Topographie der historischen und kunstgeschichtlichen Denkmale in den Bezirken Tepl und Marienbad/Tepl, Pfarrkirche zu S. Ägidius

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Anton Gnirs
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Maiersgrün
Untertitel:
aus: Topographie der historischen und kunstgeschichtlichen Denkmale in den Bezirken Tepl und Marienbad, Augsburg: Filser 1932, S. 475-492
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1932
Verlag: Filser
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Augsburg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: djvu bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[475]

Die alte Pfarrkirche zu S. Ägidius (Abb. 426, 427, 428).

Baugeschichte. Eine Pfarrkirche wird für Tepl schon im J. 1384 erwähnt. Einen Neubau mit drei Türmen erhielt diese am Platze der heutigen Kirche im J. 1567. Ihr Umbau, bei dem damals auch die innere Ausstattung vielfach erneut wurde, fällt in die Zeit der J. 1667–1694. Die Chronik dieses Kirchenbaues berichtet, daß aus der alten Kirche nur der Hochaltar des J. 1596, ein wertvoller Flügelaltar mit einer gemalten Predella, Altarblatt und Aufsatzbild, dann ein Bruderschaftsaltar übernommen wurden. Letzterer war im J. 1625 von „einem lutherischen Bildhauer“ aus Schneeberg gebaut und von dem Kunstmaler in Petschau Johann Schnabl staffiert worden.

[476] Über die Neueinrichtung der Kirche enthält die gleiche Chronik noch folgende Notizen:

Anno 1668 sind in der vorderen kirchen 4 altär new gemacht, staffiert und aufgesetzt worden:

1. S. Anna-altar ist, zwar von tischlern verfertigt, zuvor schon gestanden, aber ausser der bildnusse, so darinnen stehen, nichts staffirt, welche bildnussen staffirt worden von Johann Kradl, mahlern unt mitbürgern von Plan. – S. Anna-altar hat gemacht und die bildnusse, welche bevor im alten altar daselbst gestanden, hat vernewert und ausgebessert Valentinus Marcksteiner, tischler alhier. uebrige 3 altär als s. Joseph, s. Norbert, s. Augustin hat gemacht Marcus Haberhans, tischler in Plan. die bildnisse s. Joachim und s. Joseph hat (am s. Joseph-Altar) von newen gemacht bildhauer Martinus Möckl von Schlackenwerth. Bildnisse an s. Norbert und s. Augustinaltar hat gemahlt herr Georg Adam Eberhart, kunstmahler und rathsverwandter der stadt Eger. obbemelte vier altäre hat staffirt herr Christian Leibold, mahler in Petschau .....

In der Pfarrkirche arbeiteten in den J. 1668 bis 1669 Marcus Haberhaus, der auch die geschnitzten Kirchenbänke geliefert hat, und anläßlich einer allgemeinen Renovierung Andreas Zeidler, Steinmetz in Tepl.

Einen neuen Hochaltar erhielt die Kirche durch den Tepler Tischler Valentin Marcksteiner im J. 1673, während der alte Altar, eine Stiftung des Tepler Abtes Matthias Göhl aus dem J. 1596, in die Pfarrkirche nach Michelsberg verkauft wurde. Zur Ausstattung und zum Kunstwert dieser beiden Hochaltäre enthält die Pfarrchronik folgende Bemerkungen:

Anno 1673 ist der hochaltar new aufgerichtet worden. das mittlere blatt ist nicht new dareinkommen, sondern bevor im alten gewesen und als ein schön künstlich gemähl wol werth, dass es in newen wiederum versetzt worden. das obere blatt S. Aegidii hat gemahlt herr Georg Adam Eberhart, kunstmahler in Eger, den altar selbsten gemacht Valentin Marcksteiner, bürger allhier.

