ADB:Bernhard I. (Herzog in Sachsen)

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Artikel „Bernhard I., Herzog von Sachsen“ von Ernst Steindorff in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 433–435, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bernhard_I._(Herzog_in_Sachsen)&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 09:41 Uhr UTC)
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Bernhard I., Herzog von Sachsen, 973–1011, Sohn des am 27. März 973 verstorbenen Herzogs Hermann, der die Reihe der Sachsenherzöge aus dem billungischen Hause eröffnet. Die fast vierzigjährige Regierung Bernhards stand schon bei Zeitgenossen in gutem Rufe; es gingen bei ihm umsichtige Sorge für das eigene fürstliche Interesse und hingebende Thätigkeit im Reichsdienst harmonisch Hand in Hand. Als Kaiser Otto II. im Jahre 974 gegen die Dänen ins Feld zog, um die deutschen Grenzbefestigungen, deren jene sich bemächtigt hatten, wieder zu erobern, begleitete ihn der Herzog B., und vor allem seinen Rathschlägen wird es zugeschrieben, daß der Kaiser zum Ziele kam. Im Jahre 983 sollte in Folge der schweren Niederlage, welche Otto II. das Jahr vorher durch Griechen und Saracenen in Unter-Italien erlitten hatte, ein allgemeiner Fürstentag in Verona gehalten werden: auch Herzog B. hatte sich bereits auf den Weg gemacht, kehrte aber um, weil er die Nachricht erhielt, daß die Dänen wieder im Lande seien, eine seiner Grenzfesten überfallen, die Besatzung erschlagen und den Ort selbst niedergebrannt hätten. In den Thronstreitigkeiten, welche nach dem Tode Otto’s II. († 7. December 983) ausbrachen, stand Herzog B. von Anfang an und entschieden auf der Seite Otto’s III.: er trug wesentlich dazu bei, daß der Versuch des ehrgeizigen Herzogs Heinrich II. von Baiern, dem rechtmäßigen Erben die Krone zu entreißen, wie überhaupt, so zunächst in Sachsen, dem Stammlande der Dynastie, scheiterte. Auf der festlichen Versammlung, welche Otto III. bald nach dem Siege seiner Sache (Ostern 985) in Quedlinburg um sich sah, leisteten ihm Herzog Heinrich und Herzog B. einträchtig Hofdienste, jener als Truchseß, dieser als Marschall. Auch später bei einer ähnlichen Gelegenheit, als der ganze Hof, König Otto III. und die Kaiserin Adelheid an der Spitze, am 16. October 992 in Halberstadt der feierlichen Einweihung der Domkirche zu St. Stephan beiwohnten, fehlte Herzog B. nicht, wie er denn überhaupt, nach den ziemlich zahlreichen Urkunden Otto’s III., in denen er als Fürsprecher genannt wird, zu urtheilen, häufig am Hofe verweilte und [434] gern zu Rathe gezogen wurde. Im Jahre 994 rief den Herzog der Umstand, daß bei Stade nordische Seeräuber erschienen waren und die ihm verschwägerten Grafen von Stade hart bedrängten, wieder zu den Waffen. Nachdem ein Versuch, den Piraten ihre Beute an vornehmen Gefangenen durch Lösegeld zu entreißen, nur theilweise geglückt war, rückte B. mit einer Heerschaar heran und trieb den Feind zu Paaren; keiner von denen, die bei Stade gelandet waren, entkam. So erzählt Adam von Bremen; an anderer Stelle preist er B. als Wendensieger, und das bestätigt Helmold in seiner Wendenchronik auf eigenthümliche Art, indem er sagt, daß in der Zeit nach Otto dem Großen, da die deutsche Macht über die Slaven fast allgemein zurückging, Herzog B. der einzige gewesen sei, der wenigstens noch einen Schatten von Herrschaft aufrecht erhalten habe, aus Furcht vor ihm hätten die Wenden nicht gewagt vom Christenthum abzufallen oder sich mit den Waffen in der Hand zu empören. Dieses Lob mag für die späteren Jahre Bernhards begründet sein, aber auf das erste Jahrzehnt seiner Regierung bezogen, paßt es nicht, da der große Wendenaufstand von 983 in seiner verheerenden Wirkung sich unzweifelhaft auch auf das eigenste Gebiet des Herzogs, bis nach Hamburg hin erstreckt hat. Kein Wunder daher, wenn seine Herrschaft das Volk schwer belastete, ihm Dienste auferlegte, welche