ADB:Levitschnigg, Heinrich Ritter von

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Artikel „Levitschnigg, Heinrich Ritter v.“ von Anton Schlossar in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 507–508, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Levitschnigg,_Heinrich_Ritter_von&oldid=- (Version vom 23. Juli 2019, 07:58 Uhr UTC)
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Levitschnigg: Heinrich Ritter v. L., Schriftsteller und Dichter, wurde am 25. September 1810 zu Wien geboren, erhielt als der Sohn eines wohlhabenden Rechtsgelehrten eine treffliche Ausbildung in seiner Vaterstadt und wandte sich dem Studium der Rechte zu, welches er später mit dem der Medicin vertauschte. Schon auf der Universität aber betrieb er philosophische Disciplinen und war auf poetischem Gebiete thätig. Auch das medicinische Studium behagte jedoch dem jungen Manne wenig und er wandte sich dem Militärstande zu und wurde Cadet eines Dragonerregiments (1830). Schon im J. 1834 kehrte er auch dem Militärleben, nachdem er inzwischen zum Lieutenant befördert worden war, den Rücken und widmete sich in Wien ausschließlich litterarischer Thätigkeit, insbesondere trat er in der „Wiener Zeitschrift“ von Witthauer, in Saphir’s „Humoristen“ und in anderen österreichischen Blättern von Bedeutung als formgewandter Lyriker auf. Im steten Verkehr mit den hervorragendsten Wiener Dichtern, wie Anastasius Grün, Lenau, J. G. Seidl, Grillparzer etc., erregte L. durch seine über das Niveau des Gewöhnlichen weit hervorragenden Dichtungen immer mehr Aufmerksamkeit. Im J. 1845 übernahm er die Redaction der „Pester Zeitung“ und führte dieselbe bis 1849. An der Bewegung des Jahres 1848 nahm er geringen Antheil, nur einige Gedichte im „Humoristen“ weisen auf seine freiheitliche Gesinnung, welche sich z. B. in dem Gedichte „Neu Troja“ („Der Humorist“, 1848, Nr. 225) bethätigte. Später finden wir L. wieder in Wien, welches er nicht mehr verließ und wo er von nun an als Schriftsteller insbesondere auf dem Gebiete des Romanes lebte und zuletzt die satirische Zeitschrift „Der Zeitgeist“ herausgab. Dort starb er auch am 25. Januar 1862, wie es scheint, in sehr dürftiger Lage. L. ist eines der besten poetischen Talente des Vormärz, er schließt sich aks lyrischer Dichter den hervorragendsten Poeten Oesterreichs aus jener Zeit an; durch den Consul in Alexandrien, Chr. W. Huber, und den ebenfalls poetisch thätigen Feuchtersleben (s. Bd. VI. S. 730) insbesondere mit der Poesie des Morgenlandes näher vertraut gemacht, ist es wol diesem Umstande zu verdanken, daß durch viele seiner Gedichte eine gewisse orientalische Gluth weht, auch die Stoffe zu manchen derselben („Medschnun’s Abschied“, „Selam“, „Die Klage der Paria“, „Persische Liebeserklärung“, „Indische Liebestrauer“, „Im Serail“, „Die Koptin“, „Opiumlied“ etc.) dem Morgenlande und dessen Gedankenkreise entnommen sind, endlich die orientalischen Dichtungsarten, wie z. B. das Ghasel von ihm mit besonderer Vorliebe und Gewandtheit behandelt erscheinen. Nachdem, wie erwähnt, in Zeitschriften und [508] Taschenbüchern verschiedene lyrische Poesien Levitschnigg’s Talent bekundet hatten, erregte die erste Sammlung: „Gedichte“ (1842) im In- und Auslande besondere Aufmerksamkeit. Eine reiche bunte Mannigfaltigkeit gab sich in dieser Gedichtsammlung kund, welche zarte und innige Liebeslieder, schöne