ADB:Rhodoman, Lorenz

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Artikel „Rhodoman, Lorenz“ von Adolf Häckermann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 393–395, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rhodoman,_Lorenz&oldid=- (Version vom 25. Mai 2019, 23:49 Uhr UTC)
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Rhodoman: Lorenz R., Philolog und Dichter, geb. am 5. August 1546, † am 6. Januar 1606, war der Sohn eines Landmannes in dem thüringischen, später hannoverschen Kirchdorf Niedersachswerfen und wurde nach dem frühen Tode seines Vaters von dem Ortspfarrer Andreas Wacker erzogen, welcher alsbald des Knaben Geist und Feuereifer für die Wissenschaft erkannte und seinen lernbegierigen Zögling zuerst auf die Schule des nahe gelegenen Stolberg, dann um 1557 nach Nordhausen, endlich aber 1561 nach Magdeburg sandte. Durch die glänzenden Fähigkeiten, die der 15jährige Knabe zur Freude und Bewunderung seiner Lehrer entwickelte, wurden selbst die Landesherren auf ihn aufmerksam und gaben ihm die Mittel, 1562 die damals unter dem hochberühmten Mich. Neander blühende Klosterschule Ilefeld zu beziehen. Hier wo seine ungewöhnlichen Fortschritte im Lateinischen und mehr noch im Griechischen die allgemeinste Anerkennung fanden, ward er bald ein Lieblingsschüler Neander’s, der ihn zum Repetenten bei den Studien seiner Mitschüler machte. Eine zeitweilige [394] Unterbrechung erlitt sein Schulcursus, indem er nach dem Tode seines Stiefvaters dessen Küsteramt bis zur Wiedervermählung der Mutter verwaltete; sodann kehrte er mit erhöhtem Eifer zu seinem Gönner Neander zurück, den er wie einen Vater liebte und ehrte. Nach einem sechsjährigen Aufenthalt in Ilefeld ward er Privatlehrer und Erzieher in angesehenen Häusern und ersparte nach und nach von seinem Gehalte soviel, daß er sich selbständig auf der Universität Rostock erhalten konnte. Unter Valentin Schacht’s Rectorat im Januar 1571 immatriculirt ward er schon am 8. Mai desselben Jahres durch Jac. Prätorius zum Magister ernannt. Der berühmte Polyhistor David Chyträus und die ausgezeichneten Griechen Caselius und Posselius waren seine Hauptlehrer. Durch Gelehrsamkeit, poetische Begabung und strenge Sittlichkeit ausgezeichnet gewann er bald so allgemeine Achtung, daß er noch in demselben Jahre zum Rector der gelehrten Schule in Schwerin berufen ward. Nach einjähriger Verwaltung dieses ersten öffentlichen Amtes erhielt er auf Chyträus’ Empfehlung einer Berufung zum Rectorat nach Lüneburg, welchem Amt er 12 Jahre hindurch mit dem besten Erfolge vorstand. Während dieser Zeit war er neben seinen zahlreichen Amtsgeschäften vielseitig als Schriftsteller thätig und unternahm, um einen Verleger für seine Werke zu suchen eine in seinem Gedicht „Iter Lipsicum“ besungene Reise nach Leipzig. Auf diese Art wurde sein litterarischer Ruf sowohl in Deutschland im allgemeinen als insbesondere in seiner Heimath verbreitet; als daher am Gymnasium zu Kloster Walkenried das Rectorat zugleich mit der obersten Pfarrstelle erledigt war, wurde er, von seinem alten Lehrer Neander aufs wärmste empfohlen, durch den Grafen Ernst von Hohenstein 1584 zu dieser Stelle berufen, die er sieben Jahre hindurch bekleidete, segensreich wirksam als Lehrer und Seelsorger, als Schriftsteller und Dichter. Seiner Thätigkeit sollte jedoch ein noch größerer Wirkungskreis eröffnet werden, da er bereits 1591 einen Ruf als Professor der griechischen Sprache und der Geschichte nach Jena erhielt. Während seiner siebenjährigen Amtsthätigkeit daselbst bekleidete er nicht nur das Decanat seiner Facultät, sondern auch das