Topographia Westphaliae: Aach

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Topographia Germaniae
Aach (heute: Aachen)
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Arnsberg
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1647, S. 6–9.
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De merian Westphaliae 102.jpg
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Aach / Ach / Aquisgranum.

Von den Frantzosen Aix, oder Aix la Chapelle, vnnd von den Niderländern Aken / von Luitprando Grani Palatium, vnnd Reginone Thermae Grani, genannt / so von denen Zeiten Keysers Caroli M. diesen Namen / vnnd zwar vom Grano Keysers Neronis Brudern / haben solle; dessen aber bey den alten Römischen Geschichtschreibern nit gedacht wird. Es sey aber dieser Granus gewesen / wer er wolle / so hat er die Bäder allhie / so noch heutiges Tags berühmbt seynd / am ersten erfunden; Höchstgedachter Keyser Carolus aber wider herfür gebracht. Es ligt diese Statt zwischen den Hertzogthümmern Braband / vnnd Limpurg: Item / dem Hertzogthumb Gülich / vnd dem Bischthumb Lüttich / in der Menapiorum Gräntzen / zwischen dem Rhein / vnnd der Maaß / an einem niderträchtigen / vnnd schier mit lauter Hügeln vmbgebenen Ort / vier von Gülich / zehen / oder zehendhalbe Niderländische Meilen / von einer Stund Gehens / vier von Mastricht / vnnd so viel auch von Düren / sechs von Lüttich / vnnd drey Meilen von Limpurg. Serenius Granus, der Römische Landpfleger / vnter Keyser Hadriano, solle sie erbawet / vnd dieselbe von ihm / vnd dem warmen Bad / so daselbsten ist / den Namen bekommen haben: Wiewol Nic. Reusnerus, de Urbibus Imperialibus, schreibet / daß Theils vermeynen / solcher Name vom Apolline Granno, den die Teutsche / vnd Rhätier / verehret haben / entsprungen seye: Wie dieser Meynung auch Cunraradus Celtes in seinen Versen ist / die er von dieser Statt gemacht hat / vnd sich also anfahen:

Fumat aquis calidis Granno Urbs ab Apolline dicta
Corpora quae morbis tincta liquore levant, etc.

Attila, der Hunen König / soll sie hernach zerstörer haben: Wiewol andere es noch in einen Zweiffel ziehen. Jetzt ist sie mit zween Gräben / vnd zwo Mauren / vmbgeben / vnnd also ein runde / doppelte Statt / deren die Mittle vom Keyser Corolo M. vnd die eusserste von E. E. Raht vnd Gemeind / erbawet worden. Die mittere Statt kan einer kaum in drey Vierthel / vnnd die eusserste in anderthalbe Stunden / vmbgehen. Die Mittere hat zehen Pforten / Die eusserste eylff / werden aber nur zehen geöffnet / darunter vier Hauptthor: Item / viel schöne hohe Thürn / vnd Wachthäuser seyn. Beyderley Gräben haben mehrertheils Wasser. Es seyn da zwo Stiffts-Kirchen / als vnser Lieben Frawen-Münster / vnnd S. Adalbrecht / vier Pfarrkirchen / neun Manns Klöster / darunter auch die Jesuiter / vnd Capuciner gerechnet werden / sechs Frawen Klöster / zwey Hosptithäler / vier Capellen / zween Beginenhöff / vnd ein gemeine Tauff. So seyn ferners allhie sechs Badhäuser / einvndzwantzig gemeine Brünn / drey Bäch / so durch die Statt fliessen / die Paw / Pawnell / vnd Suylispach / so folgends in den Worm zusammen kommen / vnnd darauff in die Ruhr fallen. Treiben sieben Mahl- ein Kelmiß- vnd ein Oelmühl. Es hat die Statt vngefähr drey tausend Häuser / vnd ist Platz wol noch vor so viel. Das Rahthauß ist vber die massen schön / groß / vnd kostbarlich erbawet / vnd stehet auff dem Marckt ein gar schöner Brunn. Die warme Bäder allhie seyn zu mehrerley Kranckheiten / sonderlich für Hecticam, Engbrüstigkeit / vnd zu der Vnmannheit / wie im Guicciardino stehet / nützlich. Man machet da gute Pistolen / Bombasin / vnd gute Tuchfarben / vnd bestehet daselbst der gröste Handel in Kupffer vnd Woll / vnd gibt zum Kupfferhandel Vrsach der Kelmißberg bey der Statt: Daselbsten / zwischen einer Meilen von der Statt / gegen der Sonnen Winter Nidergang / die Gattung der Erden gegraben / so man ins gemein Kalmißstein nennet / damit das rohte Kupffer zu Goldgelber Farbe gebracht wird. So hat es auch nit weit von der Statt Eisen- vnd Bleybergwerck. Der Boden herumb ist fruchtbar / vnd Wasserreich / daher man auch in der Statt / neben dem gesunden Lufft / gutes Wasser hat. Obgedachter Keyser Carle / hat sonderlich gern allhie gewohnet / dessen Vrsach Petrarcha lib. 1. epist. 3. vnd auß ihme Estienne Pasquier, lib. 5. des Recherches de la France, cap. 31. setzet. Darwider zwar Waremundus ab Erenberg, de foederib. lib. 1. c. 2. nu. 159. p. 241. ist: Limnaeus aber hierinn lib. 7. de Jure publico cap. 2. num. 5. kein Vrtheil fällen wil. Seinen Pallast haben hernach die Nordmannen verbrandt. Er hat / durch ein sonderbare Constitution / diesen Ort zum Haupt / vnnd Sitz / deß Teutschen Reichs bestättiget / oder / wie gemelter Guiccardinus, in Beschreibung Niderlands / sagt / befohlen / daß disseit der Alpen / Ach / vor die fürnehmbste Residentz-Statt deß heiligen Reichs / vnnd deß Königreichs Franckreich solte gehalten werden: Daher auch der Hymnus, den man vnter der Meß / auff den Tagen Caroli M. zusingen pfleget / sich also anfahet;

