Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen/Georg Rollenhagen

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Textdaten
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Autor: Ludwig Bechstein
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Titel: Georg Rollenhagen
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aus: Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen, S. 311–312
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Georg Wigand's Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
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Georg Rollenhagen.
Geb. d. 22. April 1542, gest. d. 18. Mai 1609.


Ein origineller Geist, ein ächtes Kind seiner Zeit, als Dichter des »Froschmäuseler« beliebt und anerkannt, bisweilen sogar überschätzt, und dann wieder von vielen unverdient mißachtet oder vergessen.

Rollenhagen’s Geburtsort war Bernau, ein Städtchen in der Mark Brandenburg, wo sein Vater, den er früh verlor, Tuchmacher, Brauer und Oekonom war. Der Großvater erzog und adoptirte den fähigen Knaben, und ließ ihn die Schule zu Prenzlau besuchen. Von da wollte er 1558 auf jene zu Magdeburg abgehen; die Reise führte ihn nach Mansfeld, wo der Kanzler Dr. Georg Müller ihn kennen lernte, und zum Lehrer seiner Kinder annahm. Später ging er doch noch nach Magdeburg, besuchte die dortige Schule und nahm abermals eine Hofmeisterstelle bei den Söhnen eines angesehenen Mannes zu Halberstadt an, welche in Magdeburg ihren Unterricht genossen, dann bezog er mit letzteren die Hochschule Wittenberg und hatte da Glück, schon 1563 zum Rektor der Schule zu Halberstadt ernannt zu werden, wo er zugleich die Stelle eines Predigers mit versah und sich kirchlichen Geschäften widmete. Dieses geistliche und Schulamt hielt ihn nicht ab, den Eingebungen seiner von Natur heitern Muse zu folgen, und gar manches zu schreiben, was mit dem rigorosen Ernst, den man besonders zu seiner Zeit von den Männern der Schule und Kirche forderte, nicht in allzugroßem Einklang stand. Er war aber nun einmal ein Mann aufgeweckten und munteren Temperamentes, und daher jedenfalls ebenso liebenswürdig als beliebt.

Rollenhagen schrieb Gedichte und Lustspiele, und später noch viel anderes, womit er seine Umgebung erheiterte, obschon ihm das eigene Leben vielfach durch Kranksein verbittert wurde. Im Jahre 1567 verließ er seine Stellen zu Halberstadt und begab sich wieder nach Wittenberg, wo er Magister wurde. Von da aus machte Rollenhagen eine Reise nach Braunschweig und Goßlar, knüpfte angenehme Bekanntschaften an, und begab sich wieder nach Wittenberg zurück. Dort war es, wo die erste Anregung zum Froschmäuseler in der Seele des jungen Dichters entstand. Rollenhagen wohnte als Zuhörer den Vorlesungen des Professor Dr. Veit Ortel von Weinsheim bei, welcher [Ξ] Homer’s Batrachomhomachie erklärte, und ganz erfüllt von seinem Gegenstand äußerte, es könne der unvergleichliche Stoff in so unvergleichlicher Lieblichkeit der Bilder und des sprachlichen Ausdrucks in keiner Sprache der Welt wiedergegeben werden, und wenn sich alle Poeten derselben zusammensetzten. Dieß bewog mehrere Zuhörer, zu versuchen, das homerische Gedicht in die lateinische, französische und deutsche Sprache zu übersetzen, und den letzteren Versuch machte Rollenhagen. Professor von Weinsheim freute sich darüber, schlug aber vor, die homerischen Gedanken und Andeutungen noch weiter auszuspinnen, und so entstand denn, leider etwas mehr als weit ausgesponnen, »Der Frösch und Mäuse wunderbare Hofhaltunge«, welche sich als etwas neues, seit Reinecke Fuchs, als dessen Seitenstück der Froschmäuseler zu betrachten, nicht dagewesenes, schnell Bahn brach und in vielen aufeinander folgenden Auflagen das lesende Publikum entzückte. In Reimpaaren und in ächt Hans Sachsischer Weise bewegt sich das humoristisch-satyrisch-didaktische Thierepos durch drei starke Bücher, in denen die Anmuth und der Reiz der Schilderungen nur häufig durch allzugroße Längen abgeschwächt wird, außerdem konnte das Gedicht alein satyrischer Spiegel aller und jeder Zeit und den in ihnen vorkommenden Schwankungen der Vorliebe für die eine oder die andere Regierungsform dienen. Selbst Nachahmungen fand auch Rollenhagen’s Froschmäuseler – Nachahmungen, die sich so recht als Iliaden Post Homerum kund gaben.

Von Wittenberg kam Rollenhagen 1567 nach Magdeburg, wurde Prorektor der dortigen Domschule und erhielt 1575 auch eine Predigerstelle am Stift St. Sebastian, die er später mit einer gleichen am Stift St. Nicolai vertauschte. Er bewahrte sich, trotz eines siechen Körpers, seine natürliche Heiterkeit, vereint mit einem frommen und gläubigen Sinn, verfaßte mehrere Schulschriften, und lateinische Gedichte, welche letztere erst sein Sohn herausgab. Er ließ nur eine Predigt drucken, und sühnte dadurch die ermüdenden Längen in seiner Volksepopoe, schrieb auch noch: Wahrhafte Lügen von geist- und natürlichen Dingen, die durch seinen Sohn Gabriel für den Druck besorgt wurden, und »Vier Bücher wunderbarlicher unerhörter und unglaublicher indianischer Reisen Alexandri Magni, Plinii Secundi, Luciani Oratoris und S. Brandani durch die Luft, Wasser, Land, Hölle, Paradieß und Himmel«, in welchem Buche namentlich die Reisen Brandan’s nicht ohne poetischen Schmuck sind.

Dabei war Rollenhagen ein treueifriger Schulmann, wurde 1575 Rektor in Magdeburg und begleitete dieses Amt vier und dreißig Jahre lang, wie er denn bei seinem, im sieben und sechzigsten Lebensjahre erfolgenden, zuletzt oft ersehnten Ableben zwei und vierzig Jahre lang der Schule zu Magdeburg gedient und mehrfache Rufe nach auswärts ausgeschlagen hatte. Er war zweimal verheirathet und hatte zwölf Kinder.