ADB:Hauser, Franz

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Artikel „Hauser, Franz“ von Robert Eitner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 88–89, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hauser,_Franz&oldid=3078354 (Version vom 24. April 2018, 01:02 Uhr UTC)
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Hauser: Franz H., ein vorzüglicher Bassist und gelehrter Musiker, war den 12. Januar 1794 zu Krasowitz bei Prag geboren. Er erhielt eine sorgfältige Erziehung und widmete sich anfänglich der Jurisprudenz, später der Medicin. Mit leidenschaftlicher Verehrung an der Musik hängend und mit einem vortrefflichen Bariton begabt, wandte er sich ganz der Musik zu, trat im April 1820 in Concerten in Prag als Sänger auf, ging 1821 nach Stuttgart, betrat dort als Don Juan die Bühne – eine damalige Recension sagt (Allgem. Mus. Ztg. in Leipzig) „er erfreute durch eine sonore kräftige Stimme und künstlerischen Vortrag, doch genügte er nicht als Schauspieler“ – und wurde noch in demselben Jahre am Theater in Cassel definitiv angestellt. 1822 heißt es in derselben Zeitung: „er ist ein Sänger von vieler Kunstfertigkeit und soll auch ein guter theoretischer Musiker sein“. In den folgenden Jahren sehen wir ihn die verschiedensten Theater Deutschlands sehr oft wechseln, so ist er 1825 an der Dresdener Hofbühne engagirt, 1826 an der Berliner Hofbühne. Als Sänger erwirbt er sich überall das größte Lob, doch desto weniger genügt er als Schauspieler, er ist mehr Musiker als Darsteller und daher fühlt er sich nirgends behaglich. Im J. 1828 ist er in Frankfurt a/M. engagirt, 1829–31 in Wien – der Don Juan ist überall eine seiner Hauptrollen – 1830 gastirt er in Straßburg, 1832 geht er nach Stuttgart und in demselben Jahre nach Leipzig; 1833 wird er in letzterer Stadt Regisseur der Oper, 1835 geht er zum zweiten Male an die Berliner Hofbühne, 1837 nach München – in dieses Jahr fällt auch eine Reise nach Italien und Paris. 1838 singt er in Breslau und Prag, 1841 finden wir ihn als Gast am Hofoperntheater in Wien und die Allgemeine musikalische Zeitung sagt über ihn: „H. ist ein wohlunterrichteter Musiker und denkender Sänger, auch die Darstellung des Leporello im Don Juan befriedigt, „allein die Zeit hat viel abgestreift und wir vermissen bei aller Gewandtheit im Vortrage den Metallklang eines jugendlichen Organs“. Er selbst mochte wol am besten fühlen, daß es mit seiner Stimme vorbei sei und so entsagte er hier der Bühne und ließ sich als Gesangslehrer nieder. Im Jahre 1846 wurde er an das neu gegründete Conservatorium für Musik in München auf Betreiben des Capellmeister Lachner’s als Director berufen. Die oben erwähnte Musikzeitung schreibt drei Jahre später (1848) bei der Besprechung einer stattgefundenen Prüfung an demselben: Das königl. Conservatorium für Musik in München wurde vor etwa 2 Jahren durch König Ludwig von Baiern errichtet und „der in der musikalischen Welt als Sänger und gebildeter Musiker bekannte Baritonist H. aus Wien, zur Gründung und Leitung desselben hieher berufen. Jeder, der Gelegenheit hatte, diesen Sänger in früheren Jahren auf der Bühne zu hören, wird zugeben, daß er in der Reihe der Ersten seines Faches gestanden. Nachdem er sich von dem Theater zurückzog und sich in Wien als Gesangslehrer niedergelassen, bildete er eine Anzahl Schüler, die gegenwärtig als Theater-, Concert- oder Kirchensänger, sowie als Gesangslehrer eine ehrenvolle Stellung einnehmen. Da die Anstalt vorzugsweise die Bildung von Sängern für Kirche, Concert und Theater bezweckt, so kann man Herrn Lachner für diese Berufung, die sich durch den Erfolg aufs beste gerechtfertigt hat, nur dankbar sein.“ Im J. 1864 ließ er sich pensioniren und benutzte die Mußezeit zur Abfassung einer „Gesanglehre für Lehrende und Lernende“, die im J. 1866 bei Breitkopf & Härtel in Leipzig erschien. – Eine Reihe der besten Sänger gingen aus seiner Schule hervor, wie Henriette Sontag, Frau Vogl in München, Joseph Hauser, Staudigl, v. Milde in Weimar; auch für Jenny Lind war er [89] zeitweise der künstlerische Beirath. Von seiner geistigen Bedeutung geben die an ihn gelichteten Briefe Hauptmanns (s. denselben) das beredteste Zeugniß, sowie sein intimer Verkehr mit Jacob und Wilhelm Grimm, Ludwig Tieck, Carus, Spohr, Mendelssohn, K. M. v. Weber, Schelble, Otto Jahn u. A. Seine musikalische Richtung spricht am deutlichsten aus dem von ihm angefertigten raisonnirenden Kataloge Seb. Bach’scher Werke, von welchem Autor er auch einige Autographe besaß. – Nach seiner Pensionirung zog er 1865 nach Karlsruhe und 1867, nach dem Tode seiner Gattin, nach Freiburg im Breisgau, wo er am 14. August 1870 im 77. Jahre starb. Seine zahlreich vorhandenen Briefe verdienen die höchste Beachtung und wären wol werth, einem größeren Kreise bekannt gemacht zu werden.