ADB:Dasypodius, Petrus

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Artikel „Dasypodius, Peter“ von Ludwig Spach in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 763–764, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Dasypodius,_Petrus&oldid=- (Version vom 16. Juli 2019, 23:22 Uhr UTC)
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Dysypodius:[1] Peter D., ein schweizerischer Humanist, zu Frauenfeld im Thurgau, vermuthlich im letzten Decennium des 15. Jahrhunderts geboren, † 28. Febr. 1559, verbrachte seine Jugend und die ersten Jahre seines Mannesalters zu Zürich und Frauenfeld. Sein lateinischer Name ist eine Uebersetzung von Rauhfuß oder Rauchfuß (Ersch und Gruber), von Has oder Häslein (Wackernagel, Litteraturgeschichte und Jacob Grimm, Wörterbuch I, Vorwort S. XX) und vielleicht von Hasenfratz (nach Hirzel’s Hypothese). D. hatte Zürich, wo er als Lehrer wirkte, im J. 1530 verlassen, und war nach Frauenfeld als Prediger und Lehrer zurückgekehrt. Mit dem Landvogt Brunner befreundet, wurde seine Lage nach der Schlacht bei Kappel (October 1531), welche sein Gönner als Zwingli’s Partisan mitfocht, unerträglich; durch Bullinger’s und Blarer’s Vermittlung nahm er eine Anstellung in Straßburg an (1533). – In dieser zur Reformation übergegangenen Stadt waren drei lateinische Schulen seit mehreren Jahren in vollem Gange. D. trat, als Nachfolger Brunfels’, an eines dieser Institute, die im J. 1538 zum Gymnasium zusammenschmolzen. – Hier begann der übergesiedelte schweizer Philolog die Vorarbeiten zu seinem lateinischen Wörterbuche, das seinen Namen auf die Nachwelt brachte. Die erste Auflage, d. h. der lateinisch-deutsche Theil kam zuerst im J. 1535 heraus; der zweiten Auflage, im J. 1536, wurde der deutsch-lateinische Titel zugefügt, der dritte – der von J. Grimm benützte – erschien im J. 1537; aber schon der zweite erhob sich über alles bisher auf diesem Gebiete geleistete. – Schon im J. 1541 wurde eine neue Ausgabe nöthig, der Nachdrucke nicht zu gedenken. – Des ersten Verlegers, Wendelin Rihel’s Söhne legten das bedeutende Werk, dessen Konrad Geßner mit Ehren gedenkt, mehrmals auf. – Sogar die Kölner Katholiken fanden sich berufen die Hand darauf zu legen (Dasypodius Catholicus, Köln 1642). D. hatte seit Anfang die Gründung des Straßburger Gymnasiums mit ungünstigen Augen angesehen, bekehrte sich aber bald zu des berühmten Rectors Johannes Sturm wohlausgedachtem und glücklich durchgeführten Plane, und wurde des großen Schulmanns treuer Freund. – Er bethätigte sich hauptsächlich als Lehrer der griechischen Sprache, leitete auch emsig die lateinischen declamatorischen Uebungen und Spiele, welche damals nicht mit Unrecht als ein Hauptzweig der philologischen Ausbildung galten (vgl. sein Werk „De schola urbis Argent.“). Er selber schrieb zu bewußtem Zweck eine lateinische Komödie, den „Philargyros“. – Zum Schulgebrauch verfaßte er ein griechisch-lateinisches Wörterbuch (1539 in Straßburg bei Rihel gedruckt). Im J. 1540 brach in Straßburg eine Pestilenz aus; während derselben siedelte die Schule nach Gengenbach, und im folgenden Jahre nach Weißenburg über. Es scheint indeß dieser zeitweilige Unfall die Thätigkeit Dasypod’s nicht gehemmt zu haben. – Den 27. Sept. 1540 wird er zum Canonicus des St. Thomasstiftes befördert und elf Jahre später zum Decan desselben ernannt. – Zu seinen Schülern, worunter Söhne Zwingli’s, Bullinger’s, Pellican’s, steht er, wie sein Briefwechsel absonderlich mit Bullinger bezeugt, in freundlichem Verhältniß; mit den Straßburger und schweizer Reformatoren unterhält er rege Verbindungen; Bucer, Sleidan, Hedio, Capito sind ihm eng befreundet. – Der Einführung des Interims widersetzt er sich soviel in seinen Kräften, aber auch den dogmatischen Ansichten Luther’s zeigt er sich abgeneigt; er verleugnet nie seine helvetische Abkunft. Er starb hochbejahrt. – Schon oben betonten wir die Unsicherheit, die über seinem eigentlichen Geburtsjahr waltet und welches Hirzel in das vorletzte Decennium des 15. Jahrhunderts zurückversetzt.

S. die treffliche Monographie von Hirzel, im Schweizerischen Museum. Zweites Vierteljahrheft, Basel 1866. La vie de Jean Sturm, par Charles Schmidt. Straßburg 1855, passim. Strobel, Histoire du gymnase protestant de Strasbourg. 1838.

[764] Konrad D., des Petrus D. Sohn. In Frauenfeld 1529 oder 30 geboren, in Straßburg 26. April 1600 gestorben. War in letzterer Stadt Lehrer der Mathematik und edirte in dieser Eigenschaft den Euklides griechisch und lateinisch (bei Mylius 1564). Er ist der Verfasser eines Handbuches der Mechanik und einer allgemeinen Methode der mathematischen Wissenschaften. Seine eigentliche Celebrität knüpft sich aber an die Erfindung und Construction der astronomischen Uhr im Straßburger Münster. – („Wahrhaftige Auslegung des astronomischen Uhrwerks zu Straßburg, beschrieben durch C. Dasipodium, der solich a. Uhr anfänglich erfunden und angeben.“ Straßburg 1578, lateinisch Argent. 1580.) – Dabei waren ihm die Uhrmacher Isaak Habrecht und dessen Bruder, beide von Schaffhausen, behülflich: Tobias Stimmer besorgte die äußere decorative Malerei und der berühmte neolateinische Dichter Frischlinus besang das Wunderwerk in schwungvollen halb lyrischen, halb descriptiven Versen. Wie bekannt, wurde gegen Mitte des vorigen Jahrhunderts diese Uhr vernachlässigt; der Mechanismus stockte, und erst im Laufe des dritten Decenniums des 19. Jahrhunderts gelang es einem in Schlettstadt gebürtigen Mechaniker, Schwilgué, das bedeutende Opus nach einem viel umfassenderen Plane, mit genaueren, dem Stande der heutigen Wissenschaft gemäßen Angaben zu renoviren. Im Laufe Septembers 1842 wurde das im südlichen Transept des Münsters angebrachte Uhrwerk dem Publicum zugänglich gemacht und erklärt von Schwilgué, Description abrégée de l’horloge astronomique de Strasbourg. Straßburg 1843. Deutsch 1844. Blumhof, Vom alten Mathematiker C. Dasypodius, Göttingen 1798 (Vorr. von Kästner).

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 763. Z. 1 v. o. l.: Dasypodius. [Bd. 28, S. 807]