Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen/Johann Joachim Spalding

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Textdaten
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Autor: Ludwig Bechstein
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Titel: Johann Joachim Spalding
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aus: Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen, S. 353–354
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Georg Wigand's Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
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Johann joachim spalding.jpg


Johann Joachim Spalding.
Geb. d. 1. Nov. 1714, gest. d. 26. Mai 1804.


Ein Religionslehrer, wie er sein soll, voll gründlichen theologischen wissens, voll Innigkeit und von ächt christlicher Gemüths- und Gefühlswärme durchdrungen, den seine Zeitgenossen bewunderten und verehrten, und den die späte Nachwelt noch durch dankbare Erinnerung feiert.

Johann Joachim Spalding wurde zu Triebsees in Schwedisch-Pommern geboren, wo sein Vater Schulrektor und später Prediger war, der auch die erste Erziehung dieses Sohnes und eines Bruders desselben naturgemäß leitete, und nebst seinem Nachfolger im Schulamte, beiden Knaben die Lehren der Bibel und des Christenthums in sanfter aber auch ernster Weise einprägte. Beide Brüder besuchten später die Schule zu Stralsund und die Hochschule Rostock, wo sie Theologie studirten, ohne eben bedeutsame Anregung zu empfangen. Dann trennten sich die Brüder, und Johann Joachim, der jüngere, nahm 1734 eine Hauslehrerstelle in Greifswalde an, wo sich ihm Gelegenheit bot, seine Studien weiter und besser fortsetzen zu können. Spalding unterrichtete zu Greifswalde die Söhne eine Professors, Namens Schwarz, erfreute sich der Benutzung der Bibliothek dieses Gelehrten, befreundete sich mit einem geistvollen Magister, Namens Ahlwardt, und sah sich durch Studium wie durch Umgang ungleich mehr und besser, als zu Rostock, gefördert. Nach anderthalbjährigem Aufenthalt zu Greifswalde disputirte er noch dort, kehrte dann auf eine Zeitlang in das väterliche Haus zurück, übte sich im Predigen, schrieb einige Abhandlungen und nahm im Jahre 1737 abermals eine Informatorstelle auf dem Lande an, behielt sie bis 1740 und kehrte dann wieder nach seinem Geburtsort zurück, um seinen Vater im Amte zu unterstützen. So verfloß ihm die Jugendzeit ziemlich ereignißlos, und sein Leben ward nicht durch ungewöhnliches bewegt; er aber bildete sich im stillen fort, lernte englisch, und wurde 1742 Hofmeister eines jungen Adligen, von Wolfradt, den er 1745 auf die Hochschule Halle begleitete. Auf der Reise dorthin wurde zu Berlin die Bekanntschaft des schwedischen Gesandten, Herrn von Rudenstiold, gemacht, welche für Spalding bald von Wichtigkeit wurde, denn er nahm noch in [Ξ] demselben Jahre die Stellung eines Secretairs bei dem Gesandten an, und blieb in derselben einige Jahre. In dieser Zeit lernte Spalding Gleim und Kleist kennen, schloß Freundschaft mit dem Hofprediger Sack, und benutzte seine Mußestunden zu literarischen Arbeiten, meist Übersetzungen aus dem französischen und englischen, und behielt trotz der veränderten Laufbahn seinen wahren innern Beruf und den Wunsch nach einer Predigerstelle fest im Auge. Im Frühling 1747 ging Spalding noch einmal zur Unterstützung seines kränkelnden Vaters in die Heimath zurück, und wurde 1749 Pfarrer zu Lassahn in Schwedisch-Pommern. Dort begann nun seine segensreiche Laufbahn als Kanzelredner und Religionslehrer und neben häuslichem Wohlbefinden in glücklicher Ehe das innere Glück, das treue Uebung eines selbsterwählten Berufes gewährt. Im Jahr 1757 erfolgte eine Versetzung nach Barth, wo Spalding erster Prediger und Probst der dort abgehaltenen Synode wurde. Das häusliche Glück Spalding’s zertrümmerte leider der im Jahre 1762 erfolgte Tod seiner zärtlich geliebten Gattin, doch traten im Frühling des folgenden Jahres zerstreuend und anregend die befreundeten Schweizer Johann Kaspar Lavater, Heinrich Füßly, und Felir Heß aus Zürich in Spalding’s verödetes Haus, wo sie herzliche gastliche Aufnahme fanden.

Das Jahr 1767 brächte Spalding den Ruf nach Berlin als Oberkonsistorialrath, Probst und Pastor Primarius an der Nikolaikirche, an welcher er nun, zum zweiten male glücklich vermählt, lange eine segensreiche Wirksamkeit übte, die sich auch auf Verbesserung des Zustandes der Gymnasien erstreckte, und nach manch anderer Richtung hin zu wichtiger Amtsthätigkeit führte, mit der sein Wirken als Kanzelredner und theologischer Schriftsteller fortdauernd Hand in Hand ging. Er verfaßte zahlreiche Schriften, gab wiederholt Predigten heraus, nahm Theil an der Verbesserung des Gesangbuches und der Liturgie, und war der gelobteste, gefeiertste Prediger Berlins, indem er voll einfacher Anmuth der Rede, voll Wohllaut der Sprache, voll Verständlichkeit seines zu Herzen dringenden Ausdrucks alle Hörer gewann und fesselte, und sie mit sanfter Wärme zu dem erkennen der erhabenen Wahrheiten der christlichen Religion hinleitete, sie zu heben, ja zu begeistern verstand, was von vielen, die ihm nachfolgten und ihn sich zum Muster nahmen, wohl im gleichen Grade später nur der Bischof Dräseke wieder erreichte. Spalding hatte das Unglück, auch die zweite, geliebte Gattin zu verlieren, und das Glück, in einer dritten Ehe, die er 1775 schloß, abermals eine liebevoll teilnehmende und sorglich um ihn bemühte Lebensgefährtin zu finden.

Als König Friedrich II. gestorben war, und unter dessen Nachfolger das berüchtigte Wöllner’sche Religionsedikt erschien, legte Spalding seine Propststelle und die mit derselben vielfach verbundenen Geschäfte nieder, zumal sich auch allmählig eine Abnahme seiner Kräfte einstellte, welche sich nach und nach mehrte, doch blieben ihm manche Freuden des Lebens noch vergönnt, bis ein sanfter Tod ihn aus dieser Zeitlichkeit abrief. Alle Zeitgenossen, die ihn persönlich gekannt, vereinigten sich in Spalding’s anerkennendem Lobe der Erfüllung seines Berufes als Geistlicher im ächtesten, höchsten Sinne dieses Wortes, seiner lautern, überzeugungvollen Beredsamkeit, seiner ungeheuchelten Gottesfurcht, wie auch seiner unerschrockenen Freimüthigkeit. Ebenso ließen alle Einsichtvollen Spalding’s Schriften die vollste Gerechtigkeit widerfahren. Er leuchtete seiner Zeit vor als ein Muster correcten Styls und Ausdrucks, weil er sich selbst durch vieles lesen gediegener Schriften ausgebildet hatte. Das geistige Princip, das durch alle weht, ist Wahrheit und Schönheit.