Bildhauerarbeit als die grossen statuae s. Catharinae, s. Barbarae, s. Dorotheae, s. Rosaliae, 2 engel, so auff dachungen sitzen, s. Michael so er zu-oberst steht, hat gemacht ein bildhauergesell, nahmens Johann Jacob, zu Znaim in Mährn gebürtig, auch andere engel auffn 4 altären und die cantzel in der vorderen kirchen. statuae s. Wenzeslai und s. Aegidii sind auch zuvor auffn alten altar gestanden, staffierarbeit an diesen newen altar ist angediengt worden herr Eberhart in Eger, welcher sein mahlergesellen Jacob Männl, gebürtig von Karlsbad, geschickt. tabernakel hat herr Valentin Schiedl von Siegfeld auf Pauten gestiftet.

der alte altar ist nach Michelsberg verkaufft worden umb ein weniges nemblich um 15 gulden, weiln das fürnembste herausgenommen und allhier verblieben, als das mittlere blatt und zwei lateralflügel, so anitzo am pfeiler am bruderschaftsaltar zu sehen ..... soll dieses blatt wie die 2 seitenflügel gemahlt haben, Kaisers Matthiae kunstmahler.

Zur Kunsteinrichtung in der neuen Kirche gehörte auch ein bild s. Aegidii im vestibulum von Georg Adam Eberle, mahlergeselle in Petschaw aus dem J. 1674, dann aus dem J. 1675 sechs antependien mit blumen für die altäre [477] von Christian Leibold. Im J. 1680 erhielt die Kirche einen neuen Flügelaltar der Bruderschaft durch Franz Karl Seeblumer, Kunstmaler zu Pilsen, dessen Staffierung Johann Dominikus Seeblumer, Malergeselle, besorgt hat. Im J. 1680 gießt Heinrich Mays, Zinngießer in Schlaggenwald, sechs neue Altarleuchter.

In die Zeit der Kirchenerneuerung fällt der Stadtbrand des J. 1669, der das neue Bauwerk und seine Ausstattung beschädigte. Baufällig wird die Kirche im XVIII. Jahrh., so daß sie nach dem J. 1760 abgetragen werden muß. Zur Aufführung des jetzigen Baues hatte Abt Hieronymus Ambros den Tepler Baumeister Wenzl Hausmann berufen, der den Auftrag zum Kirchenbau in den J. 1762 bis 1765 nur zum Teil ausführen konnte. Im J. 1794 war der kaum eingerichtete Kirchenbau durch einen Stadtbrand gefährdet, der die Türme und das Kirchendach vernichtete. Die unerwarteten Auslagen zur Wiederherstellung nach dem Brandschaden verzögerten die Bauausführung der schon ursprünglich geplanten Ambiten. Ihr Bau konnte durch eine fromme Stiftung erst im J. 1808 von dem Ölbergaltar bis zum südlichen Eingang in Angriff genommen werden. Hier blieb der Bau abermals stecken, bis nach dreißig Jahren die Wiederaufnahme der Arbeit die Ambiten im J. 1838 endlich fertigstellen konnte. Im J. 1841 malt für diesen Umgang der Maler Andreas Dietz (Titze) aus Graslitz die Kreuzwegstationen. Nicht lange nachher, schon im J. 1850, ergab sich die Notwendigkeit einer allgemeinen Restaurierung des Kirchenbaues. Sie wurde von dem Baumeister aus Elbogen Joseph Scherbaum in den J. 1850 bis 1853 durchgeführt, der auch dem über die Mitte der Ambiten am Kircheneingang sich erhebenden Glockenturm seine endgültige Gestaltung mit dem barocken Zwiebeldach gegeben hat.

Die Dechanteikirche (Abb. 427) hat ein einschiffiges, weites Langhaus, an das ein geräumiges Altarhaus mit rundem Chorabschluß anschließt. In der inneren Raumgestaltung der Kirche kommt eine den äußeren Baukörper gliedernde Transseptanlage (Abb. 428b) nicht zum Ausdruck, da in ihr die beiden Sakristeien und ober diesen die in den Altarraum geöffnete Empore untergebracht sind. An den Außenbau des Transseptes schließen sich die Ambiten an, die als Erdgeschoßbau mit Pultdach das Langhaus umlaufen (Abb. 428c). Mit dieser Anlage folgte bei einfacherer Grundrißlösung und geringerem Architekturaufwand der Meister der Tepler Kirche dem Beispiel der Pfarrkirche in Pistau mit dem Unterschiede, daß der Kirchturm an die Stirn des Langhauses gestellt aus dem Umgang der Ambiten herauswächst. Wie die Architektur der Kirche folgt auch der Turmbau einem barocken Schema.

