ADB:Pencz, Georg

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Artikel „Pencz, Georg“ von Wilhelm Schmidt (Kunsthistoriker) in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 353–355, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pencz,_Georg&oldid=- (Version vom 26. Juni 2019, 12:41 Uhr UTC)
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Pencz: Georg P., Maler und Kupferstecher, findet sich im J. 1523 im Nürnberger Malerbuch als Meister eingetragen. Er scheint Dürer’s Schüler gewesen zu sein, denn im J. 1524 heirathete „Jorg, Dürer’s Knecht“ dessen Magd und wurde als Nürnberger Bürger aufgenommen; dieser Jorg wird wol mit P. identisch sein. Jedoch in dem gleichen Jahre wurde P. mit den Brüdern Sebald und Bartel Beham (s. A. D. B. II, 279) wegen irreligiöser und communistischer Ansichten vor Gericht gestellt, ins Gefängniß geworfen und dann der Stadt verwiesen. Die beiden Beham scheinen übrigens mehr die Anführer gewesen zu sein und P. ihnen gegenüber zurückzutreten. Es war damals eine wilde Gährung der Gemüther eingetreten, und die Beham gingen mit den Schriften Th. Münzer’s und Karlstadt’s um. Das Verhör unseres P. lautete: „Jorg Pentz sagt auf das Fragstuck, ob er glaub, das ain got sei: Ja, er empfinds zum teil, ob er aber wiß, was er warhafft für denselben got sol halten, wiß er nit. – Was er von Cristo hallt? Halt von Cristo nichts. – Ob er dem heiligen Euangelio vnd wort gottes, In der schrifft verfasst, glaube? Konn der schrifft nit glauben. – Was er von dem Sacrament deß Alltars hallt? Halt vom sacrament des altars nichts. – Was er von der tauff hallt? Halt von der tauff nichts. – Ob er ain weltliche oberkait glaub vnd ainen Rate zu Nürnberg für seine Herrn erkenn, über sein leib, gut vnd was eußerlich ist? Wiß von keynem hern dann allein von got.“ Bei diesen Grundsätzen, welche die Autorität des Rathes leugneten, war es selbstverständlich, daß derselbe unsern „Schwarmgeist“ aus Nürnberg verwies. Im folgenden Jahre, 1525, bat P. den Rath, ihm die Rückkehr zu gestatten, worauf ihm erlaubt wurde, sich in dem nahen Städtchen Windsheim niederzulassen, jedoch wurde ihm die Stadt Nürnberg und ihr Gebiet verboten. Auch wurde er am 28. Mai 1525 seines Bürgerrechts und aller Pflichten entledigt. Späterhin jedoch durfte P. zurückkehren, und sogar zu Gnaden wurde er wieder aufgenommen: im J. 1532 erhielt er eine Bestallung, „einem rate zu gewarten mit seiner kunst zum reißen, malen vnd visirmachen“, er wurde demnach eine Art städtischer Maler, und dazu bekam er ein Wartegeld von 10 Gulden, das ihm „aus angezaigter not“ vorausbezahlt wurde. Also damals schon stak der Künstler in der Geldklemme; übrigens erhielt er auch für jede einzelne Arbeit, die er für den Rath machte, eine Gratification. Im J. 1538 vergoldete er die Leisten zu den im städtischen Besitz befindlichen Gemälden von Dürer, die vier Temperamente, wofür der Rath ihm 15 Gulden zahlte. Zwei Jahre später fertigte er für den Rath eine Zeichnung des Schlosses zu Gent um 1 Gulden. Im J. 1543 ließ der Rath durch ihn und Sebald Peck „die Stadt Nürnberg von außen in grund setzen“ und eine Ansicht entwerfen, wofür sie 261 Gulden 8 Schillinge und 10 Pfund alte Pfennige erhielten. Fünf Jahre später verehrte P. dem Rath „ein künstliches Gemäl St. Hieronymus Bild“; der Rath schenkte ihm dafür 80 Gulden. Das Bild hängt jetzt in dem Germanischen Museum und stellt den Heiligen in seinem „Gehäuse“ dar, wie er als ein memento mori auf einen Todtenschädel weist (gemalt 1544). Die Idee dazu geht auf Quintin Messys oder einen andern Niederländer zurück; übrigens ist das Bild recht fleißig und tüchtig gemalt, [354] jedenfalls besser als seine kalten, italienisirenden Tafeln. Der Künstler starb im J. 1550 zu Nürnberg (?) und hinterließ Weib und Kind in so großer Armuth, daß der Rath die 60 Gulden bezahlte, die P. einer Vormundschaft schuldig war.

