlich Hauß / vnd allerdings auff einem Steinfelsen erbawt: von welchem in Herren Augustin Freyherren zu Mörsperg / vnd Beffort / Rittern S. Johanns-Ordens / Beschreibung seiner An. 1589. verrichten Raise / also stehet: das Schloß liegt etwas in der Höhe / vnnd ist da ein grosse Hoff- oder Taffelstub / darinn 78. Tisch raumlich stehen können; in der andern darneben 29. Tisch besser oben hat es noch viel Stuben / vnd Cammern / gar zier- vnd stattlich gebawet / mit einem Fürstlichen langen Saal / darin Keyser Carolus V. Ferdinandus I. vnd andere viel Keyser / Könige / Churfürsten / vnnd Potentaten / in rechter Grösse / lebhafft / vnd gar Künstlich abgemahlet seyn. Item darneben ein Zimmer / darinn auch viel Chur- vnd Fürsten; vnnd dabey wider ein Zimmer / darinn viel Schalcksnarren / vnd vnder denselben auch der Claus; Item / Lorentz Wißbad / der 16. Schuh lang gewest / abgemahlet stehen. Ein grosse Stub / darin die gantze Genealogia, vnd Vrsprnng der Churfürsten zu Sachsen / mit den Brustbildern / vnd ihren Wappen dabey / sampt kurtzer Beschreibung ihres Lebens / vnd Wandels. In einem andern Gemach darneben stehet wider ein Sächsische Genealogia, sampt den Wappen / vnd Gemahlinen / gar artig vnd Lebhafft / vnder denen etliche Römische Keyser gewesen. Churfürst Johann Friederich / der solch Schloß gebawet / stehet in- vnnd ausserhalb desselben / etlichmal abgemahlet / wie er vnterschiedenes Alters gewesen / sonderlich bey dem grossen Thor / welches fast sein letztes Gemälde seyn solle / darbey er setzen lassen: Deus dedit, Deus abstulit; wie auch bald hernach geschehen. Vber diß sind besser oberhalb noch viel andere schöne Zimmer / mit viel künstlichen Historien vnd Gemälden. So ist auch ein schöner Saal / mit Stuben / vnd Cammern / in ziemblicher Grösse / darin seltzame Gemäld / alle nach dem Leben / vnd sehr künstlich gemacht. Oben in der Höhe dieses Schlosses / ist ein Zimmer / Stuben / vnd Cammer / voll Spiegel / vff allerhand Art formirt / oben an der Deck / vnnd an den Wänden herumb / am Tisch in der Stuben / oder am Bett in der Cammer; wie auch an andern Orten / kan man alles / was im Hoff / vnd Gassen; Item / vffm Land geschicht / vnd wie auff der Elb die Schiff auff vnd abgehen; was auch ausserhalb der Zimmer gethan wird / vnd was in den Zimmern gegen vber geschicht / wann einer gleich nicht an die Fenster gehet / sondern nur am Tisch sitzen bleibet / sehen. So siehet man auch sonst in dem Spiegel viel wunderbare seltzame Figuren / vnnd Händel / gantz Lebhafft. Vnd dieser Orth wird die Spiegel- oder Kunstkammer genennt. Die Schloßkirch ist sonderbar schön / vnd zierlich gebawet / wie auch die Stattkirch. Vnd dieses sagt wolgedachter Freyherr von dem 1589. Jahr; darzu gelesen werden kan / was obemelter Peccenst. part. 3. Theatri Saxon. fol. 59. seqq. von Torgau weitläuffig schreibet. Vnd berichtet Hornschuch / in seinem Vnterricht für diejenige / so gedruckter Werck corrigiren wollen / am 125. Blat / daß es vorhin allhie im Schloß ein Silberne Druckerey gehabt habe. Nunmehr hat so wol die Statt / als das Schloß / weit ein anders außsehen bekommen; nach dem Anno 1636. im Decembri / der Feldmarschall Banner / vnnd seine Schweden / diesen Orth eingenommen / vnnd ihn biß auff den 18. Junij deß Jahrs besessen / an welchem Tag er denselben vnversehens verlassen / vff Hertzberg / vnnd / vber die Elster / gen Luben in Nider-Laußnitz / dann ferners nach Lubras / Fürstenberg / vnd daselbst vber die Oder / vnnd auff Landsberg / den 26. Junij / dann wider zu ruck / vnd ein Meyl von Cüstringen [184] vber die Oder abermals / auff Freyenwald / vnnd ferners nach Neustat / vnnd in Pommern / gangen ist. Anno 1639. Ist seines Volcks wider eine Partey / namlich deß Schwedischen Obristen Leßle Regiment / hieher im Aprilen kommen / vnd an die Statt 20. tausent Reichsthaler Brandschatzung gefordert / sich aber gleichwol bereden lassen / daß es auff 12. tausent kommen / welche Summen / als die gute Leuthe nicht gleich fluchs kondten zusammen bringen / die Schwedischen in dessen den Burgermeister Vögelhaupt / zusampt einem Rathsverwandten Stoll genant / mit sich hinweg genommen haben. Anno 1642. als der newe Schwedische Feldmarschall Torstensohn / auß Schlesien / zuruck vor Leipzig gehen wolte / haben die seinigen alsbalden getrachtet / allhie zu Torgau / vber die Elb zu kommen / vnd als sie diesen Paß erhalten / an welchem sie Nachen / vnnd Kahnen zum Vortheil gefunden; So ist ihr Zug geraden Wegs auff Eulenburg / (dahin sie mit völliger Armee den 16. 26. Octobris gelangt /) vnnd Leipzig gewesen. Kam hernach wider an Chur-Sachsen: aber An. 1644. nahm der Schwedisch General von Königsmarck / die Statt bald ein: vorm Schloß hat es hart gehalten / biß solches vmb den 13. oder 19. Augusti / auff Gnad vnnd Vngnad sich auch ergeben: welchen Elb-Paß aber vnlangsten die Schwedischen selber wider verlassen haben. Anno 1645. bekamen die Statt / vnnd den 17. 27. Maij das Schloß / die Schwedischen abermals. Was dieser Orth vor Jahren für Vnfäll gehabt / vnd wie Anno 1429. die Vorstätte von den Hussiten abgebrant worden / sie auch Anno 1442. mit allen Vrkunden / biß auff sechs Häuser verbronnen / das kan man bey Andern lesen.