ADB:Gubitz, Friedrich Wilhelm

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Artikel „Gubitz, Friedrich Wilhelm“ von Robert Dohme in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 86, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gubitz,_Friedrich_Wilhelm&oldid=- (Version vom 18. Juni 2019, 23:15 Uhr UTC)
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Gubitz: Friedrich Wilhelm G., Holzschneider und Publicist, geb. am 27. Februar 1786 in Leipzig, † am 5. Juni 1870 in Berlin. Der Vater, Christoph G., ein in beschränkten Verhältnissen lebender Schriftsetzer, siedelte im Herbst 1790 mit seiner Familie nach Berlin über, wo er in der Buchdruckerei von J. Fr. Unger arbeitete und hier unter Anderem die aus derselben hervorgegangenen, eine Zeit lang beliebten sogenannten „Unger’schen Typen“ entwarf und die Modelle dazu selbst in Stahl schnitt; auch als Holzschneider bethätigte sich Christoph G. hier und da, so daß der Sohn unter seiner Leitung wenigstens die Handgriffe der Technik kennen lernte. Auf Wunsch der Großmutter väterlicher Seite, die eine Unterstützung von 40 Thalern jährlich darbot, wurde der Knabe Ende 1795 nach Wittenberg gesandt, um hier das Gymnasium zu absolviren und dann Theologie zu studiren. Hier kämpfte er, fast ganz auf sich allein angewiesen, sich unter den schwersten Entbehrungen durch. Im Frühjahr 1800 entstanden in Wittenberg seine ersten mit unvollkommenen Instrumenten halb im Spiel gearbeiteten Holzschnitte. Durch die Vermittelung des Vicedirectors der Berliner Akademie, Frisch, kamen diese Arbeiten des 15jährigen Knaben in demselben Jahre auf die dortige akademische Ausstellung, wo sie verdientes Aufsehen erregten und dem Urheber in der Folge durch allerlei Aufträge von Buchhändlern einen willkommenen Nebenverdienst verschafften. Doch dachte G. damals noch nicht daran, den vorgezeichneten Lebensweg aufzugeben, bezog vielmehr im J. 1801 die Universität Jena. Der wachsende Ruf des jugendlichen Künstlers führte demselben seit 1803 sogar Aufträge von Ackermann in London und Didot in Paris zu, welch letzterer ihn im folgenden Jahre ganz nach Paris zu ziehen suchte. Schon vorher war die preußische Regierung auf die Bedeutung Gubitz’s aufmerksam geworden und um ihn dem Vaterlande zu erhalten ernannte Hardenberg den erst 19jährigen Candidaten der Theologie am 13. April 1805 zum Lehrer und ordentlichen Mitglied der Berliner Kunstakademie. Erst nach schwerem Kampf mit sich selbst folgte G. dem Ruf. Der Anfang seiner Lehrthätigkeit wurde ihm, wie jedem Neuerer, vielfach durch Vorurtheile verbittert, im Laufe der Jahre aber hat er gerade in dieser seiner amtlichen Stellung eine segensreiche Wirksamkeit entfaltet und zahlreiche tüchtige Schüler herangebildet. 1812 erschien sein erster Farbenholzschnitt, das Bildniß der Oberhofmeisterin, Gräfin Voß. Die Jahre der Schmach seit 1806 drängten G. zuerst auf das publicistische Gebiet. 1807–9 gab er eine patriotisch-politische Zeitschrift „Das Vaterland“ heraus; nach hergestelltem Frieden erschien seit 1817 durch eine längere Reihe von Jahren ein schön-wissenschaftliches Unternehmen, „Der Gesellschafter“. Lange Zeit war er Theaterkritiker an der Voß’schen Zeitung, auch hat er sich vielfach als Dichter und Verfasser einiger nicht ohne Erfolg aufgeführter Theaterstücke („Die Talentprobe“, 1813, „Lieb’ und Versöhnen“, 1815, „Die Prinzessin“, 1816, „Die selige Frau“, 1816 u. A.) bethätigt. Seine dauernde Bedeutung aber knüpft sich an seine künstlerische Thätigkeit, indem er, wenn auch nicht als der Wiederentdecker, so doch als der künstlerische Wiedererwecker des Holzschnittes in Deutschland anzusehen ist, für dessen weite Verbreitung er selbst durch seinen „Deutschen Volkskalender“ 1835–69 epochemachend gewirkt hat. 1860 erschienen seine „Gedichte“ (2 Bde.), 1868 und 1873 seine „Erlebnisse“ in drei Bänden. Ein Verzeichniß seiner Dichtungen und Schriften gibt Goedeke, Grundr. III S. 638 f.