Der Zeitgenosse Neudörfer urtheilt von P.: „Obwol was von diesem Penzen in Kupfer vorhanden, genugsam anzeiget, was trefflichen Verstand und Geist dieser Mann in der Kunst gehabt, so ist er doch auch des Conterfeyens sehr sicher und im Malen in den Tafeln sehr fleißig gewesen, also daß man kaum erdenken möcht, ob die Farben auch höher möchten gebracht werden. Mit dem Durchgläsen und Scheinen in Gläsern, Wassern, Feuern und Spiegeln ist er sehr künstlich und in der Perspectiv sehr erfahren. Seiner Handarbeit findet man hie bei den erbaren Bürgern viel.“ Unter dem „Durchgläsen“ ist die Geschicklichkeit unsers Malers in Lichtwirkungen etc. gemeint, was man auch noch an verschiedenen Bildern beobachten kann. Für die Kenntnisse des P. in der Perspective muß das leider zu Grunde gegangene Werk gezeugt haben, wovon Sandrart in seiner „Teutschen Academie“ berichtet: So ist auch rühmlich zu gedenken, daß unser Künstler in ermeldter Stadt Nürnberg in des Edlen Herrn Volkamer schönen Lustgarten, zu End einer Galerie das Obertheil eines Zimmers mit Oelfarben gemalt und repräsentirt, ob wäre das Zimmer noch offen und unausgebaut, die Zimmerleute aber geschäfftig, die Zwerghölzer, Bretten und Tramen einzuziehen, andere sind in Arbeit, den Tachstul aufzuheben, verbinden den Bau, welches alles gegen dem gemahlten offnen Himmel mit Wolken und fliegenden Vögeln also natürlich erscheinet, daß viel dadurch angeführt und das Gemähl vor wahr und natürlich anfänglich geurtheilet, wie dann dieser Irrthum sonderlich vorgeht, wann es an dem Ort besichtiget wird, wo unser Jörg Pens seinen Horizont vernünftig eingerichtet hat. Den hl. Hieronymus von 1544 nannten wir schon; andere historische Bilder, die im Gegensatze zu der nordischen Auffassung des Hieronymus im pseudoitalienischen Stile der deutschen Manieristen gemalt sind und durch glatte kalte Behandlung abstoßen, befinden sich u. A. in Schleißheim (Venus und Amor; früher in der Münchener Pinakothek, Pommersfelden (Muse Urania, 1545), Wien (Galerie Harrach, Caritas, 1546), Dresden (Bruchstücke einer Anbetung der Könige, drei Stücke einer zerschnittenen Holztafel). Bedeutender sind seine Bildnisse, die zu den schönsten Werken der Nürnberger Schule gehören. Sie sind, an Dürer anklingend, noch etwas zeichnerisch aufgefaßt, ohne jedoch einer gewissen freien Auffassung und malerischen Kraft zu entbehren; characteristisch sind sie durch ihren grau-braungelben Ton. Drei davon besitzt das Berliner Museum: Junger Mann von 1534 und die beiden Gegenstücke: Maler Erhard Schwetzer von Nürnberg und seine Frau, das erstere 1544, das zweite 1545 gemalt. Das Bildniß eines jungen Mannes von 1543 ist in der kaiserl. Galerie zu Wien. Sehr charakteristisch ist das Porträt des Generals Schirmer vom J. 1545 im Germanischen Museum. Auch an andern Orten gibt es Porträts von P., sie werden jedoch übertroffen durch das prächtige männliche Bildniß eines Gelehrten in der Karlsruher Kunsthalle. Im J. 1544 malte P. das Porträt des berühmten Cardinals Granvella; er ließ dasselbe durch seinen Sohn auf die Losungsstube bringen, um es den Losungsherrn zu zeigen; derselbe erhielt dafür ein Geldgeschenk. Das Werk scheint nicht mehr erhalten zu sein. Im Stiche ist noch erhalten das Bildniß des Nürnberger Senators Christoph Coler, das P. im J. 1536 gemalt hatte. Auch den von unbekannter Hand gestochenen Bildnissen des Malers und seiner Frau mögen Originalgemälde von diesem selbst zu Grunde liegen. Nagler (Monogrammisten III, Nr. 238) stößt sich mit Unrecht an der fehlerhaften Aufschrift dieser Stiche „Gregor Peins“; es ist ja doch ganz zweifellos das bekannte [355] Monogramm des P. darauf, und die Tracht der dargestellten Personen entspricht auch der Pencz’schen Zeit. Der Künstler erscheint da als ein Mann etwa von 30 Jahren, während er in dem 1574 gestochenen Medaillonporträt bedeutend älter erscheint. Sandrart’s charakterloser Stich ist vielleicht aus dem letzteren heraus „idealisirt“. Jedenfalls stellt ihn das schöne Jünglingsporträt von 1544 in den Uffizien zu Florenz nicht dar, wie man dort behauptet; allerdings ist P. der Verfertiger desselben.