tief empfundene Naturbetrachtungen und eine Reihe trefflich durchgeführter lyrisch-epischer Poesien enthält. Neben der Gedankenfülle und der warmen poesievollen Sprache finden wir auch die Form der Gedichte dieser ersten Sammlung rein und exact durchgeführt. Eine Zahl von Ghaselen zeigt den Dichter als einen der besten Vertreter dieser Dichtungsgattung und die kraftvolle Sprache, wie etwa in dem Sonettenkranze „Pannonia“, reißt den Leser oft unwillkürlich mit fort. Schon in dieser Sammlung wird erklärlich, warum man L. auch mitunter den österreichischen Freiligrath genannt hat, mit welchem Dichter er in der That besonders in den Stücken, die orientalische Stoffe behandeln, eine gewisse Verwandtschaft aufweist. Aehnliches gilt von den übrigen lyrischen Sammlungen des Dichters „West-Oestlich, Gedichte“ (1846) und „Brennende Liebe. Zwei Sträuße Gedichte“ (1852); in „West-Oestlich“ finden wir glühende Schilderungen und wie schon der Titel andeutet, vorwiegend morgenländische Stoffe bearbeitet, freilich ist es richtig, daß hier – was in der ersten Sammlung nicht der Fall ist – „die Ueberladung mit ungeläutertem Pomp mehr an die Schattenseiten, als an die Lichtseiten seines glänzenden Vorbildes (Freiligrath) erinnert“ (Gottschall, D. Nationallitt. des 19. Jahr., 5. Aufl. 1881, III. S. 112). Von den übrigen Poesien Levitschnigg’s sind zu nennen: „Rustan, romantisches Gedicht in 4 Gesängen“ (1841), eine größere romantisch-epische Erzählung, deren Schilderungen und Beschreibungen ebenfalls von hoher Begabung des Dichters zeigen, ferner „Ein Märchen“ (1846), dessen Tendenz gegen die socialen Bestrebungen der Zeit gerichtet ist und welches weniger poetischen Werth hat, obwol es an schönen poesiereichen Stellen auch in dieser Dichtung nicht fehlt. L. hatte sich auch auf dramatischem Gebiete versucht, doch erscheinen seine zwei Dramen „Lord Byron“ und „Löwe und Rose“ (beide abgedruckt in Foglar’s „Verworfenen Schauspielen“, 1847) nicht besonders gelungen. Besonderes Glück hatte er mit dem Ausstattungsstücke: „Der Tannhäuser. Dramatisches Gedicht mit Gesang und Tanz in 2 Acten. Nach einer deutschen Volkssage. Musik von Franz v. Suppé“, welches unter großem Beifall in den fünfziger Jahren im Theater an der Wien aufgeführt wurde und das auch in poetischer Beziehung von Werth ist. – Auf dem Gebiete des Romans und der Novelle veröffentlichte L. „Die Geheimnisse von Pest“, 4 Bde. (1853), einen Roman, der sein französisches Vorbild nicht verleugnet, „Die Montenegriner oder Christenleiden in der Türkei“ (1853), „Der Diebsfänger, Roman“, 2 Bde. (1860), in welchem die menschenfreundliche Milde des darin dargestellten Polizeibeamten anspricht. Ferner die Romane: „Der Gang zum Giftbaum“, 2 Bde. (1862) und „Die Leiche im Koffer“, 2 Bde. (1863), endlich die Novelle: „Leier und Schwert“ aus des Dichters Nachlasse. Schon die Titel der zwei letzten Romane zeigen, daß man es hier nur mit ganz gewöhnlichen für das lesehungrige Publicum berechneten Arbeiten zu thun hat. Der Vollständigkeit wegen mögen noch von Levitschnigg’s Schriften: „Kossuth und seine Bannerschaft. Silhouetten aus dem Nachmärz in Ungarn“, 2 Bde. (1850), „Soldatenfibel“ (1852), „Wien, wie es war und ist. Federzeichnungen“ (1860) und die Räthselsammlung „Turandot“ (1860) hier angeführt sein.

Scheyrer, Die Schriftsteller Oesterreichs (Wien 1858). Wurzbach, Biograph. Lex., XV.