ADB:Gaudy, Franz Freiherr von

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Artikel „Gaudy, Franz Freiherr von“ von Richard von Meerheimb in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 419, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gaudy,_Franz_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 23. April 2019, 14:40 Uhr UTC)
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Band 8 (1878), S. 419 (Quelle).
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Gaudy: Franz Freiherr v. G., wurde am 19. April 1800 in Frankfurt a./O., wo der Vater (s. u.) als Major stand, geboren. Die Mutter war eine Gräfin v. Schmettau. Der Vater wurde etwa 1810 zum Gouverneur des Kronprinzen ernannt, und nun wurde G. oft zum Kronprinzen berufen; in Berlin besuchte er das französische Gymnasium, und als der Vater 1813 Generalgouverneur von Sachsen wurde, Schulpforta, das er 1818 mit dem Zeugniß der Reife verließ. Er sollte Jura studiren, trat aber auf des Vaters Wunsch in ein Garderegiment ein und wurde 1821 nach Breslau versetzt. 1823 starb der Vater, die Familie verlor ihr Vermögen und Gaudy’s äußere Verhältnisse gestalteten sich ungünstiger. Durch des Kronprinzen Vermittelung erhielt er 1833 den mehrmals umsonst erbetenen Abschied, sein hoher Jugendfreund unterstützte ihn und so fand er Mittel, um seiner Muße und der Dichtung leben zu können. G. lebte in Berlin, verkehrte mit Chamisso, Wilibald Alexis und Kopisch und gehörte der sogenannten zweiten romantischen Schule an. Auch Heine wirkte vielfach auf ihn ein. Nachdem er mehrmals nach Italien gereist starb er am 5. Febr. 1846 in Berlin. Seine werthvolleren Werke sind 1853 in 8 Bändchen von Arthur Müller bei Hofmann in Berlin herausgegeben worden. Band 1 enthält Gedichte, großentheils humoristischer Natur, am bekanntesten ist die Lieutenantsklage „Fordere niemand mein Schicksal zu hören“, eine Parodie des Liedes von Holtei; dann Romanzen, Terzinen und poetische Erzählungen, für die er, wie Chamisso in weit höherem Grade, besonders begabt war, die meisten in Nibelungenstrophen. Voll Witz und Laune ist das „Tagebuch eines wandernden Schneidergesellen“, der nach Italien reist, aber es ist nicht wie Wagner’s Conservations-Lexicon meint, eine Satyre auf Nicolai’s Reise nach Italien. Im zweiten und dritten Bande steht „Mein Römerzug“, eine Reise nach Italien, wie die meisten seiner prosaischen Schriften im Feuilletonstil. Der vierte Band enthält die Kaiserlieder, erzählende Dichtungen und vermischte Gedichte. Der frühere preußische Officier begeisterte sich wie Zedlitz und Heine für Kaiser Napoleon, besingt Arcole, die Pyramidenschlacht, Marengo, Borodino, Dresden. die Rückkehr von Elba und andere Momente der Laufbahn des Kaisers. Einzelne dieser wie andere Gedichte zeigen ein hübsches Formtalent. Band 5 und 6 enthalten kleine Novellen und Erzählungen, meist von geringer Bedeutung, einzelne sind frisch und lebendig erzählt, die Humoresken etwas frostig und forcirt. In den zwei letzten Bändchen steht das Gedicht „Der Liebe Loos“, in Nibelungenstrophen, „Portogalli“ (Reise- und Lebensbilder aus der Schweiz und Italien) und venetianische Novellen. In seinen besten Gedichten erinnert G. an Chamisso, freilich ohne dessen tiefe und zarte Empfindung und ohne dessen Vorliebe für düstere Stoffe.