Die Innenarchitektur wird von Wandpfeilergruppen mit Architrav und Kranzgesims geführt. Ihr Schmuck hat durch die Bilder auf den gewölbten Decken eine besondere Steigerung [478] erfahren, die allerdings durch farbige Behandlung der ursprünglich nur hell getonten Wandteile einige Beeinträchtigung erfahren hat.

Im Scheitel des Triumphbogens (Abb. 430) ist das Tepler Stiftswappen mit dem Monogramm H F A A T des Bauherrn, des Abtes Ambros, angebracht. Die Schriftzeilen am Triumphbogen beziehen sich

mit ihrem Chronogramm auf die allgemeine Restaurierung der Kirche im J. 1896 und lauten:

Huius templi lacunar exornari jussit pia eaque apellea arte abbas Alfredus. [479] Die Deckenfresken sind ein Werk des Schlaggenwalder Malers E. Dollhopf, der in dem Zwickelbild Papst Gregors gezeichnet hat: Elias Dollhopf pinx. 1765. Die zu weit gegangene Renovierung durch den Maler A. Waller im J. 1896 hat diesen Bildwerken die Ursprünglichkeit

genommen. Elias Dollhopf hatte hier den h. Ägidius in einer Reihe von sechs Bildern verherrlicht, dabei aber die eigentliche Heiligenlegende nur in zwei Darstellungen auf den gewölbten Decken des Altarraumes berücksichtigt:

1. Eine überaus bewegte, figurenreiche Szene (Abb. 431) stellt die Jagd dar, bei welcher die Hirschkuh des heiligen Eremiten vom Jagdherrn selbst durch einen Pfeilschuß getroffen wird.

2. In dem anschließenden Bilde erscheint der weißbärtige König (Karl Martell oder Karl der Große) vor dem unterdessen nach seiner

[480]

Klostergründung zum Abt gewordenen Ägidius mit der Bitte um Hilfe in schwerer Seelennot (Abb. 231).

Die am Gewölbe des Langhauses folgenden Bilder stellen Ägidius in seiner Eigenschaft als Nothelfer, Fürbitter und Wundertäter dar.

3. Ober dem Orgelchor: In einer Gegend, durch einen Klosterbau und durch Ruinenlandschaft gezeichnet, vollführt Ägidius die Heilung eines Schlangenbisses (Abb. 432).

4. Im nächsten Feld wird auf sturmgepeitschtem Meere ein großes Schiff aus Seenot durch des Nothelfers Ägidius Fürbitte gerettet. Das Bild der thronenden Gottesmutter hat erst A. Waller willkürlich hier eingefügt (Abb. 433).

5. Krankenheilungen vor einer bewegten Menge der Zuschauer durch den Abt Ägidius. Den Rahmen des Bildes bildet die perspektivische Architekturansicht einer in der Rundung umlaufenden Balkonwand (Abb. 430).

[481]

Die Bilder der vier lateinischen Kirchenlehrer Ambrosius, Augustinus, Gregor, Hieronymus schmücken die Zwickel im Gewölbe des Presbyteriums, während im Langhaus in den gleichen Zwickeln Apostelbilder erscheinen (Abb. 430, 433).

Zur Reihe der Fresken in der Dekanalkirche zählen dann noch die Deckenbilder der Oratorien (Abb. 434, 435). Die Bilder König Davids und der h. Cäcilia an der Wand des Orgelchors sind Arbeiten des Malers A. Waller aus dem J. 1896.

