Ueber das Terpentinölhydrat

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Annalen der Physik und Chemie
Band LXIII, Heft 12, Seite 570–574
Carl Rammelsberg
Ueber das Terpentinölhydrat
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[570]
VII. Ueber das Terpentinölhydrat; von C. Rammelsberg.

Blanchet und Sell[1] haben diese Substanz zuerst untersucht, und darin gefunden:

Kohlenstoff 070,91
Wasserstoff 012,05
Sauerstoff 017,04
100.

woraus sie die Formel oder ableiteten.

Dumas und Peligot[2] erwähnten später eines krystallisirten Hydrates des Terpentinöls, dessen Zusammensetzung war:

Kohlenstoff 063,8
Wasserstoff 011,4
Sauerstoff 024,8
100.

[571] und erhielten dasselbe Resultat an Krystallen aus Basilicum- und Kardamomöl. Sie schlossen daraus, die Verbindung sey .

Wiggers[3] und Hertz[4] haben außerdem Beobachtungen über die Bildung dieser Substanz mitgetheilt, deren Zusammensetzung, nach Mitscherlich, die von Dumas und Peligot gefundene ist[5].

Ich erhielt vor längerer Zeit einige wohl ausgebildete Krystalle dieser Substanz, welche eine nähere krystallographische Bestimmung zuließen; sie hatten sich beim Aufbewahren eines officinellen Gemisches von Terpentinöl, Salzsäure, Spirit. Cochlear. und Spirit. Serpylli abgesetzt.

Da die bisherigen Analysen um 1 At. Wasser differiren, so stellte ich eine Elementaranalyse mit den schwach bräunlich gefärbten Krystallen an, welche folgendes Resultat gab:

0,462 Grm. der Substanz, mit Kupferoxyd in einem Strom von Sauerstoffgas verbrannt, lieferten 1,085 Kohlensäure =0,29591 Kohlenstoff und 0,445 Wasser =0,04899 Wasserstoff, mithin in 100 Theilen:

Kohlenstoff 064,05
Wasserstoff 010,61
Sauerstoff 025,34
100.

Diese, mit den Angaben von Dumas und Mitscherlich übereinstimmende Zusammensetzung giebt bei der Berechnung:

10 At. Kohlenstoff 0750,00 =63,17
22 - Wasserstoff 0137,28 =11,56
03 - Sauerstoff 0300,00 =25,27
1187,28 100.

[572] Da keine Reinigung der Substanz durch Umkrystallisiren vorangegangen war, um die Krystalle, auf deren Bestimmung es vorzugsweise ankam, nicht zu verlieren, so konnte das Resultat auch nicht ganz genau ausfallen.


Die Krystalle sind rhombische Prismen, zuweilen mit einer Abstumpfung der scharfen Seitenkanten; in der Endigung eine vierflächige Zuspitzung, einem Rhombenoctaëder angehörend, dessen schärfere Endkanten zuweilen durch ein auf die scharfen Seitenkanten des Prismas aufgesetztes Flächenpaar abgestumpft sind. Sie gehören mithin zum ein- und einaxigen (zwei- und zweigliedrigen) System.

Folgende Figur ist eine Ansicht des Krystalls von den Endflächen aus:

Annalen der Physik und Chemie Bd 63 1844 b 583.png
I. Durch Messung mit dem Reflexionsgoniometer fand ich die schärfere Neigung der Prismenflächen , welche die besten Bilder gaben, als Mittel von fünf Beobachtungen . Daraus folgt der stumpfe Winkel des Prismas, oder .
II. Als Mittel von sieben Messungen ergab sich die Neigung von , oder einer Prismenfläche zu der des Rhombenoctaëders .

Nehmen wir, mit Weiß, die kürzere Diagonale parallel der Axe , die längere parallel , und stellen Axe senkrecht, so folgt aus II die Neigung der Octaëderflächen zur Axe .

[573]

III. Die Neigung zweier Octaëderflächen in den schärferen Endkanten fand sich , doch waren die Bilder nicht scharf genug zu einer genauen Beobachtung.

Die Flächen und habe ich nur an einigen Krystallen beobachtet, die ich nicht messen konnte.

Mittelst der bekannten Formeln für das zwei- und zweigliedrige System berechnen sich aus I und II folgende Winkelgrößen[WS 6]:

in den schärferen Endkanten .
in den stumpferen Endkanten .
in den Seitenkanten .
.
Die schärferen Endkanten oder deren Abstumpfungsflächen in den Seitenkanten des Rhombenoctaëders .
Dieselben in den Endkanten .
Dieselben: Axe .
Dieselben: Axe .
Die stumpferen Endkanten in den Seitenkanten des Rhombenoctaëders .
Dieselben: Axe .
Dieselben in den Endecken .
Dieselben: Axe .
jenseits der Axe .
.
.

Berechnet man das Axenverhältniß, so ist die Axe die Tangente des halben scharfen Winkels des Prismas, d. h. von , während Axe die Tangente des Neigungswinkels der schärferen Endkanten: , d. h. von ist; daraus folgt:

und:

[574]

.

Also:

.
  1. Annalen der Pharm. Bd. 6, S. 267.[WS 1]
  2. Annal. Chim. Phys. T. LVII p. 334.[WS 2]
  3. Annalen der Pharmacie, Bd. 33 S. 358.[WS 3]
  4. Poggendorff’s Annalen, Bd. 44 S. 190.[WS 4]
  5. Lehrbuch der Chemie, 4. Aufl. I, 426.[WS 5]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Blanchet, Sell: Ueber die Zusammensetzung einiger organischer Substanzen, in: Annalen der Pharmacie. Band 6 (1833), Seite 259 Quellen
  2. J. Dumas, E. Péligot: Sur un Hydrate d’Essence de Térébenthine. In: Annales de chimie et de physique. Bd. 57 (1834), S. 334 Gallica
  3. A. Wiggers: Ueber die krystallisirte Substanz aus dem Terpentinöl, in: Annalen der Chemie und Pharmacie. Band 33 (1840), Seite 358 Quellen
  4. J. Hertz: Bereitung des Terpenthinölhydrats und einer noch näher zu bestimmenden, aus dem Terpenthinöle ausgeschiedenen Substanz. In: Annalen der Physik. Band 44, Joh. Ambr. Barth, Leipzig 1813, S. 190 Quellen
  5. E. Mitscherlich: Lehrbuch der Chemie. 1. Band: Die Metalloïde. Berlin 1844 Internet Archive
  6. Vorlage: Winkelgsößen