ADB:Sadeler

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Artikel „Sadeler“ von Joseph Eduard Wessely in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 30 (1890), S. 164–166, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sadeler&oldid=- (Version vom 24. Mai 2019, 17:52 Uhr UTC)
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Sadeler. Kupferstecherfamilie, aus der sich besonders drei hervorgethan haben.

Johann S., geboren in Brüssel um 1550, das Haupt der Schule. Er war zuerst Nielleur und verzierte mit Aetzungen Waffen; erst später wandte er sich dem Kupferstechen zu. Er führte einige Blätter nach Crispin van Broeck aus, die Beifall fanden. Im J. 1578 besuchte er Deutschland, blieb eine Zeit lang in Mainz thätig, wo er eine Folge biblischer Gegenstände nach M. de Vos ausführte. Zwei Jahre später, 1580, finden wir ihn in Köln, wo er 11 Blätter für das Werk Thesaurus sacrarum historiarum Veteris Testamenti, 1585 stach. Die Vorlagen zu den Stichen dieses Werkes sind von verschiedenen Meistern, wie M. Coxcie, van den Broeck, M. Hemskerk, M. de Vos u. A. Später siedelte er nach München über, wo er seit 1589 angestellt wurde und viele Andachtsbilder, meist in kleinem Format, für verschiedene Auftraggeber, theilweise auch für die Jesuiten ausführte. Er blieb in München bis 1595, und zog dann nach Italien, wo er Venedig zu seinem Aufenthaltsorte wählte. Nach Fueßli soll er auch in Rom gewesen sein und dem Papst Clemens VIII. ein Buch mit seinen Stichen vorgelegt haben, die aber keinen Anklang fanden, weshalb S. eiligst nach Venedig zurückkehrte, wo er 1600 oder 1610 starb. S. hat eine große Anzahl von Blättern geliefert; Nagler führt 185 Nummern an, wobei manche als Folgen mehrere Blätter enthalten. Des Künstlers Grabstichel ist fein, glänzend, aber die Wirkung ist einförmig, zudem erdrückt die Masse gewöhnlicher Waare. Geschätzt werden allein die Bildnisse. Dessen Sohn Johann der Jüngere, ein Schüler seines Vaters, arbeitete an der Seite desselben in Venedig und war zugleich Kunstverleger. Bei ihm erschienen die Bildnisse des Hauses Gonzaga. Seine Blätter sind von denen des Vaters schwer zu unterscheiden und ist nur die etwa vorkommende Jahreszahl entscheidend. Ein zweiter Sohn des Johann war Justus, geb. 1580, † in Leyden. Er war meist als Verleger thätig. Die Kunstweise aller Sadeler besitzt denselben Charakter des Fleißes, dem aber die Weihe des Genies fehlt.

Raphael S., jüngerer Bruder des vorigen, geboren in Brüssel 1561, nicht 1555, wie vielfach behauptet wurde, denn auf einem Stiche von C. Cort vom Jahre 1580 steht Raphael Sadeler sc. aet. suae 19. Er war ein Schüler seines Bruders, der Vaterstelle bei ihm vertrat. Er war auch dessen Begleiter in Deutschland und kam mit ihm auch nach Venedig, wo er fleißig nach verschiedenen Meistern stach, u. a. eine h. Familie nach Raphael, eine desgleichen nach Quentin Messis; „Venus hält Adonis von der Jagd ab“ , nach Tizian; „Christus. im Grabe von einem Engel bewacht“, ein feines Blatt, wahrscheinlich nach Aug. Carracci. Das Verzeichniß seiner Blätter ist, wie das seines Bruders, [165] sehr groß. Aus Venedig wurde er 1604 nach Baiern berufen, um ein groß angelegtes Werk, die Bavaria sancta und pia, die der Jesuit Raderus herausgab, mit Stichen zu zieren, das er, von seinem Sohne Raphael unterstützt, bis zum Jahre 1618 vollendete. Die Stiche sind nach Zeichnungen Math. Kager’s. Der Künstler bezog einen Gehalt von 105 Gulden und erhielt überdies für jede Platte 10 Gulden. Ein Hauptwerk des Meisters, das sehr selten geworden ist, ist „Die Schlacht von Prag“, aus acht Blättern bestehend, 1620 vollendet. Auch mehrere Bildnisse von Zeitgenossen gab er heraus. Nach Immerzeel soll er in Venedig 1616 gestorben sein, was aber nach Nagler nicht möglich ist, da er in München 1628 vom Schlage gerührt wurde und bald darauf starb. Sein Bildniß ist von C. Waumans gestochen. Sein Sohn, der jüngere Raphael, geboren in München 1582, unterstützte den Vater bei dessen Arbeiten in Venedig und dann namentlich in München. Doch läßt sich sein Antheil an der Arbeit nicht genau entscheiden, da der Kunstcharakter Beider sich gleicht. Auf einzelnen Blättern kommt die Bezeichnung R. Sadeler jun. sc. vor.

