ADB:Plüddemann, Hermann

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Artikel „Plüddemann, Hermann“ von Franz Schnorr von Carolsfeld in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), S. 323–324, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pl%C3%BCddemann,_Hermann&oldid=- (Version vom 18. Juni 2019, 13:25 Uhr UTC)
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Plüddemann: Hermann Freihold P., Historienmaler, geboren am 17. Juli 1809 in Colberg, † am 24. Juni 1868 in Dresden, war der Sohn eines angesehenen Colberger Kaufmanns und Schiffsrheders und begann, nachdem er 1819–1822 Zögling der Erziehungsanstalt in Gnadenfeld, 1824–1828 Schüler eines Gymnasiums in Magdeburg gewesen war und an letzterem Orte auch bereits bei dem Maler Sieg einigen Unterricht in der Kunst empfangen [324] hatte, seine Laufbahn unter der Leitung des Malers Karl Begas in Berlin. Drei Jahre verblieb er hier und fand in Friedrich Drake, Franz Kugler und Robert Reinick treffliche, seinen Bestrebungen förderliche Freunde. Dann begab er sich mit Reinick zusammen nach Düsseldorf und vollendete auf der dortigen Akademie während eines sechsjährigen Zeitraums seine künstlerische Ausbildung. Mehrere Bilder entstanden daselbst schon während dieser Jahre des Studiums: 1833 eine „Loreley“, 1834 „Kaiser Karl mit Erzbischof Turpin bei der Leiche Rolands“, 1836 das Gemälde „Columbus Land erblickend“, welches in die Wagenersche Sammlung und von da in die Berliner Nationalgalerie gelangte. In der nächstfolgenden Zeit fand P. Gelegenheit zur Ausführung größerer Wandgemälde, von 1839 an in des Grafen Spee Schlosse zu Heltorf, wo er Kaiser Barbarossa’s Tod und nach Karl Friedrich Lessing’s Composition die Erstürmung von Iconium malte, 1843 in Elberfeld, wo er im Fries des großen Rathhaussaales „Das Mittelalter“ darstellte. Während der letzten zwanzig Jahre seines Lebens, die er in Dresden verbrachte, mehrten sich die von P. ausgeführten Bilder noch ferner und bis zu einer stattlichen Anzahl, doch beschäftigte ihn in der Zeit von 1852–1856 fast ausschließlich die Arbeit für zwei Illustrationswerke, das von Georg Wigand herausgegebene deutsche Balladenbuch und die bei Meinhold in Dresden erschienene deutsche Geschichte in Bildern. Anschaulichkeit und sorgsamer Fleiß ist, was man an seiner Darstellungsweise lobend hervorhebt; die Gegenstände, welche von ihm mit besonderer Vorliebe und zum Theil wiederholt behandelt worden sind, gehören dem Zeitalter der Hohenstaufen (wie dies seinem schon in frühester Jugend durch seinen Verkehr mit Friedrich Ludwig Jahn angeregten, lebhaften patriotischen Sinne entspricht) und der Geschichte des Columbus an. Mehrere seiner Werke fanden Platz in öffentlichen Sammlungen. Sein der Nationalgalerie gehöriges Bild wurde bereits erwähnt; das Oelgemälde „Tod des Kaisers Barbarossa“ vom Jahre 1846 wird in der Kunsthalle zu Hamburg aufbewahrt, in der Dresdener Galerie „Barbarossa schlichtet auf dem Reichstage zu Besançon 1157 den Streit der Parteien“ vom Jahre 1859, im Stettiner Museum „Conradin von Schwaben auf dem Blutgerüst“ vom Jahre 1863, in der Lutherhalle zu Wittenberg „Luther auf dem Reichstage zu Worms“ vom Jahre 1864. Den 1838 gemalten „Conradin von Schwaben auf dem Blutgerüst“ erwarb Kaiser Alexander II. von Rußland; das zu Irland in Privatbesitz befindliche Bild „Heinrich IV. büßend vor Canossa“ vom J. 1861 hat als Vorlage für einen Thürvorhang gedient, der in das Arbeitszimmer des Fürsten Bismarck in Varzin gekommen ist.

Nach handschriftlichen Mittheilungen und einem von Professor Karl Ludw. Adolf Ehrhardt in Dresden verfaßten Nekrolog (mit Porträt), welcher für die Gartenlaube bestimmt war, in dieser jedoch nicht zur Veröffentlichung gelangte, sondern von dem Drucker der Zeitschrift, Alexander Wiede in Leipzig, nur in wenigen Exemplaren vervielfältigt wurde. Vgl. auch Andresen, Die deutschen Maler-Radirer des 19. Jahrh. Bd. IV. Leipzig 1870, S. 228 ff. und Max Jordan, Katalog der K. National-Galerie zu Berlin, 5. Aufl., Th. 2, 1880, S. 151.