ADB:Altdorfer, Johann Jacob

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Artikel „Altdorfer, Johann Jacob“ von Rochus von Liliencron in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 359, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Altdorfer,_Johann_Jacob&oldid=- (Version vom 19. August 2019, 23:18 Uhr UTC)
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Altdorfer: Johann Jacob A., Schulmann und Prediger, zu Schaffhausen, wo sein Vater Wundarzt war, im März 1741 geboren, † daselbst 30. Mai 1804. Er studirte zu Basel und reiste darauf als Informator mit seinem Zögling von 1768–71 in Deutschland; 1769–70 hielten sie sich in Göttingen auf und er trat dort namentlich Schlözern näher. 1772 ward er in seiner Heimath Pfarrer zu Buch, 1776 Professor der Philosophie am Colleg zu Schaffhausen, 1778 Lehrer und 1782 Rector an der Lateinschule; später auch Professor der Theologie und Examinator. Zugleich predigte er am Münster. Schon als Jüngling mit Lavater befreundet, stand er auch zu Gleim, Jerusalem, Ebert, der Karschin u. A. in persönlichen und brieflichen Beziehungen. Als Theologe hing er einer freisinnigen, mehr der Innigkeit des religiösen Gefühls als den Dogmen zugewandten Richtung an. Als Pädagoge reformirte er seine Schule im Geiste der Zeit, indem er den Kreis der Lehrgegenstände über den streng humanistischen Stoff hinaus erweiterte und die Methode statt einseitiger Gedächtnißbildung mehr auf Entwickelung des Verstandes richtete. Unter den Schriftstellern waren Klopstock, Richardson in der Clarissa, Gellert, Lessing und Herder seine Lieblinge. – Seine Briefe zeigen einen stark empfindsamen Ton. Seine Gedichte sind außer einer Idylle im Gesner’schen Stil, durchweg in gereimten jambischen Versen verfaßt; nur der Strophenbau verräth manchmal die Schule der Oden. Der Inhalt zeigt nicht sowol eine edle als eine biedere Persönlichkeit, ist mehr empfindungsvoll als schwungvoll und auch im Schwunge verläugnet sich die im Grunde nüchterne Verständigkeit nicht. Das meiste davon ist im besseren Sinne Gelegenheitspoesie; A. dichtet nur, wenn ein Begegniß ihn besonders anregt. Wohlthuend berührt wird man von dem kräftigen Ausdruck der Vaterlands- und Freiheitsliebe. Auf das bekannte Gedicht der Karschin, in welchem sie Zimmermann’s zitterndes und verstummendes Staunen beim Anblick Friedrichs des Großen schildert, antwortet er mit einer Verwahrung des freien „Helvetiers“ gegen solche vergötternde Empfindungsweise. Mit warmer Begeisterung dagegen besingt er Kaiser Joseph II. bei dessen Aufenthalt in Schaffhausen: Freiwilliges Lob töne aus freigeborenen Seelen auch dem Herrscher, „wenn Menschlichkeit und Vaterliebe seiner Völker ihn beseelen“. – Die Freiheit der Franzosen aber erscheint ihm schon 1793 als eine „Aftergöttin mit dem Taumelbecher Anarchie“. Erst nach seinem Tode wurden seine bescheiden zurückgehaltenen Schriften von seinem Vetter Joh. Jac. Altdorfer in 2 Bänden veröffentlicht (Winterthur 1806), deren erster nebst einer Biographie Gedichte und prosaische Aufsätze, der zweite Predigten enthält.