ADB:Falkenberg, Dietrich von

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Artikel „Falkenberg, Dietrich von“ von Karl Janicke in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 6 (1877), S. 552–554, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Falkenberg,_Dietrich_von&oldid=2495918 (Version vom 21. Juni 2018, 02:17 Uhr UTC)
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Falkenberg: Dietrich von F., schwedischer Oberst und Commandant von Magdeburg im J. 1631, stammte aus der Familie von F. zu Herstelle und Blankenau an der Weser. Sein Vater Christoph († 1590) war Drost zu Blankenau, seine Mutter Appollonia eine geb. Spiegel zum Desenberg. Dietrich stand zuerst in hessischen Diensten und war Rath des Landgrafen Moritz, der [553] ihn 1615 nach Schweden schickte, um ihn, wie er selbst sagte, zu seinem Dienste desto geschickter zu machen. So trat er in schwedische Dienste, während deren er in stetem Briefwechsel mit dem Landgrafen blieb und demselben darin über die Verhältnisse Schwedens Nachricht gab. F. kehrte nach Hessen nicht wieder zurück, sondern blieb in Schweden, wo er bald das Vertrauen König Gustav Adolfs gewann, dessen Hofmarschall er wurde. Als die Dinge in Magdeburg zur Entscheidung drängten, schickte ihn Gustav Adolf im Herbst 1630 als Commandant dorthin. Um der Gefahr, von den Kaiserlichen ergriffen zu werden, zu entgehen, verkleidete er sich als Schiffer und kam nach mancherlei Abenteuern im November 1630 in Magdeburg an. Hier überreichte er dem Rathe sein Beglaubigungsschreiben und einen Brief Gustav Adolfs, worin dieser der Stadt sein Versprechen, sie zu schützen, wiederholte, vollzog die am 1. August zwischen der Stadt und dem schwedischen Agenten Stalmann abgeschlossene Capitulation Namens des Königs und traf dann als Festungscommandant mit großer Energie die zur Vertheidigung der Stadt nöthigen Maßregeln. Neue Truppen wurden angeworben, die Vorstädte befestigt und verschiedene Außenwerke zum Schutze der Festung angelegt. Bei allen diesen Unternehmungen fand F. bei der Bevölkerung Magdeburgs doch nur eine laue Unterstützung. Freilich gab es hier eine eifrig schwedische Partei, die aber nur in der Minderheit war und ihre Hauptstütze in einigen fanatischen lutherischen Geistlichen fand; die Mehrzahl der Bevölkerung war des Krieges müde und hatte kein Vertrauen auf die ihr wiederholt in Aussicht gestellte baldige schwedische Hülfe. Trotzdem fügte sich die Bürgerschaft den Anordnungen Falkenberg’s und brachte mancherlei pecuniäre Opfer zur Unterhaltung der Truppen. Falkenberg’s Lage wurde von Tage zu Tage schwieriger. Der anfängliche Kriegseifer, den einige augenblickliche Erfolge des Administrators Christian Wilhelm gegen die Kaiserlichen angefacht hatten, erlosch immer mehr, je mehr die feindliche Armee Magdeburg einschloß. Dazu kamen die geringen Streitkräfte, über welche F. gebot, und der Mangel an Geld, der ihm umfangreichere Werbungen unmöglich machte. Zu einer wirklichen Belagerung kam es aber erst, als Tilly in der zweiten Hälfte des März 1631 von dem Zuge gegen Gustav Adolf aus Mecklenburg zurückkehrte und in Verbindung mit Pappenheim, der seit Ende November vor Magdeburg lag, die Stadt von zwei Seiten einschloß. In kurzer Zeit fielen die Außenwerke in die Hände der Feinde. Bei dieser mißlichen Lage der Dinge machte sich in der Einwohnerschaft um so lebhafter der Wunsch geltend, mit dem Kaiser in Unterhandlung zu treten: aber das energische Auftreten Falkenberg’s, der von den Geistlichen dabei unterstützt wurde, wußte alle diese Bestrebungen zu vereiteln. Da die Vorstädte Sudenburg und Neustadt, in denen nur eine geringe Zah1 magdeburgischer Truppen lag, nicht mehr zu halten waren, als Tilly mit seiner Hauptmacht auf das linke Elbufer gezogen war, wurden sie auf Veranstaltung Falkenberg’s zerstört (21. und 23. April). Die Kaiserlichen nahmen Besitz von den Trümmern und forcirten von hier, namentlich von