Die innere Einrichtung der Dechanteikirche. Der Hochaltar (Abb. 437) war aus der aufgelassenen Klosterkirche zu S. Wenzel in Chotieschau nach Tepl um das J. 1785 übertragen und hier in der Dechanteikirche aufgestellt worden. In seinem monumentalen Altarprospekt stand als Mittelstück eine Statue des Titelheiligen, die am neuen Aufstellungsplatz nicht verwendet werden konnte. Sie steht jetzt im Stifte Tepl (Museum) (Abb. 439). An ihrer Stelle hängt ein Altarblatt mit dem Bilde S. Ägids von Johann Christoph. Den Aufbau bildet ein zu einer Bühnenwirkung zusammengesetzter Altarprospekt mit Kulissenstellungen im Hintergrund. In seine Portalarchitektur fügen sich die Standbilder zweier auf den Mensaaufbau gestellten Heiligen. Die gewöhnlichen Motive des Altarbaues treten hier im Prospekt

[482]

zurück. Geschnitzte Vorhangdraperien und ein Baldachindach mit Quastenreihen geziert, umfassen die Altarnische für das Bild des Titelheiligen. In der Höhe schließt den Altar die Figurengruppe einer Krönung Mariens zur Himmelskönigin.

Das Antependium der Mensa (Abb. 438) ist getriebene Arbeit, Kupfer, versilbert und vergoldet, mit dem Martyrium Wenzels an der Kirchenpforte als Mittelstück zwischen reicher Ornamentierung mit den Brot- und Weinsymbolen. Der ursprünglichen Aufstellung in einer Wenzelskirche entsprechen auch die flachen vergoldeten Holzreliefs im Unterbau des Altarprospektes mit folgenden sechs Darstellungen aus dem Leben Wenzels:

1. Der heilige König als Getreidedrescher, dem ein Engel die Garben legt. 2. Der heilige König arbeitet an der Weinpresse. 3. Landschaft mit dem Bilde einer Burg auf Felsen, ohne Figuren. 4. Felsige Landschaft ohne Figuren mit einer Kirche. 5. Der heilige König dient den Armen bei der Mahlzeit. 6. Das Martyrium des h. Wenzel an der Kirchentüre zu Altbunzlau.

Seitenaltäre. Auf dem einfachen Seitenaltar im Presbyterium steht die bemalte Holzfigur einer Rosenkranzkönigin

[483]

(XVII. Jahrh.), die zur barocken Ausstattung eines Bruderschaftsaltars gehört hat.

Die Seitenaltäre im Kirchenschiff: An der nördlichen Wand ein Anna-Altar mit dem Bilde der die jugendliche Maria unterrichtenden Anna. Im Altaraufsatz das Bild der h. Thekla. Der im gleichen Schema aufgebaute Josefsaltar an der Südwand trägt das Bild des Nährvaters Josef mit dem Jesuskinde. Im Aufsatz des Prospektes hängt das Bild der h. Barbara. Diese beiden Seitenaltäre baute Anton Hahn, Tischlermeister in Lauterbach, Johann Christoph malte die Altarblätter. In seinem Tagebuche erwähnt Anton Hahn, daß er für die Tepler Stadtkirche zwei Altäre in einer Hohe von 4 Klaftern im ionischen Stile gebaut und im Oktober 1857 aufgestellt habe. Ihre Staffierung hat Meister Matthias März aus Prag besorgt.

Der monolithe Taufstein ist eine einfache, barocke Steinmetzarbeit. Sein Zinnbecken trägt das Tepler Stiftswappen und die Jahrzahl 1755.

Orgel. Für eine ältere Kirchenorgel in der Tepler Pfarrkirche hat im J. 1670 der Tepler Tischler Valentinus Marcksteiner einen neuen Kasten gebaut, den der Maler Christian Leibold schmückte. Ein

[484]

neues Orgelwerk erhielt die Kirche im J. 1682 aus der Werkstatt des Wolf Heinrich Rabenstein, Orgelmacher in Plan, die im folgenden Jahre der Malergesell Kaspar Graber staffierte. Im J. 1794 wird der Tepler Stadtkirche aus der aufgelassenen Klosterkirche zu Chotieschau die große Orgel samt ihrem kunstvoll gearbeiteten Prospekt überlassen. Noch in Kisten verpackt, ging dieses Werk kurz nach der Ablieferung in Tepl beim Stadtbrande des J. 1794 in Flammen auf.

Die Weihnachtskrippe der Pfarrkirche ist im J. 1835 von dem Maler Johann Christoph hergestellt worden. Vor einem Landschaftsbilde als Hintergrund steht die Krippe und ihre ausgeschnittenen farbigen Figurenbilder.