Urbs Aquensis, Urbs Regalis,
Regnisedes Principalis,
Prima Regum Curia, etc.

So wird auch der Titul deß Königlichen Stuls / vnd deß heiligen Römischen Reichs-Statt / gegeben; allda gemeinlich vor diesem die Römische König / vnnd Keyser / seynd gecrönet worden / deren der letzte Keyser Carl der Fünffte / gewesen ist. Vnd wann die Crönung anderstwo angestelt wird / so pflegen die Churfürsten / von hier / das Capitel der [7] Königlichen Kirchen / von welcher hernach / zuberuffen / damit die jenigen Clenodien / oder Symbola, so dasselbe / wegen deß Reichs / zuverwahren / zur Stell gebracht werden. Wie dann Anno 1562. zur Crönung Keysers Maximiliani II. die Abgesandten von Aach / vier Stück mit sich gen Franckfurt geführet / nämlich / deß besagten Caroli / deß Ersten / oder Grossen / Schwerdt / das Ceremonien-Buch / vnnd ein anders / innhaltend den Eyd / so ein newgecrönter Römischer König dem Herrn Dechanten vnd Capitel gedachter Kirchen zu Aach / etc. schwören muß / alsbald er nach / oder vnter der Meß / darunter er gecrönt worden / vom Capitel zum Mit-Canonischen an- vnd auffgenommen wird: Vnd dann endlich / das Kleinod / darinn S. Stephani, deß ersten Märtyrers / Blut / vnnd Gebein verfasset / darauff die Römische Könige gleichsam in Zeit ihrer Crönung / dem heiligen Römischen Reich / ihre gewöhnliche Eyd vnd Pflichten / leysten; wie Joh. Noppius, in seiner newen Aacher Chronic / darinn er deß Petri von Beeck Beschreibung Teutsch gemacht / vnd vermehret hat / schreibet. Matenesius im dritten Buch von der Crönung Keyser Ferdinands deß Andern / sagt im 87. Capitel / daß damaln / nämlich / im Jahr 1619. die von Aach / mit sich / gen Franckfurt gebracht haben.

1. Keysers Caroli M. Schwerd / so einem Persischen Säbel nicht vngleich / vnnd welches Hefft von Gold / mit vngewöhnlichen Edelgesteinen versetzt / vnd mit einem Schlangenbalg / oder einer abgestraifften Schlangenhaut / vberzogen / die Scheide aber mit einem ansehenlichen Stück von Einhorn gezieret / vnd mit welchem der Keyser ordinariè etliche Ritter / so man Equites Auratos zunennen pfleget / schlagen thue: Wiewol besagter D. Noppius. lib. 1. cap. 2. p. 58. erinnert / daß es in deß Keysers Willkühr stehe / entweder mit dem Schwerd deren von Nürnberg / so etwas schwärer / oder mit diesem von Aach / solches zuverrichten.

2. Ein Evangelibuch mit güldenen Buchstaben geschrieben / so sie / in seinem / deß Keysers Caroli M. Grab / mit einem silbern vergüldeten Blat bedeckt / gefunden haben.