der nicht ganz unparteiische Adam von Bremen später wenig schmeichelhaft als Räuberei bezeichnet. – Während der letzten Jahre Otto’s III. wurde Deutschland eine Zeit lang durch die Aebtissin Mathilde von Quedlinburg, eine Tante des Kaisers, als Reichsverweserin regiert; Herzog B. zeigte sich auch ihr ergeben. Am 23. Januar 1002 wurde durch den Tod Otto’s III. der Thron wieder erledigt, und es folgten nun jene inneren Kämpfe, welche mit der Erhebung Heinrichs II. endeten. Herzog B. begünstigte anfangs seinen Schwager, den Markgrafen Eckehard von Meißen, indessen nachdem dieser am 30. April 1002 ermordet worden war, wandte er sich ohne Zaudern Heinrich II. zu und stand bei dem merkwürdigen Acte von Merseburg, durch den Heinrich am 24. Juli 1002 die Königsherrschaft über Sachsen überhaupt zuerst erwarb, weitaus im Vordergrund. Denn er war es, der im Namen aller Sachsen dem König ihre Wünsche, Bedürfnisse und Rechte auseinandersetzte, um von ihm Zusicherungen hinsichtlich des bestehenden Rechtszustandes zu erwirken. Da Heinrich befriedigend antwortete, ergriff Herzog B. die heilige Lanze und übergab unter diesem Symbol dem Könige die Herrschaft. Die weiteren Beziehungen zwischen Herzog B. und Kaiser Heinrich II. entsprachen diesem viel verheißenden Anfang: sie zeugen von Hingebung auf der einen, von Vertrauen auf der andern Seite. Dem Tage von Merseburg folgte in Paderborn am 10. August die Krönung von Heinrichs Gemahlin Kunigunde. Die Festfreude wurde aber gestört, weil das bairische und das sächsische Gefolge des Königs mit einander in Streit geriethen; die Sache drohte schon eine sehr blutige Wendung zu nehmen, als Herzog B. sich ins Mittel legte und durch bewaffnetes Einschreiten die Ordnung wiederherstellte. Ferner vermittelte Herzog B. zusammen mit Erzbischof Tagino von Magdeburg zu Anfang des Jahres 1004 zwischen dem Könige und dem aufständischen, aber reuigen Markgrafen Heinrich (von Babenberg). Im Juli des folgenden Jahre 1005 findet man Herzog B. auf einer großen Synode, die unter dem Vorsitz des Königs zu Dortmund tagte; einer geistlichen Genossenschaft, einer sogenannten Meßverbrüderung, welche auf eben dieser Synode unter den vornehmsten Gliedern des Reiches geschlossen wurde, trat er ausdrücklich bei. Noch erlebte Herzog B., daß die Feindseligkeiten, welche schon einmal zwischen Heinrich II. und Herzog Boleslav von Polen bestanden hatten, aber durch einen Friedensschluß im Jahre 1005 beigelegt zu sein schienen, wieder ausbrachen und von Seiten des Königs mehrere Feldzüge nöthig machten; einem derselben, vom Herbste 1010, ging eine Friedensgesandtschaft [435] voraus, welche zusammen mit dem Dompropst Walthard von Magdeburg Herzog B. führte, indessen ohne etwas auszurichten. Es sollte dies eine seiner letzten Handlungen sein: am 3. Februar 1011 ist er gestorben und zwar im Kloster Corvey, wo kurz zuvor König Heinrich eingetroffen war. Bernhards Leiche wurde nach Lüneburg gebracht und beigesetzt in der Kirche des Klosters St. Michaelis, welches zwar vom Herzog Hermann gestiftet und zuerst eingerichtet war, seinen Ausbau aber und eine reiche Dotation dem Sohne, Bernhard I., zu verdanken hatte. Noch in demselben Jahre starben am 26. Februar Bernhards Bruder, Graf Liutger, und am 3. October seine Gemahlin, die Herzogin Hildegard, aus dem Hause der Grafen von Stade; sie hatte ihm zwei Söhne: Bernhard und Thietmar, und zwei Töchter: Mathilde und Godesti (Godesdiu), die spätere Aebtissin von Herford, geboren. Außerdem hatte Herzog B. noch einen Sohn Namens Hermann, welcher früh verstarb; dessen Mutter hieß auch Hildegard, ist aber nicht identisch mit der erstgenannten, so daß nur eines von beiden möglich ist: entweder sie war Bernhards erste Gemahlin oder – und das ist das Wahrscheinlichste – sie war nur dessen Beischläferin.

Vgl. E. Steindorff, De Ducatus, qui Billingorum dicitur, in Saxonia origine et progressu. Diss. Berol. 1863.