Bilderschmuck für die Fronleichnamsaltäre. Im Pfarrhaus wird ein Altarblatt von Maurus Fuchs, „Die Heilige Familie“, verwahrt. Es ist gezeichnet:

Maurus Fuchs pinxit 1835.

Ein anderes Altarblatt desselben Malers, „Johannes predigt am Jordan“, gehört dem Hause Nr. 176.

Eine in der Kirche nicht mehr verwendbare Ölberggruppe, barocke Holzskulptur, liegt am Dachboden des Pfarrhauses. Zu ihr gehört eine kniende Christusgestalt, 1,04 m hoch. Die schlafenden Apostel Petrus, Jakobus und Johannes sind Sitzfiguren mit gestütztem Haupte.

[485]

Mobiliar. Zur Sakristeieinrichtung zählt ein alter, durch modernen Ölfarbanstrich entstellter Paramenten- und Gerätekasten, den im J. 1681 der Tepler Tischler Adam Pistl gebaut hat.

Sein rechter Aufsatzteil, in alter Fassung erhalten, wird auf der südlichen Empore verwahrt. Er zeigt noch die reiche Ausstattung mit Blendarchitektur und bunte Tischlermalerarbeit (Blumenvasenmotive). Eine im Fries angebrachte Zahl 82 ist auf das Jahr 1682 zu ergänzen.

[486]

Von einem mehrteiligen Wandkasten aus dem J. 1750 steht ein Mittelteil, 2,25 m hoch, 1,42 m breit, am Orgelchor. In die vier Felder der Kastentüre hat der Tischlermaler eine Mariä Verkündigung, daneben die Stiftswappen des Abtes Ambros mit der Jahrzahl 1750 verteilt. In die unteren zwei Felder sind Chinoiserien (Jagdbilder), in die Kartuschen der marmorierten Rahmenleisten sind Tierbilder verteilt. Die Schubkästen und Aufsatz fehlen. Ein gut erhaltener dreiteiliger Flügel desselben Wandkastens steht im Tepler Stiftsmuseum.

Bilder in der Dekanalkirche. Ober der Seitentüre an der Nordwand des Kirchenschiffes hängt ein Votivbild, die Krönung Mariens, aus dem J. 1674, signiert G. A. E. V. Eger (Georg Adam Eberhart von Eger). In einem Emblem liest man die Widmung des Propstes Michael Norbert Kastl aus dem Kloster zu Chotieschau: Honori / almae / dei genitricis / posuit / reverendissimus amplissi/mus d(ominus) Michael Norber/tus Kastl sacri et cannoni/ci ordinis praemonstrat(ensis) / praesul monasterii Cart/hieschowiensis sancti monialum / praepositus.

[487] [488]

Ober der Tür der Südwand hängt im Langhaus das Ölbild eines Epitaphs für die Ratsherren, Vater und Sohn Benedikt Johann Trötscher und Johann Benedikt Trötscher, das im J. 1668 deren Enkel P. Augustinus Trötscher malen ließ. Unter der in Wolken schwebenden Immakulata knien die Ratsherren. Unterhalb ihr ein von einem Engel gehaltenes Wappenschild, gegenseitig eine gleiche Gestalt mit der Grabschrift: Ornatissimis viris / civitatis huius consu/libus juxta hanc deiparae / aram sepultis / Benedicto Joanni Trötscher avo / et / Joanni Benedicto Trötscher patri / memoriae ergo posuit / respective nepos et filius / f. p. Augustinus Trötscher / ecclesiae huius parochus / 1668.

In der Sakristei hängen zwei Bilder von einem Maler der Barocke mit einer Darstellung der vierzehn Nothelfer neben einem Bilde des h. Dominikus.