Prorectorat; hier war es auch, wo Melissus ihn zum Dichter krönte und drei Rosen in sein Wappenschild setzte. Indeß die vielen ihm zu Theil gewordenen Ehren erweckten Neid und Feindschaft, welche es ihm wünschenswerth machten, die Professur in Jena mit dem Rectorate der nicht lange zuvor gegründeten Stralsunder Stadtschule zu vertauschen um so mehr, als er seit 1594 mit dem Stadt-Superintendenten Konrad Schlüsselburg und dem Syndikus Joh. Domann aus Stralsund, zwei durch Geist und Charakter ausgezeichneten Gelehrten in freundschaftlicher Verbindung stand. Im Jahre 1597 trat er auf Anrathen seines Freundes G. Mylius trotz der geringen, wenn auch für ihn erhöhten Besoldung das neue Amt an und ward Nachfolger des zum Prediger erwählten Rectors Jentzkow (s. A.D.B. XIII, 777). Von Jena verabschiedete er sich im Juni 1598 mit einer poetischen auch gedruckten Rede, um die Leitung des Gymnasii in inclyta Stralsunda σὺν ϑεῷ xαì μούσαις zu übernehmen. Ueber sein Leben und Wirken als Schulmann ist wenig bekannt, worüber schon Wolf und Lange geklagt haben; obwohl er das neue Amt nicht volle vier Jahre hindurch bekleidete, nennt ihn Zober dennoch „den berühmtesten aller älteren Stralsunder Rectoren“, seine Schüler aber bezeichneten sich als Alumni Lycaei Rhodomanici. Daß seine poetische Ader auch hier im Norden Deutschlands floß, wissen wir durch ein gedrucktes lateinisches und griechisches Gedicht zu Ehren Paul Ruting’s, der am 6. März mit dem Lorbeer gekrönt wurde. Sein philologisches Hauptwerk war jedoch seine Uebersetzung und Erklärung des Diodor. In nähere Verbindung trat er in Stralsund mit dem Advocaten Dr. Cobrow und dem später zu seinem Nachfolger erwählten Greifswalder Conrector A. Helwig, einem Freunde der [395] Dichtkunst, sowie der griechischen und deutschen Sprache. Einen ehrenvollen Besuch erhielt er von dem berühmten Josef Scaliger aus Leiden, der um diese Zeit den germanischen Norden und die Ostseestädte bereiste, infolge dessen ein Briefwechsel zwischen beiden Gelehrten entstand. Auch veranlaßte jener Besuch den frühen Abgang Rhodoman’s aus Stralsund, da Scaliger es der geistigen Bedeutung desselben für angemessen hielt, an einer Hochschule zu lehren; auf seine Empfehlung hin berief Christian II., Kurfürst von Sachsen, R. zum Professor der Geschichte nach Wittenberg. Im Jahre 1602 begab sich dieser über Rostock und Helmstedt nach seinem neuen Bestimmungsort und las mit vielem Beifall namentlich über Herodot und Melanchthons Chronicon. Bei der ersten Säcularfeier des Bestehens der Universität am 18. und 19. October hielt er als derzeitiger Decan die Festrede, gab seine schon genannte Arbeit, die Uebersetzung und Erklärung des Diodorus Siculus heraus, erkrankte aber bald darauf infolge des Uebermaaßes geistiger Anstrengung und erlag einem frühen Tode. Seinen gelehrten Ruhm verherrlicht eine lateinische Inschrift auf seinem Grabe vor dem Elsterthore, sowie eine Sammlung zahlreicher Leichenreden und Gedichte, noch mehr aber eine ausführliche Biographie, welche Karl Heinrich Lange in Lübeck 1741 herausgab; derselben ist auch ein getreues Bildniß nach einem 1595 erschienenen Holzschnitt hinzugefügt, welches Zober in seine Geschichte des Stralsunder Gymnasiums (B. II, 1841) aufnahm. Seine zahlreichen Schriften und lateinischen Dichtungen, unter denen „Poesis christiana Palestinae seu historiae sacrae libri novem“ 1589 und „Eclogae de rebus Heracliensium et rebus Ponticis“ 1591 zu nennen sind, finden sich in Jöcher’s Gelehrtenlexikon aufgezählt.

Zober, Urkundliche Geschichte des Stralsunder Gymnasiums, Strals. 1860, II, 21–26. – Jöcher, Gelehrtenlexikon.