ADB:Pasquich, Johann

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Artikel „Pasquich, Johann“ von Siegmund Günther in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 195–196, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pasquich,_Johann&oldid=- (Version vom 25. Juni 2019, 02:10 Uhr UTC)
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Pasquich: Johann P., Astronom, geb. entweder 1753 oder 1759 in Wien (nach einer anderen Nachricht im Krainischen), † am 15. November 1829 ebenda. P. scheint früh in den geistlichen Stand getreten zu sein und die für diesen erforderliche Vorbildung genossen zu haben. Wann er sich den exacten Wissenschaften zuwandte, ist unbestimmt; jedenfalls begegnen wir ihm 1786 als Adjuncten der Physik an der Universität Pest. 1789 wurde er ebendort Observator der Sternwarte, 1792 Professor der höheren Mathematik. Von dieser letztern Stellung ließ er sich 1797 entheben, anscheinend, um sich mehr auf die Sternkunde beschränken zu können. Nachdem er bis 1824 das Directorat der Ofener Sternwarte bekleidet hatte, zog er sich in den Ruhestand nach Wien zurück und verblieb hier bis zu seinem Lebensende. –

Die litterarischen Arbeiten Pasquich’s beziehen sich auf sämmtliche Theile der reinen und angewandten Mathematik. Mehrere statische und zahlentheoretische Artikel von ihm enthalten die von Hindenburg theils allein theils in Verbindung mit J. Bernoulli III herausgegebenen Zeitschriften; unter ihnen möchte sein Versuch einer neuen und schärferen Begründung der Differentialrechnung als „Exponentialkalkul“ erwähnenswerth sein. In v. Zachs Monatl. Correspondenz verbreitete er sich hauptsächlich über astronomische und geodätische Fragen. Die Gradmessungsarbeiten seiner Zeit interessirten ihn lebhaft, und da er richtig herausfühlte, wie unmöglich es sei, ein bestimmtes Rotationssphaeroid mit der wahren Erdgestalt zu vollkommener Uebereinstimmung zu bringen, so schlug er (s. a. a. O. VIII, 411 ff.) vor, für verschiedene Theile der Erdoberfläche auch verschiedene sich jener möglichst genau anschmiegende „Krümmungsellipsoide“ ausfindig zu machen. Von seinen selbständig erschienenen Schriften machen wir die folgenden namhaft: „Versuch eines Beitrags zur allgemeinen Theorie von der Bewegung und vortheilhaftesten Einrichtung der Maschinen“, 1789; „Unterricht in der mathematischen Analysis und Maschinenlehre“, 1790–91; „Supplementband“, 1798 (theilweise nach den nachgelassenen Papieren des Jesuiten Mitterpacher v. Mitterburg gearbeitet); „Opuscula statico-mechanica“, 1799; „Epitome elementorum astronomiae sphaerico-calculatoriae“, 1810; „Anfangsgründe der gesammten theoretischen Mathematik“, 1812. – Pasquich’s Name ist in der Geschichte der Astronomie viel genannt, allerdings nicht immer in einer durchaus ehrenvollen Weise. Es trat nämlich sein Assistent Kmety oder Kmeth gegen P. als Ankläger mit der Beschuldigung auf, jener habe Ortsbestimmungen eines Kometen ohne jede thatsächliche Grundlage bekannt gemacht, somit einen ebensolchen wissenschaftlichen Betrug begangen, wie ein Jahrzehnt vorher der Malteserritter D’Angos. Begreiflicherweise erregte dieser Vorwurf die allgemeinste Aufmerksamkeit, die angesehensten Astronomen, Encke, Gauß, Olbers, Bessel und Schumacher nahmen sich der Sache an, und da stellte sich denn heraus, daß Kmety selbst ruchlos gehandelt habe und P. in moralischer Hinsicht völlig schuldlos sei, allein freilich ließ sich nicht leugnen, daß letzterer bei der Reduction seiner [196] Beobachtungen sehr unvorsichtig zu Werke gegangen war. Gewissermaßen entlastend wirkt für P. die Thatsache, daß derselbe den berühmten Reisenden Seetzen in die astronomische Beobachtungskunst eingeführt und so indirect auch um die zahlreichen schönen Ortsbestimmungen sich verdient gemacht hat, durch welche Seetzen die Geographie vieler Länder des Orients bereicherte.

v. Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, 21. Band. – Ungarische Nachrichten (Budapester Zeitung), 1863. – Wolf, Geschichte der Astronomie, S. 710 ff. – Briefwechsel zwischen Gauß und Schumacher, 1. Band S. 363 ff.