ADB:Paix, Jakob

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Paix, Jakob“ von Hans Michael Schletterer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 71–73, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Paix,_Jakob&oldid=- (Version vom 19. August 2019, 17:06 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Palko, Franz
Band 25 (1887), S. 71–73 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Jacob Paix in der Wikipedia
GND-Nummer 132056895
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|25|71|73|Paix, Jakob|Hans Michael Schletterer|ADB:Paix, Jakob}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=132056895}}    

Paix: Jakob P., geb. um 1550 in Augsburg, † als Organicus et Symphonetes des Pfalzgrafen Philipp Ludwig in Lauingen, aus der damals lutherischen Linie Pfalz-Zweibrücken. Alle Zeitgenossen sprechen mit Ausdrücken hoher Achtung von P., den sie als einen vorzüglichen Musiker und großen [72] Künstler auf der Orgel rühmen. Sohn des Augsburger Organisten bei St. Anna, Peter Paix, der 22. Febr. 1557 „in Gott seligklich entschlaffen“ ist, also zu einer Zeit, da der Knabe den treuen Unterricht desselben so nöthig gehabt hätte, mag ihm, einem Musikantenkinde, ungewöhnliche musikalische Beanlagung von Haus aus beschieden gewesen sein. Wir wissen von seinen nähern Lebensumständen so viel wie nichts. In noch jugendlichem Alter stand er bereits in pfalzgräflichen Diensten. Aber aus seinen Publicationen vermögen wir ebenso seine Kunst und persönliche Leistungsfähigkeit, wie den Stand damaliger Musikübung überhaupt zu beurtheilen. Jedenfalls zählt er zu den bedeutendsten und angesehensten Organisten (d. h. zu den Künstlern auf Tasteninstrumenten) des 16. Jahrh. Er theilt diesen Ruhm mit einigen andern beachtenswerthen zeitgenössischen Musikern, mit Elias Nicolaus, genannt Ammerbach. Organist an der Thomaskirche in Leipzig, der 1571 eine „Orgel- oder Instrument-Tabulatur“, drucken ließ, und mit Bernh. Schmidt, Bürger und Organist in Straßburg, der 1577 „Zwei Büchern Einer Neuen Kunstlichen Tabulatur auf Orgel und Instrument“ herausgegeben hat. Sam. Schmidt, der größte Orgelmeister Deutschlands, war noch nicht geboren; die deutsche Musik stand noch vorwiegend unter dem Einfluße der „Italos“ (wie M. Prätorius sich ausdrückt): Claudius Merlotti, gen. Merulo und J. Gabrieli. Ersterer, der als Hoforganist des Herzogs Ranuccio Farnese in Parma (1604) starb, hatte einen Franzosen, Menon, zum Lehrer, letzterer seinen Oheim Andrea, der wiederum einen Niederländer, den berühmten Gründer der venetianischen Schule, Adrian Willaert, als Meister verehrte. So vereinen sich friedlich im Austausche des Wissens und Könnens und im Streben nach einem einheitlichen und höchsten Ziele auch auf dem Gebiete der Kunst alle Nationalitäten. A. Gabrielis Schüler waren u. a. H. L. Hasler aus Nürnberg und J. P. Sweelinck aus Deventer (der Lehrer S. Scheidts); J. Gabrielis berühmtester Schüler war der nachmalige kurfürstliche Hofcapellmeister H. Schütz (Sagittarius) aus Köstritz, der bedeutendste Vorgänger J. S. Bachs. Merulo und Gabrieli schrieben bereits selbständige Orgelwerke; der erste, ein gewandter „Colorist“, cultivirte mehr die Toccatenform, der andere, dem Gesangartigen sich zuneigend, mehr die Canzonenform. Die Orgelstücke der deutschen Meister bestehen nach diesen Vorbildern vorläufig fast nur aus Arrangements. Einerseits werden mehrstimmige kirchliche Tonsätze, andererseits Tänze