ADB:Berthold (Bischof von Freising)

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Artikel „Bertold von Wähing“ von Franz von Krones in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 520–521, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Berthold_(Bischof_von_Freising)&oldid=- (Version vom 22. November 2019, 10:00 Uhr UTC)
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Bertold (Berchtold) von Wähing (Wähingen)[1], Sprößling einer schwäbischen Familie, in Oesterreich um die Mitte des 14. Jahrhunderts geboren, † als Bischof von Freising den 17. Sept. 1410. – Von nicht gewöhnlicher gelehrter Bildung, zugleich mit Ehrgeiz und Fähigkeit zur staatsmännischen Laufbahn begabt, erscheint B. zunächst als Meister der Stadtschule (scholae magister) in Wien, dann als Kanzler der österreichischen Herzoge Albrecht III. und Leopold III. und Probst zu St. Stephan. Vom römischen Stuhle zum Freisinger Bischofe (Sept. 1381) ernannt, begab sich B. 1382 nach Budweis, um hier von Kaiser Wenzel die Investitur entgegenzunehmen (5. Sept.). 1383 erwarb sich B. als Kanzler und erster Rath Herzog Albrechts III. das unleugbare Verdienst um die Wiener Hochschule, daß er die beiden berühmten Professoren der Theologie, M. Heinrich (Langenstein) von Hessen und M. Heinrich von Oyta, denen das päpstliche Schisma die Pariser Universität verleidet hatte, nach Wien berief und überdies für die Verbesserung des Gehaltes der bereits früher angestellten Professoren Sorge trug. – Als Bischof von Freising gerieth er (1394–5) während der bairischen Herzogsfehde zwischen Johann von München und Stephan von Ingolstadt, als Vormündern des niederbairischen Herzogssohnes, in Mitleidenschaft. Johann verband sich mit den österreichischen Herzogen, Albrecht III. und Leopolds III. Söhnen, überdies mit Galeazzo Visconti, dem Mailänder Fürsten; Stephan dagegen mit Frankreich. Da Letzterer den Freisinger Bischof, als Kanzler und einflußreichen Rathgeber des ersteren Herzogs, nicht ohne Grund für den Hauptanstifter jener Allianz hielt, B. überdies ein zehnjähriges Bündniß mit Albrecht III. und Wilhelm von Habsburg-Oesterreich gegen Stephan einging, so wollte dieser, im Einverständnisse mit dem Freisinger Stadtrichter Weinmann, durch seinen Sohn, den Prinzen Ludwig, die Stadt Freising in der Nacht vor Geburt Christi überfallen lassen. Der Anschlag mißlang jedoch, und der Bischof ließ den verrätherischen Stadtrichter enthaupten, seinen mitschuldigen Diener viertheilen. Als 1403, 10. Mai, der Salzburger Erzbischof, Gregor von Schenk, starb, wählte das dortige Capitel den Eberhard von Neuhausen zum Nachfolger; Papst Bonifaz aber, von den österreichischen Herzogen beeinflußt und durch Bertolds große Geschenke gewonnen, ernannte diesen zum Erzbischof; jedoch behauptete sich, allen Gegenanstrengungen zum Trotze, Bertolds canonisch gewählter Nebenbuhler. – Um diese Zeit muß B. als einer der österreichischen Sendboten nach Italien gereist sein, und hier für den Habsburger Wilhelm um die Hand Johanna’s von Neapel geworben haben. Eine zweite Mission (1406) galt der Herstellung des Friedens zwischen König Sigmund von Ungarn und den österreichischen Herzogen der Leopoldinischen Linie. Im J. 1407 erscheint B. als einflußreichster Staatsmann und Vertrauter Herzog Leopolds IV., des Vormundes Albrechts V. und Regenten im Lande Oesterreich, zugleich als dessen Verbündeter wider Herzog Ernst, den Eisernen, der jene Vormundschaft gerne ganz an sich gebracht hätte und so den Hauptanlaß zu einem gräuelvollen Bürgerkriege gab. Zunächst sehen wir den Freisinger Bischof mit herzoglichen und eigenen Schaaren gegen die furchtbaren mährisch-österreichischen Freibeuter ziehen, die damals Laa, an der mährisch-österreichischen Grenze, zu einem verderblichen Raubneste umgewandelt hatten. Diese Unternehmung mißlang jedoch, ja alsbald nahm Leopold IV. jene Banden förmlich in Sold, um sich ihrer im Kriege gegen Herzog Ernst und dessen Verbündete, den höheren Adel und das Patriziat der Stadt Wien, zu bedienen. Dies machte Herzog Leopolds und Bertolds Sache doppelt verhaßt. Man beschuldigte auch Letzteren, er habe (11. Juli 1408) die Hinrichtung des unerschrockenen Stadtrichters von Wien und seiner Genossen – aus Rache für eine vor Jahren erlittene Beleidigung – veranlaßt. Jedenfalls lastete auf ihm der tiefe Groll der Ständeschaft, und [521] so mußte B., in Folge des Schiedspruchs, den (20. Sept. 1408) König Sigismund, Bischof Georg von Trient und fünf Vertrauensmänner zwischen den streitenden Brüdern fällten, das Kanzleramt aufgeben und Wien verlassen. Nach Baiern heimgekehrt wurde er zum Friedensstifter in den bairischen Herzogshändeln ausersehen und starb bald daruaf, den 17. Sept. 1410.

Viti Arenpeckhii liber de gestis episcop. Frising c. XXXVIII. in Deutinger’s Beitr. z. Gesch., Topogr. u. Stat. des Erzb. München-Freising. III. Bd. 1851. S. 527–529. – Meichelbeck. Hist. Frising. II. p. 171–184. – F. Kurz, Geschichte Oesterr. u. H. Albrecht V. I. Bd.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 520. S. 1 v. o. l.: Wehingen (im württ. Oberamt Spaichingen). [Bd. 26, S. 825]