Egidius S., der dritte und talentvollste unter den drei Brüdern, geboren in Antwerpen 1570. Er wurde stets als Sohn Raphael’s betrachtet, was schon durch das Geburtsjahr dieses letzteren entkräftet wird. Auf dem Titelblatt von Triumphus Martyrum nach M. de Vos, das 1591 erschien, steht: Aegydius et Johannes fratres et operis hujus Auctores. Er war auch Maler; das Belvedere zu Wien besitzt ein Bild von seiner Hand, das die Marter des hl. Sebastian darstellt. In Wien befindet sich auch ein Werk von ihm in Elfenbein, „Der Parnaß“, nach B. Spranger. Der Künstler begleitete seine Brüder nach Deutschland und dann nach Italien. Hier stach er vornehmlich viele Stiche nach italienischen Bildern, so die „Madonna della sedia“ nach Raphael, den „Kindermord in Bethlehem“ nach Tintoret, „Angelica und Medoro“ nach P. Veronese u. a. Interessant ist das Blatt nach einer Zeichnung Dürer’s, die sich in der Albertina in Wien befindet, „Maria mit dem Kinde in einer reichen Landschaft auf der Rasenbank sitzend“. Sein gestochenes Werk wird über 400 Blätter umfassen. Besonders seine gestochenen Bildnisse werden sehr geschätzt. Den Kaiser Rudolf II. hat er mehrmals dargestellt, in Brustbild, in Rüstung, zu Pferde; auch Kaiser Mathias mit seiner Gemahlin und Ferdinand II. sind durch seinen Grabstichel verherrlicht worden. Interessant ist das Bildniß einer jungen reichgekleideten Dame, die ein Mohr begleitet (genannt Lucrezia Borgia) nach Tizian. Sein eigenes Bildniß hat G. Edelinck gestochen. Was die Handhabung des Grabstichels anbelangt, so ist S. ein vollendeter Meister; er versteht denselben äußerst zart, aber auch breit und kräftig zu behandeln. Man nannte ihn den Phönix der Kupferstecher. In der Vertheilung von Licht und Schatten war er weniger glücklich, woran aber die Vorbilder, die er auf die Kupferplatte übertrug, größtentheils die Schuld trugen. Er hat auch Landschaften nach P. Bril, J. Brueghel, R. Savry und nach eigener Erfindung ohne Zuhülfenahme der Radirnadel, nur mit dem Grabstichel ausgeführt. Der Ruf seiner Kunst drang aus Italien bis an den Hof Kaiser Rudolf’s in Prag. Wahrscheinlich hat der Archivar Strada, der für den Kaiser in Italien Ankäufe besorgte, den Künstler empfohlen; er wurde an den kaiserlichen Hof berufen und angestellt. Hier arbeitete er nur für den Kaiser, und als dieser starb, wurde er von dessen Nachfolgern Mathias und Ferdinand im Amte behalten. In Prag hat der Meister auch das Bildniß des Strada gestochen und ein kostbares, seltenes Werk, die Innenansicht des Wladislaussaales im Prager Schloß, 1607, aus zwei Platten bestehend. An dieses schließt sich die große Ansicht von Prag und Umgegend an, nach Ph. van Bosche, und aus [166] neun Blättern zusammengesetzt. Noch vor dem Saal wurde 1606 ein Werk vollendet, das sich stets großer Achtung erfreute. es sind die römischen Alterthümer: „Vestigi della antichità di Roma, Tivoli etc.“, 52 Blatt. S. starb in Prag im Alter von 59 Jahren 1629.

v. Sandrart. – Fueßli. – Huber u. Rost. – Nagler. – Immerzeel. – Kramm.