[489]

Kultgeräte. Eine erste Nachricht über liturgisches Gerät in der Pfarrkirche zu Tepl bringt das J. 1682, als der Egerer Goldschmied Johann Caspar Cralowitz die Silbergefässe}} der Kirchen poliert und gesäubert hat. Im gleichen Jahr bringt derselbe Meister silberne clausuren an den zwey newen missalen an, so er in Eger von feinem silber für 7 gulden 30 kreuzer gemacht hat. Im folgenden Jahr hat J. C. Cralowitz noch ein silbernes Rauchfass geliefert. Im J. 1693 hat Johann Christoph Haller, Goldschmied in Prag, eine neue Silberne Lampe, 13 Mark, 9 Lot, 2 Quintl schwer, für die Tepler Pfarrkirche verfertigt und das Silberne Kreuz vergoldet.

Die spätgotische Monstranz (Abb. 440), 0,775 m hoch, Silber, vergoldet, Goldschmiedearbeit aus der Zeit um 1500, ist nur mit dem Repunzierungszeichen und dem Freigabestempel der J. 1809/10 gezeichnet. Aus dem gelappten Fuß, der mit einem Maßwerkornament in Ziselur gedeckt ist, wächst der Stengel empor. Der Oberteil wird durch Pfeilerchen geteilt und endet in ein Fialentürmchen mit Kreuzblume. Niedrigere Türmchen krönen auch die Seitenteile. In den Seitenportalen stehen die miniaturen Statuetten eines h. Ägidius mit der Hirschkuh und einer Mutter Anna mit den heiligen Kindern am Arm, oben in den Bekrönungen der Seitenflügel die Figürchen der Apostelfürsten. [490] Im J. 1682 hat der Egerer goldschmied Johann Caspar Cralowitz diese monstranz vernewert und verbessert, für seine arbeit, wie auch für gold und silber, 32 gulden empfangen.

Die hier verrechneten Arbeiten bestanden zunächst in zwei aus Silberblech gestanzten Engeln als Ersatzstücke für verlorene Figürchen an den Seiten des Oberteiles. Dann wurde das Fensterchen der Monstranz mit einem barocken Strahlennimbus umschlossen. Das aus Silber getriebene Bild Gott Vaters und ein Auge Gottes in der Bekrönung schließen im Oberteile die barocken Zutaten des Egerer Goldschmiedes. Aus der Monstranz wurde bei dieser Gelegenheit vor allem das mittlere gotische Türmchen entfernt, ferner Figürchen, die an den äußeren Fialen angebracht waren. Eine Monstranz desselben Meisters gehört zum Inventar der Pfarrkirche in Malesitz (Topographie der histor. und Kunstdenkmale in Böhmen, XXX, 182).

Kelch, 0,246 m hoch, barock, aus Silber, vergoldet, noch XVII. Jahrh. Am Fuß und an der Cuppa getriebene Silberappliken. Am Fußrand ist das Nürnberger Beschauzeichen N neben dem Meisterzeichen eingeschlagen (Einhorn aufrecht stehend nach links und Stern, Rosenberg 3225).

Pazifikale, Goldschmiedearbeit aus Silber, vergoldet, 0,225 m hoch. Form der barocken Monstranz mit Strahlennimbus um die Kreuzpartikel, die von einem geschliffenen Glaskreuz gedeckt ist. Meisterstempel: I G S im Dreiblatt, Prager? Beschauzeichen: Turm, beiderseits von je zwei kleinen Türmen oder Zinnen flankiert. XVIII. Jahrh.

Kelch, 0,268 m hoch, Silber, vergoldet, mit ornamentierten Silberappliken und farbigen Glassteinchen und sechs ovalen Emailplaketten geziert. In letzteren sind die Leidenssymbole dargestellt. Beschauzeichen und Meisterstempel fehlen; nur ein Repunzierungszeichen aus dem Anfang des XIX. Jahrh. ist aufgestempelt. An dem eckigen Stengel sind oberhalb und unterhalb des eckigen Nodus die Namen Maria und Jesus eingraviert. Im Hohlraum des Fußes steht die Widmung:

In honorem s(anctissimae) trinitatis et b(eatae) v(irginis) M(ariae) obtulit Zacharias Ad(alber)tus Hitner j(uris) u(triusque) d(octor) 1723.

Der Stifter ist derselbe Wiener Syndikus, der die Dreifaltigkeitssäule am Markt im J. 1721 aufstellen ließ.