Vnnd dann 3. S. Stephani Prothomartyris Blut / in einem gülden Kistlein / so mit klarem Gold / vnnd Perlen / vberzogen sey. Die andere Kleinodien / so bey der Keyserlichen Crönung gebraucht werden / hat gemelte Statt Nürnberg / in Verwahrung / wie in Beschreibung deß Franckenlands gesagt ist. In obgedachter Kirche / oder vnser lieben Frawen Münster / darinn besagte Sachen / verwahret werden / liget / der höchstgemelte Keyser Carl / als der dieselbe vom Jahr 796. biß auff 804. auffgerichtet hat / begraben / dessen Grabschrifft von Vnderschiedenen vnderschiedlich gesetzt wird / wie darvon beym Dracone, de Origine, et jure Patriciorum, lib. 2. cap. 6. p. 177. zulesen. Marquardus Freherus lobet im 13. Capitel p. 157. b. seiner Anmerckungen zum Petro de Andlo nicht / daß die Keyser Otto der Dritte / vnnd Fridericus der Erste / sein Grab haben eröffnen lassen. Besagter Keyser Otto, ligt auch allhie / vnnd zu deß Caroli Füssen / der Longobarden König Desiderius, sampt Weib vnd Kindern / vnd sonsten niemands. Die Cron / so in dieser Kirche hanget / ist auß Silber / vnd vergüldetem Kupffer; helt in seinem Vmbkraiß acht grosse / vnd acht kleine Thürnlein / vnnd acht vnd viertzig Wachskertzen. Die Orgel hat vier vnd zwantzig Register. Der Glocken seyn zehen / deren die gröste sechszehen / deß Caroli Magni Glock acht / vnnd die Predig-Glock vier tausend Pfund halten thut. Es seyn da zwey vnd dreyssig Canonici, darunter / wie obengemelt / der Keyser selbsten einer ist: Hat einen Probst vnd Dechant. Man weiset da der Jungfrawen Mariae Kleyd / so sie angehabt / als sie Christum der Welt Heyland geboren / das von Baumwoll gewebet / vnd vngefehr sechsthalb Schuch lang ist: Item / die Windlein Christi: Das Tuch / von der Enthauptung S. Johannis deß Täuffers: Das Tuch / welches Christus am Stammen deß Creutzes vmb sich gehabt / so gar grob / jedoch leinen: Den Gürtel CHRisti auß Leder geschnitten: Ein Theil deß Stricks / damit CHRistus gebunden: Ein Stück deß groben Nagels / damit Er ans Creutz gehäfftet worden: Item / Stück vom Schwam vnnd Rohr: Den gantzen Gürtel der Jungfrawen Mariae: Das Haupt deß heiligen Anastasii: Item / den Arm deß alten Simeonis auff welchen er CHRistum genommen: Das obgedachte Blut / vnd Gebein / deß Ersten Märtyrers Stephani: Ein Glied auß einer Ketten / damit S. Peter gebunden gewesen: Etwas von dem Oel der heiligen Jungfrawen Catharinae: Von den Haaren S. Johannis deß Täuffers / vnd S. Bartholomaei: Von dem Manna deß Alten Testaments: Von der Ruhten Aaronis, vnd die drey Stück / so dem gemelten Keyser Carolo M. (der Anno 777. den alten verfallenen Pallast / sampt der Statt / zubawen angefangen / vnd allhie Anno 814. gestorben ist) an seinen Halß gehenckt worden: Von den Haaren der heiligen Jungfrawen Mariae; die Contrafeytung derselben / so Lucas gemacht / vnd in einem liechtgrünen Steinlein / etwa zween Finger breyt / außgestochen: Vnd ein Stück vom heiligen Creutz / so alle drey in einem kleinen vergüldeten Kistlein jetzt ligen. Vnd diese Reliquien hat er / der Keyser Carolus, von Patriarchen zu Jerusalem: Item / vom König Aaron in Persien / vnd von Constantinopel / bekommen. Vnd dann / so weiset man auch den Cöper S. Leopardi. Es ist diese Kirch stattlich gezieret / vnd reichlich begabet. Was die Infantin Isabella Clara Eugenia, Anno 1629. vnd 30. hieher verehret / vnd vber eine Tonne Schatz werth gewesen / das findet man bey ernantem Noppio, cap. 9. p. 41. seq. Der auch cap. 10. d. lib. 1. von den Keysern / so in dieser Kirchen gecrönet / vnd cap. 13. von den Concilien / so allhie gehalten worden / zulesen. Vnd haben diesem Tempel / wegen der engen Zusammenfügung der Stein / die Nordmannen nichts thun können.

