Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen/Christian Gottlob Heyne

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Textdaten
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Autor: Ludwig Bechstein
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Titel: Christian Gottlob Heyne
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aus: Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen, S. 181–182
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Georg Wigand's Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
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Christian gottlob heyne.jpg


Christian Gottlob Heyne.
Geb. d. 25. Sept. 1729, gest. d. 14. Juli 1812.


Ein Mann aus dem Volke, hindurchgerungen und hindurchgedrungen durch mißliche und drangvolle Lebensverhältnisse zur geistigen Hoheit, zum Priesterthum der edelsten Classicität.

Ein armer Leineweber war der Vater, Chemnitz Heyne’s Geburtsort; das väterliche Handwerk zu erlernen, war des Knaben Aussicht auf seine Zukunft, doch der Pfarrer Seidel, sein Pathe, erkannte des Knaben nicht gewöhnliche Begabung, nahm sich seiner an und ließ ihn die Schule länger besuchen. Aus der Neigung zum Sprachstudium entwickelte sich mehr und mehr Talent; Heyne war ein geborener Philolog. Im Jahre 1748 verließ er die Schule seiner Vaterstadt, indem er ihr in einer eigenen, metrischen, lateinischen Abschiedrede Lebewohl sagte. Er bezog die Hochschule Leipzig; am Viaticum dorthin trug er nicht schwer, es bestand in zwei Gulden. Christ, Ernesti, Bach waren vorzugsweise Heyne’s Lehrer, der letztere bewog ihn sich der Rechtskunde als Brotstudium zuzuwenden, obschon das trockene Jus dem Nektar der klassischen Alterthumskunde gleicht, wie die harte Brotrinde dem Falerner.

Im Jahre 1752 promovirte Heyne als Doctor juris und trat nun, da es einmal nicht anders sein konnte, als Gehülfe in eine juristische Expedition, als ein Mittelglied zwischen dem, was man jetzt Expedient und Auscultator nennt. Da diese Stellung nicht auszuhalten war, wurde Heyne Hauslehrer. Aus diesen beiden Purgatorien schwang sich endlich doch der höher strebende Geist auf eine Himmelsstufe, wenn auch vorläufig nur auf eine niedere, er wurde 1753 Copist bei der gräflich Brühlschen Bibliothek in Dresden, und bezog ein Gehalt von 100 Thalern. Damit war das Leben nicht zu fristen, der arme Copist mußte durch Uebersetzen noch nebenbei etwas verdienen; er übersetzte aus dem französischen und aus dem griechischen. Letzteres „war ihm zum Heil, es riß ihn nach oben“ – wie der Strudel der Tiefe den Schillerschen Taucher. Der hellenische Geist hauchte ihn mit olympischem Odem an.

Heyne gab 1755 den Tibull heraus, das Jahr darauf den Epiktet, welche der Kenner ungetheilten Beifall gewannen. Da hemmte den jugendlichen [Ξ] Ausschwung wieder der siebenjährige Krieg, der, wie jeder Krieg, Künste und Wissenschaften in Bande schlug, und Heyne gerieth aufs neue in drangvolle und kummervolle Lagen des Lebens. Henne mußte noch einmal Hofmeister werden; er ward es auf Rabeners Empfehlung bei dem späteren Präsidenten von Broitzem im Jahre 1757. Seine Nebenstunden füllte er nun mit der Bearbeitung seiner Acta publica aus, welche in 5 Bänden von 1757 bis 1760 erschienen.

Im Jahre 1750 begleitete Henne den jungen von Broitzem, seinen Zögling, auf die Hochschule zu Wittenberg, und stand, als sein Erziehungsgeschäft beendet war, abermals hülflos da, denn der Krieg verschloß ihm die Pforten fernerer Thätigkeit. Endlich zerrissen die Wolkenschleier, und die Sonne seines Glückes, seines Ruhmes strahlte den trefflichen Gelehrten dauernd und lange an. Im Februar 1763 wurde Heyne nach Göttingen als Professor der Beredsamkeit berufen, erlangte bald nach seiner Anstellung die erste Stelle an der dortigen Bibliothek, wurde bleibender Secretair der Göttinger Societät der Wissenschaften, Hofrath und geheimer Justizrath.

Zahlreich wurden Heyne’s Vorlesungen besucht, sie bildeten einen strahlenden Mittelpunkt im Ruhmeskranze der Georgia Augusta. Philologie und klassisches Alterthum lehrte Heyne mit bewunderungswerthem geistigem erfassen und durchdringen, nicht im Styl pedantischer Gelehrtenzopfthümler, die auch noch heute nicht über den Geschichtstabellenkram, die Jota- und Kommagrübelei und das Feld von Troja hinauskommen. Heyne stand wie ein Priester des Alterthums an reinen Altären und indem er das philologische Seminar leitete, bildete er Lehrer für ganz Deutschland aus, von denen viele, ihm treulich nachstrebend und nacheifernd, den Kern der Klassicität sich gewannen, und die Schale den traurigen Epigonen nachließen. Heyne gab wiederholt den Virgil heraus, und arbeitete 18 Jahre an einer Ausgabe des Homer, deren Vollendung er nicht erlebte. Alle seine zahlreichen akademischen und sonstigen Schriften sind ebensoviele Zeugnisse seines glänzenden Geistes, seiner allumfassenden Kenntnisse und der Gediegenheit seines Wissens. Ein Schlagfluß endete das Leben des thätigen, 82jährigen Greises, dessen Ruhm dauernd begründet bleibt.