Kleine barocke Monstranz, 0,41 m hoch, aus getriebenem Kupfer, Cuppa vergoldet, Gestell versilbert. Das Fensterchen ist von einem Strahlennimbus umgeben, in dessen Oberteil eine Plakette mit der Darstellung Gott Vaters angebracht ist. Am Fußrande ist neben dem Stifternamen die Jahrzahl eingraviert:

Josephus Lenk, civis Teplensis 1758. [491] Kelch, Silber, vergoldet, getriebene Arbeit, 0,22 m hoch. Der Fuß ist sechsteilig ausgerundet, mit Engelköpfchen zwischen dem Monogramm der Namen Mariae, Christi und dem Bilde S. Ägids mit Pedum, Pfeil in der Brust und Hirschkuh in feiner Gravur. Am Nodus Engelköpfchen, zwischen diesen sind kleine Silberappliken und Fruchtgehänge angeschraubt. Am Rande der Fußplatte ist ein figürliches Meisterzeichen eingeschlagen, daneben unklar das Nürnberger Beschauzeichen N, ferner der ligierte Freistempel R F anläßlich der Silberabgabe des J. 1810 und ein Repunzierungsstempel aus derselben Zeit.

Ciborium, barocke Goldschmiedearbeit, Silber, vergoldet, mit Deckel 0,225 m hoch. Am Fuß in getriebener Arbeit Rosen und Lilien, zwischen diesen das Tepler Stiftswappen und das Monogramm R W A T des Abtes Raimund II. Wilfert (1688–1724). Am Fuße nur das Freigabezeichen R F, ligiert, und ein Repunzierungsstempel aus dem Anfang des XIX. Jahrh.

Kirchenglocken. Die älteren Glocken, die in der Tepler Kirchenchronik Erwähnung finden, waren in den J. 1483, 1512 und 1682 gegossen worden. Sie sind verschollen. Besondere Nachricht wird nur von einer Glocke des J. 1794 gegeben, die, 107 alte Zentner schwer, der Tepler Stadtkirche geliefert worden war. Sie trug folgende Legende:

Unter der Regierung des hw. Herrn Prälaten Raymund Hübl und des Herrn Bürgermeisters Ertl.

Meisterinschrift in einem Band unterhalb der Haube:

Mich hat gegossen Matthias de Valle in Eger.

Die Glocken der Dekanalkirche, die heute in ihrem Turme hängen, sind im J. 1886 gegossen worden. Sie haben folgende Abmessungen: Dm. 0,9 m und 0,75 m, Höhe 0,8 m und 0,7 m. An Stelle der Henkel haben die Glocken kreisrunde Platten, die am Glockenholz angeschraubt sind. Die Glockenlegenden enthalten die Widmung

in honorem S. Norberti et S. Hroznatae

und die Meisterinschrift :

Peter Hilzer, k. u. k. Hofglockengiesser in Wiener-Neustadt 1886.

Die Alte Sakristei der Pfarrkirche. Ein schon mit der alten Kirche des J. 1567 verbundener Sakristeianbau wurde im J. 1678 baufällig und mußte abgetragen werden. Von dem Neubau, der im J. 1760 mit der Abtragung der Kirche verschwand, vermittelt eine Notiz der Pfarrchronik folgendes Bild: Im j. 1678 ist die alte sakristei abgerissen und eine newe mit einem hohen gibl, 2 schönen gewölbern, schnecken, vorlauben..... a fundamentis erbauet worden. Diese Sakristei hat der Baumeister Wolfgang Steidl aus Kufstein in Tirol mit dem Steinmetz Andreas Zeidler aus Petschau erbaut. Zur inneren Ausstattung der neuen Sakristei gehörte auch ein Kapellchen, für das Thomas Ublacker, Tischler [492] Abb. 441. Tepl. Grundriß und Profil der Spitalkirche zur H. Dreifaltigkeit.

und Holzschnitzer aus Chotieschau, im J. 1684 einen kleinen Altar gebaut hat, den Caspar Ginter aus Tepl staffierte. Die Glocke im Dachreiter der Sakristei hat im J. 1685 Balthasar Platzer in Eger gegossen.

Anmerkungen (Wikisource)[Bearbeiten]