Topographia Westphaliae: Verden

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Topographia Germaniae
Verden (heute: Verden (Aller))
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1647, S. 65–66.
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Verden /

So Theils mit einem F schreiben / ist die Hauptstatt in dem Bischthumb dieses Namens / so auch zum Westphälischen Craiß gezogen wird / obwoln es vber der Weser gelegen / mit dem Ertzbischthumb Bremen / dem Hertzogthumb Lünenburg / vnd der Graffschafft Hoya / gräntzen thut. Zun Zeiten Keyser Carls des Grossen / ist diese Statt noch mit keiner Mawer vmbgeben / vnnd gleichwol auß den fürnembsten Orten hierumb Einer gewesen. Siehe Herman. Conringium, in exercitat. de Urbibus Germanicis, th. 28. welchen die jenige insonderheit lesen solten / die gar vbel leyden mögen / wann man ihre eingebildete alte Stätt in Teutschland anfechten thut. Es ligt die Statt an der Alre / Allera, oder Aller / die da nahend darby in die Weser kompt / an welchem Ort höchstgedachter Keyser Carl / fünffthalb tausend Sachsen die Köpff hat abhawen lassen / wie die Braunschweigische Chronic / am 29. Blat / berichtet. Es findet sich diese Statt in der Reichs-Matricul mit fünffzehen zu Fuß Monatlich angelegt; die aber von ihrem Bischoff eximiert werden wolte / vnnd hieng die Sach / Anno 1602. noch in Camera. Vnd wird sie in den Westphälischen Craiß-Verzeichnüssen / die zwar vns fürkommen seyn / vnter den Reichs-Stätten nicht gefunden. Bey Regierung Bischoff Conrads zu Verden / gebornen Hertzogen zu Braunschweig / vnd Lüneburg / der Anno 1303. den 15. Octobris gestorben / brandte die Thumbkirche allhie in Grund ab / die bawete er widerumb / vnnd ward darinn begraben.

Vmbs Jahr 1425. war Krieg zwischen Bremen / vnd Lüneburg. Die Hertzogen Bernhard / vnd Wilhelm / zu Braunschweig / vnd Lüneburg / legeten sich in die Statt Verden. Der Ertzbischoff Nicolaus zu Bremen kam darvor / vnnd stürmete mit grosser Gewalt / konte doch gleichwol nichts außrichten. Anno 1536. war Vneinigkeit zwischen dem Bischoff / den Thumbherrn / vnd den Bürgern allhie; davon Chytraeus lib. 14. Saxon. p. 363. seq. zulesen. Anno 1547. hat diese Statt Graff Albrecht von Mannßfeld / vergebens / vnd mit seinem Schaden / zuerobern versucht. Aber im Jahr 1551. hat Herr Johann / Freyherr von Heideck / mit seinen Evangelischen Bundsgenossen / solche / durch Vbergab / eingenommen / vnd besetzt.

Gegen dem Ende deß 1631. Jahrs / ist sie von den Keyserischen mit Accord erobert / auch vorhero / Anno 1626. vom General Tilly eingenommen worden. Anno 1644. im Februario / lagen die Schwedischen allda.