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De merian Westphaliae 101.jpg
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[8] In der andern / nämlich / S. Adalberti Collegiat-Stiffts-Kirch / ist sein Haupt: Item / das Haupt S. Hermetis, so vnter dem Keyser Aureliano gemartert worden: Item / ein Arm von S. Christophoro: Ein Arm deß heiligen Sebastiani: Ein Gebein der H. Mariae Magdalenae: Das Schulterblat S. Laurentii, vnd anders Heiligthumb mehr zusehen.

So viel das Regiment dieser Statt Aach belanget / so bestehet der Grosse Raht von 129. Personen. Neben diesem / vnnd zuvorderst / ist der kleine Raht: Item / ein hochweltlich Schöpffen-Gericht / von deme man ans Cammergericht nach Speyer appellieret: Item / ein hochprivilegiert Geistlich Sendgericht / ein Churgericht. Vnd erstrecket sich das Reich / vnnd Gebieth Aach mehrertheils ein Bann-Meil Wegs rings vmb von der Statt / darüber sie Jurisdictionem, vnnd ihr Gebieth auffs wenigste 21. Dörffer hat. Wie dann ihr Monatlicher einfacher Reichs-Anschlag / zum Römerzug / ist sieben zu Pferd / vnnd dreyssig zu Fuß. Vnd die in diesem Aacher Reichwohnende Edelleut seyn alle vnter deß Rahts Jurisdiction / darunter die von Merod sich befinden: Wie hievon auch Geist- vnd Weltlichen der Statt Privilegien / Statuten / Concordaten mit Burgund / Gülich / etc. besagter Noppius vnderschiedlich / sonderlich / durch das gantze dritte Buch / zulesen. Es hat auch Limnaeus lib. 7. de jur. publ. cap. 2. num. 10. et 11. etwas von der Aacher Privilegiis, vnd darunter auch dieses / daß die Bürger allhie im gantzen Römischen Reich deß Zolls befreyet seyn. Es respectiert die Statt das Hauß Burgund / wegen Braband / der Obervogtey halber: Item / Chur Cölln / vnnd das Stifft Lüttich; fürnämlich aber den Keyser / vnnd das Römische Reich / wie auch Gülich / welcher Hertzog ihr Schutzherr ist / seinen Vogt / vnd Major da hat. Es ist zwar Anno 1608. ein grosser Streit mit Gülich entstanden. Hertzog Wolffgang Wilhelm zu Gülich / geborner Pfaltzgraff bey Rhein / etc. hat im Jahr 1629. an stat der Juden / so von Anno 1569. in dieser Statt gewohnet / den Berg von Barmhertzigkeit / oder das Borghauß / Montem Pietatis, da angerichtet. Was sich vom Jahr 814. biß 1630. allhie zugetragen / das hat vielgedachter Noppius, im 2. Buch gemelter seiner Chronic beschrieben. Wir wollen zum Beschluß allein etlicher Sachen / auß ihme / vnnd andern / gedencken / als / daß im Jahr 1277. Graff Wilhelm von Gülich / mit seinem ehelichen Sohn Wilhelmo, zween vnehelichen Söhnen / vnd 468. Reutern / allhie erschlagen worden ist; deßwegen die Statt fünffzehen tausend Marck Pfenning geben / vnnd vier Altär / zu Trost der abgestorbenen Seelen / stifften muste / wie gemelter Noppius lib. 2. fol. 165. schreibet. Anno 1574. wurden etliche Evangelische in den Raht genommen; daher es hernach viel Streitigkeit geben / sonderlich / dieweil die Catholische den Evangelischen keine Kirch einraumen / oder sie in den Häusern predigen lassen wolten / biß Anno 1581. ein grosser Auffstand erfolget / vnnd endlich Keyser Rudolphus II. Anno 1598. den Evangelischen Magistrat in die Acht erklärte / vnnd die Execution dem Churfürsten von Cölln befahle / vnd darauff der Catholische Raht im selbigen Jahr wider eingesetzt wurde. Bey Veränderung deß Regiments in den Gülchischen Landen / seyn die Burger wider auß der Statt an andere Ort Predigten zuhören / gelauffen / darauff Vnruhe erfolget / vnd der Jesuiter Collegium gestürmet worden. Vnd haben sonderlich die Evangelischen / nach Keysers Rudolphi Tod / wider predigen lassen / vnnd den Raht reformiert / biß Anno 1614. auff deß Keysers Matthiae Befehl / die Statt vom Ambrosio Spinola vberzogen / vnd der Catholische Raht restituirt / auch folgends Anno 16. die Execution wider etliche vorgenommen / vnnd wider die Protestirende hernach inquiriert worden ist. Vnd vom Ende deß Augusti Anno 1614. an / biß auff den 19. Junij Anno 32. hat die Statt Spanische Guarnison gehabt / da sie dann deren erlediget / vnnd die Statt-Schlüssel zuhanden E. Ers. Rahts restituirt worden seyn / als eben die Staaden von Holland die Statt Mastrich hart belagerten. Anno 1636. hat sie widerumb / wie man geschrieben / Keyserische Besatzung eingenommen. Vnd ward sie Anno 38. von dem Marchese di Grana gleichsam belägert / daß sie wider den Keyserischen Quartier geben müssen: Vnd wurde damaln der lange Thurn ruinieret. Anno 1642. hatte die Statt allerley Vngemach von den Vnierten / als Frantzosen / Weymarischen / vnd Hessischen / darüber sie ziemlich fortificiert / auch 1500. Mann / auß denen herumb ligenden Spanischen Guarnisonen / zur Defension / eingenommen worden; wie davon weitläufftiger in tomo 4. Theatri Europai, p. 848. seq. Von andern Sachen aber / diese Statt angehend / auch Andreas Brunnerus part. 3. Annal. Boicor. lib. 13. p. 597. seq. Nicol. Serarius lib. 5. Rer. Mogunt. p. 848. (da er sagt: Aquisgranum est in Archiep. Coloniensis ditione, idcoque Imperatoris coronatio ipsi tribui solet) Hanß Reckmann in der Lübeckischen Chronic / p. 65. P. Bertius lib. 3. Rer. German. p. 459. seqq. (da er das Obere von den angedeuten Heiligthümmern / vnnd Reliquien / nicht glauben wil / sonsten aber / daß diese Statt vom obgedachten Serenio Grano erbawet worden seye / erachten thut) G. Braun im Ersten Theil seines Stättbuchs / Casp. Ensin deliciis Apodemicis per Germaniam, p. 124. seqq. (da er auch von den warmen Bädern inn- vnnd ausserhalb der Statt redet) vnnd viel andere mehr / zulesen seyn.