und Volkslieder für die Orgel bearbeitet und ohne einen strengen Unterschied zwischen dem Charakter und der Herkunft der einzelnen Nummern zu machen, in der Kirche und der Kammer harmlos als Vortragsstücke benutzt. Man muß dabei bedenken, daß die Orgel und alle damals gebräuchlichen Tasteninstrumente: Clavicymbel, Spinet, Symphonie, Virginal u. s. w., noch sehr unvollkommene Instrumente waren. – Paix’s Publicationen bestehen aus folgenden wichtigen, mit Ausnahme der sechsten, alle in Lauingen bei Leonh. Steinmichel gedruckten und bei Georg Willers verlegten Sammlungen: 1) „Ein schön nütz vnd gebreuchlich Orgel-Tabulaturbuch, darinnen etlich der berümbten Componisten beste Motetten mit 12, 8, 7, 6, 5 und 4 Stimmen außerlesen, dieselben auf alle fürneme Festa des gantzen Jahrs, vnd zu dem Chormas gesetzt. Zuletzt auch allerhand der schönsten Lieder, Pass'è mezzo und Täntz, alle mit großem Fleiß Coloriert. Zu trewen Dienst den Liebhabern dieser Kunst, selbst Corrigiert vnd in Truck verwillgt von Jacobo Paix Augustano, diser Zeit Organist zu Laugingen.“ Am Ende der Vorrede: 22. Febr. 1583. (58 Bog. Fol. – Dies dem D. J. Lobbetius dedicirte Werk enthält gegen 70 Gesänge, Lieder und Tänze: 18 von O. Lassus, 12 von Palestrina, je 2 von L. Senfl, Crequillon und Utental, je 1 von Riccius, Cirler, Striggio, Ciprian de Rore, Jannequin, Ivo de Vento, Clem. de Bourges und Giles Paix (?) und 5 von [73] J. Paix.) „Die angehängten italienischen, deutschen und niederländischen Tänze, z. B. „der Keyserin Tantz, Schirazula Marazula, Padoane Venetiana, Saltarelli, Ungareschi“ u. s. w. und selbst die verschiedenen Volkslieder, z. B. „Es war eins Bauern Döchterlein“, die man hier in Gesellschaft geistlicher Festgesänge findet, beweisen, daß unsere guten Alten wenig eklich bei Auswahl ihrer Orgelstücke oder vielmehr, daß alle Musikarten vor 200 Jahren über einen Leisten gemacht waren.“ (Gerber.) – 2) „Selectae artificiosae et elegantes Fugae dvarum, trivm, qvatuor, et plvrivm vocvm, partim ex veteribus & recentibus Musicis summa diligentia & accurato iudicio collectae, partim Compositae à J. P.“ (kl. hoch 4°.) – Erschien in drei Auflagen, die zweite 1587, die dritte 1594. – 38 Fugen zu 2. 3, 4 bis 7 Stimmen von L. Daser, Jac. Hobrecht, Greg. Maier, Ant. Brumel, O. Lassus, Okeghem, Giles Paix, P. Platensis (de la Rue), Jodocus Platensis (Josquin), Senfl und 12 vom Herausgeber. Außerdem finden sich Trios, geistliche deutsche Lieder u. a., letztere meist nur einstimmig; bei den mehrstimmigen stehen sich die Stimmen gegenüber. Das Werk ist dem Patricier Marcus Thenn gewidmet, dessen Familie heute noch in Augsburg blüht. 3) Missa ad imitationem Motettae: in illo tempore Joh. Montanis quatuor vocum. 1584 (4° obl.). 4) „Missa parodia (ad imitationem moduli) Mutetae: Domine da nobis, Thomae Crequillonis, senis vocibus“ 1587 (4° obl.). – 5) „Missae Helveta artificiosae et elegantes fugae 2, 3, 4 et plurium vocum.“ 1590. – 6) „Thesaurus motettarum, neuerlesener zweiundzwanzig herrlicher Motetten.“ 1589, (Fol. Straßburg bei Bernh. Jobin.). – 7) Ein Tractat: „Kurzer Bericht aus Gottes Wort und bewährter Kirchen-Historien von der Musik, daß dieselbe fleißig in den Kirchen, Schulen und Häusern getrieben, und ewig soll erhalten werden.“ 1589 (4°). – 8) „Ein Fugenbuch mit Noten und Buchstaben nach der Ordnung der 12 Tonarten.“ 1588 (8°). (Die vollständigen Titel von Nr. 3–8, resp, die betreffenden Originalausgaben, liegen nicht vor.)