ADB:Bendemann, Eduard

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Artikel „Bendemann, Eduard“ von Eduard Daelen in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 46 (1902), S. 348–350, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bendemann,_Eduard&oldid=1689013 (Version vom 4. September 2015, 10:48 Uhr UTC)
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Bendemann: Eduard B., Dr. h. c., Porträt- und Historienmaler, wurde zu Berlin am 3. December 1811 als Sohn eines Bankiers geboren und zeigte schon in der Kindheit eine große malerische Begabung, die über seine Bestimmung keinen Zweifel ließ. Nach einer sorgfältigen Erziehung machte er seine ersten künstlerischen Studien unter Leitung des mit seiner Schwester verheiratheten Julius Hübner, ging dann, kaum sechszehn Jahre alt, nach Düsseldorf und machte dort an der Kunstakademie unter W. v. Schadow sehr schnelle Fortschritte, wovon verschiedene Arbeiten, z. B. das vorzügliche Porträt seiner Großmutter (1828) und die Composition „Boas und Ruth“ (1830), das beste Zeugniß ablegten. Alle Welt aber setzte er in Erstaunen, als er nach fünfjährigem Studium schon, 1832, ein Meisterwerk zur Ausstellung brachte, das mit einem Schlage seinen Künstlerruf begründete: „Die trauernden Juden im Exil“, angeregt durch die Bibel (Psalm 139) sowie durch das damals zur Aufführung gelangte Drama von Fr. v. Uechtritz „Die Babylonier in Jerusalem“, das mit der Klage des Jeremias und der Wegführung der Juden in die babylonische Gefangenschaft endete:

Wein’ über die, die weinen fern in Babel.
Ihr Tempel brach, ihr Land ward ach! zu Fabel!
Wein’! es erstarb der heilgen Harfe Ton,
Im Haus Jehovas haust der Spötter Hohn.

Das Bild ist Eigenthum des Städtischen Museums in Köln und durch den Stich von Ruscheweyh sowie durch gute Lithographien viel verbreitet und allgemein bekannt geworden. Es muß als eine Schöpfung der älteren Düsseldorfer Schule und für diese als ganz besonders bezeichnend betrachtet werden. So trug es denn auch dem jungen Meister reiche Lorbeeren ein und machte in [349] kurzem seinen Namen zu einem der gefeiertsten und populärsten der ganzen Schule. Von übereifrigen Lobrednern wurde er sogar mit „Michelangelos Größe“ zusammengestellt; aber diese Uebertreibung hat schon ein Zeitgenosse, Wolfgang Müller von Königswinter, gebührend zurückgewiesen, indem er berechtigter Weise die Bedeutung Bendemann’s auf die eines „Idyllenmalers des alten Testaments“ beschränkt, „in welchem die stillen, häuslichen Eigenschaften des jüdischen Familenlebens, ihre Trauer im Exil, ihre Freude bei der Erndte, ihre heimlichen Liebesscenen einen berdten und unübertrfflichen Interpreten gefunden haben“.

Im nächsten Jahre entstand ein zweites größeres Bild „Zwei Mädchen am Brunnen“ und diesem folgten die „Töchter des Serbenfürsten“ (1834), die „Erndte“ und „Hirt und Hirtin“. Bedeutendes Aufsehen erregte wieder, auch auf der Pariser Ausstellung 1837, das Colossalgemälde „Jeremias auf den Trümmern von Jerusalem“ (1834), das durch mehrfache Reproductionen nicht minder populär wurde, wie „Die trauernden Juden“. Das Original erwarb König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. Im J. 1838 folgte B. einem Ruf als Lehrer an der Kunstakademie in Dresden, wobei er zugleich den Auftrag erhielt, zwei Säle des Königlichen Schlosses, den Thronsaal sowie den Ball- und Concertsaal, mit Wandgemälden zu schmücken. Nachdem er sich durch einen längeren Aufenthalt in Italien (1841) zum eingehenden Studium der Monumentalmalerei für die Lösung dieser bedeutenden Aufgabe wohl vorbereitet hatte, führte er auf den ihm zur Verfügung gestellten großen Wandflächen die Fresken aus, welche im ersten Saal hauptsächlich Scenen aus dem Leben Kaiser Heinrich I., des Städteerbauers, und im zweiten Saal das Leben der Griechen in ihren Festen und Spielen zur Anschauung bringen. Ferner entstanden in dieser Zeit noch mehrere Oelbilder, so der „Kaiser Lothar II.“ für den Römer zu Frankfurt, die „Nausikaa“ für König Friedrich Wilhelm IV., „Odysseus und Penelope“ im Museum zu Kassel.

