ADB:Pristaff, Gottlieb Samuel

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Artikel „Pristaff, Gottlieb Samuel“ von Theodor Pyl in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), S. 601–602, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pristaff,_Gottlieb_Samuel&oldid=- (Version vom 18. August 2019, 13:58 Uhr UTC)
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Pristaff: Gottlieb Samuel P., ein sehr gewandter Fälscher pommerscher Urkunden und anderer historischer Denkmäler, ist nicht seiner selbst wegen, sondern deshalb zu erwähnen, weil, abgesehen von älteren Geschichtsforschern, auch mehrere neuere Schriftsteller durch ihn getäuscht worden sind, und weil auch für die Zukunft große Vorsicht bei der Prüfung der betr. Urkunden zu empfehlen ist. Derselbe [602] war zu Cottbus als der Sohn des dortigen Pastors Christian P. geboren, dann anfangs zu Grapzow bei Treptow a. d. Tollense und später zu Langenhagen bei Treptow a. d. Rega Prediger, mußte aber wegen anstößigen Lebenswandels im J. 1726 sein Amt niederlegen und begab sich nach Danzig. Hier wurde er auf Befehl der preußischen Regierung gefangen genommen und wegen seiner ungewöhnlichen Körpergröße von 6 Fuß als gemeiner Soldat dem Infanterie-Regiment v. Borck in Stargard einverleibt, nach einigen Jahren aber wegen Krankheit entlassen. Seit dem Jahre 1732 lebte er abwechselnd in Stettin und in Greifswald und unternahm von hier längere Reisen durch Pommern und Rügen, auf welchen er sich überall eine vielseitige Kenntniß der Archive, Bibliotheken und öffentlichen Denkmäler erwarb. Diese benutzte er zur Anfertigung gefälschter Urkunden und Chroniken mit angefügten Landkarten und Abbildungen, welche er theils als Abschriften seiner Hand, theils unter fremdem Namen, u. A. von Adam Gerschow, an Bibliotheken und Privatpersonen veräußerte. Auf solche Art täuschte er den Generalsuperintendenten Hornejus und den Bürgermeister Liebeherr in Stettin, sowie den Generalsuperintendenten Lütkemann und die Professoren A. G. Schwarz und Aug. Balthasar in Greifswald, welche nicht nur die betr. Urkunden für ihre Arbeiten benutzten, sondern ihn auch bei seinen Reisen ihren Freunden empfahlen. Pristaff’s Zeichnungen sind freilich so formlos und ohne Kenntniß der Denkmäler entworfen, daß sie wenig Beachtung verdienen, seine Chroniken, welche namentlich die Geschichte der pommerschen Städte behandeln, verrathen dagegen eine große Belesenheit, welche oft dazu verleitet, auch die eingewebten Irrthümer und Erfindungen für Wahrheiten anzunehmen; die gefälschten Urkunden endlich sind mit raffinirter Berechnung gerade in solche Zeiten verlegt, wo wichtige Ereignisse, wie die Sturmfluth von 1304, das Erlöschen des Geschlechts der Grafen v. Gützkow (1359) u. A. stattfanden, sodaß selbst neuere Forscher, wie Barthold (Pom. Gesch. III, 399–402), Klempin (Pom. Urt.-Buch 320) und Fock (Rüg. Pom. Gesch. III, S. 61, Anm. betr. d. J. 1307) durch dieselben getäuscht wurden. Andererseits muß es Verwunderung erregen, daß P., welcher schon am 10. Jan. 1736 zu Anklam starb, in der kurzen Zeit v. 1732–36 eine so große Menge von gefälschten Schriften zu sammeln und anzufertigen vermochte.

Quellen: A. G. Schwarz, Pom. Lehnshistorie, 1740, S. 1079, Anm. – Oelrichs, Fortgesetzte hist. diplomatische Beiträge zur Geschichte in Pommern, 1770, S. 94–124. – Klempin u. Kratz, die Städte der Prov. Pommern, 1865, S. 233, Anm. 1. – Pyl, Gesch. Eldenas, 1882, S. 668, 824.