Was das Bischthumb allhie anbelanget / davon oben allbereyt etwas gesagt worden / so scheibet Caspar Bruschius de Espiscop. German. cap. 14. Daß solches vom Keyser Carolo Magno, ungefehr vmbs Jahr Christi 776. (al. 786) in Ost-Sachsen / vber der Weser / zu Konende / oder wie andere wollen / zu Bardewick angefangen / aber bald / wegen besserer Gelegenheit / nach Verden / so selbiger Zeit ein berühmbtere / vnd edlere Statt / als jetzund (wie zwar von den Leuten vorgeben / aber nicht erwiesen wird) transferiert worden. Der erste Bischoff sey Suibertus, ein Engelländer gewesen / der Anno 807. gestorben / deme S. Patto, ein Schott / succediert habe. Vnd dieses hat vorhin auch Crantzius geschrieben. Aber Ubbo Emmius lib. 4. rer. Frisie. hist. p. 66. sagt: Daß sich Crantzius, wegen Gleicheit der Namen / betrogen hierinn irre. Dann besagter Bischoff Suidbertus zu Verden / ein geborner Frießländer / vnd ein anderer / als Suidbertus, der mit Willibrordo auß Britannia kommen / gewest seye. Der dritte Bischoff allhie war S. Tanco, ein Schott. Der zehende Erlulphus, von welchem gedachter Bruschius, vnnd andere / schreiben / daß er in der [66] Schlacht zu Eppeckstorp / Anno 876. mit den Nordmannen gehalten / vmbkommen seye. Darwider aber die Braunschweigische Chronic ist / welche auß der Fuldischen Chronic / vnnd Bischoff Dithmaro zu Merßburg / beweiset / daß mit Hertzog Braunen von Braunschweig nur zween Bischöffe / nämlich / Dieterich zu Minden / vnnd Marquard zu Hildesheim / vnnd eylff Graffen / so mit Namen genannt werden / sampt achtzehen Hauptleuten vber das Kriegsvolck gebleiben. Vnnd sagt: Daß diese Schlachtung geschehen im Lande zu Lüneburg / an dem Ort / da jetzund das Jungfräwliche Kloster Ebbeckstorp gelegen / gerade am 4. Tag Februarij / Anno 880. Der vierzehende Bischoff ist S. Adelward gewesen. Der sechszehende Bruno, deß Fürstlichen Sächsischen Geschlechts / der hernach Papst zu Rom / vnnd Gregorius der Fünffte / genannt worden.[1] Der vier vnd viertzigste Theodoricus von Niem. Der neun vnd viertzigste (al. 48.) Bertholdus, so ein ansehenliche Bibiliotheck in S. Moritzen Kirchen gesamlet hat. Ihme haben succediert / Hertzog Christoff / vnnd Hertzog Geörg / zu Braunschweig / zween Brüder / nacheinander / vnd denselben Eberhardus von Holle. Anno 1629. war allhie / vnd zu Oßnabruck / Bischoff / Hertzog Philips von Braunschweig / vnnd Lüneburg / wie Besoldus in Thes. pract. voc. Bischoff / p. 122. schreibet. Siehe oben Oßnabruck.

Die Braunschweigische Chronic / wie auch Augustinus Brunnius, tit. 2, libelli Synoptici, etc. nennen den Bischoff allhie / vnd zu Oßnabruck / der vmb das Jahr 1600. regiert hat / Philippum Sigismundum, Hertzogs Julii von Braunschweig / vnnd Lüneburg / Sohn. So fern er nun eben der Philippus Secundus (darinn vielleicht im setzen geirret worden / vnnd darfür Sigismundus, stehen soll) deß Besoldi hieoben / (dann sich sonst keiner dieses Namens / auß dem Fürstlich Braunschweigischen Geschlecht finden lassen wil) so müste er alt worden seyn. Dann er / Anno 1568. geboren worden. Anno 1586. ward er / auff Absterben deß Bischoffs zu Verden / Eberharden von Halle / oder Holle / zum Bischoff zu Verden: Vnd Anno 1591. auff Abgang Bischoff Bernharden zu Osenbrück / gebornen Graffens zu Waldeck / auch zum Bischoff daselbsten postuliert / vnd erwöhlet. Es schreibet von ihme die gedachte Braunschweigische Chronic / am 358. Blat / also: Anno 1604. ist die Bischoffliche Verdische KirchenOrdnung / so dabevor von Herrn Eberhard von Holle / Bischoffen zu Lübeck / Administratoren zu Verden / Abt / vnd Herrn vom Hauß zu S. Michaelis in Lüneburg / mit Consens, vnd Willen / eines Ehrwürdigen Thumb-Capitels / vnd der Land- vnd Ritterschafft / angestellet worden / auff gnädigen Befehl Hertzog Philip-Sigismundi / postulierten Bischoff dero Stifft Oßnabrück / vnd Verden / Thumb-Probsten zu Halberstatt / Hertzogen zu Braunschweig / vnnd Lüneburg / durch etliche darzu deputierte Prediger / revidiert / vnnd auff Gelegenheit selbiges Stiffte gerichtet worden; nach welcher Christlichen / vnd in GOTtes Wort wolgegründeten Kirchen-Ordnung / sich alle Pastorn / vnd Kirchendiener des Stiffts Verden / in Lehr / Verrichtung der heligen / vnnd hochwürdigen Sacramenten / Ceremonien / vnnd andern Kirchengeschäfften / als Vertrawung newer Eheleut / Bestättigung der selig abgestorbenen Todten / vnnd dergleichen / sich durchauß gleichförmig verhalten solten. Diese Kirchen-Ordnung ist im folgenden Jahr / im Monat Januario publiciert / vnd Anno 1606. gedruckt worden. Hiemit hat der thewre Fürst / sich / als ein rechtschaffen Christlicher Bischoff bezeigt / wird es auch in diesem vnd jenem Leben ergetzlich zugeniessen haben. Biß hieher die newe / Anno 1620. gedruckte / vnnd biß auff dasselbige Jahr außgeführte Braunschweigische Chronic.

