ADB:Pfyffer von Heidegg, Alphons

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Artikel „Pfyffer von Heidegg, Alphons“ von Franz Joseph Schiffmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 716–717, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pfyffer_von_Heidegg,_Alphons&oldid=- (Version vom 18. November 2019, 21:19 Uhr UTC)
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Pfyffer von Heidegg: Alois Jos. Joh. Bapt. Alphons P. v. H., schweizerischer Staatsmann. Ein Sohn des Schultheißen Jos. Ign. Xaver P. v. H. und der Marg. Judith Jak. Balthasar, wurde er geboren zu Luzern am 5. September 1753. P. widmete sich anfänglich dem Militärdienste und war Lieutenant bei der Schweizergarde in Paris, trat dann aber in den Staatsdienst über, wurde 1774 zu Luzern in den Großen Rath gewählt, ward 1783 Stadtschreiber in Willisau und 1789 Staatsschreiber in Luzern. Als die aristokratische Regierung den 31. Januar 1798 abdankte und die Wahl von [717] Volksrepräsentanten anordnete, nahm P., ein feuriger Anhänger der französischen Ideen, an der politischen Bewegung mit Wort und Schrift lebhaften Antheil. Er ward von der Bürgerschaft der Stadt Luzern als erstes Mitglied zum Volksrepräsentanten gewählt und dann den 30. März in den helvetischen Senat. Nach der Constituirung der helvetischen Republik von den gesetzgebenden Räthen in Aarau, kam P. am 18. April als fünftes Mitglied in das erste helvetische (Fünfer) Directorium. Da er sich jedoch in dieser Stellung durchaus nicht von der Gefügigkeit zeigte, die sich die französischen Machthaber von ihm versprachen, erzwang der Commissär Rapinat Pfyffer’s und seines Collegen Bay (siehe diesen) Austritt aus dem Directorium (29. Juni). P. trat nun in den Senat zurück und ward dann, nach dem Staatsstreiche vom 8. August 1800, Mitglied des „gesetzgebenden Rathes“. In dieser Stellung nahm P. besonders thätigen Antheil am Streite über die Verfassung vom 29. Mai 1801 (Entwurf von Malmaison), indem er energisch für die von der helvetischen Tagsatzung vom 7. September 1801 ausgearbeitete, ganz unitarische Verfassung eintrat. Wiederholt ergriff er in der denkwürdigen Sitzung vom 28. October für dieselbe das Wort. Mit dieser Episode schließt Pfyffer’s Thätigkeit auf dem Gebiete der eidgenössischen Politik. In demselben Monate ging der nach dem Rücktritte X. Bronner’s (siehe diesen) von ihm redigirte „Freyheitsfreund“ ein und 1802 treffen wir P. in Luzern als „Procurator“. Er widmete sich nun der Advocatur, „hatte dazu aber nicht großes Geschick, indem sein Geist stets fort in höhern Regionen schwebte“ (K. Pfyffer, Geschichte des Kantons Luzern II, 166). Nach dem Tode des Schultheiß Krus (s. A. D. B. XVII, 253) ward er von dem Stadtquartiere, in dem er wohnte, nochmals in den Großen Rath gewählt, verblieb auch in demselben bis zum Sturze der Luzerner Mediationsregierung (16. Febr. 1814), nahm jedoch an den öffentlichen Fragen keinen besonderen Antheil mehr. Seinen politischen Idealen aber blieb er treu bis zum Tode, der den in dürftigen Verhältnissen lebenden Greis am 9. April 1822 ins Jenseits abrief. P., als Politiker doctrinär, war ein „Mann von vielseitiger Bildung, hoher Rechtschaffenheit, gemeinnützigem Sinne und edlem Charakter“ (Neue Zürcher-Zeitung 1822, Nr. 44, 13. April). Publicistisch thätig war P. zur Zeit der helvetischen Revolution durch die Broschüren: „Was ist Freyheit?“ (Luzern 1798.) – „Was ist eine Volksregierung?“ (Luzern 1798.) – „Ist dem Kaiser zu trauen? oder Aufruf an alle helvetischen Bürger.“ (1799.) Sein Porträt, gemalt von J. M. Wyrsch, befindet sich im Familienbesitze. Ein anderes in der Porträtgalerie der Bürgerbibliothek von Luzern. Ein Kupferstich von Heinrich Pfenninger datirt vom J. 1798.

Außer den allgemeinen Werken über die Helvetik v. Tillier, Monnard, Schuler, Hilty u. a.: Lutz, Markus, Moderne Biographien. – K. Pfyffer, Geschichte d. Kt. Luzern. 2 Bde. – Neue Zürcher-Zeitung 1822, Nr. 44.