der Neustadt aus, die Pappenheim besetzte, die Belagerung Magdeburgs. Der wohlhabendere Theil der Magdeburger war in der Vertheidigung der Stadt ziemlich lässig, auch stellte sich bald Pulvermangel ein. Am 24. April (4. Mai n. St.) forderte Tilly in drei Schreiben den Administrator, F. und den Rath auf, von weiterem fruchtlosem Widerstande abzulassen und die Stadt zu übergeben, da doch kein Entsatz mehr zu hoffen wäre. Unter Zuziehung Falkenberg’s äußerte der Rath unter dem 30. April (10. Mai) den Wunsch, daß die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg sowie die Hansestädte sich der Stadt Magdeburg als Vermittler annehmen und daß Tilly den zu diesem Zweck abzuschickenden Gesandten die nöthigen Pässe für ihre Reise ausstellen möchte, worauf Tilly auch einging. Als aber die ernannten Gesandten ihre Pässe verlangten, zog Tilly sein Wort [554] zurück. Inzwischen betrieben die Kaiserlichen die Belagerung mit wachsender Energie; als alle Batterien vollendet waren, begann ein heftiges Bombardement. Am 8. (18.) Mai kamen an den Rath, den Administrator und F. neue Schreiben Tilly’s, in denen er zur Capitulation aufforderte. Auf den folgenden Tag wurde die Bürgerschaft in die Häuser der Viertelsherren zusammenberufen, um ihre Meinung zu hören, ob man mit Tilly in Unterhandlung treten solle oder nicht. Die Meinungen waren getheilt; die schwedische Partei wollte von Unterhandlungrn nichts wissen und suchte den Rath nach dieser Richtung hin zu bestimmen. Am Nachmittage des 9. (19.) kam der Rath zusammen und beschloß mit Tilly zu verhandeln und F. davon in Kenntniß zu setzen. F. ließ an demselben Abend den regierenden Bürgermeister ersuchen, ohne sein Wissen keinen Schritt bei Tilly zu thun, sondern am nächsten Morgen um 4 Uhr den Rath zu versammeln und über die Tractaten mit Tilly gemeinschaftlich zu berathen. Zur bestimmten Stunde fand die Versammlung statt. Die städtischen Behörden sprachen sich für die Capitulation aus. F. suchte diesen Beschluß rückgängig zu machen: in langer Rede setzte er auseinander, wie nahe der Anmarsch seines Königs sei, der sein Versprechen hinsichtlich des Entsatzes der Stadt halten werde. So hatte er schon eine Stunde gesprochen, als das Heranrücken des Feindes zum Sturme auf die Stadt gemeldet wurde. „Er wolle – rief er bei dieser Nachricht prahlerisch aus – daß die Kaiserlichen sichs unterstehen und stürmen möchten, sie sollten gewiß so empfangen werden, daß es ihnen übel gefiele“, und fuhr dann in seiner angefangenen Rede fort, bis der Thürmer der Johanniskirche Sturm blies und die weiße Kriegsfahne aussteckte. Der Rathmann und Bauherr (spätere Bürgermeister) Otto Gericke eilte aus der Sitzung fort, um sich von dem Stande der Dinge zu überzeugen. In der Fischerstraße stieß er bereits auf plündernde Croaten; er kehrte nach dem Rathhause zurück und meldete der dort noch tagenden Versammlung das Eindringen des Feindes in die Stadt. F. setzt sich Pferde, um das Regiment des Oberstlieutenant Trost herbeizuholen. Es gelingt ihm an einer Stelle die Feinde zurückzudrängen; als er sie aber auch an der Hohen Pforte zurückschlagen will, streckt ihn, der ohne Zweifel den Tod suchte, eine Kugel nieder. – Das Urtheil über Falkenbergs heroischen Muth ist einstimmig anerkannt; aber er selbst war wol bei seinen geringen Streitkräften der gewaltig überlegenen Macht des Feindes gegenüber von der Erfolglosigkeit des Widerstandes überzeugt: und die neue Geschichtsforschung hat es als nicht unwahrscheinlich hingestellt, daß er, unterstützt von einer kleinen, ihm unbedingt ergebenen Schaar von Anhängern den Brand Magdeburgs veranlaßt hat, um die wichtige Stadt nur als Ruine in die Hände der katholischen Partei fallen zu lassen.

Landau, Dietrich v. Falkenberg in v. Ledebur’s Allg. Archiv für die Geschichtskunde des Preuß. Staats XV, 177–180. – Hoffmann, Gesch. von Magdeburg. III. – Wittich, Magdeburg, Gustav Adolf und Tilly, Berlin 1874.