Bekannter ist P. als Kupferstecher. Obwohl den beiden Beham gleichaltrig, scheint P. sich doch als Stecher nach diesen gebildet zu haben; jedenfalls ist er diesen sehr verwandt, und zählt ebenso zur Gruppe der sogenannten „Kleinmeister“. Uebrigens ziehen wir trotz der unleugbaren Feinheit und Zierlichkeit des Pencz’schen Grabstichels die Arbeiten der Beham vor. Offenbar hat er auch die Arbeiten der römischen Schule studirt und ist leider dadurch in eine gewisse Oberflächlichkeit des Kopftypus verfallen, und es sieht ihm oft genug aus den angelernten römischen Formen die deutsche Sprödigkeit und Knorrigkeit hervor. Ob der unleugbare italienische Einfluß durch eine Reise nach Welschland zu erklären ist, darüber sind die Ansichten verschieden; Sandrart und die meisten nehmen es an, Rosenberg leugnet es. Wir müssen die Sache dahingestellt sein lassen, bemerken aber, daß in dieser Frage die Jahre 1526–1532 hauptsächlich zu beachten sind; auch käme das Jahr 1539 in Betracht, wo P. die verrückte Composition des Giulio Romano, die Erstürmung Karthagos, möglicher Weise in Italien gestochen hat. Diese Platte ist Pencz’s umfangreichstes Werk, überhaupt einer der größten Stiche des 16. Jahrhunderts; der römische Kunsthändler Salamanca erwarb sie zum Abdrucke. Sonst halten sich Pencz’s Blätter in bescheidenem Maßstabe, ja es sind viele ganz kleine darunter, die ihn eben zu einem der „Kleinmeister“ stempeln. Sein erster datirter Stich ist von 1535; diese Zahl befindet sich auf dem Regulus, der zu einer Folge von 4 Blättern aus der römischen Geschichte gehört. Ob er überhaupt viel früher gestochen hat, ist wol fraglich. P. arbeitete nach dem alten und neuen Testament, ferner eine ganze Reihe geschichtlicher, mythologischer und allegorischer Darstellungen; von Heiligen hielt er sich ferne. Seine mythologischen und allegorischen Darstellungen befriedigen öfter sehr wenig, da ihm die Durchbildung des Nackten und die schöne Eleganz der Formen abging, jedoch muß man gestehen, daß er trotzdem manchmal durch seine römischen Studien in den Stand gesetzt war, auch eine gewisse Schönheit der Formen und Reinheit der Composition zu erzielen. Sein 1543 gestochenes Porträt des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen rivalisirt in der Trefflichkeit der Behandlung mit den B. Beham’schen; es scheint übrigens nach einer Vorlage von Cranach ausgeführt zu sein.

P. verdiente eine eigene Behandlung; seine Kupferstiche sind im 8. Bande des Peintre-Graveur des Bartsch beschrieben; sonst vergleiche noch A. Rosenberg in R. Dohmes Kunst und Künstlern, 1877, und den betreffenden Passus in Woltmann-Wörmann’s Geschichte der Malerei.