Auff einen Büchsenschuß von der Statt / ligt die Herrlichkeit / vnd Dorff / Bortscheid / Borchet, Borzet, Porcetanum Monasterium, allda Bernhardiner Jungfrawen / (Aubertus Miraeus in Fastis Belgicis et Burgundicis pag. 65. et 650. nennet sie Cistercienser Ordens) vier Kirchen / vnd viel Badhäuser / von kalt vnnd warmen Wassern / seyn. Vnd hat die Aebbtissin deß Klosters die [9] Grund-Obrigkeit / vnd ist ein frey Keyserlich privilegierte Abtey / wiewol sie das Schwerd / vnd hohe Obrigkeit / der Statt Aach cediert / vnd die appellationes dahin an die hohe weltliche Schöpffengericht gehen.

Item / so ligt das Keyserliche Stifft / oder Kloster S. Cornelii Münster / ins gemein S. Cornelis Münster auff der Inden / oder ad Indam, sampt dem Flecken / an dem Fluß Dente / ein wolgemessene Meil Wegs von der Statt Aach; welches Klosters Abt ein Stand deß Reichs / vnnd Monatlich auff zwölff zu Fuß angelegt / vnnd zum Westphälischen Craiß gehörig. Vnd ist dessen Abt Hermanus, Anno 1641. auff dem Reichstag zu Regenspurg / durch Bottschafft / erschienen. Keyser Carl der Grosse / hat es zubawen angefangen / vnnd sein Sohn Ludovicus Pius vollnbracht; darinn das Schürtztuch / damit Christus seinen Jüngern die Füsse getrucknet: Item / die reine Leinwat Josephi von Arimathia. Item / das Schweißtuch / so nach Christi Aufferstehung besonders im Grab gelegen: Item / das Haupt S. Cornelii deß Papsts / vnnd Märtyrers / vnter dem Keyser Decio, vnnd anders mehr / auffbehalten werden solle; wie Johannes Noppius in seiner Aacher Chronic lib. 1. cap. 40. berichtet. Der Abt herrschet vber ein gantzes Land / rings vmb die Abtey / vnnd Flecken gelegen / das Land von Münster genannt / welches sehr mit Büschen vmbgeben / vnnd gleich / als bevestiget ist. Hat Eysen / Bley / Kelmiß- Kol- vnd andere Bergwerck.

So ligt die Abtey Klosterrath / so einen Prälaten / vnnd Canonicos hat / etwan zwo Stunden weit von Aach / gar nahend dem Stättlein HertogenRayd / Hertzogen-Rath / oder Rolduc.