ADB:Crayer, Kaspar de

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Artikel „Crayer, Caspar de“ von Adolphe Siret in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 571–573, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Crayer,_Kaspar_de&oldid=- (Version vom 19. November 2019, 13:39 Uhr UTC)
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Crayer: Caspar de C., Historienmaler, geb. zu Antwerpen 18. Nov. 1584, † zu Gent 27. Jan. 1669. Die Inschrift des Gemäldes im Genter Museum (Martyrium des heil. Blasius) ist gefälscht, denn sie gibt dem berühmten Meister ein Alter von 86 Jahren, während er nach den officiellen Acten 84 Jahre und 2 Monate alt gestorben ist. Jene Inschrift, welche so viele Biographen getäuscht hat, ist vermuthlich auf das letzte Werk des Künstlers erst nach seinem Tode gesetzt worden. Bei Lebzeiten ward C. de C. der junge genannt zur Unterscheidung von seinem gleichnamigen Vater, Schulmeister und Bilderhändler zu Antwerpen, der uns 1608 und 1621 als Aeltester der Schulmeisterzunft begegnet. Ohne Zweifel schon im väterlichen Hause entwickelte sich in dem jungen C. der Sinn für seine Kunst im Verkehr mit den Künstlern und durch das Anschauen ihrer Werke und derjenigen der alten Meister, welche der Vater vermöge seines Geschäftes bei sich sammelte. Auch darf man schließen, daß Künstler von Rang seine ersten Führer waren, denn von seinem ersten Auftreten bis zu seiner letzten Stunde blieb de C. den großen Ueberlieferungen der nationalen Kunst treu. – Um 1604 trat er in die Schule Raphaels van Coxcie, Sohn Michaels van Coxcie, des sogenannten flämischen Raphaels. Durch diesen Beinamen irre geführt, machen einige Biographen de Crayer’s diesen zum Schüler des älteren Coxcie. Raphael, der das Geschick seines Schülers bald gewahren mußte, hütete sich wohl, ihn in den damals die Mode so sehr beherrschenden italienischen Stil einzuzwängen; er hatte vielmehr den richtigen Takt, ihn seiner eigenen Art zu überlassen. Dies wenigstens muß man dem Meister als Verdienst anrechnen, wenn auch der Schüler selbst den festen Willen mitbrachte, der nationalen Kunst treu zu bleiben. Das darf man annehmen, denn de C. ist nie einen Schritt von dem Wege abgewichen, den er sich vorgezeichnet hatte und wenn er so große Verwandtschaft mit Rubens und van Dyck zeigt, so kommt dies daher, daß er, wie sie, als Künstler von einem wesentlich flämischen Geist durchdrungen war. Am 3. Nov. 1607 wurde er [572] unter die freien Meister der Brüsseler Malergilde aufgenommen, deren Vorstand er 1614 und 1615 war. Am 17. Febr. 1613 verheirathete er sich zu Antwerpen. Sein langes und an Arbeiten reiches Leben verfloß ohne hervorragende Begebenheiten. Seit 1612 war er Director der Kunstsammlungen des Königs von Spanien, der Erzherzöge Albert und Isabella, Don Ferdinands und Leopold Wilhelms. 1621 hatte er für die Rechnungskammer in Brüssel drei große Porträts der verstorbenen Könige Karls V., Philipps II., und Philipps III. gemalt. 1622 fügte er die Bilder Philipps IV. und der Anna von Oesterreich hinzu. Für diese 5 Bilder erhielt er die Summe von 405 Livres d’Artois. Um diese Zeit war sein Ruhm nicht nur über das ganze Land sondern schon darüber hinaus verbreitet; denn er malte auch für den Madrider Hof verschiedene Gemälde. Van Dyck’s Abreise nach Italien und England trug dazu bei, de Crayer’s künstlerische Stellung, die nun rasch eine glänzende ward, noch zu verbessern. Er ward Maler des Erzbischofs von Mecheln, Jakob Boonen. Im J. 1626–27 findet man ihn im Brüsseler Stadtrath und 1626–29 erscheint er als Einnehmer bei der Canalverwaltung. 1632–33 lieferte er der Abtei von Afflighem eine Reihe merkwürdiger Gemälde, darunter jenen Totilas, König der Hunnen, vor dem heil. Benedict knieend, bei dessen Anschauen Rubens auf de Crayer’s Namen anspielend, ausgerufen haben soll: „De Crayer! niemand wird besser krähen, als du!“ – Für die Joyeuse entrée des Cardinal-Infanten Ferdinand in Gent bestellte der Magistrat eine Reihe von Triumphbögen bei de C., welche allgemeine Bewunderung erregten. Die Entwürfe zu mehreren derselben von der Hand des Meisters befinden sich gegenwärtig im Genter Museum. Diese Triumphbögen, auf denen sich colossale Darstellungen mythologischer und allegorischer Gegenstände fanden, sind 1686 zu Antwerpen unter der Leitung des Cornelis Schut gestochen. Uebrigens ward de C. bei dieser großen Arbeit von anderen Künstlern, namentlich von N. de Liemaecker und Th. Rombout unterstützt. Er empfing 6200 Pariser Livres dafür. Von 1635–1641 war de C. Hofmaler (peintre en titre) des Infanten Ferdinand. Für ein Porträt desselben in ganzer Figur schickte ihm König Philipp IV. eine massive Goldkette mit einer Medaille, welche das Bild des Infanten und das spanische Wappen zeigte. Auch nach dem Tode des Infanten behielt de C. seinen Titel und die damit verbundenen Vortheile. Auch die städtische Einnehmerstelle, welche ihm der Magistrat 1651 abnehmen wollte, verblieb ihm auf Erzherzog Leopold Wilhelms Anordnung bis zu seiner 1664 erfolgten Uebersiedelung nach Gent. Während seines langen Aufenthaltes in Brüssel (1635–64) malte er eine ansehnliche Menge von Bildern für Brabanter Kirchen und Abteien. Fragen wir, weshalb der Künstler eine so einträgliche und um seiner wahren Verdienste willen einflußreiche Stellung verließ, um nach Gent überzusiedeln, so scheint der Grund dazu in dem großen Aufwand zu liegen, den er sich in seinem Hause zu machen gewöhnt hatte, und für den ihm Brabant, mit Werken von seiner Hand schon erfüllt, nicht mehr die genügenden Hülfsquellen bot, während er von den zahlreichen Kirchen und Abteien Flanderns viele Aufträge erwarten durfte. Dies traf in der That zu und von 1664 bis zu seiner letzten Stunde legte de C. den Pinsel nicht nieder, wobei in ihm die Unerschöpf1ichkeit des Geistes mit der Gesundheit des Leibes gleichen Schritt hielt. Aber wie in Brüssel so finden wir de C. auch in Gent mit der Behörde in beständigen Geldhändeln, die allerdings meistens zu seinen Gunsten entschieden wurden, zugleich aber doch zeigen, wie wenig er trotz der so großen Einkünfte, die er der Fruchtbarkeit seines Geistes dankte, sein Hauswesen richtig zu ordnen vermochte. – Er starb kinderlos und ward in der Dominicanerkirche begraben, bei deren Niederreißung im J. 1859 man seine Gebeine [573] jedoch nicht gefunden hat, obwol die Register ihre Stätte genau genug bezeichneten.