Im J. 1859 wurde B. als Director der Kunstakademie nach Düsseldorf berufen und bekleidete dieses Amt bis 1867, in welchem Jahre er es aus Gesundheitsrücksichten niederlegte. Auch hier wieder nahmen eine Reihe monumentaler Aufgaben seine Thätigkeit in Anspruch: „Kain und abel“ für den Schwurgerichtssaal zu Naumburg a. S., der Fries für die Aula der Realschule zu Düsseldorf und die Decoration des ersten Corneliussaales in der Berliner Nationalgalerie. An Oelbildern aus dieser Zeit sind eine „Penelope“ und vor allem die große Composition „Wegführung der Juden in die babylonische Gefangenschaft“ (1872), Eigenthum der Berliner Nationalgalerie, zu nennen. Außerdem malte B. eine große Anzahl vorzüglicher Porträts, unter denen namentlich ein Bildniß seiner Frau, einer Tochter Gottfr. v. Schadow’s , mit der er sich 1838 vermählte, hervorzuheben ist. So ist B. in der fülle seiner Schöpfungen als einer der productivsten Künstler zu betrachten; doch ding auch sein Schaffen mehr in die Breite wie in die Tiefe. Seine Begabung lag hauptsächlich auf dem Felde der Elegie und des Idylls, während die höhere Gattung des packend Dramatischen, des grandios Erhabenen selbst seinem ernstesten Streben und Ringen versagt blieb. Dazu fehlte ihm durchaus der dämonische Charakterzug des Genies, das vor dem qualvoll gewaltigen Kampfe der Urelemente, vor dem Toben wildbewegter Leidenschaften und brutaler Kräfte nicht zurückbebt, sondern mit überlegener selbstherrlicher Kraft hier seine Befreiung und damit die höchsten Triumphe feiert. Mit glücklicherem Erfolge durften nach diesem Lorbeer ein Michelangelo, sowie auch ein Cornelius und ein Rethel ringen.

Mit seiner so gearteten Beanlagung, seinem glänzenden Talente hängt es aufs innigste zusammen, daß B. ein besonders tüchtiger Lehrmeister war und in dieser Bethätigung einen bedeutenden Theil seiner Lebensaufgabe mit glücklichstem [350] Erfolge erfüllt hat; während dagegen die größten Künstler in der Regel an solchem Platze nicht nur sich als unbrauchbar erweisen, sondern obendrein für die Erziehung zum Künstlerberuf gefährlich und leicht auch verderblich wirken können. B. aber hatte die Freude, auf diesem Gebiete seiner Thätigkeit, namentlich als Leiter der Düsseldorfer Kunstakademie, die schönsten Früchte reifen zu sehen. Vor allem war es sein Schüler Peter Janssen, den er mit weisem Rath seiner Bestimmung zugeführt hat, um in der Monumentalmalerei das vollendet zu erreichen, was der Meister erstrebte. Mit hervorragender Kunstfertigkeit stellte B. eine große Anzahl Cartons her, darunter die zu Nathan dem Weisen; außerdem viele treffliche Illustrationen und Aquarellbilder. Er starb in Düsseldorf am 27. December 1889.

Eduard Daelen.