Der Zeit hat dieses Stifft wider zween Bischöffe / Einen Evangelischen / nämlich Hertzog Friderichen von Holstein / Ertzbischoffen zu Bremen / vnd Coadjutorn zu Halberstatt / Königs Christiani IV. in Dännemarck / Herrn Sohn: Vnd einen Catholischen / nämlich / Herrn Frantz Wilhelmen / Graffen von Wartenberg / Bischoffen zu Oßnabruck / vnd Minden. Dessen Hoff-Marschall / Raht / vnd Droste dero Aempter / Reckenberg / Widelagen / Hunteberg / vnd Groneburg / Jobst von Hullen / zu Dratheim / Anno 1644. gewesen / aber im selbigen Jahr / den 17. Decembris / zu Münster gestorben ist. Sein Herr / hochgedachter Frantz Wilhelm / hat allbereyt den Titul eines Bischoffs zu Verden / vnnd Minden / neben dem Oßnabrückischen / Anno 1630. auff dem Tag zu Regenspurg gehabt. Vnd wird im zweyten Theil deß Theatri Europaei gesagt: Daß die Statt Verden / Anno 1631. von deß Ertzbischoffs (Johann Friderichs / Hertzogen zu Holstein) zu Bremen / vnnd Evangelischen Bischoffen allhie / Volck eingenommen / Münch / vnnd Pfaffen / allda außgejagt worden / so aber bald hernach die Keyserischen wider erobert hätten. In dem Schwedischen wider Dännemarck / Anno 1644. außgangenem Manifest / wird gesagt: Daß König Gustavus Adolphus auß Schweden / die beyde Stiffter / Bremen / vnd Verden / nicht ohne grosse Mühe / vnd Vnkosten / durch die Waffen / bezwungen / vnnd die Keyserischen herauß gejagt: Vnd folgends die Cron Schweden bewilliget habe / daß hochgedachter Hertzog Friderich zu Holstein / das Stifft Verden behalten / vnd vber das die Neutralität / vnd Freyheit / von Einquartierung / vnnd Contribution / für das Schwedische Kriegsvolck / in beyden Stifftern / Bremen / vnd Verden / geniessen möchte. Darauff aber von den Dänischen geantwortet wird: Siehe / im vbrigen / von diesem Stifft / vnd seinen Bischoffen / neben gedachtem Bruschio, auch Schopper. part. 3. Chorogr. Germ. cap. 6. p. 787. vnd Dresser. part. 4. Isag. Hist.

Verden (Merian).jpg
WS: Das Bild der Stadt Verden ist der Topographia Saxoniae Inferioris entnommen

Anmerkungen (Wikisource)

  1. WS: Eine Verwechslung mit Brun(o) von Kärnten. Siehe ADB:Gregor V.