De C. fußt auf Rubens und van Dyck und ist neben ihnen der dritte große flämische Meister des 17. Jahrhunderts. Er hat, indem er diesen seinen beiden großen Vorbildern folgte, dennoch gewußt, eine gewisse Eigenthümlichkeit zu bewahren, welche ihm eine bestimmte Stelle innerhalb der f1ämischen Kunst anweist. Seine Composition ist nie überladen; man erkennt sie vielmehr an einer Einfachheit, die nie nach Effecten hascht. Sein Ausdruck ist stets treffend und würdig, seine Zeichnung außerordentlich gewandt und correct. In letzterer Beziehung gleicht er Rubens am meisten. Sein Colorit ist von merkwürdiger Frische und wie Rubens weiß er ihm einen goldig durchsichtigen Ton von breitem Schmelz zu geben. Einzelne seiner Bilder erinnern an van Dyck durch Strenge der Composition, Energie des Pinsels und tiefe Poesie der Farbentöne. Vor Allem aber seine kirchlichen Bilder malte de C. meistens mit vollem und breitem Licht, mit flottem Pinsel und wenig Uebermalung nach Rubens’scher Art. Deshalb hat man sich vor de Crayer’s Arbeiten so oft an Rubens erinnert gefühlt. Es ist leicht erkennbar, daß de C. die Italiener nie studirt hat, und daß er den großen Stil, welcher seine Werke bis ins Kleinste auszeichnet, nur sich selbst verdankt. Was wäre aus ihm geworden, wenn er die Fahrt ins gelobte Land Italien gemacht hätte? Ein bloßer Nachtreter oder hätte sein Talent sich zur Herrschaft über seine Vorbilder emporgeschwungen? An sich unnütze Fragen, die gleichwol gewissen Persönlichkeiten gegenüber unabweislich sind. Jedenfalls muß man ihm zugestehen, daß er, wenn nicht ein Genie, so doch ein großer Meister war.

Werke seines Pinsels finden sich in fast allen großen Museen Europa’s und in zahlreichen belgischen Kirchen. Man zählt über 200 kirchliche Bilder, Historien und Porträts von seiner Hand. Das sicherste Urtheil über ihn gewinnt man zu Gent und in den letzten 10 Lebensjahren hat er in Weichheit der Farbe und des Pinsels den Höhepunkt seines Schaffens erreicht. Weitere Aufschlüsse zur Geschichte seiner Werke finden sich in der belgischen Biogr. nationale V. 27.

Mit Unrecht wird unseres Erachtens dem de C. eine von C. Galle in diesem Fall jedenfalls retouchirte Radirung zugeschrieben, die Skizze des Bildes darstellend, welches der Künstler für sein Grabmal malte: der auferstandene Heiland auf dem Grabe. Bis auf etwa sich findende neue Beweise wird man ihm diese Arbeit nicht zusprechen dürfen. Folgende Werke de Crayer’s sind im Stich erschienen; daß ihrer so wenige sind, ist doppelt schwer zu begreifen in einer Zeit, wo die Antwerpener Stecherschule die Welt mit ihren Erzeugnissen überschwemmte: „Das Martyrium des heil. Blasius“ von Fr. Pilsen. „Die heil. Familie“ von P. van Schuppen. „Die heil. Familie“ von demselben, mit einer leichten Aenderung. „Joh. Ludw. Graf von Isolani, Croatengeneral“ von P. de Jode. „Der auferstandene Heiland auf dem Grabe“ von C. Galle. „Der gestorbene Christus auf den Knieen der heil. Jungfrau“, schlechter Stich in Le Roy’s Grand théâtre sacré du Brabant. Anton van Dyck hat mehre Porträts von de C. gemalt; das beste darunter ist das von P. Pontius – auch von J. Neefs – gestochene. Ein anderes Bild, gleichfalls von van Dyck, hat Boulonois gestochen und eine Verkleinerung davon für des Descamps „Vie des peintres flamands“ gab Steph. Fiquet.